ich mach es anders

Die Grüne Lüge [Buch- und Filmrezension]

Buchcover The Green Lie

„[…] es gibt kein richtiges Einkaufen im falschen Wirtschaftssystem. Denn Kapitalismus lässt sich nicht mit seinen eigenen Waffen schlagen.“, schreibt Kathrin Hartmann in ihrem Buch „Die grüne Lüge“, das sie gemeinsam mit Werner Boote (u. a. Regisseur von Plastic Planet) verfilmt hat. Greenwashing bekommt für mich damit wieder einen wichtigeren Stellenwert in meinem Alltag. Denn in letzter Zeit stellte ich fest, dass ich „argumentfaul“ wurde, wenn jemand die „tollen“ Errungenschaften von Konzernen pries.

Ich durfte am 5. März die Vorpremiere des Films besuchen. Am 9. März hielt ich dann auch das Buch in Händen. Heute gibt es einen kurzen Review zu Film und Buch am Blog. Und da ich im Rahmen eines Gewinnspiels vom Literaturbuffet ein Kinoticket als auch ein Buch gewonnen habe, werde ich am Ende des Beitrags beides verlosen. 

Die grüne Lüge – das Buch

Palmöl, Deepwater Horizon, Ozeanplastik, Landraub, Elektroautos, staatliches Greenwashing, Agrarindustrie – dies sind alles Themen, die im Buch von Kathrin Hartmann behandelt werden. Es ist mit vielen Fakten bestückt, die schockieren. Vermutlich deshalb wurde mir kein einziges Mal beim Lesen fad. Und das, obwohl ich zuerst den Film gesehen hatte. Ich sauge solche Informationen wie ein Schwamm auf. Mensch merkt, Kathrin Hartmann ist eine Expertin auf ihrem Gebiet. Vielleicht DIE Expertin. Die Frau kennt sich beim Thema Greenwashing aus, wie vermutlich kein/e andere/r. Sie bringt trotz der Fakte auf sehr kurzweilige Art und Weise das Problem mit dem Greenwashing auf dieser Welt ihren LeserInnen nahe. Was hervorragend herausgearbeitet ist, sind die globalen Zusammenhänge. Niemand, der das Buch liest, wird noch einmal behaupten, dass das Tun bei uns keine Auswirkungen auf der „anderen Seite“ dieser Welt hat. Das gilt übrigens auch für den Film.

Die grüne Lüge Ozeanplastik

Ich habe für euch, um möglichst schnell mit dem Gewinnspiel online zu gehen, das letzte Wochenende jene Kapitel gelesen, die im Film nicht behandelt werden. Das Thema Ozeanplastik hätte ich mir im Film gewünscht als ich das Inhaltsverzeichnis las. Im Buch erläutert Hartmann gegen Kapitelende, warum Ozeanplastik nicht im Film vorkommt: keine Firma wollte ihr und Boote ein Interview geben.

Vor allem dieses Kapitel konnte mir offene Fragen zu diesem Thema beantworten. Hartmanns klare Worte und tiefgehende Recherche werfen auf eine innovativ anmutende Aktion („befreien wir die Meere von Plastik und machen daraus Kleidung, Taschen o.ä.“) ein anderes Licht. Plötzlich merkt der/die LeserIn, dass diese Aktion vielleicht wirklich nicht sooo toll ist, wie in den Medien dargestellt. Erst kürzlich habe ich in einer Zeitung über die neue „Innovation“ Jeans mit Recyclingplastik gelesen. Und las den Beitrag mit gemischten Gefühlen. Am Ende wusste ich nicht so recht, was ich davon halten solle. Nach Lektüre des Buches ist meine Meinung dazu sehr klar.

Ich bin nämlich nicht dafür, dass Firmen durch diese Methode ihren Hunger nach weiteren Rohstoffen (egal ob recycelt oder nicht) weiter stillen können. Mir war nämlich bislang nicht klar, dass die Baumwolle als Rohstoff an ihren Grenzen ist. Es wird immer mehr nach ihr gefragt, es kann aber nicht noch mehr angebaut werden.

Staatliches Greenwashing

Jedes einzelne Kapitel für sich ist für mich extrem spannend. Vor allem beim Kapitel „Staatliches Greenwashing“ blieb mir die Spucke weg. Das ist ein Bereich, den ich bewusst nicht so intensiv verfolge. Denn dann möchte ich den Kopf in den Sand stecken. Es war dennoch gut für mich, einige Informationen dazu zu erhalten. Denn es ist die Politik, die den Rahmen für ein nachhaltiges Leben vorgeben müsste – und locker könnte, würde sie wollen und sich nicht von der Industrie lenken lassen. Und es ist unfassbar, durch welche Machenschaften gute Ansätze einfach ausgehebelt werden.

Die grüne Lüge – der Film

Werner Boote in der Rolle von Otto Normalverbraucher, Kathrin Hartmann in der Rolle ihrer selbst – der Expertin. Das ist der Film „Die grüne Lüge“. Es ist also keine klassische Dokumentation, sondern eine mit einer Geschichte. Für manche mag es etwas aufgesetzt wirken, aber dafür, dass beide keine ausgebildeten SchauspielerInnen sind, haben sie ihre Sache wirklich sehr gut gemacht. Ich behaupte, dass sich jedeR in einer der beiden Rollen wiederfindet. Werner Boote stellt jene Fragen, die ich auch schon alle gehört habe. Er ist der Konsument, der einerseits total gerne Schokolade mit Palmöl nascht, mit dem Elektroauto durch die Gegend gurkt und ein schmackhaftes Rindersteak verschmaust und andererseits total schockiert ist, als er hört, wie der Palmölanbau funktioniert, mit dem Kohleabbau in Deutschland näher konfrontiert wird oder die Geschichten der Indigenen in Brasilien hört, die um ihr Land kämpfen müssen. 

Kathrin Hartmann nimmt die Rolle der Aufklärerin ein. Manche würden sagen, sie ist die mit dem erhobenen Zeigefinger. Und ja, das ist sie auch. Würde ich in meinem Umfeld so argumentieren, wie sie es im Film tut, wäre ich vermutlich ganz schnell einige FreundInnen und Bekannte los. Aber sie hat recht. Es gibt nichts schönzureden.

Die zwei Rollen ergänzen sich in meinen Augen perfekt. Und es werden kontroverse Themen wie Elektromobilität, Gütesiegel oder Bio-Palmöl behandelt. Betroffene, die um ihr Land kämpfen und/oder andere Ungerechtigkeiten bekämpfen, kommen zu Wort. Und auch einige Firmen, die Greenwashing auf Teufel komm raus betreiben, werden interviewt und vorgeführt. Einige Szenen werden mir ewig in Erinnerung bleiben. So, viel mehr möchte ich euch nicht verraten. Ich hoffe, ich konnte euch mit meinen kurzen Berichten Lust auf das Buch als auch den Kinofilm machen. Ich empfehle übrigens, zuerst den Film anzuschauen und danach das Buch zu lesen 😉

In Deutschland läuft der Film übrigens am 22. März an.

Gewinnspiel – beendet am 14.3.2018

Was du dafür tun musst?

Die gruene Luege Buch und KinoticketGewinne das Buch ODER das Kinoticket „Die grüne Lüge“! Hinterlasse mir im Kommentarfeld deine Geschichte zu Greenwashing. Ich wette, jedeR von uns ist darauf schon einmal reingefallen. Ich habe deshalb sogar diesen Blog gegründet.

Dauer & Teilnahmebedingungen

Das Gewinnspiel läuft bis Mittwoch, 14.3.2018, 23:59. Danach werden unter allen Teilnehmenden das Buch und das Kinoticket verlost. Teilnahmeberechtigt sind volljährige Personen, wohnhaft in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Die GewinnerInnen werden in einem Losverfahren gezogen und anschließend schriftlich verständigt. Eine Barablöse ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Das Kinoticket kann NUR in Wiener Kinos eingelöst werden. Daher schreibe mir bitte dazu, was du gewinnen möchtest. Aus diesen Pools an TeilnehmerInnen werde ich beides verlosen.

Weitere Informationen zu Buch & Film

Weitere Informationen zum Film gibt es auf der Website von Werner Boote
Hartmann, Kathrin (2018): Die grüne Lüge. Weltrettung als profitables Geschäftsmodell. München: Blessing.

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Nachtrag: Meine Geschichte zu Greenwashing
    Ich habe leider viele Geschichten erlebt, weil ich früher dachte, dass Bio automatisch „gut“ ist. Dass es gerade bei Supermarktprodukten viele Dinge gibt, die zwar biologisch zertifiziert sind, aber weder auf das Wohl der beteiligten Menschen oder Tiere noch auf echte Nachhaltigkeit Wert legen (z.B. nicht samenfeste Hybridtomaten), war mir damals nicht bewusst. Ich war auch ein großer Ökodiesel-Fan, weil ich nicht wusste, wie viel Anbaufläche dadurch für den Anbau von Lebensmitteln verloren geht oder Pachtverträge von Biobauern nicht verlängert wurden, weil irgendein Ökodiesel-Erzeuger mit viel Geld im Hintergrund ein bisschen mehr geboten hat. Leider würde die Liste wirklich lang werden, ich merke aber, dass es immer leichter wird, mit ein bisschen Recherche die grünen Lügen zu entlarven, weil es auch immer mehr Menschen gibt, die sich die Mühe machen, darüber zu informieren.
    Danke auch für deinen Blog, da konnte ich schon viel Neues dazu erfahren!
    Rosa

  • Nachdem ich das Buch schon geschenkt bekommen habe, springe ich schnell in den Lostopf fürs Kinoticket. Danke für den Hinweis, dass man zuerst den Film sehen sollte, ich hatte sowieso noch keine Zeit zum Lesen, dann werde ich gleich noch ein bisschen damit warten.
    LG Rosa

  • Ich nahm an, dass Bio Obst und Gemüse nicht gespritzt wird… stimmt nicht! Wird auch gespritzt.. nur mit biologisch abbaubaren Mitteln. Ob das für Gesundheit und Umwelt immer zuträglich ist, ist auch zu hinterfragen.

  • Hallo sabrina,

    ich finde deinen beitrag auch sehr toll!! Danke dafür! Über das buch würde ich mich auch sehr freuen!

    Bevor ich mich mit Themen der Nachhaltigkeit beschäftigt habe, hab ich viele Jahre Melkfett verwendet, da ich dachte, es wäre ein natürliches Produkt…

    Viele liebe grüße nach Wien! Bussi Anita

      • Unraffinierte shea butter, bringt mir eddie aus ghana mit. Und sesamöl, das eigentlich als speiseöl angeboten wird. Und manchmal kokosfett, auch als lebensmittel angeboten.. viel günstiger als wenn kosmetikfirmen diese zutaten anbieten

  • Hallo Sabrina, danke für diese interessante Rezension! Leider schaffe ich es momentan nicht ins Kino, deshalb würd ich das Buch total gerne lesen.
    Auf Greenwashing bin ich auch erst vor kurzem reingefallen… Meine geliebte flüssige Seife – von einem nachhaltigen, der Umwelt zu Liebe, etc. Label – enthält laut Codecheck Mikroplastik. Ich hätte das nicht erwartet, weil ich der Marke vertraut habe, aber hier gilt offenbar: Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser. Also wirds wohl in Zukunft doch wieder stinknormale Seife, ganz ohne Mikroplastik (und Verpackung) geben.

    • Hallo Jenny!

      Mir ist es bei Kosmetik so gegangen. Die Firma wurde mir für Naturkosmetik empfohlen. Erst zu Hause habe ich die Produkte gecheckt und die Firma genauer unter die Lupe genommen. Die „Erleuchtung“ war wirklich, wirklich übel. Aber dieses Erlebnis hat mich dazu gebracht, diesen Blog zu gründen 😀

      LG Sabrina

  • Es gibt insbesondere im Bereich der Lebensmittel so viele „Greenwashing“- Fallen…bei mir ist es immer wieder das Palmöl, ich sehe ein Produkt, bio und dann, wenn man recherchiert gibt es gar kein „artgerechtes Palmölprojekt“… :-/

    • Hallo Timo!

      Ja, das mit dem Palmöl ist echt übel. Wenn man einige Dinge beachtet, ist es aber gar nicht mehr so schwer, darauf zu verzichten. Ich hab sogar bei Putzmittel (ich mach sie nicht selbst) eine palmölfreie Alternative für Wäsche und Allzweckreiniger gefunden 😀

      LG Sabrina

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