ich mach es anders

Fünf Monate milchfreier Haushalt [Zwischenfazit]

Obst und Gemuese verpackungsfrei in Körben bei Der Greißler.

Vor vier Monaten habe ich meinen Beitrag über unser veganes Vorhaben veröffentlicht. Jetzt ist es an der Zeit, ein Zwischenfazit zu veröffentlichen. Primär für mich, um zu reflektieren. Gleich vorab: wir leben auch jetzt noch nicht komplett vegan. Denn Eier essen wir ab und an. Und auch Fleisch landet ab und zu auf dem Teller. Bei Herrn von Anders etwas öfter (alle paar Monate), als bei mir (ein paar Mal pro Jahr). Denn auch ich esse einige Male im Jahr Fleisch, wenn auch von Kleinbauern über die FoodCoop. Aber ich weiß, das ist keine Ausrede. Rechne ich Fisch dazu, den wir ca. einmal im Quartal zum Mittag- oder Abendessen und Räucherfisch ab und an zur Jause essen, bin ich bei ca. 15-20 Mahlzeiten im Jahr, wo totes Tier auf meinem Teller liegt. Vielleicht sollte ich darüber einmal Buch führen, so wie beim Konsumbuch….

Jetzt aber zum eigentlichen Thema „Milchfreier Haushalt“. Seit dem letzten Blogbeitrag zum Thema „milchfrei“ ist unser Haushalt wirklich komplett milchfrei. Wie geht es uns ohne Milch und Milchprodukte? Wie einfach oder schwer ist es? Welche Ersatzprodukte verwenden wir, auf welche können wir verzichten? Wie meistern wir das Kochen ohne Milchprodukte?

Das war einfach

Dass aller einfachste war der Kaffee. Ihn trinken wir seit der Umstellung schwarz. Auch der Käse fehlt nicht so sehr, wie zu Beginn angenommen. Es gäbe dafür unzählige Ersatzprodukte, aber die haben wir nach einer ersten Kostprobe wieder sofort von unserer Liste geschmissen. So etwas Grauenhaftes habe ich selten gegessen. Und bevor ich mir dieses Zeug rein zische, verzichte ich lieber darauf. Produkte wie Schlagobers (Sahne) oder Sauerrahm fehlen gar nicht, da wir diese auch früher kaum konsumiert haben. Ich habe uns zwar mit Ersatzprodukten auf Soja- und Reisbasis eingedeckt. Aber mittlerweile habe ich Bedenken, ob uns das ganze Zeug nicht bald abrennt, weil wir es so selten verwenden.

Das ersetzen wir

Mittlerweile gibt es Ersatzprodukte für fast alles. Die Supermärkte haben eigene Regale mit veganen Produkten. Aber nicht alle sind uns sympathisch. Wir für uns haben folgende Produkte ersetzt:

Butter

Buterersatz war bei mir zu Beginn ein großes Fragezeichen. Aber nach meinem Einkauf bei Elmira haben wir sofort auf Nussmus umgestellt. Nun kommt Mandel-, Cashew-, Hanf- Erdnuss- oder Aprikosenmus auf´s Brot, damit die Marmelade oder der Honig nicht durch´s Brot tropft. Nussmus kannte ich zuvor nicht und bin erleichtert darüber, dass es für uns eine geeignete Alternative ist. Preislich ist das Nussmus wesentlich teurer als Rohmilchbutter vom Kleinbauern/-bäuerin. Das ist für uns insofern kein Thema, da ich primär für die Lebensmitteleinkäufe zuständig bin und ich den Preis Herrn von Anders einfach nicht verrate 😉 Sollte Butter beim Backen oder Kochen laut Rezept erforderlich sein, verwende ich einfach ein gutes Öl oder Kakaobutter.

Milch

Milch haben wir genauso einfach wie Butter ersetzt. Nämlich mit Pflanzendrinks. Da ich zuvor schon kaum Milch getrunken habe, fehlte sie mir ohnedies nur im Kaffee. Herr von Anders liebt hingegen seit seiner Kindheit Milch. Für ihn war die Umstellung schon etwas herausfrodernder. Mitlerweile ist jedoch der Reisdrink sein neuer bester Freund. Durchgetestet haben wir sie bereits fast alle. Ausgenommen Drinks mit Chia und Cashew, weil diese Produkte von gar so weit weg kommen. Mandeldrinks gibt es immerhin mit italienischen Mandeln und auch der Reis stammt bei einigen Anbietern aus Italien. Nussmilch selbst zu machen war eine Anfangsmotivation von mir, die bereits wieder verflogen ist. V.a. auch deshalb, weil ich selbst die Nussmilch kaum trinke. Bzgl. zero waste wäre es aber sehr wünschenswert, wenn mich diesbzgl. die Muse wieder bald küssen würde…

Joghurt

Ganz euphorisch am Beginn, Lupinenjoghurt gefunden zu haben (weil ich Sojajoghurt einfach nicht hinunter bekomme) ist diese Freude darüber bereits verflogen. Ich bekomme es einfach nicht mehr hinunter. Mit entscheidend dafür war vermutlich auch mein Versuch, mein Frühstück auf gesund umzustellen. Aber dazu vielleicht einmal ein anderes Mal. Auch Herr von Anders meinte nach einer ersten Euphorie, dass es ihm nicht mehr so gut schmeckt. Er hat nun seine Sojajoghurtmarke gefunden (leider nicht jene, wo das Soja aus Österreich stammt), die ihm schmeckt. Ich selbst hatte dann auf Kokosjoghurt gehofft, obwohl es von weit, weit weg kommt. Aber auch das ist vor einiger Zeit bei mir durchgefallen. Ich habe anschließend ab und an Soja-Fruchjoghurt gegessen. Aber dieser zugesetzte Zucker geht mir so derart gegen den Strich, dass ich aktuell Joghurt komplett den Rücken gekehrt habe. Und nein, ich vermisse es nicht.

Aufstriche

Im Gegensatz zu früher essen wir jetzt vermehrt vegane Aufstriche, da es keinen Käse mehr gibt. Selbst gemacht ist jedoch keiner davon. Es gibt unzählige vegane Aufstriche, durch die wir uns gerade durch kosten. Es ist auch hier faszinierend, wie viele verschiedene es gibt.

Kochen ohne Milchprodukte

Das Kochen „ohne“ macht mir unglaublich viel Spaß. Klar war mir recht rasch, dass wir uns von unseren gewohnten Ernährungsgewohnheiten verabschieden müssen. Dass das nicht so einfach ist, sieht mensch am Thema Joghurt. Auch der beste Wille bringt die Geschmacksnerven nicht immer dazu, etwas zu mögen, das mensch nicht von Kindheit an kennt. Wie bereits erwähnt ersetze ich Butter einfach durch Öl oder Kakaobutter. Anstelle von Fleisch habe ich es einmal mit Haselnüssen probiert. Und zum Überbacken mit Käse habe ich Hefeflocken ausprobiert. Da Herr von Anders aber vermutlich auch diese nicht verträgt, bleibt es bei Hefeflocken bei diesem einmaligen Versuch.

Wir haben uns mit allerlei Nüssen, Samen, Trockenfrüchten, Flocken und Hülsenfrüchten eingedeckt. Und jedes Mal, wenn ich ein Rezept suche und es Milchprodukte enthält, überlege ich kurz, was ich stattdessen nehmen könnte. Bis jetzt habe ich immer eine passende Alternative gefunden und es sind alle improvisierten Gerichte ganz gut gelungen 😀 Das Improvisieren bringt ganz neue Horizonte mit ich kombiniere Zutaten in einer Art und Weise, an die ich früher nie gedacht hätte. Schlagobers (Sahne) & Co. braucht es nicht unbedingt. Ich gieße bei solchen Rezepten einfach mit Wasser auf, dicke die Sauce mit Kartoffelstärke ein und würze gut. Dann braucht es das ganze Drum herum gar nicht. Verstärkt kochen wir nun auch mit Sojasauce, weil sie einfach einen tollen Geschmack hergibt. Jedoch bin ich bzgl. einer möglichst nachhaltigen Sojasauce noch nicht wirklich fündig geworden bzw. komm ich zu selten in einen Bio-Laden…

Das macht mir zu schaffen

Das nicht alles so einfach ist, zeigen die nächsten Punkte, mit denen ich zum Teil wirklich zu kämpfen habe.

Zuhause diszipliniert, auswärts schleppend

Schwer tu ich mir beim Milchverzicht, wenn ich auswärts esse. Oder im Büro Geburtstag gefeiert wird. Hier ist die Verlockung groß bzw. ist es teilweise ziemlich mühsam, milchfreie Speisen zu finden. Ich gebe auch zu, dass es mir zu mühsam ist, ständig danach zu fragen, ob die Sauce bei den Eierschwammerl Milch enthält.Begonnen habe ich nun einmal mit Kaffee, den ich auswärts schon recht gerne mit Milch trinke, weil ich keine Espressotrinkerin bin. Ich verinnerliche gerade, immer nachzufragen, ob es ihn auch mit einem Pflanzendrink gibt. In Wien gehört der milchfreie „Milch“Kaffee zum Glück schon in vielen Lokalen zum Standardprogramm. Am Land werde ich ihn wohl eher schwarz trinken müssen. Es ist ein erster Schritt in die richtige Richtung. Weitere werden hoffentlich folgen.

Bei Herrn von Anders ist das anders (was für ein Wortspiel :p ). Er studiert jedes Mal, wenn wir auswärts essen, penibelst die Allergenliste. Und stellt dann nicht selten fest, dass beinahe überall Milche enthalten ist. In der Panade, in einer Suppeneinlage, bei einer Sauce… Entgegen aller Entrüstungen, die die Allergenliste ausgelöst hat, sind wir froh, dass es sie gibt. Sie erleichtert Herrn von Anders den Bestellvorgang extrem. Denn sich alle Zutaten eines Gerichts von einem/einer Angestellten aufzählen zu lassen, wäre für beide seiten vermutlich mühsam. Und unsere Erfahrung ist, dass das Servicepersonal nicht immer 100% weiß, was wirklich drin ist.

Herkunft

Nicht sehr happy bin ich mit vielen Produkten aufgrund ihrer Herkunft. Cashew wird in der veganen Szene bejubelt. Für Käseersatz und allerlei anderer Dinge ist Cashew gut zu gebrauchen. Das Problem: sie kommt wirklich von sehr, sehr seeehr weit weg. Unsere Bio-Cashews kommen aus Vietnam, was ja wirklich nicht ums Eck ist.

Anstelle von Chia-Samen, die primär aus China kommen, verwenden wir die heimischen Leinsamen. Die gibt es wirklich aus der Region, was ich bei Hasel- und Walnuss leider nicht bestätigen kann. Die meisten Nüsse in Bioqualität stammen aus dem Ausland. Ich wusste nicht, dass die Türkei so viele Nüsse exportiert. Walnüsse stammen unter anderem aus Moldawien. Auch bei Haselnüssen entscheide ich mich jedes Mal für einen Kompromiss. Auch über die FoodCoop bekomme ich keine Nüsse aus der Region. Selbst sammeln wäre vermutlich die Alternative, wo wir wieder beim Zeitthema wären. Bei Walnüssen hatte ich heuer Glück – ich kann 2 Kilogramm aus Wien seit wenigen Wochen mein Eigen nennen. Jetzt müssen sie nur noch geknackt und ausgelöst werden.

Unseren, am Beginn unsere Projekts doch sehr stattlichen Mandelkonsum haben wir eingeschränkt. Wal- und Haselnüsse sowie Sonnenblumen- und Kürbiskerne sind zur Zeit ganz oben auf unserer Zutatenliste. Bei Mandeln lautet der Kompromiss: Bio und dafür aus Europa. Kalifornische Mandeln stehen bei uns auf der roten Liste. Die kommen uns nicht in die Wohnung. Beim Reisdrink ist es ähnlich: Reis aus Italien ist das höchste aller (meiner) Gefühle. In der jetzigen Situation bin ich unglaublich dankbar dafür, dass ich vor mehreren Jahren bereits begonnen habe, penibel nach der Herkunft auf der Produktverpackung zu suchen. 

Müll

Müll produzieren wir nun mit der milchfreien Variante wesentlich mehr. Tetrapacks der Pflanzendrinks, Verpackungen von Nüssen, Flocken, Samen, Trockenfrüchten und Joghurt tun mir schon sehr weh.  Für Nüsse, Trockenfrüchte und Samen haben wir zum Glück unsere verpackungsfreie Quelle und ich hoffe zukünftig auf Lagerware bei unserer FoodCoop. Die Tetrapacks, Joghurt- und Flockenverpackungen würden wir vermeiden können, würden wir diese Lebensmittel selber machen. Aber ja, auch mir fehlt dazu meist die Zeit und manchmal auch die Muse.

Ständiger Hunger

Was eine zusätzliche Herausforderung ist, ist der Verbrennungs“motor“ von Herrn von Anders. Er macht Kraftsport und ist erblich, viele Frauen würden sagen vorteilhaft, so veranlagt, dass er essen und essen und essen kann ohne zuzunehmen. Als Kraftsportler ist das jedoch eher kontraproduktiv, da Muskeln aufgebaut werden sollen. Er hat eine halbe Stunde nach dem Abendessen (egal, ob Hülsenfrüchte, Kartoffeln, Getreide oder Sonstiges) bereits wieder Hunger und ist ständig mit Essen beschäftigt, was ihn stresst. Pflanzliche Nahrung wird einfach schneller vom Körper verarbeitet. Das haben wir in diesen Monaten gelernt. Bei Käse, Fleisch oder Eiern hält sein Sättigungsgefühl wesentlich länger an. Und das ist sein Argument für mehr Fleisch am Teller, was ich in einer gewissen Art und Weise nachvollziehen kann. Das ständige Hungergefühl ist aktuell die größte Herausforderung für uns.

Fazit

Was kann ich nun von diesen fast 2.000 getippten Wörtern für mich bilanzieren?

  1. Milchfrei zu leben ist einfacher als gedacht (zu Hause jedenfalls) und macht beim Kochen unglaublich viel Spaß
  2. Optimierung im Bereich Müllvermeidung ist dringend notwendig
  3. Nicht alles, was einem die Werbung sagt, dass mensch braucht, braucht mensch wirklich (das weiß eh jedeR, aber trotzdem möchte es aufgeschrieben werden)
  4. Ich bleib dran und mache weiter
  5. Eine möglichst pflanzliche Ernährung ist NICHT langweilig, wie so viele behaupten. Fragt dazu Herrn von Anders, wenn ihr es mir nicht glaubt.

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Hallo Sabrina!

    Habe Deinen Beitrag mit großem Interesse gelesen, weil ich auch gerade in die Richtung experimentiere. Meine Tochter lebt inzwischen nämlich völlig vegan und hat mich auch angeregt. Auch habe ich festgestellt, dass mir nicht alles bekommt wie z.B. Weichkäse.

    Zu Deinem Thema Hunger – wenn man sich überwiegend pflanzlich ernährt hilft es, wenn man den Fettanteil deutlich erhöht. So als Ersatz für das Fleisch & Co.

    Dafür kommen gute Öle in Frage, mit denen man das Gemüse anreichert. Oder bei den Aufstrichen habe ich gute Erfahrungen mit Avocados gemacht.

    Gemüse- und Hülsenfruchtaufstriche (wenn man sie denn selbst macht) kann man ebenfalls mit Öl anreichern oder mit Samen wie z.B. Sesam ergänzen. Gut eignet sich dazu auch Tahin beispielsweise.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria!

      Freut mich sehr, dass du ebenfalls in die Richtung denkst.

      Danke auch für deinen Input zum Thema Hunger. Wir haben so gut wie alle Bio-Öle von Fandler daheim. Sesam, Erdnuss, Olive, Hanf, Haselnuss, Traubenkernöl, Camelina, Macadamia, Mandel, Raps, Sonnenblume und Walnuss. Weiters haben wir daheim: divers Nussmuse, Tahin, Sesam, Leinsamen, div. Nüsse, Samen, Flocken, Hülsenfrüchte etc.
      Avocados kommen für mich wegen der schlechten Ökobilanz nicht in Frage.

      Du siehst, wir sind eigentlich bestens ausgestattet. Ich werde auch immer satt. Aber vielleicht muss ich beim Kochen etwas ändern und noch mehr von den Ölen & Co. verwenden. Da hab ich aber ein bisschen Angst, dass sich das dann an meine Hüften legt….

      LG Sabrina

  • Hallo Sabrina!

    Wenn Du so feine Öle hast, dann würde ich die nicht zum Kochen verwenden sondern anschließend das Essen (wenn es schon am Teller ist) damit beträufeln.

    Da diese Öle das Erhitzen nicht so gut vertragen ist es eine gute Möglichkeit und zusätzlich kannst Du unterschiedlich dosieren bei Deinem Partner und Dir.

    Das mit den Avocados kann ich gut nachvollziehen, denn da stimme ich Dir natürlich voll zu. Ab und zu bekomme ich eine bei foodsharing, deshalb ist es mir in den Sinn gekommen, weil sie natürlich schon sehr gut tun.

    lg
    Maria

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