ich mach es anders

[Blogreihe] Nebenberuflich Selbstständig – Ungeliebtes: SVA und Finanzamt

Finanzamt und Versicherung

Ich wollte mein eigenes Unternehmen gründen. Einiges war mir schon klarer, nachdem ich Stunden damit verbracht habe, on- und offline zu recherchieren. Bei meiner Recherche stieß ich jedoch auch auf Begriffe, die mir neu waren. Was bitte bedeutet unechte Steuerbefreiung? Brauche ich eine UID (Umsatzsteuer-Identifikationsnummer)? Was ist jetzt anders als zuvor bei der ArbeitnehmerInnenveranlagung? Welche Fristen muss ich einhalten? Was muss ich bei der SVA (DAS Unwort für UnternehmerInnen) beachten? Ist bei der SVA wirklich so viel zu zahlen? Welche Ausnahmeregelungen gelten für mich? Mit meinen ganzen Rechercheergebnissen vollgepackt, wurde der nächste Schritt gesetzt: ein Termin bei der Steuerberaterin.

Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung sondern das Geschriebene basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen in Österreich!

Der Businessplan – bei mir eine Fleißaufgabe, bei anderen eine Notwendigkeit

Zuvor habe ich während einer Zugfahrt meinen Businessplan geschrieben. Das war mehr eine Fleißaufgabe, da ich nicht vor hatte, gleich zu 100% Selbstständige zu sein. Aber er war ganz gut dafür, um einmal darüber nachzudenken, was es alles braucht. Die Zahlenjongliererei mit Einkommen und Ausgaben etc. machte mir recht schnell klar, dass das Überleben als Selbstständige/r kein Honigschlecken ist. Diese Erkenntnis kommt, sobald mensch berechnet, wie viel für Steuern und Versicherung anfallen. Das wird nämlich gern vergessen, dazu zu rechnen. Deshalb rate ich jeder/jedem, einen Businessplan zu erstellen. Vor allem, wenn gleich 100% Selbstständigkeit angestrebt wird. Weitere Infos dazu als auch eine Vorlage gibt es beim Gründerservice.

Formularmarathon

Für´s Finanzamt

Meine Recherchen haben ergeben, dass ich für das Finanzamt ein Formular mit zu erwartetem Umsatz, zu erwarteten Ausgaben und auch Gewinn (oder Verlust) ausfüllen muss. Das habe ich, soweit es mir klar war, gleich zur Steuerberatrerin mitgenommen. Sie hat ihm dann noch den letzten Schliff verpasst. Das Formular gibt es hier zum Download. Dieses Formular kannst du auch nach dem Gründen ausfüllen. Ich wollte es vorher erledigt haben, um so rasch wie möglich loslegen zu können. 

KleinunternehmerInnenregelung

Das ist eine wichtige Geschichte, da es einige Erleichterungen gibt, wenn mensch die KleinunternehmerInnenregelung beantragt. Damit ist mensch nämlich unecht steuerbefreit Wah, dieses Wort! Ich kann´s noch immer nicht erklären, was das genau bedeutet, obwohl ich die Definition schon gefühlte hundert Mal gelesen hab. Kurz zusammengefasst: mensch braucht keine Umsatzsteuer verrechnen. Darf aber auch keine abziehen. Damit erspart mensch sich die regelmäßige Meldung beim Finanzamt und hat einen Preisvorteil für die KundInnen. Die Regelung greift für fünf Jahre. Was danach ist, werde ich dann sehen. Hier gibt es die Faustregel, dass mensch nicht mehr als EUR 30.000,- umsetzen. Eine einmalige Ausnahme von 15% ist erlaubt.

Das Kreuz mit der UID und ihre Ausnahmen

Es gibt Gewerbe, die es erfordern, dass eine UID (Umsatzsteuer-Indentifikationsnummer) vorhanden ist. Das muss jedeR dann für sich definieren. Infos zum Thema findet ihr auf der Website der WKO. Ich hab mittlerweile eine Sonder-Sonder-Sonderregelung. Ich habe mittlerweile nämlich eine UID. Aber NUR für Rechnungen an das EU-Ausland. Wenn ich z. B. nach Deutschland oder Italien einen Blogbeitrag an Firmen verrechne. Bei Privatpersonen ist das wieder anders. Das Gefühls-Wirr-Warr, das ich hatte, bis ich sie hatte, erspar ich euch lieber. Fest steht aber:

Wenn du als KleinunternhmerIn ans EU-Ausland eine Dienstleistung verrechnest, ist die Rechnungslegung nur mit UID korrekt!

 

Bei diesem Thema herrscht nämlich große Uneinigkeit unter BloggerInnen und auch SteuerberaterInnen. Ich hab mir die Infos direkt vom Finanzamt geholt und muss KEINE Umsatzsteuermeldung machen! Das glauben nämlich viele, dass das dann erforderlich wird. Ich verwende die UID auch NUR auf Rechnungen ins EU-Ausland (inkl. dem Passus, dass die Steuerschuld beim Empfänger liegt). Rechnungen an PrivatkundInnen verrechne ich nach wie vor ohne UID und ohne Ausweisung der USt.

Alles klar? Am Formular für die Beantragung der UID (Formular U15) musst du auch extra anführen, dass du die UID nur für die Verrechnung von Dienstleistungen im EU-Ausland benötigst. Es gibt Vieles anzukreuzen. Nur den einen Punkt nicht. Dazuschreiben reicht. Das Finanzamt verarbeitet das dann auch richtig.

SVA

SVA oder auch Sozialversicherung ist das Unwort eines/einer jeden UnternehmerIn. Das System ist nämlich wirklich übel, wenn mensch es nicht im Blick hat. In den ersten drei Jahren werden JungunternehmerInnen steuerlich entlastet. Wenn diese jedoch vergessen, sich jährlich etwas auf die Seite zu legen, schlägt die SVA im darauffolgenden Jahr zu und treibt nicht wenige in den Konkurs. Die Nachzahlungen sind nämlich meist heftig.

Ausnahme oder Differenzvorschreibung

Das war ein Thema, mit dem ich so rein gar nichts anfangen konnte. Die Differenzvorschreibung macht mensch bei einer Mehrfachversicherung. Die ist gegeben, sobald mensch angestellt und Selbstständig ist. Mensch zahlt somit nämlich mindestens in zwei Versicherungen Pensionsbeiträge ein. Ebenso gilt das für die Krankenversicherung. Der/die ArbeitgeberIn zahlt an die GKK, ich selbst an die SVA. Da ist von Bemessungs-, Höchst- und Mindestbeitragsgrundlagen die Rede. Es wird mit Begriffen wie GSVG, ASVG oder FSVG herumgeschmissen. What the hell? Als „Normalsterbliche“ verstehe ich nur Bahnhof.

Eine Entscheidung muss her – trotz Begriffs-Wirr-Warr

Vor dieser Differenzvorschreibung hatte ich Hochachtung. Ich hab nämlich 0,0% davon verstanden. In der Broschüre „Leitfaden für Gründerinnen und Gründer“ bin ich auch auf die KleinstunternehmerInnenregelung gestoßen. Die unterscheidet sich von der KleinunternehmerInnenregelung (wenn auch nur minimal ). Sie bedeutet, dass ich mich von der SVA ausnehmen lassen kann, wenn ich nach GSVG versichert bin. Alles klar? Mit Dr. Suchmaschine findet mensch mit dem Begriff „Kleinstunternehmer SVA“ nämlich keinen eindeutigen Treffer. Ich hab mich dennoch durchgewühlt. Auf der Seite „Ausnahme bei geringen Einkünften“ wurde ich fündig. Da gibt´s einige Vorgaben, die einzuhalten sind. Meines Wissens nach habe ich diese erfüllt. Nachdem ich darüber mit zwei SteuerberaterInnen gesprochen habe und die mir bestätigt haben, ich solle mich ausnehmen lassen, hab ich das getan. Das Formular findest du auf der Website der Sozialversicherungsanstalt.

Was heißt das jetzt?

Die Ausnahme wurde mir dankenswerterweise von der SVA genehmigt. Eine Voraussetzung ist zum Beispiel, dass meine Einkünfte aus selbständiger Arbeit im Jahr max. EUR 5.256,60 (Wert 2018) und Umsätze aus sämtlichen unternehmerischen Tätigkeiten im Jahr max. EUR 30.000 betragen. Ich muss somit keine Kranken- und keine Pensionsversicherung nach GSVG (Gewerbliches Sozialversicherungsgesetz), da ich ohnehin durch meinen Arbeitgeber versichert bin.

Das ist mit Abstand die wichtigste Ausnahmeregelung bzgl. der SVA! In meinem Freundes- und Bekanntenkreis gründen wegen der SVA viele nicht, da sie unsicher sind, was da auf sie zukommt.

 

Mit dieser Ausnahme ist es ziemlich geschmeidig. Ich zahle nur die gewerbliche Unfallversicherung. Das sind im Quartal ca. EUR 28,00. Das geht sich aus. Dennoch ist es wichtig, das Ganze nicht aus den Augen zu verlieren und immer im Blick zu behalten!

Die ArbeitnehmerInnenveranlagung ist Geschichte- der neue Freund heißt Steuerausgleich

Last but not least ist noch zu beachten, dass mit einer nebenberuflichen Selbstständigkeit keine ArbeitnehmerInnenveranlagung gemacht werden kann. Jetzt muss ein Steuerausgleich her. Es werden nämlich ALLE Einkommen, aus selbstständiger und nicht-selbstständiger Tätigkeit, in einen Topf geschmissen und versteuert. Unterm Jahr machst du für deine Einnahmen und Ausgaben aus selbstständiger Tätigkeit eine sogenannte Einnahmen-Ausgabenrechnung. Die hilft dir dann auch beim Steuerausgleich. Der Teil deines Anstellungsverhältnisses wird automatisch von der Lohnverrechnung ans Finanzamt übergeben. Wenn du über Finanz Online verfügst, sind die Daten vom Vorjahr ab Ende Februar eingespielt. Den Rest musst du selbst eingeben. Oder lässt es eingeben. Wenn dein Umsatz überschaubar ist, schaffst du es auch allein mit etwas Beratung von jemanden, der sich mit Steuern auskennt. 

Ich lasse meinen Steuerausgleich heuer von einer Steuerberaterin machen. Ich trau mich mit Angestelltenverhältnis, zwei Gewerben, UID-Ausnahmeregelung bei KleinunternehmerInnenregelung und SVA-Ausnahme nicht mehr drüber. Was wichtig ist: Wenn ein Guthaben herauskommt, musst du AKTIV werden, damit es dir auch ausgezahlt wird. Sonst steht die Summe als Gutschrift in deinem FinanzOnline bis du mal etwas nachzahlen musst. Dann wird das von deinem Guthaben automatisch abgezogen.

So, jetzt haben wir das Schlimmste hinter uns! In den nächsten Tagen wird gegründet!

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