ich mach es anders

Onlinehandel – Pest, Cholera oder Lösung?

Füllmaterial für Pakete aus Onlinehandel

Beim Forum Green Logistics 2016 wurde das Szenario der Lebensmittelbeschaffung über den Onlinehandel gezeichnet. Für mich ein Horrorszenario. Unter anderem deshalb, weil nicht nur einmal der Name des Onlineriesen gefallen ist, der alle kleinen Betriebe schlucken wird. Ich lehne diese Form des Onlinehandels komplett ab. Warum, habe ich bereits einmal in einem Blogbeitrag kund getan. Ich habe damals in einem Interview auch geäußert, dass ich noch nie beim Onlineriesen bestellt habe. Diese Aussage wurde gleich auf den gesamten Onlinehandel übertragen. Das bewog mich dazu, diesen Beitrag zu schreiben. Weil es ist natürlich nicht so, dass ich dem gesamten Onlinehandel abgeschworen habe. Welcher Form des Onlinehandels ist nun für mich vertretbar?

Ich habe festgestellt, dass durch den enormen Druck, den der Onlineriese auf den Einzelhandel ausübt, viele kleine Unternehmen ebenfalls auf den Zug des Onlinehandels aufgesprungen sind. Einfach, um zu überleben. Lieber wär mir ja, wenn jedeR seine Einkäufe beim Händler ums Eck erledigt, aber die Zeiten haben sich stark verändert.

 

Warum und wo bestelle ich online?

Ich hab nun mal für mich nachgedacht, welche Onlineshops ich verwende. Folgende Produkte bestelle ich online:

  1. Katzenstreu – wir haben zwei große Tiger, die ein dementsprechendes großes Klo haben, das dementsprechend viel Streu benötigt. Und die ist unglaublich schwer. Hier überwiegt der Bequemlichkeitseffekt „Liefern lassen statt schleppen“.
  2. Katzenfutter. Unsere Tiger benötigen aufgrund einer Futtermittelallergie Spezialfutter, das wir über eine deutsche Firma beziehen und deren Futter in keinem regionalen Geschäft verkauft wird.
  3. Zubehör für den Staubsauger: für unseren 10 Jahre alten Staubsauger brauchen wir ab und an Staubbeutel und Filter. Da die Firma kaum Verkaufsstellen hat, ist die Onlinebestellung einfach praktisch.
Einkauf Food X, Saefte, Joghurt, Salat, Kaese, Gemuese ist nur online möglich

Food Coop Bestellung

Und dann gibt es noch zwei Onlinehändler mit nachhaltigen Produkten, bei denen ich ein- bis zweimal pro Jahr bestelle. Dann verwende ich quasi die Onlinebestellung für Produkte aus der FoodCooperation, bestelle mein Bio-Gemüsekistl vom Pepi Hopf über seine facebook-Seite und bestellte eine Zeit lang auch bei essenswert.at über den Onlineshop meine Lebensmittel. Es läppert sich also zusammen, da immer mehr Unternehmen die Digitalisierung auch für ihren Vertriebszweck nutzen. Trotzdem kommt es in meinen Augen darauf an, welches Unternehmen mensch damit unterstützt. Last but not least buchen wir natürlich die Unterkünfte für unseren Urlaub meist online. 

In welcher Form ist Onlinehandel für mich vertretbar?

Der Onlineshop, von dem wir die Katzenstreu bekommen, ist eigentlich nicht vertretbar. Der Shop ist ein mega Konkurrent für die kleinen Zoohandlungen. Mensch bekommt dort ALLES – es ist quasi der Onlineriese für den Tierbedarf. Shmae on me? Nein, weil ich Kompromisse schließe und oft schließen muss – wie alle anderen auch. Wir bestellen dort lediglich die Katzenstreu. Bei Staubsauger und Katzenstreu sieht das etwas anders aus. Sie haben ihre eigene Produktpalette und sonst nix. 

Bei den kleinen Unternehmen, die einen Onlineshop haben, um am Markt zu bestehen oder um mehr KundInnen auch für ihre nachhaltigen Produkte zu erreichen sag ich: Ja, bitte online bestellen, wenn es sonst keine andere Möglichkeit gibt. Aber dann bitte direkt in ihrem Onlineshop. Und Augen zu und durch bei den Versandkosten. Die Kleinen können es sich nämlich nicht leisten den Versand und gegebenenfalls Rückversand kostenlos für die KundInnen zu machen. Unsere Quartiere für den Urlaub buchen wir möglichst direkt und nicht über die Onlineportale. Egal, wer den günstigsten Preis anbietet. Ein günstiger Preis hat auch immer Konsequenzen. Meist für die MitarbeiterInnen und/oder bei der Qualität von Zimmer, Essen etc.

Vorteile des Onlinehandels

…für Menschen mit Handicap

Produkte online zu bestellen ist für Menschen mit einem Handicap oftmals die einzige Möglichkeit, um einkaufen zu können. Vor einiger Zeit habe ich mit einer jungen Frau geredet, die MS hat und bereits Gehhilfen benötigt, um sich fortbewegen zu können. Sie hat komplett andere Bedürfnisse als Menschen mit gesundem Gehapparat. Für sie ist der Onlinehandel eine wesentliche Erleichterung.

… für Menschen am Land

Von einer Freundin weiß ich, dass sie fast verzweifelt, wenn sie nachhaltige Kosmetik kaufen möchte. Es gibt sie in der Region kaum. Außer die bekannten Marken von diversen Konzernen. Wenn sie jedoch etwas Spezielles sucht, sind ihre Möglichkeiten sehr rasch eingeschränkt. Nicht immer kann sie in die nächste Stadt fahren, um schnell etwas zu besorgen. Für sie ist daher der Onlinehandel eine tolle Möglichkeit an Produkte zu kommen, die für sie sonst nur sehr schwer zugänglich sind.

Der Umweltaspekt 

Eigentlich wollte ich nun die Umweltkeule auspacken. Es baucht für die Pakete für Sendungen und Rücksendungen Unmengen an Verpackungsmaterial. Kartonagen, Papier, Plastikfolie, Styropor, Paketband etc. Pakete müssen durch die Gegend geflogen, geschippert oder geführt werden. Bei einer kurzen Recherche bin ich jedoch auf diesen Artikel gestoßen. Darin kommt der Onlinehandel gar nicht so schlecht weg. Taugt mir nicht und soll auch kein Argument pro Onlinehandel sein, aber es ist immer wieder spannend, wenn mensch die komplette Kette mitdenkt.

Fazit: Onlinehandel: Pest, Cholera oder Lösung?

Pest und Cholera sind für mich vorhanden, wenn durch den Onlinehandel die EinzelhändlerInnen von der Landkarte verschwinden. Viele von ihnen bieten ihre Produkte auch über den Onlineriesen an, da sie darin eine weitere Vertriebsmöglichkeit ihrer Produkte sehen und ihr Geschäft vor der Schließung bewahren können. Jedoch ist der Preisdruck, der auf sie ausgeübt wird, alles andere als schön. Für Menschen mit einem Handicap ist der Onlinehandel aber oft die einzige Möglichkeit, überhaupt einkaufen zu können.

Ich plädiere dafür, möglichst wenig (und gezielt!) online zu bestellen und die Vorteile des Einzelhandels – überschaubares Angebot, tolle Beratung etc. – zu genießen. Dass es Ausnahmen gibt, ist mir bekannt und bewusst. Dennoch bieten die meisten Kleinhändler ein großartiges Service an! Das breite Angebot in diversen Onlineshops erschlägt uns (mich auf jeden Fall). Wir sparen keine Zeit dadurch, weil wir uns stundenlang durch hunderte Angebote durchklicken und zusätzlich zu Impulskäufen verleitet werden, weil uns weitere Produkte vorgeschlagen werden.

Bestellst du gerne online? Wenn ja: Welche Vorteile hat der Onlinehandel für dich? Wenn nein: Was hält dich davon ab?

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Finde interessant wie du dazu denkst. Es stimmt, Kompromisse muss man immer wieder machen. Hindert Prozent nachhaltig kann man nicht mehr sein.
    Für mich kommt noch hinzu, wie man wieviel online bestellt. Ist es einfach auf Glück und man schickt es zurück, das finde ich nicht in Ordnung. Wenn man allerdings etwas kauft, das man so nicht in Läden bekommt, hat man gar keine andere Möglichkeit. Darunter fällt etwas spezielles, gibt da ganze online Geschäfte, die sich auf nachhaltige Produktion spezialisiert haben.

    Was mich nervt sind die Bedingungen der deutschen Post. Niedrige Löhne zu unangemessen Zeiten. Wenn immer mehr Menschen online bestellt werden, muss auch der Service nach oben gehen. Aber die Einstellung ist eben nicht vorhanden und ausbaden müssen es die Kunden und Mitarbeiter. Das wird leider zu wenig einbezogen. Ist aber auch schwer zu ändern, weil man sich die Transportfirma nicht aussuchen kann.

    Aber du machst das super. Es sind Punkte dabei, die zu wenig gesehen werden.
    Mach weiter so. Danke dir für deine Idee und Beiträge. Eva

    • Hallo Eva!

      Vielen Dank für deine Gedanken! Du sprichst einen wichtigen Punkt an, nämlich die Arbeitsbedigungen. Das Problem, das ich sehe ist u.a. das, dass die KundInnen es möglichst billig haben möchten. Man braucht sich auch nur die Bedingungen der Paketlieferanten ansehen – da wird mir übel. MitarbeiterInnen beim Onlineriesen – oft nur LeiharbeiterInnen auf Zeit – stehen ebenfalls ganz schlecht da. Geld ausgeben für Rücksendungen oder gar ein kostenpflichtiger Versand ist für Viele ein NoGo. Bezahlen tun das die Menschen, die im Hintergrund arbeiten. Das sind alles Gründe, die mich davon abhalten, zu viel online zu bestellen.

      Danke auch für dein Feedback! Darüber freu ich mich sehr!

      LG Sabrina

    • Hallo Maria,

      ich finde, das ist der richtige Ansatz, den du hast 😀
      Bequem finde ich das Onlinebstellen nicht so. Aber das liegt wohl daran, dass ich Dinge gerne in der Hand halte und begutachten möchte, bevor ich sie kaufe.

      LG Sabrina

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: