ich mach es anders

Was macht dich glücklich?

Schon vor längerer Zeit – also sehr langer Zeit – wollte ich zum Thema Glück einen Beitrag verfassen. Und dann hab ich es doch wieder sein lassen. Lange wusste ich nicht warum, aber heute ist es mir klar. Ich wusste selbst nicht wirklich, was mich richtig, richtig glücklich macht.

Wer weiß es wirklich, was glücklich macht?

„Was macht dich glücklich?“ ist ja DIE Frage. Eine Bla-bla-Frage irgendwie. Aber dann auch wieder nicht. Streben wir nicht alle nach dem maximalen Glück, wissen jedoch eigentlich gar nicht, was uns wirklich glücklich macht? Also langfristig. Denn einen neuen Fetzen, eine neue Uhr, neue Schuhe oder ein neues Auto zu kaufen macht uns nur kurzfristig glücklich. Doch schon bald müssen wir wieder etwas kaufen, damit das Glücksgefühl wieder kommt. Und bald braucht es mehr und mehr.

Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich habe mich immer wieder mal hingesetzt und darüber nachgedacht, was mich wirklich glücklich macht. Und ich konnte es nie wirklich beantworten. Wenn ich eine Idee hatte, dann war diese ein paar Tage später wieder verpufft. Ist es mein Partner? Meine Freund*innen und die gemeinsamen Erlebnisse? Ist es die Familie und die gemeinsamen Stunden mit ihnen? Ist es das Bloggen oder wenn in den Gesangsstunden abschalten kann? Oder ist es mein Job, der mir sehr viel Spaß macht? Ja, ich kann das alles als unglaubliches Glück zusammenfassen und all diese Bereiche machen mich zu einem glücklichen Menschen. Dennoch hatte ich immer das Gefühl, dass da noch etwas ist. Und ich glaube, ich hab es jetzt endlich gefunden. Ich bin mir dabei ziemlich sicher und finde es zeitgleich irgendwie schräg.

Ein Tag voll Freude und Glück

Es war ein heißer Freitag im Sommer 2020. Beruflich war es seit Monaten endlich wieder etwas ruhiger. In der Früh packte ich die Onlinelieferung einer Produzentin aus Niederösterreich aus und freute mich über die Produkte und vor allem über den kleinen Gruß, den sie mir auf den Lieferschein geschrieben hatte.

Gruß von Silvia´s Fruchtwerkstatt. Sowas macht mich glücklich.

Es war kein schlechter Freitag, aber doch ein bisschen ein Gaga-Freitag. Trotz der Hitze hatte ich vor, mit dem Fahrrad noch Lebensmittel in einem Bauernladen einzukaufen und meine bestellten Lebensmittel in der Food Cooperative abzuholen.

Bewegung und Lebensmittel sind mein Rezept zum Glück

Schon beim Losfahren verspürte ich ein Gefühl des Glücks. Keine Ahnung, warum das an diesem Tag so intensiv war. Vielleicht, weil ich heuer weniger am Fahrrad sitze, als üblich. Ich radelte in der Hitze also los Richtung Bauernladen. Dort angekommen sammelte mein Obst und Gemüse ein. Dazwischen ertappte ich mich dabei, dass ich, ob der Vielfalt ganz fasziniert, mir ganz bewusst etwas Zeit vor dem Gemüseregal nahm und einfach schaute und staunte. Beinahe hätte ich laut gesagt:“Meine Güte, schau dir nur an, wie schön das ist. So viele regionale Lebensmittel auf einem Fleck.“ Alles eingepackt, brachte ich meinen Einkauf nach Hause, um mich gleich danach in die Food Cooperative aufzumachen. Ich war maximal gut gelaunt und motiviert.

Lebensmittelbeschaffung ist für mich keine Mühe, sondern pure Freude

In der Food Coop stellte sich schnell heraus, dass der Heimtransport mit dem Fahrrad spannend werden würde. Ich hatte vergessen, dass ich neben Gemüse auch sechs Stück 1 Liter-Flaschen Apfel- und Birnensaft bestellt hatte. Das mit dem Radl heimzutransportieren ist die maximale Herausforderung. Das weiß ich, seit ich das vor Jahren schon mal probiert hatte. Ich brauche dafür maximale Konzentration und langsame Bewegungen, damit mir der Drahtesel nicht umkippt.

Mein Drahtesel bringt mich gut durch Wien.

Weiters stellte ich fest, dass noch eine Gemüselieferung zu kontrollieren war, bevor ich an mein Gemüse rankomme. Denn ohne Kontrolle darf nichts entnommen werden. Ich wusste, dass ich nun unter einer Stunde nicht aus dem Lager raus kommen würde, aber es störte mich nicht. Ich machte mich an die Arbeit, wog alles ab, verglich es mit dem Lieferschein, gab es ins System ein und benachrichtigte die Besteller*innen. Vollbepackt fuhr ich wie auf rohen Eiern nach Hause. Und auf den letzten Metern war der Gedanke und die Erleuchtung da: „Ich versuche, seit meiner Jugend beim Sport das Gefühl zu bekommen, von dem Herr von Anders dauernd redet. Jetzt habe ich es auch! Lebensmittel besorgen ist meine Glücks“droge“.“ Und das war einfach nur BÄÄÄM für mich, weil es mir wie Schuppen von den Augen fiel.

Gemüsevielfalt - perfekt für die vegane Küche

Wenn dir klar wird, dass du alles richtig gemacht hast

Nicht selten habe ich Bewunderung aber auch Unverständnis erhalten, dass ich für die Lebensmittelbeschaffung so unglaublich viel Zeit aufwende. Nicht selten fahre ich auch eine Stunde durch die Stadt, um an mein „Gold“ ranzukommen. Und es macht mir nichts aus. Entdecke ich ein neues Produkt oder Geschäft, stehe ich minutenlang davor oder darin und staune. Ich sauge alle Informationen in mich auf, genieße den Anblick und freue mich schon auf´s Genießen. Ich mache das schon so viele Jahre, weil es mich glücklich macht, aber erst jetzt ist mir das bewusst. Ich schalte bei der Mission Lebensmittel komplett ab und konzentriere mich auf das Wesentliche. Auf etwas, das mir (Genuss)Freude bereitet und mich am Leben hält. Was könnte es Besseres geben?

Wenn das Glück eine Kette ist…

Das Schöne an meiner Erkenntnis: es geht mit dem Glück weiter. Nämlich beim Zubereiten der Lebensmittel – Herr von Anders und ich kochen meistens frisch – und dann vor allem beim Genießen. Ich hab damit meine eigene, persönliche Glückskette, die relativ lange ist.

Gemüsestrudel mit Tomatensalat

… und du drauf kommst, warum dich der Supermarkt stresst…

Ich weiß nun endlich auch, warum ich mich wie ein gehetztes Tier fühle, wenn ich doch einmal in den Supermarkt muss. Dort ist das Ambiente nicht das, was ich brauche. Dort sind die Produkte nicht diese, die ich möchte. Es ist viel zu viel Verpackung, die Frühkartoffeln und ihre Kumpels kommen von weit, weit weg obwohl sie bei uns gerade Saison haben. Mensch erhält Dinge, die mensch nicht braucht aber der Handel meint zu wissen, dass sie gebraucht werden. Das alles überfordert mich. Vermutlich schon lange unbewusst, aber seit dem 13. März 2020 ganz bewusst. Zuerst dachte ich, dass mich Corona durch die Supermarktgänge scheucht. Aber es ist seitdem nicht besser geworden. Deshalb bin ich mittlerweile davon überzeugt, dass der Grund ein ganz anderer, eben der oben beschriebene, ist.

…ergibt das Tun der letzten Jahre einen Sinn

Nach 6 Jahren des Bloggens und 5 Jahre, nachdem ich meine erste Mitgliedschaft in einer Food Cooperative abgeschlossen habe, ergibt für mich alles ein großes Ganzes. Lebensmittel sind mein Lebensmittelpunkt. Sie sind es, die es mir erlauben, mich gesund zu ernähren. Die bewusste Beschaffung und Auseinandersetzung damit gehen Hand in Hand mit Umwelt- und Tierschutz. Und das ist mein Kreislauf des Glücks. Oft ist es ganz einfach!

Was macht dich wirklich glücklich? Hast du es schon herausgefunden oder bist du noch auf der Suche?

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