ich mach es anders

Lebensmittel retten mit Too Good To Go* Österreich

3 Wraps, gerettet mit Too Good To Go

Kommende Woche startet die App Too Good To Go in Österreich. Gerade noch im Testbetrieb – offizieller Start ist kommende Woche-, habe ich sie bereits getestet und möchte euch heute einen kurzen Bericht dazu geben. Vorab ist kurz und schnell gesagt, worum es geht. Die App beinhaltet verschiedene PartnerInnen, die am Ende des Tages übrig gebliebenes Essen oder Lebensmittel über die App zu einem günstigen Preis abgeben.

Jährlich landen in Österreich laut Greenpeace 760.000 Tonnen (!) Lebensmittel am Müll. Das hat zahlreiche Ursachen: Obst und Gemüse genügen nicht den (Markt)Ansprüchen, Privatpersonen kaufen zu viel ein, es wird falsch gelagert oder aber, es werden zu viele Portionen in der Gastronomie gekocht, zu viele Brote gebacken oder ein paar Kilo Tomaten zu viel bestellt. Too Good To Go hat es sich zum Ziel gesetzt, diesem Problem die Stirn zu bieten und Privatpersonen mit Betrieben wie Bäckereien, Restaurants, Cafés, Hotels und Supermärkten zusammen zu bringen. Damit deren nicht verkäufliche Lebensmittel nicht am Müll landen. Denn dafür sind sie viel zu wertvoll!

Die App Too Good To Go

Die App ist für Android als auch iPhones kostenlos erhältlich, schnell heruntergeladen und sehr intuitiv. Ich hab mich extrem schnell damit zurecht gefunden. Mit einer E-Mailadresse ist rasch ein Account eingerichtet. Wichtig ist hier, den Standort über die Eingabe (ich möchte mein GPS nicht permanent aufgedreht haben) bekannt zu geben. Denn damit werden dir Betriebe in deiner Nähe bzw. die Distanz zu PartnerInnen angezeigt. Das finde ich sehr praktisch, um einen geeigneten Partnerbetrieb ausfindig zu machen.

Umgebungssuche mittels aktivem GPS oder über deine Adresse und Google Maps

Ich habe mir einige Favoriten zurechtgelegt, die nicht allzu weit weg von mir zu Hause oder vom Arbeitsplatz sind. Meist am Vortag werden die verfügbaren Portionen eines Betriebes angezeigt. Oder du siehst, was nicht mehr verfügbar ist. Wenige haben noch am selben Tag ein Angebot zu vergeben. Die Preise bewegen sich zwischen € 2,99 und € 4,99, was ich bisher feststellen konnte.

Übersicht Partnerbetriebe Too Good To Go
Auswahl der Portionen und Bezahlung

Bezahlen kannst du mittels Kreditkarte, Paypal oder GooglePay. Ich habe mich für die Kreditkarte entschieden, weil ich über die anderen beiden Varianten nicht verfüge. Du wählst also deinen favorisierten Betrieb, entscheidest dich für eine oder mehrere Portionen und bezahlst. Anschließend erhältst du eine Quittung. Bis 3 Stunden vor dem Abholzeitraum (dieser ist je nach Anbieter unterschiedlich – von wenigen Minuten spät am Abend, bis über mehrere Stunden Zeitfenster am Vormittag) kannst du deine Bestellung noch stornieren, sollte sich die Abholung doch nicht ausgehen.

Wer dahinter steht

Too Good To Go wurde 2015 von den fünf jungen Dänen gegründet. Mittlerweile ist das Team auf 300 Mitarbeiter*innen gewachsen und das Unternehmen mit Österreich dann in 12 Ländern aktiv. Seit Anfang 2016 wurden weltweit bereits 18,6 Millionen Mahlzeiten gerettet, was 47.254 Tonnen eingespartem CO2 entspricht. Das sind hervorragende Zahlen, finde ich.

Logo Too Good To Go

So finanziert sich Too Good To Go

Für jede verkaufte Portion bezahlt der Partnerbetrieb eine Pauschale von € 1,19. Diese Information ist bei den FAQs zu finden und ich finde es großartig, dass das Start-Up so transparent ist. Ich denke, für die Endkonsument*innen ist das wichtig zu wissen. Es wurde von eine/m meiner Leser*innen kritisiert, dass die Summe zu hoch sei. Ich finde sie fair, da damit der Bestell- als auch Bezahlvorgang abgewickelt wird, als auch ein Werbewert durch Listung in der App entsteht. Außerdem steht es jedem Unternehmen frei zu entscheiden, ob ihm diese Investition das wert ist.

Was bekomme ich über Too Good To Go und was nicht?

Jede Portion ist eine Überraschung. Vermutlich bin ich deshalb auch so Feuer und Flamme für diese Idee. Ich bin ein sehr ge- und verplanter Mensch und diese Form der Überraschung lässt deshalb mein Kinderherz höher schlagen. Außerdem ist es logisch, dass es sich nur um Überraschungspakete handeln kann. Denn kein Geschäft weiß, wie viel und was am Ende des Tages übrig bleibt. Sehr zum Leidwesen von Menschen, die sich vegetarisch oder vegan ernähren. Denn natürlich kann es sein, dass Speisen mit Fleisch im Paket enthalten sind.

Ein Blick ins Überraschungssackerl
Sackerlinhalt nach der Rettung. Ganz ohne Müll geht´s leider nicht. Nachhaltige Unternehmen versuchen zumindest, so gut es geht auf Plastik zu verzichten.

Wie komme ich zu rein veganen oder vegetarischen Überraschungspaketen?

Ich wurde nach Veröffentlichung meiner Erfahrungen auf Instagram sofort gefragt, ob mensch angeben könne, dass mensch nur vegane Speisen haben möchte. Ich habe der Person das geantwortet, was hier einige Zeilen darüber steht. Das ist nicht möglich. Wäre auch nicht sinnvoll, denn dann kann es sein, dass es ein leeres Sackerl gibt. Jedoch haben die Köpfe von Too Good To Go eine Rubrik „Vegetarisch“ in die Übersicht eingebaut. In Österreich aktuell noch spärlich befüllt, bin ich guter Dinge, dass diese Rubrik stärker werden wird. Und womöglich wird es dann eine Rubrik „vegan“ zusätzlich geben, wenn ausreichend vegane Unternehmen mitmachen. Ich werde diese Anregung auf jeden Fall mal bei Too Good To Go nachfragen.

Meine erste Rettungsaktion und der Inhalt

3 Stück Wraps gerettet mit der App Too Good To Go
3 Stück Wraps waren unter anderem in meinem Überraschungspaket. 2 davon vegetarisch, einer mit Fleisch.

Ich habe ein Unternehmen in meiner Nähe – bis jetzt das einzige, das nicht weiter als 2 km entfernt ist – gefunden und eine Portion bestellt. Dafür habe ich € 3,99 bezahlt. Bekommen habe ich dafür 3 halbe Wraps und ein Curry. 2 der 3 Wraps waren vegetarisch, einer mit Fleisch (den hat Herr von Anders verdrückt) und das Curry war vegan. Eine sehr gute Ausbeute für mich als Flexitarerin mit starkem Hang zur Vegetarierin. Aber mir ist bewusst, dass es das nächste Mal ganz anders aussehen könnte. Was mache ich, wenn das Paket ausschließlich Fleischspeisen enthält und theoretisch Herr von Anders keinen Hunger hat? Selber essen, da das Tier ohnehin schon tot ist oder ab in den Müll damit? Das ist aktuell noch die Fragen aller Fragen, die mich stark beschäftigt.

Gerettetes Curry - vegan
Das gerettete Curry war nicht nur lecker, sondern auch vegan 😀

Herausforderungen mit Too Good To Go

Es hat bei mir alles wunderbar geklappt, jedoch gibt es einige Herausforderungen.

  • Pech hat mensch, wenn das Smartphone zur Abholung vergessen wird. Die Quittung in der App muss nämlich vom Partnerbetrieb bestätigt werden (was aber klar ist).
  • Es kann vorkommen, dass der Abholzeitraum verändert wird. Bei mir wurde er um 15 Minuten vorverlegt. Ich hatte ein Zeitfenster von 30 Minuten. Ich wurde per E-Mail ca. 45 Minuten vorher informiert. Too Good To Go ist jedoch in so einem Fall so kulant, dass der Kaufpreis rückerstattet wird, wenn mensch es dann doch nicht schafft.
  • Eine gute Planung ist Voraussetzung! Ich muss am Vortag meinen nächsten Tag durchgehen und überlegen, ob sich die Abholung für mich ausgeht. Und dann muss ich genau zu dieser Zeit wirklich Zeit haben. Dazwischen kommen darf nichts – zumindest nicht bis 2:59 vor dem Abholungszeitpunkt.
  • Die letzte Herausforderung betrifft, wie oben schon erwähnt, vor allem vegan lebende Menschen. Für sie gibt es (noch) keine Kategorie, um sicher gehen zu können, dass sich rein vegane Spesen in der Überraschungstüte befinden.

Mein Fazit über Too Good To Go

Wie schon geschrieben bin ich Feuer und Flamme für die Idee und diese App. Es hat alles super funktioniert. Und ich war vor allem extrem über die gerettete Portion erstaunt. Von den 3 halben Wraps und dem Curry wurden zwei Personen satt. Und das um € 3,99. Das Essen hat ausgezeichnet geschmeckt. Ich bin mir sicher, dass ich in Zukunft viele tolle Lokale und Geschäfte über die App entdecken werde, wo ich bestimmt nicht nur übrig gebliebenes Essen rette, sondern auch einkaufen oder essen gehen werde.

Müssen Betriebe um ihre Kund*innen bangen oder Tafeln um Konkurrenz fürchten – meine persönliche Meinung

Im ersten Moment habe ich daran gedacht, dass die Betriebe eventuell Scheu davor haben, mitzumachen. Weil es immer wieder die Bedenken gibt, dass damit die ordentlichen Kund*innen ausbleiben, weil sich diese auf die Too Good To Go-Schnäppchen fokussieren. Und dann hab ich an mich gedacht: Wenn ich zu Mittag Hunger habe, oder um 17:00 und ich meine Portion erst um 20:00 abholen kann, dann warte ich nicht so lange. Das selbe gilt für Lebensmittel, die ich dringend brauche. Ich warte nicht auf meine Wundertüte. Ich sehe vielmehr den Vorteil, dass ich als Kundin von Too Good To Go viele neue Geschäfte und Restaurants entdecken werde, die ich bisher noch nicht kannte. Und dort hin werde ich dann auch ganz normal essen oder einkaufen gehen.

Weiters gab es Kritik daran, dass nun eventuell karitative Einrichtungen wie Tafeln Konkurrenz bekommen. Ich habe selbst ein Jahr lang in einem Supermarkt gearbeitet und weiß, wie viele Lebensmittel weggeworfen werden. Weil sie nicht mehr schön genug oder abgelaufen (aber noch genießbar!) sind. Es war ein eher kleiner Betrieb, also möchte ich mir die Mengen in großen Supermärkten gar nicht ausmalen.

Daher kann ich sagen: es ist genug für alle da (so absurd es auch ist!). Weiters ist es in Österreich gesetzlich ein heikles Thema, verkochte Speisen zu spenden. Es haftet nämlich jener, der die Speisen raus gibt dafür, wenn es nach dem Verzehr zu gesundheitlichen Problemen kommt. Too Good To Go umschifft dieses Problem geschickt und ganz legal, da die Speisen direkt zum Verzehr als To Go noch während der Öffnungszeiten erworben werden. Die Tafeln werden primär von Supermärkten mit noch verpackten Lebensmitteln – damit ist auch alles bzgl. Haftung geklärt – versorgt.

*Unbeauftragte Werbung, weil ich die Idee einfach super finde! Die Erwähnung weiterer Firmennamen waren notwendig, um die Funktionalität der App zu erklären.

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse eine Antwort

Deine Mailadresse wird nicht veröffentlicht. Pflichfelder sind markiert *

* Die DSGVO-Checkbox ist ein Pflichtfeld

*

Ich stimme zu.