ich mach es anders

Meine liebsten Fahrradwege in Wien [imeasummerchallenge2019]

Wientalradweg bei Lainz

Seit 1. Juli bin ich primär mit dem Fahrrad unterwegs. Und bin schon einiges abgekommen. Deshalb liegt es auf der Hand, dass ich euch heute meine liebsten Fahrradwege in Wien verrate. Für Viel-FahrradfaherInnen wird das nix Neues sein. Aber für jene, die noch nicht so viel am Rad unterwegs sind oder jene, die vorhaben, auf den Drahtesel zu steigen, denke ich, dass doch der eine oder andere Tipp dabei sein könnte. Detail am Rande: Insgesamt habe ich diesen Monat etwas über 270 Fahrradkilometer geschafft und bin 46 Mal am Fahrrad gesessen. Nur drei Mal habe ich die Öffis genommen. Ich bin richtig stolz auf mich! Meine Oberschenkel sind zwar dauermüde. Aber ich spür die Muskeln richtig wachsen und ich bin guter Dinge, dass es im August noch besser läuft ähm…. fährt. So, nun aber zu meinen persönlichen Highlights und No Go´s des Monats, was die Fahrradwege angeht. Ach ja, für alle, die meine Beiträge zu meinem Selbstversuch noch nicht gelesen haben – es gibt 2 davon. Über die Fahrradchallenge im Allgemeinen und einen über meine Fahrradausstattung.

Fahrradweg Liesingbach

Mein absoluter Favorit ist der Liesingbachradweg. Ich radle da regelmäßig entlang. Meine persönliche Herausforderung ist das Finden des Liesingbachradweges. Mein Navi lotst mich nämlich durch halb Favoriten, bevor ich auf den Liesingbachradweg komme. Ich versuche es permanent auszutricksen und kurve dann irgendwo in der Pampa herum, bis ich ihn endlich finde. Da gibt´s noch Optimierungspotenzial. Mit schlechtem Orientierungssinn dauert das ein bisschen länger, aber ich bin guter Dinge 😉 Am Liesingbachradweg angekommen ist es wirklich fein. Mensch kann links und rechts der Liesing entlang fahren. Entweder, wie der Bachname schon sagt, nach Liesing (23. Bezirk) oder aber auch Richtung Schwechat. Beides habe ich schon probiert.

Einer meiner liebsten Fahrradwege: der Liesingbachradweg mit wunderschönem Bachbett.

Am Wochenende kann schon mal mehr los sein. Aber unter der Woche ist es wirklich sehr fein. Es gibt kaum Straßen zu queren und mensch ist mitten in der Stadt abseits vom Verkehr. Wenn mensch die Augen offen hält, finden sich Reiher am Bachrand, reifes Obst an den Bäumen und Sträuchern oder auch ein versteckter Teich beachtlicher Größe (nicht öffentlich zugänglich!) in der Kleingartenanlage Nähe Alt Erlaa. Ich wusste z. B. nicht, dass es dort einen Teich gibt. Dort lässt´s sich bestimmt sehr nett wohnen. Ich muss ja zugeben, dass ich ganz gern in fremde Gärten blicke, wenn ich die Möglichkeit habe. Weil es mich einfach wahnsinnig interessiert, wie Menschen in Wien leben. Und die Gegend am ersten Bild hier ist mein persönlicher Feind: die Heuberggstätten, die ich am Heimweg hoch muss. Wunderschön anzuschauen, absolut mühsam hochzutreten.

Fahrradwege, die ich nicht so gern mag: jene wie die Heuberggstaetten in Wien 10. Ist zwar wunderschön anzuschauen, aber doch ziemlich steil.
Reiher am Radweg Liesingbach

Nach Döbling am Donaukanal entlang

Unter anderem machte ich im Juli einen Ausflug in einen Bezirk, wo ich so gut wie nie bin. Nach Wien Döbling, 19. Bezirk. Ich hatte dort Second Hand Sandalen ins Auge gefasst. Die Sandalen haben nicht gepasst, aber ich bin dankbar dafür, dass ich den Ausflug gemacht habe. Der Donaukanal ist nämlich so richtig nett zum Radeln. Es war überraschend wenig los und ich kam vom Schwedenplatz bis nach Spittelau super den Donaukanal entlang. Dort begeistern mich die wunderschönen Graffitis jedes Mal. Vor vielen Jahren schon, habe ich mein Lieblingsgraffiti fotografiert.

Mosaik Wien Döbling

In den 14. Bezirk den Wintalradweg entlang

Eine meiner längsten Radrouten von 15 Kilometern (one way) war nach Wien Penzing, dem 14. Bezirk. Dafür war ich bald rasch am Wientalradweg unterwegs. Und was soll ich sagen… Preis gewinnt der keinen. Vor einigen Jahren fuhr ich ihn schon mal entlang, da wir einen Ausflug nach Purkersdorf machten. Richtig schön war dann der Wienflussradweg. Auch wenn rechts, links und ober einem der Autoverkehr wahrnehmbar ist und der Radweg einer Betonwüste gleicht, ist die Strecke doch ganz nett. Und das, weil sich die Flora ihren Platz gesucht hat. Jetzt im Hochsommer blühen diverse Blumen, die den Bienen und Hummeln noch Nahrung bieten. Und wenn mensch sich etwas Zeit nimmt, können haufenweise Insekten beobachtet werden. Und das Mitten in der Stadt. Das fasziniert mich dann doch wieder und macht für mich ein eher trostloses Plätzchen zu einem kleinen Stadtwunder. Richtung stadtauswärts gibt es auf der rechten Seite im Juli auch zahlreiche reife Kriecherl, die theoretisch abgeerntet werden können. Zugegeben, neben rechter und linker Wienzeile muss ich nicht unbedingt Früchte ernten…

Einer der hässlichsten Fahrradwege: der Wientalradweg
Auch bei hässlichen Radwegen gibt´s Schönes zu entdecken. Flora Wientalradweg

Auf der Donauinsel in der Freizeit

Natürlich war ich auch auf der Donauinsel unterwegs. Das Wetter hat gepasst und ich war auch in meiner Freizeit ab und an motiviert, auf den Drahtesel zu steigen. Die ist vom Hauptbahnhof recht geschmeidig über den 3. Gemeindebezirk und den Wiener Prater erreichbar. Einmal drauf, gibt es unzählige Möglichkeiten, die Donauinsel entlang zu fahren. Entweder nach Korneuburg oder in die Lobau (hier kann mensch im Sommer übrigens noch hervorragend Fisch essen), nach Tulln oder Orth an der Donau – alles ist möglich. Jederzeit kann ein Päuschen am Wasser eingelegt werden. Noch besser ist das natürlich, wenn mensch abseits vom Trubel die perfekte „Bucht“ entdeckt. So wie das uns bei einem Wochenendausflug passiert ist 😀 Ich verrate natürlich nicht, wo das ist, aber die Bilder möchte ich euch nicht vorenthalten. Der oder die eine von euch weiß vermutlich, wo das ist 😉

Donauufer
Bottshaus an der Donau

Simmering – (m)ein Fahrradtraum

Am Heimweg von der Donauinsel wählten wir den Weg durch Simmering (11. Bezirk) nach Favoriten. 10 Kilometer lagen vor uns. Davor bin ich immer wieder mal streckenweise durch den 11. Bezirk gegurkt. Aber nie so lange. Ich war echt schon gespannt. Simmering ist der für mich geschmeidigste Bezirk zum Radeln, weil es eher flach ist. Es gibt kaum Steigungen und wenn, dann verfalle ich nicht in Schnappatmung und innere Fluchereien. Und es war auch diesmal so. Ok, es ist jetzt nicht die schönste Route die Etrichstraße oder Simmeringer Hauptstraße entlang. Aber die Radwege sind super ausgebaut und hier funktioniert etwas ziemlich gut, finde ich: Breite Gehsteige, die sich FußgängerInnen und RadfahrerInnen teilen. Begegnungszonen quasi.

Haus Liesing

Und wenn mensch den Zentralfriedhof entlang fährt, stellt sich pures Staunen ein. Bei mir jedenfalls. Ich bin nicht so oft in der Gegend und war beeindruckt, von der Größe und aber auch Schönheit der Portale. Foto hab ich keines davon, vielleicht bring ich das noch nach. Aber ein Foto kann nie ist selten so imposant, wie das Erlebnis an sich. Wir radelten dann noch den Weichseltalweg entlang Richtung 10. Bezirk und bekamen damit so einen richtigen Eindruck davon, wie groß der Wiener Zentralfriedhof tatsächlich ist. Wir waren vor vielen Jahren mal dort und ich hatte vergessen, wie imposant dieser Friedhof ist.

Einbahnen im Alltag

Irgendwie muss ich gerade über diese Überschrift etwas schmunzeln 😉 „Einbahnen im Alltag“ holen mich nicht nur im Leben immer wieder ein – aber wo keine Einbahn, da kein Lerneffekt – sondern auch in meinem Fahrradalltag. Ich bin viel im 4., 5. und 6. Bezirk unterwegs. Immer wieder auch mal im 7. oder 8.. Und dafür muss ich durch die Stadt. Hier habe ich gelernt, dass es oftmals netter ist, auf weniger frequentierten Einbahnstraßen – in Wien dürfen FahrradfahrerInnen in vielen Fällen gegen die Einbahn fahren – zu radeln als an stark frequentierten Fahrradwegen. Da fallen mir spontan z. B. die Radwege Argentinierstraße oder Operngasse ein. Operngasse Ecke Schleifmühlgasse ist ein Gewusel sondergleichen, der Radweg die Argentinierstraße entlang viel zu schmal.

begrünte Fassade 1050 Wien

Ja, und deshalb such ich mir immer wieder meine ganz persönliche Alternativroute. Mein Weg in den 6. Bezirk z. B. hat mir kein einziges Navi – ich hab mehrere dazu „befragt“ – vorgeschlagen. Und er ist meiner Meinung nach der optimalste. Und so mach ich das auch bei Wegen, die ich immer wieder mal fahren muss. Wenn ich etwas streckensicherer bin und vor allem Zeit habe, beginne ich, kreuz und quer in der Gegend herumzuradeln, um den optimalen Weg zu finden. Das dauert meist ein bisschen, aber wenn ich ihn mal hab, dann freu ich mir die Haxn aus!

Und auch, wenn mensch es nicht glaubt: Auch direkt in der Stadt gibt´s nette Eindrücke während dem Radfahren. Oft zahlt es sich auf, den Blick nach oben zu bewegen. Ich hab Jahre gebraucht, bis mir die wunderschönen Fassaden an der Kreuzung Naschmarkt/Wienzeile kommend von der Kettenbrückengasse aufgefallen sind…

Fassade 1040 Wien

Nach Währing am Gürtelradweg

Immer wieder muss ich mal in den 18. Bezirk, auch genannt Währing. Hier befinde ich mich schon zur Überleitung zu den No Go´s. Nach Währing düse ich eine ziemlich lange Strecke in der Stadt herum. Um schlussendlich auf den Gürtelradweg zu gelangen. Und beides ist so „Naaajaaaa….“. Nicht gerade prickelnd. Am Grütelradweg (drauf oder kreuzend) tummeln sich natürlich alle: FahrradfahrerInnen, FußgängerInnen, AutofahrerInnen und öffentliche Verkehrsmittel. Und das ist schon eine Herausforderung. Vor allem für all jene, die die Strecke nicht so gut kennen. Wo sind die brenzligen Stellen? Wo muss ich aufpassen? Wie komm ich weiter? Dauernd rennt dir fast ein/e FußgängerIn vor das Fahrrad.

Mein absolutes No Go: Der Ringradweg

Alle, die ihn kennen, wissen, was ich meine. Der Radweg entlang des Rings ist mein persönlicher Horror. In der Dosis noch wesentlich geballter, als am Gürtelradweg: FußgängerInnen, Autos, Öffis und zusätzlich noch Fiaker. Und teilweise recht wahnsinnige RadfahrerInnen. Vor allem ab Karlsplatz Richtung Oper ist der Ringradweg der absolute Alptraum für mich. Oper, Hofburg, Volkstheater, Parlament, Rathaus – gefühlt tausende TouristInnen, die alle kreuz und quer rennen. Ungeduldige RadfahrerInnen, die sich dahinschlängeln und teilweise ein ordentliches Tempo drauf haben. Und das, obwohl die Radwege für die Menge an FußgängerInnen und RadfahrerInnen viel zu schmal sind. An vielen Stellen teilen sich FahrradfahrerInnen und FußgängerInnen den Platz. Die Ampelübergänge – viel zu schmal. Dann hat Radfahrmensch wieder eine Horde TouristInnen am Fahrradübergang stehen. Du musst absteigen, denn auf Klingeln reagieren sie nicht. Hmpf!

Schon beim Schreiben holt mich eine innere Unruhe ein. Ich habe für mich beschlossen, den Ringradweg so gut es geht zu umfahren. Auch wenn das vermutlich oft von der Strecke her länger ist, bin ich bestimmt schneller. Weil ich nicht ständig im Schritttempo unterwegs bin und ich mir das Zick-Zack-Fahren erspare. Und mindestens eine Tonne Nerven. Ich muss jetzt nur noch meinem Navi beibringen, dass es den Ringradweg ausblendet und mir Alternativrouten vorschlägt. Für die Mariahilfer Straße gilt das übrigens auch.

Was sind deine liebsten Radstrecken und deine persönlichen No Go´s? Das muss sich nicht auf Wien beschränken. Ich habe auch viele LeserInnen aus Deutschland hier. Und wer weiß, vielleicht packe ich ja mal mein Fahrrad ein, und erkunde damit das Ausland. Ich freu mich auf eure Tipps!

1 KommentarHinterlasse einen Kommentar

  • Wiental ist zwar irgendwie eigen zwischen den beiden großén Einfalls- und Ausfallsstrassen, aber eigentlich ein tolles Beispiel, wie sich die Natur rasch Raum zurückholt. Als Radweg trotzdem ein großer Wurf.
    Insgesamt halte ich aber das Thema Radwege für eine Sackgasse.
    Wenn wir den Anteil am Verkehrsmix erreichen wollen, der notwendig wäre, dann reichen noch so viele Radwege nicht.
    Ich hatte letzte Woche – seit langem, weil eigentlich die AutofahrerInnen in Wien mittlerweile gut an Radfahrer gewohnt sind – wieder ein schräges Erlebnis. Ich wurde von einem PKW „gestellt“, der ernsthaft behauptete, dass ich als Radfahrer auf einer normalen Strasse nichts zu suchen hätte und mir einen Radweg suchen möge, wenn ein Vorbeifahren mit dem Auto nicht möglich sei. Ich war mit einem ziemlich beladenen Lastenrad unterwegs. Ich hab das Rad vor ihm abgestellt und angeboten, das gern auch mit Unterstützung der Polizei auszudiskutieren. War dann nicht notwendig.

    Wir brauchen uns fürs Radlen nicht schämen. Jeden Kilometer, den wir radelnd absolvieren, müssen uns die Autofahrer die Füße küssen, weil wir für alle CO2 sparen.

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