ich mach es anders

Die Lagune von Venedig anders entdecken

Lagune von Venedig

Venedig & Umgebung sollte es werden. In der Hochsaison. Aber mit möglichst wenigen TouristInnen. Diesen hochgegriffenen Plan hatten meine Freundin S. und ich. Wir lieben beide das Gemütliche. Eigentlich verrückt! Wir machten uns dennoch an die Urlaubsplanung ran. Fünf Tage hatten wir Anfang Juli zur Verfügung. Die wollten gut genutzt sein. Klar war für uns von vorne herein, dass wir mit dem Nachtzug anreisen würden. Und recht schnell waren wir uns auch einig, dass wir nicht in Venedig direkt nächtigen würden. Venedig – ein Kindheitstraum von mir. Immer schon wollte ich diese Stadt, von der mensch so viel hört, einmal in meinem Leben besuchen. Bevor sie absäuft. Vor zwei Wochen war es dann soweit. Und ich stellte fest: die Region eignet sich für jedeN. Kultur, Natur, Sightseeing, Shopping, Strand – alles ist in dieser Region möglich.

Tag 1: Anreise, Spaziergang durch Venedig und Strandpicknick

Die Anreise mit dem Nachtzug von Wien nach Venedig war von wenig Schlaf geprägt. Das Gerumpel im Zug, jedes Bremsen und Anfahren aus der Station, nimmt der Körper wahr. Es war trotz Ohropax recht laut, denn wir lagen dort, wo das nächste Abteil angeschlossen war und die Verbindungsteile hätten eine Portion Schmieröl vertragen. Trotz der Strapazen war die Fahrt ein Abenteuer für uns. Wir quatschten bis spät in die Nacht und tranken Prosecco, bevor wir uns schlafen legten. Etwas zerknautscht starteten wir am nächsten Morgen mit einem Frühstück in Tag 1.

Ankunft in Venedig

Bootslinie Lagune von Venedig

Boote in der Lagune von Venedig

Ankunft in Venedig war gegen 8.30 Uhr. Nach einem gemütlichen Spaziergang quer durch Venedig – um diese Uhrzeit fängt das Touritreiben schon etwas an, hält sich jedoch noch stark in Grenzen – hatten wir unser Boot gefunden, das uns zu unserem Quartier in Cavallino Treporti, der Campinghochburg Europas, brachte. Cavallino Treporti ist mit der Linie 14 vom Markusplatz über Lido in ca. 45 Minuten erreichbar, mit der Linie 15 direkt, ebenfalls vom Markusplatz, in 35 Minuten. Die Landzunge – sie ist quasi der Ausläufer der Urlaubsregion Lido di Jesolo – ist zwar von Campingplätzen gesäumt (es gibt insgesamt 28), bietet aber mit ihren Sandstränden und Naturschutzgebieten für jedeN etwas. Die CamperInnen bewegen sich primär auf ihren Campingplätzen, weshalb es in unserer Region Nahe Punta Sabbioni (Schiffsanlegeplatz) recht ruhig war. 

Leuchtturm Cavallino TreportiNach dem Check-In in der netten Pension Il Ghebo mit ca. 8 Zimmern und großzügigem Garten, ersehnten wir bereits die Dusche. Frisch geduscht und umgezogen schlenderten wir die Via Fausta entlang zum nächstgelegenen Supermarkt. Die dort erstandenen Lebensmittel genossen wir bei einem Strandpicknick am Strand. Ausgeruht und gestärkt schlenderten wir den Strand entlang bis zum Punta Sabbioni Leuchtturm, um dort die nächste Pause einzulegen und das Meer auf uns wirken zu lassen. Weitere 2 Kilometer trennten uns von unserem ersten Abendessen im Restaurant Sotoriva.

Tag 2: Inselwelt in der Lagune von Venedig

Burano, Torcello und Murano, alles erreichbar mit der Linie 14 von Cavallino Treporti, sind bekannte Inseln in der Lagune von Venedig. Diese wurden uns auch von der Gastgeberin empfohlen. Mit dem Tipp, am Vormittag diese Inseln zu besichtigen und erst am Nachmittag nach Venedig zu fahren. Zu späterer Stunde seien wesentlich weniger TouristInnen in der Stadt. Vor allem am Wochenende (Tag 2 war ein Samstag), an dem TouristInnen aus Jesolo und Umgebung busweise in die Stadt gekarrt werden. Die Kreuzfahrtschiffe sind auch nicht zu vergessen. Aber dazu mehr bei Tag 3 und 5. Für uns war klar: Venedig sieht uns nicht am Wochenende, sondern erst an einem Wochentag. 

Burano und Mazzorbo

Zuerst ging es nach Burano. Für die einen Kitsch für die anderen Faszination. Ich gehöre zu Gruppe 2. Ich konnte mich an den vielen bunten Häusern nicht satt sehen. Bekannt für seine Stickereiarbeiten strömen vor allem nachmittags gegen 15.30 Uhr TouristInnen von Venedig auf die Insel. Wir bestaunten sie bereits gegen Mittag und verließen sie wieder, als die anderen kamen. Was sich bewährt hat, war das bewusste Abbiegen von den klassischen TouristInnenrouten. Wir waren teilweise allein in den Gassen unterwegs.

Wieder ein Päuschen auf einem schattigen Bankerl und die Ruhe genießen. Der schiefe Turm von Burano fällt ebenso auf, wie das bunte bemalte Häuschen, das eine ganze Menge Geschichte der Insel zeigt. Leider konnte ich nicht herausfinden, was es mit diesem Haus genau auf sich hat, da wir ganz bewusst ohne Reiseführer unterwegs waren. Immer wieder legten wir eine kurze Pause ein, um die Insel auf uns wirken zu lassen. Nette Plätzchen dafür finden sich Nahe der Lagune, etwas abseits vom Bottsanlegeplatz im Schatten.

TIPP: Glasmanufaktur LUMEART auf Burano

An der Ecke Fondamenta della Giudecca 40 / Corte Novello, einer Gegend, wo nur wenige TouristInnen hinfinden, befindet sich die Murano-Glasmanufaktur Lumeart. Die Kunstwerke in der Auslage fesselten uns, dennoch gingen wir nicht hinein, aus Angst vor einem Kaufrausch. Wir sollten es bereuen, nachdem wir in Murano angekommen waren. Verlinken kann ich leider nicht, da es weder Website noch eine facebook-Seite gibt.

Am Weg nach Mazzorbo, einer etwas kleineren Insel neben Burano mit einem Skulpturengarten und altem Glockenturm, ließen wir die Sonne und Ruhe auf uns wirken. Sitzend am Kanalrand genossen wir einen Apfel und blickten in die Ferne, ehe es weiter nach Torcello ging. 

Torcello

Torcello_Lagune von VenedigTorcello ist eine Insel mit zwei Kirchen, einem Insel- und einem Kunstmuseum sowie einigen Restaurants. Da wir eher „Kunstbanausinnen“ sind, standen die Museen nicht auf unserem Programm. Stattdessen wählten wir das gemütlichste und vermutlich auch nobelste Lokal am Kanal für unser Mittagessen. Es war teuer, aber es war gut. Das Flair in der Osteria Al Ponte del Diavolo war malerisch kitschig. Wir waren wieder einmal der Tiefenentspannung sehr nahe. Wir spazierten weiter Richtung Kirche, setzten uns in den Schatten und genossen die Stille. Nur wenige TouristInnen bewegten sich auf der Insel. Wir warfen einen kurzen Blick rund ums Inselmuesum und wollten danach die Insel weiter erkunden. Über der Teufelsbrücke führen die Wege jedoch nur zu abgesperrten Gebieten, weshalb wir uns auf den Weg weiter nach Murano machten.

Murano

Murano ist bekannt für seine Glaskunst. Ein Muranoglas-Geschäft nach dem anderen säumen die Insel. Für die einen das Shoppingparadies, für uns die totale Überforderung. Wir warfen einige Blicke in diverse Geschäfte, schlenderten durch Galerien und wurden mit der Insel doch nicht ganz warm. Nach einem Einkauf im Supermarkt verliefen wir uns etwas und konnten doch noch einen Blick durchs Fenster in eine Glasbläserei erhaschen. Leider waren wir schon zu spät dran, um beim Glasblasen zuzusehen. Das würde die Insel spannender machen. Sie war stärker frequentiert als Burano und Torcello, was vermutlich mit der Nähe zu Venedig zu tun hatte. Die unzähligen Geschäfte hinterließen bei uns den Eindruck, dass mensch schnell auf Fälschungen hereinfallen könnte. Das bestätigte eine kurze Recherche im Netz. Also Augen auf beim Murano-Glaskauf! Es war einfach too much und uns zu ungemütlich.

Dezent frustriert ärgerten wir uns, dass wir es nicht gewagt hatten, Lumeart in Burano einen Besuch abzustatten. Ich musste verbissen recherchieren, um welche Werkstätte es sich hierbei handelte. Denn Website des Künstlers gibt es keine. Ich konnte herausfinden, wo sie sich befand (Adresse siehe weiter oben), wann sie geöffnet hatte (wir waren zu spät dran, um noch einmal zurück zu fahren) und dass mensch dem Meister bei seinem Tun zu bestimmten Zeiten (aber wann genau, konnte ich nicht herausfinden) zuschauen konnte. Ein Besuch bei Lumeart kommt somit auf die Liste für das nächste Mal. 

Mensch muss nicht immer teuer essen

Sonnenuntergang Lagune von VenedigUnser Abendessen genossen wir in der Pizzeria All’Ancora. Einmal klassisch Pizzaessen musste einfach sein. Das Restaurant befindet sich wenige Gehminuten von Punta Sabbioni entfernt. Wir saßen direkt am Wasser und wurden mit einem grandiosen Sonnenuntergang belohnt. Preislich ist die Pizzeria sehr in Ordnung. Das Abendessen muss nicht zwingend teuer sein, auch wenn mensch die günstigen Restaurants etwas suchen muss. Die Region dürfte laut diverser Reiseberichte nämlich grundsätzlich etwas teurer sein. Bei den Restaurants konnten wir das feststellen, im Supermarkt nicht, da wir nicht auf die Preise geachtet hatten…

Hinweis: Je nach Insel gibt es KEINE klassische italienische Siesta! 

Auf Burano und Murano haben die Geschäfte meist von 10.00 Uhr bis 17.00 Uhr – also bis sich die meisten TouristInnen wieder vertschüssen – geöffnet. In Venedig schließen die Geschäfte um 21.00 Uhr und machen keine Siesta. Jedenfalls im Stadtzentrum. Außerhalb haben die Geschäfte zum Teil sehr wohl über Mittag geschlossen und ich vermute, dass sie auch früher schließen.

Tag 3: Entdeckungsreise auf Cavallino Treporti mit dem Fahrrad

Wir hatten für unseren Urlaub nicht viel im Voraus geplant, jedoch wussten wir, dass wir uns zumindest für einen Tag ein Fahrrad ausborgen würden. Das machten wir an Tag 3, dem Sonntag. Venedig war ohnehin keine Option für das Wochenende, deshalb wollten wir die Landzunge Cavallino Treporti, auf der wir wohnten, näher erkunden. Wir hatten das Glück, dass wir uns im Hotel kostenlos zwei Räder leihen konnten. Bepackt mit Badetuch, Bikini und Flip Flops starteten wir unsere Reise. Es gibt vier Fahrradrouten in der Region: die Wasserroute (8,5 km), die Gemüseroute (32,3 km), die Festungsroute (17,7 km) und die Sonnenuntergangsroute (23,5 km). Wir mixten die Routen, da sie sich teilweise auch überschnitten und waren überrascht, dass wir am Ende des Tages über 30 Kilometer zurück gelegt hatten. Ohne viel Muskelkater oder Ermüdungserscheinungen.

Lio Piccolo

Lio Piccolo war ein erkorenes Ziel, alles andere überließen wir mehr oder weniger unserer Lust und Laune. Die Fahrt zu Lio Piccolo, entlang der Lagunenknäle, ist ein wahrer Genuss. Die schmalen Straßen lassen nicht vermuten, dass sich dort auch motorisierte Fahrzeuge bewegen. Das ist in Maßen der Fall. Primär bewegen sich einige wenige TouristInnen mit dem Fahrrad in der Gegend. Im idyllischen Ristorante Al Notturno kann eine Kleinigkeit gegessen und getrunken werden. Und auch einige Gemüsebauern und -bäuerinnen verkaufen rund um das Ristorante ihr Gemüse und einige Holzschnitzereien. 

VogelfreundInnen kommen auf dieser Strecke voll auf ihre Kosten. Zahlreiche Vögel bewegen sich in dieser Region und mensch könnte stundenlang sitzen und dem Treiben der Vögel, Fische, Krabben und Insekten zuschauen. Die Ruhe der Au ist unbeschreiblich und lädt zur Tiefenentspannung ein. Zurück im Stadtzentrum, düsten wir bis Cavallino (diese Region ist weit touristischer als Treporti) in den Supermarkt, um uns für das nächste Strandpicknick einzudecken. Wir gönnten uns eine Liege + Sonnenschirm (ca. € 8,-) und genossen für drei Stunden Sonne und Strand. Ab 18:00 konnten wir beobachten, wie sich ein Kreuzfahrtschiff nach dem anderen aus Venedig raus schob. In einer Stunde haben wir drei Schiffe beobachtet. Wahnsinn pur, wenn mensch bedenkt, dass pro Schiffe auf einen Schlag über 1.000 TouristInnen abgesetzt werden, die nur wenige Stunden in der Stadt verweilen.

Tag 4: Vignole & Sant’Erasmo

Nach einem kurzen Abstecher nach Fondamente Nuove mit der Bootlinie 13 – wir waren davon überzeugt, dass es sich dabei um eine kleine Insel handelt, bis wir nach wenigen Metern feststellten, dass wir Mitten in Venedig standen – machten wir uns an Tag 4, dem Montag, auf nach Vignole.

TouristInnenarmes Vignole

Vignole ist eine kleine Insel, die von TouristInnen verschont ist. Wer die Ruhe sucht, ist hier perfekt aufgehoben. Es gibt ein Restaurant (Trattoria Alla Vignole), das montags jedoch geschlossen hat. Deshalb wählten wir einen schattigen Platz vor dem Restaurant, um auf Venedig zu schauen und auf das nächste Boot zu warten, das uns nach Sant’Erasmo brachte. Auf Vignole waren wir uns unsicher, ob die Insel für TouristInnen frei begehbar war. Um die Einheimischen nicht zu stören, entschieden wir uns für die baldige Weiterreise. 

Sant’Ersamo – die Gemüseinsel von Venedig

Sant’Ersamo ist eine ähnlich unaufgeregte Insel wie Vignole. Es gibt einige Pensionen, ein Restaurant, einen Kiosk und eine Kirche. Die Einheimischen düsen mit Ape, der dreirädrigen Verwandten der Vespa mit Führerhaus und Ladepritsche, die schmale Straße (es gibt nur eine Straße, die um die Insel führt) entlang. Und das nur sehr spärlich. Bei der Pension Il Lato Azzurro (Ausstieg Linie 13 bei San Erasmo Capannone und dann ca. 7 Minuten Fußmarsch) borgten wir uns um € 5,- für zwei Stunden ein Fahrrad aus, um die Insel zu erkunden. Es empfiehlt sich sehr, entweder ein Picknick mitzunhemen oder in der einzigen Osteria Al Bacan neben dem Strand etwas zu essen. Wenn deine Wahl auf das Restaurant fällt, solltest du dir das Fahrrad erst danach ausborgen. Das Restaurant befindet sich nur wenige Meter von der Pension Il Lato Azzuro entfernt.

Etwas abseits der Straßen führen kleine Trampelpfade an der Lagune entlang, die auch mit dem Fahrrad befahrbar sind. Wir nahmen uns ca. 1,5 Stunden Zeit für eine gemütliche Inselrundfahrt. Das Gemüse dominiert, jedoch gibt es auch Honig- und Weinproduktion auf Sant’Erasmo. Für eine Weinverkostung bei Orto di Venezia waren wir (wieder einmal) zu spät dran. Es ist der einzige Wein, der in der Lagune produziert wird und hat dementsprechend seinen Preis. Ob er ihn wert ist, werden wir das nächste Mal sehen 😉

Wieder zurück in Cavallino Treporti genossen wir unser Abendessen im gut besuchten Locanda Zanella mit ausgezeichneter Küche und gutem Wein. Auch VeganerInnen kommen hier nicht zu kurz, was ich großartig finde.

Tag 5: Schnitzeljagd durch Venedig und Rückreise

Wir entschieden uns, am Abreisetag – dem Dienstag – Venedig zu erkunden. Mit der Linie 15 ging es gegen 11.00 Uhr in 35 Minuten von Cavallino Treporti direkt zum Markusplatz. Es zahlt sich aus, das eine oder andere Schiff auszulassen, da das nächste meist wesentlich leerer ist. Alle TouristInnen strömen nämlich ins erste Boot, das anlegt, Richtung Venedig. Egal, ob auf Boot Nr. 2 nur wenige Minuten gewartet werden muss. Mit der Linie 2 fuhren wir anschließend vom Markusplatz zum Bahnhof (Station Ferrovia) und erlebten live jene Absurdität, die unter anderem den VenezianerInnen das Leben schwer macht. Ein Kreuzfahrtschiff, das durch die Lagune zum Anlegeplatz geschleppt wurde. Am Dienstag waren „nur“ zwei Schiffe in der Lagune (ein riesiges und ein etwas kleineres). Sonntags, wie gesagt, waren es mindestens drei. Ich vermute wesentlich mehr. 

Gepäckabgabe am Bahnhof

Extrem praktisch war die Gepäckabgabe am Bahnhof. Ich wurde um € 9,- für ca. 8 Stunden meinen Rucksack los und konnte mich nun super bewegen. Die Abgabe passiert nicht mittels Schließfächer, sondern Angestellte nehmen das Gepäck entgegen und lagern es in einem Gepäckraum. Benötigt wird ein Pass von dem eine Kopie angefertigt wird. Bezahlt wird erst nach Abholung. 

Den Canale Grande entlang

Mit der Linie 2 fuhren wir danach den berühmten Canale Grande entlang und konnten Venedig und seine grandiosen Bauten vom Wasser aus bestaunen. Es empfiehlt sich, im vorderen oder hinteren Bereich des Bootes Platz zu nehmen, um schöne Fotos schießen zu können. Wir fuhren bis zur Station „Arsenale“. Diese Region ist im Verglich zu Markusplatz und Umgebung sehr ruhig (vor allem am frühen Nachmittag), denn nur wenige TouristInnen finden dort hin. Die Bauweise des Arsenale ist beeindruckend. Auf der, trotz stattfindenden Biennale, ruhigen Via Giuseppe Garibaldi genossen wir in der Hostaria all’Ombra unser letztes Mittagessen vor der Abreise. Unweit davon entdeckten wir ein veganes Pizzaangebot. Also – Augen auf! Die Biennale gleich Nahe dem Arsenale haben wir dafür nicht entdeckt. Der Besuch dort geht uns „Kunstbanausinnen“ aber auch nicht ab 😉

Vom Arsenale bewegten wir uns ohne Stadtkarte die Gassen entlang. Wir waren erstaunt, dass wir recht lange ziemlich alleine unterwegs waren. Gezielt steuerten wir nach einiger Zeit Richtung Markusplatz, um die am Markusturm die Aussicht von oben zu genießen. Wir waren gegen 16.30 Uhr dort und ich war wirklich sehr überrascht darüber, wie wenig TouristInnen auf dem Platz waren.

Beim Turm warteten wir ca. 15 Minuten bis es nach oben ging. Die € 8,- waren es wert. Auch wenn wir nach kurzer Zeit wieder die Fahrt nach unten antraten, da doch recht viele Menschen auch am späteren Nachmittag die Aussicht von oben genossen. Weiter ging es durch die schmalen Gassen bis zum Campo San Giacomo dall’Orio, wo wir uns ein Gläschen Wein gönnten. Das war jener Platz, auf dem wir an Tag 1 bei unserem kleinen Spaziergang bereits eine Pause eingelegt hatten. Diesen kann ich als Alternative zum Markusplatz sehr empfehlen! Mensch kann dort wunderbar auf einer Parkbank im Schatten oder in einer der Trattorias Venedig auf sich wirken lassen.

TouristInnenarmes Venedig

Wegweiser Venedig

Immer den Pfeilen nach

Venedig besteht aus den seche Sestrieri (Stadtteile) Cannaregio, Castello (rund ums Arsenale), Dorsoduro, San Marco, San Polo und Santa Croce. Primär werden davon San Marco und San Polo von den TouristInnenmassen überlaufen. Wobei der Campo San Giacomo dall’Orio in San Polo ein eher ruhiges Plätzchen ist.

Castello

Wie bereits erwähnt ist die Gegend rund um das Arsenale für jene Personen ein Tipp, die sich nicht mit hunderten TouristInnen durch die Gassen wuzeln möchten. Die südlich vorgelagerte Insel Giudecca wirkte ebenfalls sehr ruhig auf uns, als wir mit dem Boot vorbei fuhren. 

Cannaregio und Santa Croce

Cannaregio und Santa Croce befinden sich im Norden und haben mit Bahnhof, Zufahrtsstraße vom Festland, Hafen und Busterminal einen Touch von einem Industriegebiet. Dennoch empfiehlt es sich, das Ghetto in Cannaregio (genau, das haben wir auch nicht geschafft und steht auf der To Do-Liste für das nächste Mal) zu besuchen. Wer sehr allein durch die vielen kleinen Gassen in Venedig schlendern möchte, ist in dieser Gegend bestimmt richtig.

Dorsoduro

Der Stadtteil Dorsoduro, im südlichen Teil der Altstadt, hat mir eine Bekannt als touristInnenarme Gegend Venedig´s empfohlen. Soweit sind wir aber gar nicht gekommen. Wir schlenderten vom Campo San Giacomo dall’Orio immer die Pfeile weiter Richtung Farrovia, gingen ganz bewusst über die Rialto-Brücke (an Tag 1 waren wir auch dort, aber ohne es zu wissen 😉 ) bis zum Bahnhof. Dort gönnten wir uns in aller Ruhe ein Bierchen am Kanal und warteten, bis der Zug uns wieder nach Wien brachte. 

Schnitzeljagd durch Venedig

Wer sich ohne Stadtkarte (egal ob Papier oder digital) durch Venedig bewegt, wird sich in die Kindheit zurückversetzt fühlen. Bei mir war das jedenfalls so. Mensch verläuft sich immer wieder mal, da es dann doch nicht weitergeht und mensch in einer Sackgasse steht. Egal, einfach umdrehen und weiter. Das Leitsystem in Venedig finde ich sehr gut ausgebaut. Manchmal muss mensch die Beschriftungen suchen, da sie etwas versteckt sind (z. B. an Restauranttüren oder unauffällig auf einer Hausmauer), aber schlussendlich findet mensch überall hin. Wenn mensch unter Zeitdruck steht ist das natürlich weniger prickelnd. Wenn aber ausreichend Zeit eingeplant wird, gleicht es einem kleinen Abenteuer. Zwar nicht im Wald, aber in einer wunderschönen Stadt 😀

 

Gemischte Gefühle trotz Traumurlaub

Wir haben viel gesehen und weit weniger gemacht, als es sich liest. Es war traumhaft und wir waren tooootal tiefenentspannt. Dennoch habe ich gemischte Gefühle. Dass das Gebiet stark touristisch erschlossen ist, stellt mensch in jedem Restaurant fest. KellnerInnen werden den Gästen nach Sprachkenntnissen zugeteilt. JedeR KellnerIn, der/die uns betreute, konnte perfekt Deutsch. Das trübte den Flair von Italien natürlich ein bisschen, für mich war das aber nicht das Schlimmste.

Keine Kläranlagen und viel petrochemischer Abfall

Meine Freundin S. stellte in einem tiefenentspannten Augenblick fest: „Venedig ist ein einziges, großes Sch…haus.“. Damit hat sie recht. Es gibt keine Kläranlagen (ausgenommen sind kommerzielle Betriebe) in Venedig. Die Lagune ist vergiftet. Petrochemische Abwässer vom Porto Marghera wurden jahrelang ungefiltert in die Lagune gelassen (rund um 2000 wurden mehrere Skandale aufgedeckt). Rund herum floriert jedoch die illegale Ernte von Muscheln, die dort hervorragend wachsen. Die Polizei kontrolliert zwar, aber das Geschäft mit den vergifteten Muscheln floriert laut Reiseführer (im Hotel lag einer über die Region Venetien auf, in den ich reingelesen hatte) so stark, dass die Strafen offenbar nicht viel Wirkung haben. Wer hinter dem illegalen Muschelverkauf steckt, kann mensch sich denken…

Motorboote sind schnell, aber wie die TagestouristInnen in Venedig nicht gerade umweltfreundlich

Die schnellen Motorboote bringen Sauerstoff ins Lagunenwasser, was zur schnelleren Fäulnis der Holzpfeiler, auf denen die Stadt gebaut ist, führt. Der durch sie erzeugte Wellenschlag nagt an der Bausubstanz der Häuser. Dass der Zahn der Zeit an den Pfeilern nagt, stellt mensch in der ganzen Stadt fest. Zahlreiche Bauten sind mittlerweile schief, da sich der Boden absenkt. Viele Bauten sehen heruntergekommen aus. Die tausenden TourIstInnen pro Tag (ca. 20 Millionen sind es jedes Jahr) konsumieren wenig und zahlen keine Nächtigungssteuern, hinterlassen jedoch horrende Müllberge. Der Wasserpegel stieg in den letzten 100 Jahren aufgrund von Sedimenten um 23 Zentimeter. Wenn sich nichts ändert, werden in den nächsten 100 Jahren das Doppelte befürchtet. Dann sind viele Teile der Stadt dauerhaft überschwemmt.

Und diese Gründe trüben meine große Freude über diesen tiefenentspannten Urlaub. Venedig ist ein Paradebeispiel dafür, was Massentourismus gepaart mit politischem Versagen und organisierter Kriminalität anrichtet. 

Und dennoch – für mich war es ein Traumurlaub

Die vielen Eindrücke und Möglichkeiten machten diesen Kurztrip für mich zu einem Traumurlaub. Ich war lange nicht mehr so tiefenentspannt, wie in diesen fünf Tagen. Und die Lagune von Venedig wird mich wieder sehen! Denn es gibt noch viel zu sehen. Wie zum Beispiel Lido, San Michele (Friedhofsinsel), Poveglia (Quarantäneinsel), die Klosterinsel San Giorgio Maggiore, weitere Teile von Venedig, Giudecca und noch viel mehr.

Falls du weitere Tipps für Tiefenentspannung in Venedig und Umgebung hast, lass es mich wissen! Und auch, falls dir die Gegend so gar nicht gefällt. Da der Beitrag offenbar zu lang für das Kommentarfeld ist, schreib mir doch einfach auf facebook.

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Venedig zahlt sich wirklich aus, ich brauchte aber einen zweiten Anlauf, um die Stadt wirklich genießen zu können. Danke für die Tipps mit den Fahrradtouren, die werden beim dritten Besuch in Venedig beherzigt…

    • Ich fahr bestimmt auch noch einmal hin. Mit ein bisschen mehr Venedig vielleicht. Freut mich, dass ich dir noch Tipps mitgeben konnte. Fühl mich ja fast ein bisschen geehrt. Das ist ja bei ReisebloggerInnen nicht ganz so einfach 😉

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