ich mach es anders

[Blogreihe] Nebenberuflich Selbstständig – Recherchieren bis zum Umfallen

Nebenberuflich Selbstständig_Titel

Was muss ich bei der Selbstständigkeit beachten? Welchen Gewerbeschein benötige ich? Wo kann ich ein Gewerbe anmelden? Wie komme ich überhaupt zu Informationen? Wer sind die richtigen AnsprechpartnerInnen für mich? Wie sieht es aus, wenn ich eine Anstellung habe und nebenbei selbstständig Erwerbstätig sein möchte? Was ist mit der Steuer? Fragen über Fragen, die ich mir vor gut zwei Jahren gestellt habe. Weil ich da so eine Idee hatte…

Am 8. April 2016 habe ich gegründet und bin seitdem nebenberuflich Selbstständig. Das hört sich so nach nicht viel an, aber es war doch ein weiter Weg dorthin. Nicht, dass mir eine Idee gefehlt hätte. Es war viel mehr der bürokratische Wahnsinn, durch den ich mich durcharbeiten musste. Bürokratie ist die kleine Schwester in unserem schönen Österreich. Die Zwei gibt´s nur in Kombination. Und das macht einer/einem das UnternehmerInnensein nicht gerade einfach. 

„Wie hast du das denn mit der Selbstständigkeit angestellt?“

Da ich immer wieder gefragt werde, wie ich zu all den Informationen gekommen bin und was ich tun musste, um mich nebenberuflich Selbstständig zu machen, finden diese Informationen ausnahmsweise auf diesem Blog Platz. Ich habe daraus eine Blogreihe mit 3 Teilen gemacht, da ich möglichst genau meine Erfahrungen wiedergeben möchte. Teil 1, also dieser, behandelt das Thema „Vorbereitung – Recherche und Information“, Teil 2 „Finanzamt und SVA“, Teil 3 „Gründen“. Bevor es an die Details geht, möchte ich Folgendes festhalten:

Dies ist keine Rechts- oder Steuerberatung sondern das Geschriebene basiert auf meinen persönlichen Erfahrungen in Österreich!

Für jede Idee ein eigener Gewerbeschein

Die Idee der Wiener Nachhaltigkeitstouren war recht schnell geboren und fast genauso schnell ausgearbeitet. Ich hatte noch gefühlte 1.000 weitere Ideen, was ich aus dem Thema nicht alles machen konnte. Durch meinen Brotjob wusste ich aber, dass ich so ziemlich für jede Idee offiziell einen Gewerbeschein benötigen würde. Das wäre dann doch etwas teuer geworden. Der (wirklich einzige!) positive Nebeneffekt war, dass ich mich auf ein Thema fokussierte und nicht mit 5 an den Start zu ging. Denn dann wäre vermutlich aus keiner etwas geworden. Wie es der Zufall so will, bin ich nun im Besitz von zwei Gewerbescheinen. Einen, um meine Touren anzubieten, den zweiten, um mit dem Blog etwas Geld verdienen zu können. Herauszufinden, welche Gewerbescheine ich für meine zwei Businessmodelle benötigte, ließen die grauen Haare auf meinen Kopf um einige mehr werden. 

Liberalisierung der Gewerbeordnung

Kleines Detail am Rande: im Mai 2018 tritt eine Minireform der Gewerbeordnung (Ausweitung der Nebenrechte) in Österreich in Kraft. Diese besagt:

Insgesamt dürfen ergänzende Leistungen aus anderen (reglementierten und freien) Gewerben im Umfang von bis zu 30 % des Jahresumsatzes erbracht werden, ohne dafür eine eigene Gewerbeberechtigung zu benötigen. Diese müssen eine wirtschaftlich sinnvolle Ergänzung der eigenen Tätigkeit darstellen. Im Rahmen eines bestehenden Auftrags dürfen Leistungen anderer reglementierter Gewerbe übernommen werden. Diese ergänzenden Leistungen aus reglementierten Gewerben dürfen bis zu 15 % der eigenen Leistung (Auftragswert bzw. Zeitaufwand) ausmachen. Diese Grenzen müssen strikt eingehalten werden. Quelle

Ich nenne es Minireform, auch wenn sie groß verkauft wird, denn unterm Strich ist es meinem subjektiven Empfinden nach eine Legalisierung der Praxis. Für mich bringt diese Liberalisierung noch nicht sehr viel, da beide Gewerbe ziemlich gleich auf sind. Mir fehlt die Phantasie, welches Business ich für die 30 Prozenthürde heranziehen soll. Das wird sich aber hoffentlich in den nächsten ein bis zwei Jahren herauskristallisieren. 

 

Es geht nichts über Vorbereitung – oder: Recherchieren bis zum Umfallen

Gleich vorweg: ich war wirklich äußerst gut vorbereitet. Das liegt in meiner Person. Wenn ich etwas mache, mache ich es g´scheit. Laut Selbsttest der Wirtschaftskammer hindert mich das daran, eine gute Unternehmerin zu sein/werden. Mensch solle sich nämlich nicht in Details verlieren. Da ich aber noch keinen Umsatz zu verlieren hatte und genau wissen wollte, auf was ich mich da einlasse, begann ich mit meinen Recherchen.

Broschüren, die mir halfen, mich nebenberuflich selbstständig zu machen.

 

Infos im Netz und am Papier

Im ersten Schritt habe ich natürlich Dr. Suchmaschine auf Teufel komm raus beschäftigt. Das brachte mich zu den ersten Blogs und Informationsseiten. 

Einige hilfreiche Links waren für mich

Und weil ich eigentlich lieber Papier in der Hand habe – da kann ich Informationen einfach besser aufnehmen – habe ich mir beim Gründerservice den Leitfaden für Gründerinnen und Gründer bestellt. Diesen habe ich gelesen und jene Stellen markiert, die mir nicht ganz klar waren. Einige Erklärungen konnte ich im Internet recherchieren. Einige musste ich mir aber direkt bei der Steuerberaterin abholen. V.a. bei den Bereichen Einkommenssteuer, Kleinunternehmerregelung und Versicherung (SVA).

Anruf beim GründerInnenservice der Wirtschaftskammer

Hierbei komme ich zu Frage Nr. 2 „Welchen Gewerbeschein brauche ich?“ zurück. Ich hatte bzgl. Touren von Bekannten bereits einige Informationen zusammengetragen. Da es beim Thema „Gründen“ jedoch fünf verschiedene Meinungen von vier Personen, die mensch fragt, gibt, wollte ich mir auch eine Information von einer offiziellen Stelle einholen. Ich rief also beim GründerInnenservice an. Meinem Gegenüber erklärte ich am Telefon, was ich vor hatte. Die Antwort war ernüchternd: Ich bräuchte den Gewerbeschein für FremdenführerInnen. Mir war klar, dass es damit nichts mit der Selbstständigkeit werden würde. Das FremdenführerInnentum ist in Österreich nämlich ein reglementiertes Gewerbe. Das bedeutet, dass mensch eine Befähigungsprüfung ablegen muss, dafür einiges an Ausbildungszeit und Geld in die Hand nehmen muss. Und darauf hatte ich keine Lust, keine Zeit und auch das nötige Kleingeld nicht.

Es geht alles über´s Netzwerken – online als auch offline

Meine Hilferufe dazu in den sozialen Netzwerken haben Früchte getragen. Eine Bekannte, die selbst Fremdenführerin ist, hat mir einen Kontakt direkt in der zuständigen Fachgruppe vermittelt. Dort rief ich an, mailte einige Male hin und her und erhielt meine gewünschte Antwort Schwarz auf Weiß. Ich kann ein freies Gewerbe lösen. Auch wenn es ein Graubereich ist. Denn für Thementouren, wie es meine sind, hat die Kammer kein eigenes Gewerbe vorgesehen. Obwohl es gefühlt 10.000 gibt. Fast für jeden Furz eines. Nur nicht für mich. Am Papier steht bei mir nun: „Planung einer sinnvollen Freizeitgestaltung (AnimateurIn)“. Das ist ja auch nicht ganz falsch. Mir war nur wichtig, dass ich damit mit meinen Gästen auch durch die Gassen ziehen kann und nicht nur plane. Das wurde mir ebenfalls bestätigt. 

Kleiner Auszug aus der Gewerbesammlung gefällig?

Ein kleiner Auszug aus der Berufsgruppenliste der Wirtschaftskammer nur aus der Sparte 1 (es gibt insgesamt 7):

  • Bettfedernreiniger
  • Wurzelschnitzer
  • Guillocheure und Ziseleure
  • Lampenschirmerzeugung aus textilem Material
  • Sonnenschutzanlagenhersteller (Jalousien, Rollladen, Markisen), soweit sie nicht zum Fachverband der Tischler und der Holzgestaltenden Gewerbe oder zum Fachverband der Metalltechniker gehören

Soziale Netzwerke zum eigenen Vorteil nutzen

Die sozialen Medien haben mir auch bei meinem zweiten Gewerbe weitergeholfen. Was braucht´s für´s Bloggen? Ruft mensch damit bei der Kammer an, herrscht einmal Stille. Zum Überlegen, oder so. Bloggen und Vloggen sind nämlich „Aliengewerbe“ für die Kammer. Sie wissen nicht, wie und wo sie diese neuen Formen einordnen sollen. Nachdem die Erstinformation an mich „Anzeigeunternehmen“ war, ließ ich nicht locker und recherchierte weiter. Bekannte österreichische BloggerInnen wurden von mir durch die Suchmaschinen gejagt und über das Impressum oder das Firmen ABC bin ich zu meiner Antwort gekommen: die meisten sind eine Werbeagentur. In einer facebook-Gruppe wurde zur richtigen Zeit genau das Thema diskutiert. Und ich erhielt die Bestätigung: die meisten haben eine Werbeagentur. Frage also gelöst.

Checkliste 
1. Infos online und offline einholen
2. Anruf beim GründerInnenservice
3. Anruf in der Fachgruppe deiner Landeskammer

Und? Lichtet sich dein Wald schon ein wenig? 😉 Blogbeitrag Nr. 2 zum Thema folgt in Kürze! Da geht´s dann schon ans Eingemachte.

Falls du dich Selbstständig gemacht hast: Wie bist du vorgegangen bzw. wo hast du dich informiert? Bist du hauptberuflich oder nebenberuflich Selbstständig? Über ergänzende Tipps und Erfahrungen freu ich mich!

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