ich mach es anders

Hast du einen Bullshit-Job? [Buchrezension]

Buchcover David Graeber Bullshit-Jobs

Ist es ein Job oder ein(e) Beruf(ung), das was du machst? Trägt deine Tätigkeit zum Wohle der Gesellschaft bei? Würde es auffallen, wenn es deinen Job plötzlich nicht mehr gäbe? Das sind die ersten zentralen Fragen, um zur Antwort zu gelangen, ob mensch einen Bullshit-Job hat. Ich habe das wirklich sehr anregende Buch „Bullshit-Jobs. Vom wahren Sinn der Arbeit.“ von David Graeber gelesen. Um ein Gespür dafür zu bekommen, was einen Bullshit-Job „auszeichnet“. Und um für mich festzustellen, ob ich bereits in meiner Berufslaufbahn Bullshit-Jobs gemacht habe. Natürlich nehme ich das Buch als Anregung, um zukünftig der Bullshit-Job-Falle möglichst zu entgehen.

Je geringer der Beitrag für die Gesellschaft ist, umso besser ist der Job bezahlt

Die in der Überschrift getätigte Aussage hat sich in mein Hirn gebrannt. Der genaue Wortlaut des Zitats lautet: „Offensichtlich gilt in unserer Gesellschaft die Regel, dass eine Arbeit umso schlechter bezahlt wird, je offensichtlicher sie anderen Menschen nützt“. (S. 18) Und er hat damit für mich sowas von recht. Nehmen wir Bereiche her, die keine Bullshit-Jobs sind. Pflege, KindergartenpädagogInnen, KöchInnen und KellnerInnen, FrisörInnen, KosmetikerInnen – sie alle leisten einen Beitrag zur Gesellschaft oder machen Menschen durch ihre Arbeit glücklich. Die Bezahlung? Mehr als überschaubar. Es reicht oft gerade zum Leben.

Arten von Bullshit-Jobs

Und auf der anderen Seite? Die gut- und bestbezahltesten Jobs. Die eigentlich keine/r braucht. Weil sie keinen Beitrag zur Gesellschaft leisten und es nicht auffallen würde, gäbe es den Job morgen nicht mehr. Die Welt wäre, Graeber´s Meinung nach, sogar etwas besser. Graeber zählt dazu u.a. ManagerInnen, BörsenmaklerInnen, Lobbyisten, PR-SpezialistInnen, TelefonwerberInnen und BankerInnen.

Graeber definiert konkret 5 Arten von Bullshit-Jobs, wobei es natürlich auch Mischformen davon gibt:

  1. Die Tätigkeit der Lakaien. Ich kann mich noch so gut an den Job einer ehemaligen Studienkollegin erinnern. Sie musste im Ferialjob „nur hübsch“ aussehen und rumsitzen. Zu tun gab es nichts. Für mich war das unvorstellbar. Ich wäre vor Langeweile zu Grunde gegangen.
  2. Die Tätigkeit der Schläger. Damit adressiert der Autor primär staatliche Streitkräfte. Staaten haben Armeen nur, weil andere Staaten Armeen haben. Aber auch UnternehmensanwältInnen oder TelefonwerberInnen zählt er dazu.
  3. Die Tätigkeit der Flickschuster. Dabei handelt es sich um Angestellte, deren Job nur aufgrund einer Panne oder eines Fehlers der Organisation existiert. Sie werden dafür angestellt, um das Problem zu lösen, das gar nicht existieren sollte. Beispielhaft dafür ist für Graeber die Softwarebranche.
  4. Die Tätigkeit der KästchenankreuzerInnen. Oder auch: Bürokratiewahnsinn. Wie viel Bürokratie hast du in deinem Job/Beruf?
  5. Die Tätigkeit der AufgabenverteilerInnen. Diese Kategorie spricht, denk ich, für sich.

Bullshit-Jobs und seelische Gewalt

Was mich an dem Buch u.a. fasziniert hat, waren die vielen, vielen Erlebnisberichte von Betroffenen. Sie machen deutlich, was ein Bullshit-Job genau ist (wichtig ist nämlich zu verstehen, was der Unterschied zum Scheißjob ist, den keine/r machen will) und vor allem, wie furchtbar es sein kann, wenn mensch in einem Bullshit-Job gefangen ist. Boreout bekommt eine neue Dimension mit einem Bullshit-Job! Und ja, ich war auch einige Male damit konfrontiert, dass ich mehr Zeit als Arbeit hatte. Aber die Jobs waren nicht ganz der Bullshit-Kategorie zuzuordnen. Ich hab zumindest einen Sinn in meiner Tätigkeit gesehen.

Und er zeigt auch auf, was mensch tun kann, um in einem Bullshit Job nicht ganz unterzugehen. Denn von Luft und Liebe kann niemand überleben. Der monteäre Zwang hat uns alle in seinen Klauen. Und manche haben einfach keine Wahl.

Bullshit-Jobs wie Sand am Meer und wir tun nichts dagegen

Die Kapitel darüber, warum es so viele Bullshit-Jobs gibt, warum es sie überhaupt gibt, warum sie mehr werden und wir das zulassen, haben mich am meisten interessiert. Graeber schlägt hier eine Brücke zum Feudalismus und die Rolle des Staates bei der Schaffung und Beibehaltung solcher Jobs. Er geht auf den (Stellen)Wert von Arbeit ein (du bist nur wer, wenn du einen gut bezahlten Job hast) und zeigt Schwächen der Arbeitswerttheorie auf.

Was dagegen tun?

Am Ende des Buches gibt er Lösungsvorschläge, wie wir dem Wahnsinn der Busshit-Job-Ära entkommen können. Das Bedingungslose Grundeinkommen spielt dafür eine zentrale Rolle. Er geht ebenfalls darauf ein, welche politischen Auswirkungen Bullshit-Jobs haben.

Meine Empfehlung

Meine Empfehlung lautet: absolut lesenswert! Auch wenn das Buch für mich stellenweise etwas langatmig (da zu komplex) war, habe ich es verschlungen. Ich betrachte nun viele Dinge sehr viel anders und bin mir sicher, dass mein nächster Job meine Berufung wird 😀

Warum ich es hier vorstelle? Weil es für mich wichtig ist, auch nachhaltig zu sich selbst zu sein. Mir persönlich hilft das Buch, jene(n) Beruf(ung) zu finden, die mich glücklich macht.

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