ich mach es anders

Meine Second Hand Möbel-Odyssee – 5 Tipps für euch, um es leichter zu haben

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Dass wir in der Küche einiges verändern müssen, besprachen wir im Mai 2018 schon seit über einem Jahr. Im Mai 2018 war es dann soweit: ich war extrem motiviert. Ich wollte uns ein paar schöne Möbel Second Hand besorgen. Dass sich das Ganze dann doch nicht als so einfach gestaltete, als erwartet, hatte mehrere Gründe. Dieser Beitrag heute, ist ein kleiner Erfahrungsbericht. Damit ihr nicht die selben Fehler macht, wie ich. Und Teil der diesjährigen Second Hand-Blogreihe. Weil ich bin mittlerweile ziemlich tief ins´s Thema eingetaucht.

Die Gründe, warum es nicht ganz so einfach war

  1. Möbel hab ich davor noch nie Second Hand von fremden Personen bezogen.
  2. Ich kannte mich damals kaum bei den diversen Plattformen aus. Diese musste ich jedoch heranziehen, nachdem in den mir bekannten Second Hand Geschäften mit Möbel nichts Brauchbares für unsere vier Wände zu finden war.
  3. Wir hatten ein sehr kleines Auto (mittlerweile leben wir seit November 2018 wieder autofrei).  Anmieten eines größeren Fahrzeuges ist kurzfristig etwas mühsam. Und vor allem wollte mensch uns nach unserem letzten Transport gehörig über den Tisch ziehen. Aber dazu vielleicht ein anderes Mal.

Second Hand Plattformen – (m)ein Suchtfaktor

Recht schnell habe ich festgestellt, dass ich Gefahr laufe, Stunden auf diesen Plattformen (schlussendlich war es nur eine – eine zweite wollte unbedingt meinen Standort wissen, was ich verweigert habe. Deshalb: App wieder gelöscht.) zu verbringen. Morgens nach dem Aufwachen, unter Tags in den Öffis, am Abend vorm Fernseher…. Ich suchte und ich fand. Wien und Wien Umgebung sollten die Ziele am Wochenende sein.

Wenn zwischen Foto und Realität Welten liegen

Wie auch bei Menschen, sind auch Fotos von Second Hand Ware gerne „frisiert“.  Sehr beliebt waren Fotos direkt von den Herstellerwebsites. Gelernt habe ich bei unserem ersten Gehversuch, dass Möbelfotos, auf denen ganz viel Zeugs liegt, zum Schmeißen sind. Das haben wir bei Möbel Nr. 1, einem Servierwagen aus Vollholz, der nun unsere Arbeitsplatte mit Stauraum ist, festgestellt. Ich schrieb dem Verkäufer an und bekundete mein Interesse. EUR 50,- wollte er haben (NP: EUR 100,-). Das wäre für uns in Ordnung, wenn das Teil einwandfrei ist. Da es eine halbe Stunde Anreise mit sich brachte, fragte ich zuvor nach den Gebrauchsspuren . Wie stark diese vorhanden seien und wann das Möbel gekauft wurde. Die Antwort „Gebrauchsspuren sind vorhanden (gekauft 2016), aber nicht schlimm.“ Das reichte für uns. Wir düsten am Freitagabend los, um unser Objekt der Begierde abzuholen. Bei der Vorortbesichtigung dann das „Outing“: Die Arbeitsplatte war versifft (schwarz gefärbt – Schimmel? Keine Ahnung), aufgequollen und verbogen. Unser Fazit: Nicht mal geschenkt würden wir das Teil mitnehmen. Wir zogen also deprimiert wieder ab und hofften, dass Servierwagen Nr. 2, dessen Besichtigung ich für Sonntag ausgemacht hatte, besser beinander ist.

Mit Servierwagen Versuch Nr. 2 sind wir nach wie vor voll happy – der ist auch schon wieder 1 Jahr alt:

Second Hand Servierwagen aus Vollholz

Frag immer, ob das Möbel in einem NichtraucherInnen-Haushalt steht!

Nicht gleich dachte ich daran, abzufragen, ob es ein Raucherhaushalt ist. Am Samstagmorgen stieß ich durch Zufall auf ein Regal, das wir gar nicht suchten. Es würde jedoch ganz gut in unsere Küche passen. Wir hätten damit unglaublich viel Stauraum. Bei meiner Anfrage fragte ich diesmal, ob es sich um einen Raucherhaushalt handeln würde. Das wurde bejaht, jedoch stand das Regal im Schlafzimmer, wo angeblich nicht geraucht wurde. Nach kurzer Überlegung, und weil der Abholort fußläufig zu erreichen war, sagten wir für Nachmittag zu. Schlussendlich wurde das Regal eingepackt. Zu Hause stellten wir fest, dass es zwar müffelte, aber nicht nach Rauch stank. Hätten wir ein Möbel aus einem anderen Zimmer genommen, hätte das vermutlich unsere Nasen mehr beleidigt.

Der Transport – großes Auto ist hilfreich, aber nicht immer notwendig

„Hätten wir nur einen Kombi“ hörte ich an diesem Nachmittag nicht nur einmal von Herrn von Anders. Ich hatte aber einen Plan, wie wir das große Regal gut in unsere Wohnung bringen würden. Der ging jedoch nur auf, da die Adresse auch fußläufig zu erreichen war. Das Riesenregal wurde also von uns mitgenommen. Zuerst zerlegt und dann mussten wir überlegen, wie wir die ganzen Teile und vor allem die 2,25 m Steher in unsere Wohnung bringen können. Wir beluden den Kofferraum zwei Mal mit allen Regalböden und Schubladen. Die Steher fixierten wir mit einem Klebeband und trugen sie abschließend zu Fuß durch die Fußgängerzone in Wien Favoriten. Das kommt auch nicht alle Tage vor 😉 Wir waren insgesamt 3 Stunden (!) mit Besichtigung und Transport beschäftigt. Da fragt mensch sich nach Projektabschluss sehr wohl, ob sich das lohnt… Aber dazu später.

Die richtige Pflege

Zu Hause angekommen, stellten wir fest, dass das Kastl sowas von verdreckt war. Das Holz aufgrund seines Alters extrem ausgehungert. Wir beschlossen also, unseren Samstagabend dem Projekt „Küchenregal“ zu widmen. Wir begannen, mit Wasser die Einzelteile abzuwischen und anschließend mit einer Holzpflege einzulassen. Nach mehreren Kübeln Wasser und einer Packung Holzpflege bekamen wir auch den Müffelgeruch ziemlich gut weg. Orangenöl kann Wunder wirken 😀

So hungrig war das Holz:

Hungriges Holz eines Second Hand Möbel - Küchenregal

Achtung beim Möbelaufbau!

Beim Aufbau passierte dann ein Missgeschick, das Herrn von Anders beinahe in die Notaufnahme brachte. Also auch beim Aufbau haben wir wieder dazu gelernt. Immer unten anfangen und von unten nach oben weiter aufbauen. Und nicht nach Einsetzen des Regalbodens oben weiter machen….

Sonntagvormittag war es dann soweit. Das Regal stand und nahm etwas mehr Platz in der Küche ein, als wir uns das vorgestellt hatten. Aber mei, Hauptsache praktisch ist mein Zugang. Einen Schönheitspreis muss es in diesem finsteren Eck nicht gewinnen. Am Nachmittag düsten wir dann zu Station Nr. 3 außerhalb von Wien, um unseren heißersehnten Servierwagen abzuholen. Wenn er denn nicht versifft ist. War er nicht. Wir sahen ihn und packten ihn gleich ein.

Second Hand Möbel - Küchenregal

Meine 5 Tipps beim Second Hand Möbelkauf zusammengefasst

  1. Achte primär auf Inserate mit Originalfotos, auf denen nur das Möbel und nicht zu viel Schnickschnack auf dem Möbel zu sehen ist.
  2. Glaube nicht immer das, was dir dein Gegenüber über den Zustand der Ware mitteilt.
  3. Pack für den Möbelabbau das passende Werkzeug (inkl. Klebeband) ein.
  4. Sieh den Kauf von Möbeln aus zweiter Hand als Projekt, das ein paar Stunden in Anspruch nehmen kann.
  5. Halte dir dein Ziel vor Augen: Kein Kauf von Neuware spart Ressourcen. Auch wenn das mehr deiner Zeit verlangt.

Hat sich das alles gelohnt?

Abgesehen von den Verletzungen, die Herr von Anders davon getragen hat, hatten wir natürlich auch einen finanziellen Aufwand. Den personellen darf mensch nicht rechnen, denn 3 Personentage (1,5 Tage mal 2 Personen) ist nur schwer finanzierbar.

Gekostet haben uns unsere neuen Küchenkastel folgendes:

Servierwagen: EUR 50,-
Regal: EUR 50,-
eine Packung Holzpflege: ca. EUR 20,-
1 Tag Arbeit von zwei Personen
Sprit: ca. EUR 16, wenn das amtliche Kilometergeld herangezogen wird

Das macht also insgesamt EUR 136,-

Hätten wir die Teile neu gekauft, hätten Regal und Servierwagen allein ca. EUR 470,- gekostet. Dabei ist die Zeit für das Aussuchen als auch der Sprit und die Zeit für das Aufbauen noch nicht mitgerechnet.

Mein Fazit – es lohnt sich doch

Wenn mensch sich keinen Stress beim Möbelkauf macht und es als eigenes Projekt definiert, lohnt es sich sehr wohl, Möbel aus zweiter Hand zu kaufen. Herr von Anders meinte beim Putzen des Regals „Wären wir zum Möbelschweden gefahren, hätten wir uns die Putzerei erspart.“ Ich entgegnete: „Sieh es so: wir verbringen unseren heutigen Abend putzend mit einem Kastl, das uns hoffentlich viele Jahre eine Freude bereiten wird. Und hocken nicht wie so oft vorm Fernseher.“ Das ließ Herrn von Anders gleich viel lieber putzen 😉

Ich muss für zukünftige Besorgungen nur noch meinen Adrenalinkick in den Griff bekommen. Ich halte es nämlich gar nicht aus, wenn ich ein Möbel im Auge habe und das dann schneller weg ist, als mir lieb ist. Auch meine Enttäuschung, wenn das Teil dann doch nicht zum Objekt der Begierde wird, darf ich nicht zu groß werden lassen.

Hast du schon einmal Möbel Second Hand gekauft? Was sind deine Erfahrungen?

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Wir haben uns schon mehrere Möbelstücke gebraucht gekauft oder auch umsonst abgeholt. Der besondere Vorteil für uns ist das wir so teile günstig bekommen die zu unserer schon fast 20 Jahre alten Massivholz Möbelserie gehören. Neu wären die Teile extrem Teuer da sehr Hochwertig. Gerade suchen wir nach einem schönen Metallbett da unser Kumpel der Schreiner ist meinte unser Bett nochmal Reparieren würde keinen Sinn machen, es müsste zuviel ausgetauscht werden und er könne jetzt schon absehen was alles demnächst hin wäre ( das ist eins der wenigen Stücke die nicht aus Massivholz sind). Wir haben allerdings durch die Arbeit meines Mannes ein großes Auto und auch ständigen Zugriff auf diverse Anhänger, das erleichtert die Abholung sehr. Das Putzen seh ich jetzt nicht als Aufwand an, ich würde auch ein neues Möbelstück oder ein Gerät niemals nutzen ohne es ab/ ausgewaschen zu haben. Da finden sich auch Staub und Produktionsrückstände drauf. Und neue Möbel stinken auch erstmal schlimm.

  • Gratuliere euch zu eurem Fund – sieht sehr gut aus!
    Da hilft die Großstadt doch wieder mehr…

    Zu deinem Standort: ist der einmalig oder dann permanent? Bei einmaligen Abfragen würd ich einfach eine Straße und eine Ecke weitergehen und dort aktivieren.
    Eine in Wien lebende Freundin gibt auch immer die Hausnummer vom überübernächsten Haus an, wenn Menschen kommen, um ihr etwas zu bringen oder zu holen. (da kein Auto)

    Bei Möbel mach ich gern eine Tast- und Geruchsprobe und ich würde es mir sogar zutrauen, das Möbelstück neu zu beziehen. Manche Materialien gehen trotzdem nicht (wie Cord oder Plüsch. Bazillenbrutstätte uäääh) oder manche Haushalte (Raucher, Haustiere, weil ich allergisch drauf reagiere).
    Bei Holz, so sehr ich Holz liebe, wäre ich auch skeptisch und kritisch.

    Zu der finanziellen Aufschlüsselung:
    ganze 36h habt ihr ja nicht gearbeitet? Wenn ich zwei Personen für je 12h (was 1, 5 Tage heißt) Arbeit zu je 8€ (was knapp der Mindestlohn ist) rechne kommt 192€ raus. Zu deinen 136€ macht das 328€.
    Selbst mit 15h Arbeit pro Person seid ihr immer noch unter 400€. (376)
    Meinetwegen habt ihr 20 Stunden dran gearbeitet – immer noch unter den 470€ (456).

    Also war eurer Einkauf bis auf ein paar Nerven und Verletzungen (hoffe, es ist verheilt) erfolgreich 🙂 und ökologisch noch dazu. Durch die Bearbeitung vom Holz hält das Teil sicher noch 25 Jahre- ich wünsche es euch!

  • Ich würde bei gebrauchten Holzmöbeln, vor allem Betten und Lattenrost, auch einen Check auf Bettwanzen machen. Am ehesten zu erkennen an Kotspuren (schwarze Pünktchen), die Tiere selbst kommen fast nur in der Nacht heraus (wenn Menschen im Bett oder in der näheren Umgebung schlafen). Wenn Verdacht auf Bettwanzen: Finger weg! (aber unbedingt den Verantwortlichen melden, damit das Teil entsorgt wird)

    • Pfuh, an sowas hab ich noch gar nicht gedacht. Vermutlich, weil ich noch nie die „Ehre“ hatte. Hab aber gehört, dass man diese Viecher ziemlich schwer wieder los wird. Aber danke jedenfalls für den Tipp!

      Lg

  • Mein Schreibtischsessel ist letztes Jahr auseinander gebrochen, leider so gebaut dass er nicht reparierbar war (hat aber auch 8 Jahre und blöde Belastung durch den Kuschelkater ausgehalten, dabei kann man nicht mehr mittig sitzen, da man ja mit dem Kater teilen muss 😉 ). Da ich den Sessel doch toll fand (und er hoffentlich ohne die Belastung noch länger hält) und der vom schwedischen Möbelriesen war, einfach mal auf passender Plattform Second Hand geschaut nach dem selben Modell, und siehe da, zwei Straßen weiter fündig geworden und sogar Abholung am selben Tag! War wie neu, hat weniger als die Hälfte gekostet und der Weg war definitiv kürzer, also voller Erfolg!

    • Hallo Nana!
      Gratuliere! 2 Gassen weiter ist ja wirklich großartig!
      Ich mach das mittlerweile auch primär so. V. a. bei Dingen bzw. Kleidung , die man schon hatte, ist das super. Ich hab mir vor kurzem 2 Second Hand Trägershirts (wie neu) zum Unterziehen ohne probieren zuschicken lassen (weil nicht in Wien). Genau die gleichen hatte ich ca. 10 Jahre und eine Nr. größer.

      LG Sabrina

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