ich mach es anders

Abenteuer Urlaub am Bauernhof

Naturverbundenheit, Tiere, hofeigene Produkte, Ruhe, Entspannung, Idylle – das sind alles Dinge, die ich mit Urlaub am Bauernhof in Verbindung bringe. In den letzten Jahren haben wir auf mehreren Bauernhöfen unsere Urlaube verbracht. Wir mögen es abseits der TouristInnenmassen. Im Familienbetrieb. Im besten Fall mit Tieren, weil wir „viechernarrisch“ sind, wie mensch so schön sagt. Wie ist das nun so auf Bauernhöfen oder am Agriturismo? Was erlebt mensch dort alles? Welche Überraschungen erwarten eine/n? Ich werde euch heute in diesem Beitrag von unseren Erlebnissen auf fünf Bauernhöfen – einer in Österreich und vier davon in Italien – erzählen.

Idylle pur

Auf Sardinien haben wir vor drei Jahren DEN Bauernhof entdeckt. Es war Zufall, aber seitdem sind wir begeistert vom Konzept Agriturismo bzw. Urlaub am Bauernhof und buchen, wenn möglich, nur noch Zimmer auf Bauernhöfen. Die Biofarm Cucche‘ ist unser absoluter Favorit, was es den folgenden Bauernhöfen nicht leicht gemacht hat. Die GastgeberInnen höchst zuvorkommend, die Zimmer klein aber sehr fein, das Essen jeden Abend mit hofeigenen Produkten frisch zubereitet, das Frühstück liebevoll hergerichtet, absolute Ruhe, weitläufige Olivenhaine, guter Wein, Schafgeblöke und ab und an bellt der Hofhund, wenn er sich gerade nicht streicheln lässt. Die Fotos zeigen, denke ich, recht schön, was ich meine 😉

Charme, Witz und lustige Gäste

Unseren witzigsten Aufenthalt hatten wir vor zwei Jahren auf einem Bauernhof Nähe Innsbruck. Kurzfristig telefonisch gebucht, war die Bäuerin überrascht, als wir einchecken wollten. Der Mann hatte etwas versprochen, was nur schwer zu halten wäre, aber irgendwo wird sie uns schon unterbringen können. Gesagt, getan. Wir bekamen unser Zimmer und durften sogar einen Blick in den Stall werfen. Der Hausherr hat keine Möglichkeit ausgelassen, um Witze zu reißen und uns ein wenig hinters Licht zu führen. Die anderen Gäste waren interessant – ein deutscher Künstler mit seiner Ehefrau, der uns bei jedem Zusammentreffen Geschichten aus seinem Leben erzählte. Bevor er die Heimreise antrat, drückte er uns noch einen Zeitungsartikel über ihn in die Hand. Die UrlauberInnen aus Amerika setzten sich am Abend vor dem Zubettgehen in den Vorraum, um Musik zu hören und zu singen. Das Essen war klassische Hausmannskost – Fleisch im Überfluss, Vegetarisches war überschaubar. Wie viele hofeigene Produkte tatsächlich verwendet wurden, war für uns nur schwer erkenntlich. Es war eine etwas schräge Partie für uns, aber wir haben uns pudelwohl gefühlt. Die zum Hof gehörige Alm hat uns die nötige Portion Idylle beschert. Almjause inklusive.

Außen hui, innen…?

Idylle allein macht´s nicht aus. Heuer waren wir nach 6 Nächten auf der Biofarm Cucche‘ noch weitere drei Tage auf auf einem anderen Agriturismo auf Sardinien. Die Idylle war ein Wahnsinn – ein bisschen, wie aus Kitschfilmen bekannt. Weitläufige Felder, alte Olivenbäume, Kühe, Hühner, Schafe, Hofhunde (inkl. Welpen), selbstgemachte Produkte zum Abendessen und zum Frühstück. Auf den ersten Blick also ein Jackpot. 

Feste feiern, wie sie fallen und eine große Familie

Beim zweiten Blick eine Ernüchterung. An allen drei Tagen waren große Familienfeiern angesagt. Dies – aber auch das Wetter auf Sardinien – bedingte, dass die Hofarbeit spät in der Nacht gemacht wurde. Traktorengeräusche und Scheinwerferlicht bis 03:30 Uhr kamen da schon mal vor. Das gemeinsame Essen mit allen Gästen an einem Tisch war für uns eine neue Erfahrung. Das hat natürlich den Vorteil, dass mensch mit fremden Leuten ins Gespräch kommt. Wir waren darin jedoch nicht sehr geübt und waren etwas überfordert, schafften unser Abendessen in der großen Runde dann aber doch ganz gut. Vor allem war „Big Boss“ (ein ca. 2 Meter großer Italiener) uns wohlgesonnen, als ihm Herr von Anders den Vorsitz am Tisch überließ, den er auch aktiv eingefordert hatte. Die Verunsicherung beim Frühstück, wem wir dort wieder den Platz weggenommen hatten, blieb. War aber unbegründet, da wir mit Frühstücken immer recht früh dran sind.

Dass wir direkt auf einem Bauernhof nächtigten, wurde uns auch durch die „besondere“ Duftnote, die uns in die Nase stieg, bewusst. Das Pony, gleich in der Nähe unseres Zimmers in einem lieblosen Verschlag einquartiert und im eigenen Dreck stehend, war dafür verantwortlich. Es zerriss mir das Herz, es dort zu sehen.

Auf den Hund gekommen

Einige Tränen drückte ich gleich nach der Ankunft hervor, als wir zwei herzzereißend jaulende Hundewelpen in einem kleinen Käfig entdeckten. Winselnd und aufgebracht, an meinen Fingern nuckelnd, als ich sie streicheln wollte, um sie etwas zu beruhigen sahen sie mich mit ihren süßen Augen an. Wir fragten nach, was das soll (anders hätte ich es nicht geschafft, auch nur einen Tag dort zu verbringen) und uns wurde erklärt, dass sie dem Bruder der Gastgeberin gehören. Aufgrund der vielen Leute bei den Feiern können sie nicht freigelassen werden, da sie noch zu klein wären, um allein herumzulaufen. Es war eine Erklärung, mit der ich nicht ganz gut, aber etwas leben konnte. Am zweiten Tag wurden sie zumindest mit den anderen Hofhunden vergesellschaftet, damit sie nicht mehr so allein waren.

So richtig auf den Hund „gekommen“ sind wir jede Nacht. Am Hof lebten insgesamt sechs Hunde und in der Nachbarschaft vermutlich noch wesentlich mehr. Jede Nacht haben zahlreiche Hunde bis früh in die Morgenstunden gebellt. Ruhiger Schlaf war nur mit Ohropax möglich. 

Das Beste daraus machen

2016 hatten wir ein interessantes Erlebnis auf einem Agriturismo in der Toskana. Die steile und kurvenreiche Schotterstraße hat uns bei der Ankunft mit dem Motorrad den Schweiß aus den Poren getrieben. Aus unserem Motorradurlaub wurde somit ein Wanderurlaub. Die GastgeberInnen waren am ersten Blick nett, die restliche Woche aber kaum gesehen. Wir hatten das Gefühl, ungebetene Gäste zu sein. Dass es kein Frühstück bei Nächtigung im Appartement gab, war unser Fehler – wir hatten überlesen, dass es ein Appartment ist. Um jedoch Abendessen anzumelden, war uns unmöglich, da wir die GastgeberInnen fast nie zu Gesicht bekamen. Auch am Tag des Auscheckens teilte uns die Gastgeberin mit, dass sie nun nach Florenz fahre und die Putzfrau irgendwann komme und Bescheid wisse, dass wir noch bezahlen müssen.

Das Appartement selbst war auf den ersten Blick total urig. Bei näherem Betrachten bzw. Einschalten des Lichts rannte jedoch der Lurch (die Wollmaus) vor uns davon, alles war staubig, der Kühlschrank schimmlig. Herr Hahn mit Erkältung (jedenfalls hörte es sich so an) krähte uns jeden Morgen um 5:00 aus dem Bett und zwei Nächte lang gab es eine Party mit italienischen Landsleuten, die für zwei Tage eingecheckt hatten. Unser Zimmer neben der „Partyhöhle“ hatten wir das Gefühl, dass die Party direkt in unserem Schlafzimmer stattfand.

James Bond und das große Krabbeln

Urlaub am Bauernhof wie es nicht sein sollte.

Agriturismo Nonne Mela – geht gar nicht

Unser schlimmstes Erlebnis hatten wir in der Region Costa Smeralda. Auch dieser Bauernhof sah von außen urig aus, aber das war es auch schon. Der Hausherr – sturzbetrunken. Das Zimmer – fensterlos. Wir waren jedoch so fertig, dass wir in den sauren Apfel beißen wollten. Eine Nacht würden wir schon durchdrücken. Die Pässe waren abgegeben. Während Herr von Anders die Formalien checkte, schlenderte ich durch den Hof. Entsetzen! Ein Kettenhund bei den Hühnern. Ein zweiter vermutlich bei den Gänsen. Ich hab ihn nur gehört, nicht gesehen. In der größten Hitze, ohne Schatten und Wasser. Herzzerreißend, aber die Müdigkeit war größer.

Im Zimmer erwartete uns dann das große Krabbeln. Toten Insekten auf dem Nachttisch und im Bett. Als ich die Überwurfdecke entfernte, flitzte eine Spinne über den Kopfpolster. Das gab mir den Rest. Hier konnte ich nicht bleiben. Herr von Anders erhielt den Auftrag, unsere Pässe zurückzuerobern. Ich stand schon startklar beim Motorrad. Nach wenigen Minuten kam er aus dem Haus und befahl, den Helm aufzusetzen und aufzusteigen. Mit Vollgas ging es runter von der Farm. Unsere Herzen pochten. Froh, die Pässe wieder in der Hand zu haben, tranken wir in einem nahe gelegenen Familienhotel etwas, um uns wieder zu sammeln. Und checkten schlussendlich dort ein, was sich eindeutig als die richtige Wahl herausstellte.

Urlaub am Bauernhof – immer ein bisschen anders

Meine fünf Beispiele zeigen, denke ich, recht deutlich, was bei einem Urlaub am Bauernhof alles möglich ist. Es gibt nichts, das es nicht gibt und mensch muss etwas flexibel sein. Wir lernen mit jedem Mal dazu, was Sinn macht, vorab zu fragen. Worauf wir bei der Recherche schon achten sollten. Bewusst war uns bis heuer nicht, dass viele LandwirtInnen Agriturismo als zusätzliche Einkommensquelle zur Landwirtschaft sehen und sich daher nicht immer auf die Bedürfnisse der Gäste einstellen können oder möchten.

Was klar sein muss – und für mich am schwierigsten ist, ist die Tatsache, dass Bauern und Bäuerinnen oft einen anderen Zugang zu Tieren haben, wie unsereine/r, der/die „vichernarrisch“ ist. Vermutlich bin ich auch deshalb keine Bäuerin. Ich wär so sehr mit dem Wohlergehen der Tiere beschäftigt, dass das Heu vermutlich am Feld liegen bleiben würde. Tiere am Bauernhof sind primär Nutztiere. Der Hofhund ein klassischer Hofhund – manchmal auch etwas zausig und/oder mit leichten Verletzungen oder Milben in den Ohren. Im schlimmsten Fall wird er (im Ausland) an der Kette gehalten, weil er dazu dient, die Hühner zu beschützen. Urlaub am Bauernhof ist und bleibt für uns also ein Abenteuer. Dennoch ist es für mich eine der nachhaltigsten Formen im Urlaub zu nächtigen.

Hast du bereits Erfahrungen gesammelt? Wäre Urlaub am Bauernhof für dich überhaupt eine Option?

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