ich mach es anders

Weihnachten, die Zeit des Schenkens. Oder: Geschenke, Geschenke, soweit das Auge reicht [Blogreihe]

Geschenkverpackung

Weihnachten ist für viele in unseren Breitengraden die Zeit des Schenkens. Geschenke werden zu Hauf in der Adventzeit besorgt. Meist unter größtem Stress. Meist weiß mensch gar nicht, was geschenkt werden soll und deshalb schenkt mensch halt irgendwas. Irgendeine Kleinigkeit für entferntere Bekannte, größere Kleinigkeiten für entferntere Familienangehörige und etwas „G´scheites“ für die Liebsten. Das läppert sich finanziell zusammen und lässt den Stresspegel in die Höhe schnellen.

Sinnvoll schenken

Mensch kann natürlich im ersten Schritt über die Art und Weise, was und wie bei uns geschenkt wird, diskutieren und nachdenken. Irgendwie hat eh schon jedeR alles. Deshalb: macht es Sinn? Kann mensch es auch anders machen? Und wenn ja: wie? In unserer Familie schenken wir alle gern. Weihnachten ohne Geschenke wäre undenkbar. Wir haben uns nach jahrelangem Ramsch-Geschenke (damit beziehe ich mich auf uns Kinder, die ihr Taschengeld während der Schulzeit wohl bedacht einsetzen mussten. Für 4 Personen Weihnachtsgeschenke zu besorgen war dann doch ein Spießrutenlauf und nicht selten landete Ramsch unterm Baum) jedoch etwas einfallen lassen.

Wichteln anstelle Geschenke von jedem/r für jede/n

Wir wichteln seit einigen Jahren. JedeR schreibt ein bis drei Wünsche auf sein Namenszettelchen. Dann zieht jedeR einen Namen und jedeR weiß, womit er der zu beschenkenden Person wirklich eine Freude machen kann. Eingepackt werden die Geschenke von mir in möglichst nachhaltigem Geschenkpapier, das ich meist in den Weltläden erstehe. Zeitungspapier, das ich sonst zum Verpacken verwende, darf zu Weihnachten eine Pause einlegen. Manchmal passt mein Geschenk auch in eine nette Holzbox oder hübsche Papierschachtel.

Das Wichteln hat, wie bereits erwähnt, den Vorteil, dass mensch nur das schenkt, was gebraucht bzw. gewünscht wird. Es gibt auch die Form, dass mensch nur den Namen zieht, eine Summe X festgelegt wird und dann muss überlegt werden. Und nicht selten wird in diesem Fall dann wieder „falsch“ beschenkt. Deshalb haben wir uns dafür entschieden, die Wünsche ebenfalls auf den Zettel zu schreiben. Das verdirbt ein bisschen die Überraschung, aber es nimmt unheimlich gut den Stress raus. Und die Enttäuschung, falls der/die Schenker/in wirklich total daneben greift. Umgetauscht muss bei uns so gut wie nie werden. Denn Kleidungs- oder Schuhgrößen, bevorzugte Farben etc. werden ebenfalls notiert. Und manchmal sogar die Bezugsquelle. Und sonst kann es auch schon mal vorkommen, dass der Wichtel im Kleiderschrank des anderen wühlt, um die passende Größe herauszufinden.

Doppelte Freude mit Ziegen, Regenwald oder Mikrokrediten

Es muss nicht immer die klassische Konzertkarte, ein Buch oder Gutschein für irgendwas sein. Wenn mein Wichtel wunschlos glücklich wäre, würde ich ihn zwar auch beschenken. Aber so, dass auch jemand anderer etwas davon hat. Diverse soziale Einrichtungen bieten zu Weihnachten „Sinnvolle Geschenke“ an. Das sind z. B. Schulrucksäcke für Kinder, Schlafsäcke für Obdachlose, ein Schlafplatz für Mutter und Kind Ziegen, Esel oder Kühe für Familien in Ländern des Südens. Meiner Schwester habe ich einmal ein Stück Regenwald geschenkt. Sie hat das Zertifikat heute noch. Ein weiterer Tipp ist ein Geldgeschenk. Aber nicht im klassischen Sinn. Sondern über Genossenschaftsanteile bei z. B. Oikocredit. Damit hat der/die Beschenkte ein Geldgeschenk, mit dem zugleich Mikrokredite in Ländern des globalen Südens finanziert werden. 

„Zeit hat mensch nicht, die nimmt mensch sich“ – Zeitgeschenke

Zeit schenke ich sehr gerne. Denn in der heutigen Zeit, ist Zeit Gold wert. Ich sage immer „Die hat mensch nicht, die nimmt mensch sich.“ Wir hasten so vielen Dingen nach, die uns nicht wirklich glücklich machen. Wir fühlen uns ausgelaugt und müde und vergessen darauf, unsere wertvolle Zeit mit den Menschen zu verbringen, die wir wirklich gern haben. Um diese Menschen zu beschenken, bietet sich ein Zeitgeschenk an. Ein gemeinsamer Wandertag, ein Ausflug, ein gemeinsames Essen. Oder eine Nachhaltigkeitstour durch Wien mit anschließendem Essen 😉

Die Terminfindung ist hier wohl die größte Herausforderung. Aber nicht vergessen: Zeit nimmt mensch sich! Und du wirst sehen: es wird ein unvergesslicher Tag werden. Der nicht noch einmal kommt. Am besten eigenen sich in meinen Augen selbst gebastelte Gutscheine. Dann hat mensch auch nicht den Druck eines Ablaufdatums im Nacken. Dass er auch eingelöst wird, braucht manchmal etwas Nachdruck. Also nur nicht zimperlich sein 😉

Selbst gemacht währt am längsten

Upcycling Geschenkverpackung LippenbalsamAls ich meinen 29. Geburtstag gefeiert habe, habe ich meinen Gästen verboten, Geschenke mitzubringen. Natürlich hat sich fast niemand daran gehalten. Alle haben etwas Selbstgemachtes mitgebracht. Und ich hab mich soooooo darüber gefreut. Selbst gehäckelte Topflappen, ein Brief mit berührenden Worten, selbst gemachte Naturkosmetik, eine Flasche Olivenöl (von der Verwandtschaft produziert) usw. Es waren Kleinigkeiten, die mein Herz berührt haben. Und ich werde diesen Geburtstag nie vergessen. Weil es lustig war, aber auch, weil ich so tolle Geschenke bekommen habe, die alle von Herzen kamen und selbst gemacht waren.

 

Indirekt manipulative Geschenke

Geschenke für Weihnachten: Schmuck aus dem WeltladenDas klingt jetzt etwas hart – indirekt manipulative Geschenke. Aber ich liebe sie und schenke sie total gern her. Was ich damit meine? Ganz einfach: nachhaltig produzierte Dinge. Damit beschenke ich meist entferntere Famlilienmitglieder oder Menschen aus meinem Freundes- oder Bekanntenkreis, die noch nicht so sehr nachhaltig leben. Ein schöner Schmuck aus dem Weltladen, Holzspielzeug für die Kinder, ein Handtuch aus FAIRTRADE zertifizierter Bio-Baumwolle, ein Gutschein für nachhaltig produzierte Bekleidung, eine Edelstahltrinkflasche etc. Und natürlich: Essbares! Damit hast du sie alle auf deiner Seite. Schenke ein kleines Fresskörbchen, wie ich es immer nenne, oder ein paar fair produzierte Naschereien und du hast gewonnen. Denn nicht nur Liebe sondern auch Nachhaltigkeit geht durch den Magen.

Oder probier es mal mit einem Geschenk aus 2. Hand und achte bei der Übergabe darauf, ob es dem/der Beschenkten überhaupt auffällt, dass das Geschenk nicht neu ist. Waren aus 2. Hand haben – neben dem Produkt, das mensch gar nicht kauft – den geringsten CO2-Abdruck, weil für die Produktion, die nicht stattgefunden hat, keine neuen Ressourcen benötigt wurden.

Kaufe regional

Der für mich wichtigste Punkt beim Geschenkekauf ist der, darauf zu achten wo ich kaufe. Es verleitet sehr, in der stressigsten Phase des Jahres online zu bestellen. Wenn du aber igendwie eine andere Möglichkeit hast, kaufe regional. In den kleinen Geschäften. Damit unterstützt du die KleinunternehmerInnen und erhältst neben dem Produkt auch ein nettes Gespräch und beste Beratung. Nimm dir Zeit, um in den kleinen Geschäften zu gustieren, dich umzuschauen, was es alles gibt. Hetze nicht ins und durchs Einkaufszentrum, sondern schlender gemütlich durch die Stadt.

Last but not least – die Geschenkverpackung

In Wien fallen zu Weihnachten 300 Tonnen (!) Altpapier an. Das muss mensch sich einmal auf der Zunge zergehen lassen. Eine Stadt, knapp 2 Millionen EinwohnerInnen (viele davon sind bei ihren Familien, die außerhalb der Stadt wohnen), 300 Tonnen Papier. Das meiste davon nur wenige Sekunden in Verwendung, bevor es aufgerissen und weggeschmissen wird. Das muss nicht sein. Es gibt so viele alternative Ideen, wie Geschenke verpackt werden können. Ich habe letztes Jahr ein paar alte Papiersackerl hergenommen und mit Buntpapier verziert. Ich musste feststellen, dass ich dafür äußerst unbegabt bin (ich bin nun mal in der Hinsicht kein kreativer Kopf), aber alle haben sich gefreut.

Stofftaschen, Kisten aus Holz oder Papier eigenen sich genauso und können weiterverwendet werden. Meine Fresskörbchen schenke ich gerne – eh klar – im Körbchen her. Aber ganz ohne Cellophan oder sonstigem Schnickschnack. Wer geschickt beim Einpacken ist, bekommt bestimmt auch mit Zeitungspapier etwas Nettes hin. Wenn es Geschenkpapier sein soll, dann aus nachhaltiger Produktion. Die bekommst du z. B. in Weltläden oder Papierfachgeschäften.  

 

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