ich mach es anders

Krisensicher mit einem nachhaltigen Lebensstil – Zeit für die Podusche

Ausblick Monte Baldo Gardasee

Die Menschheit bekommt aktuell vom sogenannten Crovid-19 Virus, besser bekannt als Corona, vor Augen geführt, wie verletzlich sie und ihre Systeme ist. Bilder von Hamsterkäufen und leeren Regalen kursieren im Netz, die Regierung hat Ausgangsbeschränkungen angeordnet, um die Ausbreitung einzudämmen, horrende Preise werden aktuell für Desinfektionsmitteln oder Klopapier auf diversen Plattformen verlangt. Dinge, die die letzten Jahrzehnte für uns selbstverständlich waren, sind dies nun nicht mehr. Wir werden daran erinnert, was wirklich wichtig ist. Und dass wir mit ganz wenig auskommen, wenn es sein muss. Die Umwelt atmet gerade auf.

So befremdlich die aktuelle Situation gerade ist, sehe ich ihr mit Spannung entgegen. Denn es entsteht viel Neues. Neue Initiativen, neue Geschäftsideen, neue Nachbarschaftsplattformen, neue Verhaltensweisen. Wir werden sehen, was davon nachhaltig bleibt. Was ich zu Beginn der Krise in Österreich festgestellt habe, als ich einen Blick in eine Drogerie (ich musste mich selbst davon überzeugen, dass es tatsächlich kein Klopapier mehr gab) und einen Supermarkt (ein paar frische Vitamine wollten für das Wochenende besorgt werden) geworfen habe: mein nachhaltiger Lebensstil macht sich gerade jetzt bezahlt. Das war mir davor nicht wirklich bewusst.

Alles begann mit der Ppodusche

Begonnen hat alles mit der Nachricht vor ca. 2 Wochen von Herrn von Anders, dass er Küchenrolle anstelle von Klopapier gekauft hat. Zuerst der Meinung, dass er im Stress war und der Griff im falschen Regal landete, begriff ich wenig später, dass es einfach kein Klopapier mehr gab. Blöd, dass der Vorrat bei uns daheim wirklich schon knapp wurde. Also eine Packung wär schon ganz gut. Ein kurzer Blick auf Social Media – in diesen Tagen Segen zwecks der Information und Fluch zwecks der ganzen Panikmache und mittlerweile auch Nominierungen – bestätigte, dass die Menschen nun Küchenrollen hamsterten. Dass diese aber für die Kanalisation Gift sind, ist auch klar. Also legten meine grauen Zellen los. Wie kommen wir zu Klopapier, sollte es in den nächsten Tagen keinen Nachschub in den Geschäften geben? Ja, auch ich ließ mich von den zahlreichen Postings anstecken…

Zuerst fragte ich bei einer Firma die Klopapier aus Bambus produziert in Deutschland nach, ob sie Lieferschwierigkeiten hätten. Aber gleich danach kam mir DIE Idee: Es wird Zeit für eine Podusche. Schon länger am Radar, ist nun die Zeit dafür reif. Damit sind wir komplett unabhängig von der Papierverfügbarkeit. Gesagt getan. Ich spazierte nach der Arbeit in die Drogerie, um mir dieses Teil zu organisieren. Im Gegensatz zu Klopapier, waren noch 3 Stück von den Poduschen verfügbar. Ich hielt mich etwas länger als nötig im Geschäft auf, weil ich beobachten wollte, was verstärkt gekauft wird, welche Produkte ganz besonders platziert wurden und welche Produktgruppen vergriffen waren. Und dabei kam es mir. Ich brauche das ganze Zeug gar nicht. Weil mir die nachhaltigen Produkte, die ich im Alltag verwende, eine ganze Menge ersparen. Und mit meiner Podusche war ich nun noch unabhängiger.

Pflege- und Hygieneprodukte

Neben dem leeren Klopapierregal fielen mir weitere leere Regale auf und schon schnell kam mir in den Sinn, dass ich das meiste davon gar nicht brauche. Folgend nun ein paar Beispiele:

Montashygiene

Einer meiner ersten Blicke fiel ins Regal für Damenmonatshygiene, weil ich selber aktuell Bedarf an einer Reinigungsseife für meine Menstruationstasse habe. Ich weiß, dass ich sie nicht so schnell auf einem Markt oder einer Nachhaltigkeitsmesse wo ich mir bisher einmal jährlich Nachschub besorgt habe, bekommen würde. Die Regale waren ziemlich leer. Mein erster Gedanke war: bin ich froh, dass ich meine Menstruationstasse und meine Stoffbinden habe. Auch wenn ich keine Reinigungsseife bekomme, reicht immer noch das Auskochen. Und dafür benötige ich nur Wasser und Strom.

Lunette Modell 2 mit Sterilisationsbecher und Aufbewahrungssackerl, lila
Tassenset mit Becher

Seife

Einen ganz bewussten Blick habe ich in die Seifenabteilung geworfen, da ich gehört hatte, dass die Regale leer waren. Ich wollte mich selbst davon überzeugen. Bis auf wenige Marken war alles vergriffen. Ich dachte dabei an meine vor Monaten „gehamsterten“ Seifen von der kleinen Wiener Seifenmanufaktur, die ich immer auf Vorrat zu Hause habe. Die nächsten Monate kommen wir gut damit durch und der Nachschub ist mittels des Onlineshops aktuell auch gesichert. Auf Dusch- und Haarseife (die übrigens auch als Rasierseife verwendet werden können) können wir im worst case auch verzichten, damit wir genug Seife zum Händewaschen haben.

Seife von Alles Seife in 1040 Wien.

Rasierhobel

Mit einer Rasierhobel ist mensch auch ziemlich autark in Krisenzeiten. Ich habe seit 3 Jahren eine und von der 10er Packung Rasierklingen von damals habe ich gerade eben die letzte „eingespannt“. In den Drogerien waren Rasierklingen zum Teil stark nachgefragt.

Langstielige Rasierhobel mit Edelstahlgriff und Butterflymechanik
Langstielige Rasierhobel mit Edelstahlgriff und Butterflymechanik

Hygienepapiere

Küchenrolle

Küchenrolle dient aktuell als Ersatz für das vergriffene Häuselpapier. Die Regale sind mittlerweile wieder gefüllt, aber wer weiß… Das führt dazu, dass Küchenrolle ebenfalls so gut wie vergriffen ist. Auch wenn Küchenrolle für viele absolut unnötig ist, nehmen wir sie doch recht gerne, um Katzenkotze zu beseitigen. Erst vor kurzem habe ich wieder eine Rolle Bambustücher besorgt, da ich den Gebrauch von Küchenrolle generell einschränken möchte. Die Bambustücher haben den Vorteil, dass sie gewaschen und somit mehrmals wiederverwendet werden können.

Wattepads

Warum so viele Wattepads an diesem Freitag, den 13.3., gekauft wurden, kann ich nicht wirklich nachvollziehen. Um mich abzuschminken – das kommt zwar nur alle paar Monate vor, weil ich mich nicht gerne schminke, aber es kommt vor – benutze ich waschbare Abschminkpads aus Baumwolle. Wattepads verwenden wir nur, um Kater Ruaßerl die Ohren zu reinigen, weil er sehr ausgeprägt Ohrenschmalz produziert. Mit der angebrochenen Packung kommen wir noch eine Ewigkeit aus. Danach können wir genausogut die waschbaren Abschminkpads verwenden.

zwei Kosmetikpads aus Bio-Baumwolle
Abschminkpads

Wasch- & Reinigungsmittel

Auch diese Abteilung war zum Teil gut leer geräumt. Schnuppernd standen einige Menschen davor, um den perfekten Weichspüler für die Krise zu finden. Ich bei mir dachte mir: bin ich froh, Waschmittel in einem 5-Literkanister seit längerer Zeit in Verwendung zu haben. Der Vorrat reicht noch sicher mehrere Monate. Ich erspar mir also das Geschnüffel am und den Kauf von Waschmitteln. Weiters ist es irrsinnig praktisch, dass wir unsere Reinigungsmittel mit Konzentraten, die bis zu einem Jahr reichen, selbst zusammen mischen.

Windeln

Nicht nur die Kosmetikregale waren leer. Auch die Baby- und Kinderabteilung war ziemlich leergeräumt. Im ersten Moment dachte ich mir „Shit, echt blöd, wenn mensch Babynahrung oder Windeln braucht.“ Und im nächsten Moment dachte ich mir, dass Stoffwindeln nun eventuell in unserer Gesellschaft (wieder) ankommen. Es wäre eine Chance und die beste Möglichkeit, einem Windelengpass zu entkommen. Selbst habe ich keine Kinder, aber hätte ich welche, ich würde jetzt fix auf Stoffwindeln umsteigen.

Lebensmittel

Für mich noch krasser war danach mein Besuch in einem Supermarkt. In meiner Wohnumgebung gibt es kaum Bio-Geschäfte, weshalb ich für ein paar frische Vitamine für´s Wochenende am Heimweg in einem Supermarkt spazierte. Dort ist gewöhnlich weniger los, als in jenen rund um den Wiener Hauptbahnhof, aber das Bild, das sich mir dort bot, ließ mich den Kopf schütteln. Ich brauche es nicht näher auszuführen – die meisten von euch wissen, was ich meine. Dazu war mein erster Gedanke: bin ich froh, dass wir (noch) über die Food Cooperative versorgt werden.

Versorgung über die Food Cooperative

Unsere Food Cooperative hat einiges an Lagerware wie Olivenöl, Hülsenfrüchte, Getreide, Säfte etc. die jederzeit verfügbar ist. Weiters werden wir mit Gemüse, Äpfeln, Fleisch, Milchprodukten, Mehl etc. versorgt. Zwar nicht täglich, aber regelmäßig. Natürlich weiß keineR von uns, wie lange die Versorgung noch klappt, aber wir sind guter Dinge, dass uns unsere LieferantInnen nicht sofort im Stich lassen, weil sie sich nicht mehr über Bundeslandgrenzen hinfort bewegen möchten. Wenn sie nicht mehr können ist es etwas anderes, aber ich bin und bleibe optimistisch.

… oder kleine Nahversorger

Das, was ich gerade mit Spannung beobachte ist das Kaufverhalten von Menschen. Welche Produktgruppen kaufen sie auf? Welche Marken kaufen sie bzw. in welchem Preissegment? Das, was ich beobachte, beruhigt mich persönlich. Die Masse greift für ihre Hamsterkäufe primär auf konventionell produzierte und möglichst billige Produkte. Und hier bin ich jetzt grad ein bisschen Egoistin, auch wenn es anders sein sollte: für mich, die primär Bio-Produkte (auch in Krisenzeiten) kauft, bleibt genug übrig. Auch die kleineren Nahversorger werden schön langsam täglich leer gekauft, aber sie erhalten genauso ausreichend Nachschub von ihren LieferantInnen, wie die Supermärkte. Es ist dort aber generell weniger los, weil die Geschäfte kleiner und der Masse nicht bekannt sind und somit etwas gemütlicher. Beobachtet habe ich auch, dass kleine Lebensmittel-Lieferservices bzw. Kistelanbieter gerade an ihre Kapazitätsgrenzen stoßen. JedeR möchte, offenbar auch zu höheren Lebensmittelpreisen, diese vor ihre Haustüre geliefert bekommen. Für diese kleinen Anbieter ist die Phase jetzt eine große Chance, um sichtbarer zu werden und ein neues KundInnensegment zu erschließen.

Gemüsevielfalt - perfekt für die vegane Küche

Selbst gemacht schmeckt am besten

Brot ist ein Grundnahrungsmittel. Jedenfalls für uns. Wir sind nun in nächster Zeit von unserer Quelle, die uns mit Bauernbrot aus der Steiermark versorgt, abgeschnitten. Deshalb wird nun verstärkt Brot gebacken. Zeit ist ja nun auch mehr verfügbar, da es gerade wichtig ist, die sozialen Kontakte auf ein Minimum einzuschränken. Diese vorhandene Zeit möchte ich unter anderem dazu nutzen, uns in den nächsten Wochen selbst mit Brot zu versorgen. Wie ich die vergriffene Hefe ersetzen kann, weiß ich mittlerweile. Mehl haben wir ausreichend auf Vorrat. Sollte es hart auf hart kommen, kann ich meine Kenntnisse im Nudelnmachen auch weiter ausbauen. Probiert hatte ich es ja schon einmal. Voraussetzung ist natürlich, dass ich mit ausreichend Mehl versorgt bin. Aber wie gesagt, ich bin optimistisch.

Haferbrot mit Sauerteig, das mir am Boden gebrochen ist. Es sieht eher aus wie ein übergroßes Burgerbrötchen.
So sieht es aus, wenn das Brot während dem Backen weiter geht und nach unten hin bricht.

Nachhaltig und krisensicher

Krisensicher ist natürlich etwas übertrieben, denn im schlimmsten Fall der Fälle… Dennoch zeigen die oben angeführten Beispiele ganz gut, warum sich ein nachhaltiger Lebensstil auszahlt. Nicht nur aufgrund des geringeren ökologischen Fußabdrucks, sondern auch im Fall von Krisen. Mensch ist damit wesentlich unabhängiger vom vorherrschenden System und muss sich wesentlich weniger in Geschäfte begeben, da weniger Produkte benötigt werden.

Nachhaltig mobil

Was mir in den letzten Tagen natürlich auch ganz stark im Kopf herumschwirrt ist uns Verständnis von Mobilität. Ja, es ist für viele cool, was heutzutage möglich ist. Reisen gehört für viele, die es sich leisten können, zu einem der liebsten Freizeitbeschäftigungen. Das Virus konnte sich aber genau deshalb so rasch ausbreiten, weil wir auf Teufel komm raus in der Gegend herumfliegen und -fahren. Die Globalisierung fällt uns gerade extrem auf den Kopf. Wir merken erst jetzt, wie sehr alles ineinander greift. Die Rattenschwänze sind unglaublich lang. Selbst reise ich meist einmal im Jahr und dann bewege ich mich nicht sehr weit außerhalb Österreichs. Gerade bin ich sehr froh darüber, da ich keinen Stress damit habe, irgendwelche Reisen stornieren zu müssen. Es ist für Juni etwas angedacht, aber da wir nichts gebucht haben, haben wir auch nichts zu stornieren. Ungeplant zu reisen hat für mich gerade jetzt weiter an Attraktivität dazu gewonnen.

Bleibt´s g´sund und passt´s auf euch auf!

Ja, die Zeiten sind gerade wenig lustig für uns Menschen. Die Viecherl und die Umwelt schnaufen gerade etwas durch. Wir werden rasch sehen, welche Auswirkungen unsere Verhaltensänderungen auf die Umwelt haben werden. Ich bin echt gespannt! Gleichzeitig tut es weh mitzubekommen, wie viele Menschen gerade enorme Existenzängste haben oder wie vielen es noch schlechter geht, als eh schon.

Euch bitte ich, achtsam zu sein. Auf die Empfehlungen der Regierungen zu hören. Das zu tun, was getan werden muss, um eine Katastrophe wie in Italien zu verhindern. Auf euch und auf einender zu schauen. Und Ruhe zu bewahren. Lasst euch nicht verrückt machen. Macht das Beste aus der aktuellen Situation. Wir sind in eine Region hineingeboren worden, die mit Krisen umgehen kann. Deren politische Systeme und soziale Netze funktionieren. Seien wir dankbar dafür und vergessen nicht jene, die dieses Glück nicht haben!

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hallo Sabrina,

    ich finde den Artikel super, denn er zeigt mir, dass mein Mann und ich auf einem guten nachhaltigen Weg sind – das allermeiste, das du angesprochen hast, setzen wir bereits um.
    Allerdings bin ich beim jährlichen Nachschub der Menstruationstasse stutzig geworden. Diese Tassen sind viel, viel länger nutzbar!
    Ich habe meine Tasse Ende 2009 gekauft und denke mir jetzt langsam mal, dass ich sie austauschen könnte. Ich koche sie nach jeder Menstruation aus, währenddessen spüle ich sie mit Wasser.
    Alle paar Monate kommt ein Teelöffel Natron mit ins Auskochbad.
    Und so hält das gute Stück nun schon über ein Jahrzehnt. 🙂 Du kannst also noch mehr Geld und Ressourcen sparen, als du ohnehin schon tust.

    Viele Grüße,
    Vanessa

    • Hallo Vanessa!

      Danke für dein Feedback!
      Da muss ich dann nochmal schnell reinlesen. Ich hab meine MensTasse seit 2016 und kaufe nur die Reinigungsseife für die Tasse einmal jährlich. Ja, auch die müsste nicht unbedingt sein, aber noch möchte ich sie nicht missen.

      Lg Sabrina

      • Oh, da habe ich mich wohl grandios verlesen. Das tut mir leid! Asche auf mein Haupt.
        Ich hatte es so verstanden, dass du die Tasse jährlich neu kaufst und das ist ja wirklich nicht nötig.
        Was ist denn an der Seife so besonders im Vergleich zu anderen Reinigern/Seifen?

        Viele Grüße,
        Vanessa

        • Hi Vanessa!

          Das passiert mir auch immer wieder 😉

          Der ph-Wert der Reinigungsseife muss mild bis sauer sein. Man kann jede andere Seife verwenden, die dem ph-Wert entspricht. Wir haben sonst nur feste Seife (deren ph-Wert ich nicht kenne, muss auch gestehen, dass ich mich mit dem Thema noch nicht auseinander gesetzt hab) daheim, weshalb die Reinigungsseife für die Tasse die einzige Flüssigseife ist, die ich hab.

          LG Sabrina

Hinterlasse eine Antwort

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichfelder sind markiert *

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu.

Diese Seite nutzt Google Analytics. Mehr dazu in der Datenschutzerklärung. Hier klicken, um dich auszutragen.