ich mach es anders

Urlaub in Sölden – zwischen Naturparadis und Tourismuswahnsinn

Sölden

Heuer haben wir uns für einen Urlaub in Sölden entschieden. Auch wenn wir eigentlich nach Venedig wollten. Aus verschiedenen Gründen mussten wir umdisponieren und haben uns für den aus dem Schizirkus und James Bond Streifen „Spectre“ bekannten Ort im Ötztal entschieden. Ohne genau zu wissen, was uns erwarten würde. Wir starteten ziemlich ungeplant, da beim Blick auf die Karte klar war, dass wir vor der Haustür unseres Quartiers zahlreiche Wanderwege zur Auswahl hatten. Auch die Motorradrouten rund um Sölden schienen sehr passabel zu sein, was vor allem das Herz von Herrn von Anders höher schlagen ließ. Sölden schien uns also der perfekte Ort für einen Urlaub, wo für uns beide etwas dabei war – Motorradfahren und Wandern.

Sölden – ein einziges Feriendorf?

Als wir vom Timmelsjoch kommend in Sölden einfuhren, war mein erster Gedanke „Ui, schirch.“ Von dieser Seite begrüßen das Einsatzzentrum von Feuerwehr, Rettung etc. als auch die ersten Appartementanlagen. Fährt mensch weiter, „lacht“ zu linker Hand bald mal der erste Tabledance-Club. Weiter geht es mit Hotels, Appartements, Restaurants, Après Ski-Pavillons, Lebensmittelläden, einem zweiten Tabledance-Club und zahlreichen Sportgeschäften. Glanzer, Riml, Andy und Regina sind Namen, die im ganzen Ort zu lesen sind. An diesem Sonntag, unserem Anreisetag, waren zudem unglaublich viele Menschen zu Fuß und zu Fahrrad auf der Straße unterwegs. Wir waren etwas in Schockstarre. So hatten wir es uns nicht ganz erwartet.

Oben am Timmelsjoch auf über 2.500 Meter, bevor es wieder runter Richtung Sölden ging.
Aussicht Timmelsjoch

Froh waren wir dann, als es einige Höhenmeter aufwärts zu unserem Quartier, etwas abgelegen vom Zentrum, ging. Erst einige Tage später erfuhren wir, dass ein Fest am Giggijoch war und 3.000 Personen mit der Gondel auf den Berg befördert wurden. Das war auch der Grund, warum an diesem Sonntag außerordentlich viel im Ortszentrum los war. Generell beherbergt Sölden im Sommer ungefähr ein Viertel von den Gästen, die im Winter den Ort besuchen. Ich möchte mir dieses Bild gar nicht ausmalen…

Auch wenn Sölden wie ein einziges Feriendorf zur Tourist*innenbespaßung anmutet – Hochsölden ist das im Gegensatz dazu wirklich – sind natürlich auch Einheimische anzutreffen. Wie zum Beispiel am Alpakahof, unserem Quartier. Immerhin hat die Österreichs flächengrößte Gemeinde über 3.000 Einwohner*innen. Auch wenn mensch sich fragt, wo die alle wohnen…

Hochsölden - ein Feriendorf am Berg
Hochsölden – ein Feriendorf am Berg.

Urlaub am Alpakahof in Sölden

Wir hatten uns bewusst wieder für Urlaub auf dem Bauernhof entschieden, nachdem wir auf Sardinien eine so tolle Erfahrung damit gemacht hatten. Am Brandleweg 3, ca. 10 bis 15 steile Gehminuten und knappe 50 Höhenmeter vom Ortszentrum, befindet sich der Brandlehof, den wir für die kommenden Tage unser Zuhause nennen würden. Er war leicht zu finden und gut zu erreichen und wir waren schon sehr gespannt. Vor allem auf die hofeigenen Alpakas.

Schon beim Zufahren sahen wir die drei Koppeln mit den insgesamt 8 Hengsten/Wallachen, 3 Stuten und einem 5 Wochen alten Fohlen (ein zweites folgte noch in unserer Urlaubswoche, Nr. 3 haben wir leider veräumt) und weiteren 3 Jungstuten. Auch frisch geschert sahen sie absolut knuddelig und flauschig aus! Wir machten natürlich auch eine Alpakawanderung. Sie war nett und interessant (ich habe eine ganze Menge über Herdentiere gelernt), aber ich fühlte mich, als würde ich einen riesengroßen Hund Gassi führen – und das fühlte sich für mich nicht richtig an.

Alpaka Emir vom Alpakahof Sölden

Auch, wenn das Alpakawandern nicht so meins war, Herr von Anders und die anderen Teilnehmer*innen waren absolut begeistert. Und mich haben die Tiere auch begeistert. Es war sehr spannend, ihnen zuzusehen – ich könnte das stundenlang tun. Alles in allem haben wir mit dem Alpakahof wieder den Jackpot gewonnen. Eine absolut nette Gastgeberfamilie, schöne, saubere Zimmer mit Balkon und toller Aussicht, ein passables Frühstück (v.a. für das Preis-Leistungs-Verhältnis von € 30,-/Person und Nacht inkl. Ötztal-Premiumcard) und absolute Ruhe. Wir kommen wieder!

Alpaka Prince vom Alpakahof Sölden

Nichts für kleine Budgets – die Preise in Sölden

Wir stellten ziemlich rasch fest, dass die Preise nichts für das kleine Budget sind. Egal, in welchem Lokal mensch einkehrt. Unter € 12,- gibt es keine Hauptspeisen, ausgenommen Pizza. Wir haben meist zwischen € 15,- und € 25,- für eine Hauptspeise bezahlt. Auch die Getränkepreise lassen eine*n „bluten“. Sehr bitter war es für mich, dass es kaum Speisen in Bioqualität gab und vegane Speisen gar nicht angeboten wurden. Mein Käsekonsum ist in dieser Woche gefühlt um 300% gestiegen… Weiters war es bitter, dass mich viele dieser Speisen geschmacklich nicht wirklich überzeugt haben.

Empfehlen möchte ich an dieser Stelle dennoch die Pizzeria Salino. Dort hat für uns das Preis-Leistungsverhältnis gepasst, weil es wirklich gut war. Und für gutes Essen bezahle ich gern etwas mehr. Wir haben natürlich nicht alle Gasthäuser durchprobiert, aber von vier Restaurants ist in meinen Augen nur eines empfehlenswert, was den Geschmack angeht. Freundlich war das Personal überall! Auf den Hütten ist das Preissegment annähernd gleich hoch als im Ort selber. Geschmacklich konnten jedoch alle eingenommenen Hüttenessen überzeugen.

Alternativ, um relativ günstig in Sölden urlauben zu können, kann mensch ein Appartement buchen (auch am Brandlehof möglich) und sich selbst versorgen. Das ist auch für vegan lebende Menschen eine gute Alternative. Es gibt an jeder Ecke im Ort ein Lebensmittelgeschäft. Ein Einkauf ist sogar Sonntags möglich.

Die Ötztal PremiumCard

Bei unserem Nächtigungspreis war die Ötztal Premium Card inkludiert. Und das ist wirklich eine super Sache! Mit dieser Karte können die Gäste die zahlreichen Busse, die zwischen den Ortschaften im Ötztal verkehren, gratis nutzen. Auch Fahrten mit den Gondeln sind gratis und Eintritte in diverse Museen vergünstigt. Details zu den einzelnen Angeboten findest du hier. Wir haben die Premium Card jetzt nicht total ausgenutzt, aber gut genutzt. Zwei Mal haben wir die Giggijoch-Bahn genutzt und vier Mal einen Bus. Das Tal ist an sich perfekt mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossen. Einem Urlaub von mehreren Wochen würde also theoretisch nichts im Wege stehen. Es ist auch eine Anreise mit dem Zug mit Umstieg auf den Bus nach Sölden problemlos möglich.

Mit der Ötztal Premium Card genießt du auch in Sölden hervorragende Vergünstigungen.

Bei den Bussen ist zu sagen, dass es nicht schadet, ein paar Minuten früher an der Haltestelle zu sein. Vor allem der Transport zum Aufstiegspunkt, bevor es zum Brunnenkogelhaus (Verlinkung in Kürze) weiter ging, kam wesentlich zu früh. Der Grund: Buschauffeur Nr. 1, kassierte und war schon ziemlich voll. Bus Nr. 2, der etwas später kam und den Rest mitnahm, hatte keine Kassa. Wir hätten also ziemlich blöd drein geschaut, wären wir pünktlich da gewesen.

„Laute“ vs. stille Seite von Sölden

Unser Quartier hat sich auf der „lauten“ Seite von Sölden befunden. Das ist zwar nicht die offizielle Bezeichnung, ich nenne sie jedoch so, da die gegenüberliegende Seite offiziell stille Seite von Sölden genannt wird.

Die laute Söldner-Seite

Die laute Seite ist jene, wo sich die Gaislachkogelbahn (berühmt für das Elements 007-Museum oder das IceQ mit Haubenküche), das Giggijoch oder Rettenbachgletscher befinden. Auch Hochsölden ist dort angesiedelt. Ich dachte bei meinem ersten Blick auf die Landkarte im Quartier „Och schön. Ein Bergdorf!“ und wurde eines Besseren belehrt. Es ist kein Bergdorf, sondern ein reines Feriendorf.

Die Wege sind auf dieser Seite sehr gut ausgebaut, die Hütten (ich vermute jetzt mal fast) alle mit dem Auto erreichbar und streckenweise asphaltiert. Das nimmt meiner Meinung nach den Wanderwegen oberhalb der Baumgrenze etwas den Charme. Laut ist diese Seite einerseits, weil mensch mit den Bahnen ganz einfach in große Höhen kommt, ohne sich viel anstrengen zu müssen. Weiters ist es auch das Bikerparadis. Zahlreiche Downhillstrecken kreuzen mit den Wanderwegen. Kollisionen nicht ganz ausgeschlossen.

Jetzt im Sommer wird zudem gebaut und renoviert. Nicht selten finden sich große Baumaschinen oder Kräne am Berg. Die Liftanlagen und Hütten rüsten sich gerade für die Wintersaison. Was im Winter hier lost ist, möchte ich mir gar nicht ausmalen…. Im Sommer ist es dennoch traumhaft schön!

Aussicht Giggijoch Sölden
Bestimmt eines der beliebtesten Fotomotive in Sölden

Der krasse Gegensatz – die stille Seite von Sölden

Gegenüber der „lauten“ Seite befindet sich die stille Seite von Sölden. Sie wird ganz offiziell so genannt. Sie ist Teil der Stubaier Alpen und steht unter Naturschutz. Das bedeutet: keine Lifte, keine asphaltierten Straßen (auch wenn es Schotterwege gibt) und keine Bikerstrecken. Dementsprechend ist hier vergleichsweise wenig los. Für Menschen, die Ruhe und pure Natur suchen ist diese Seite also genau richtig! Für eine Wanderung hat es uns auch auf diese Seite verschlagen. Und es war die bisher herausfordernste für mich als mittelmäßige Wandererin. Eine knappe Woche habe ich von unserem Balkon aus das Brunnenkogelhaus angestarrt. Am Donnerstag wagten wir dann bei schönstem Wetter den Aufstieg auf 2.237 Meter und ich trage das Glücksgefühl, dass ich es geschafft habe, noch immer in mir.

Aussicht vom Brunnenkogelhaus
Aussicht vom Brunnenkogelhaus

Urlaub in Sölden – für jede*n was dabei

Die Wanderwege sind allesamt sehr gut ausgeschildert. Wir sind deshalb mit einer groben Wanderkarte, die in jedem Quartier und in den Tourist*innenzentren aufliegen, sehr gut über die Runden gekommen. Die Zeitangaben sind sehr gut bemessen. Wir waren meist 30 bis 45 Minuten – exklusive Pausen, also reine Gehzeit – schneller als angegeben.

Die Wanderwege sind perfekt ausgeschildert.

Nach einer Woche in Sölden kann ich sagen: es ist für jede*n etwas dabei. Für Wanderanfänger*innen genauso, wie für Kletterer. Für Familien wie für Singles oder Wandergruppen. Für Jung und Alt. Radfahrer*innen kommen seit einigen Jahren ebenfalls auf ihre Kosten. Und sollte das Wetter mal schlecht sein, bietet das Ötztal viele weitere Attraktionen abseits der Berge an. Mit der Ötztal Premium Card ist es auch verdammt attraktiv, sich über die Ortsgrenzen zu wagen. Es war ein toller Urlaub und ich komme bestimmt wieder. Wenn auch nur im Sommer, denn den Wintertrubel erspare ich mir lieber.

            

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Schön! Wir waren in Bad Gastein, ein kühles teures Loch. Aber schön wars!
    Danke für den ausführlichen Bericht – als Tirolerin muss ich zu meiner Schande gestehen, dass ich Sölden SO gar nicht kenne. Ich weiß nur, dass es im Winter dort ziemlich abgeht.

    • Sehr gern! Es ist ja oft so – das, was in der Nähe ist, reizt nicht. Es ist also keine Schande, würd ich mal sagen, dass du Sölden als Tirolerin nicht kennst. Kann ja noch werden 😉

      LG Sabrina

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