Gemeinsame Kartoffelernte bei Josef – Nachhaltige Vielfalt

An einem sonnigen Samstagnachmittag im September trafen sich ca. 40 Personen plus Kinder zur alljährlichen Kartoffelernte bei Familie Kolb (Josef – Nachhaltige Vielfalt) in Puchegg, Vorau. Bereits letzte Jahr habe ich von der gemeinsamen Ernte gehört, war jedoch mit meiner Bestellung viel zu spät dran. Heuer ließ ich mir das Ereignis jedoch nicht entgehen. Aus Kindheitstagen weiß ich, wie langweilig das Kartoffelernten bei Oma immer war. Diesmal freute ich mich jedoch schon sehr darauf. 

Einweisung in die Kartoffelernte

Kartoffelernte 2017. Wanderung zum FeldNach einem kurzen Zusammenwarten wurden wir vom Hausherrn Josef begrüßt und eingewiesen. Seine Frau Regina teilte währenddessen Kübel an all jene aus, die keine mit hatten. Wir wurden darüber informiert, dass 3 Sorten angebaut wurden. Mit der speckigen Sorte (Ditta) sollten wir beginnen, danach jene Kartoffeln mit der roten Schale (Elisa) ernten und zum Schluss war die mehlige Sorte (Hermes) an der Reihe. Faulige und jene mit grüner Schale (dabei handelt es sich um Solanin, ein natürliches Gift gegen Fressfeinde, das gebildet wird, wenn die Kartoffel zu viel Licht abbekommen hat) sollten wir am Feld liegen lassen. Angeschnittene, das passiert schon mal beim Umpflügen des Ackers, werden extra gesammelt. Voll motiviert schnappten wir unsere Handschuhe und Kübel und wanderten 10 Minuten zum Feld, um endlich zu starten.

 

 

Kartoffelernte und das SoLaWi-Konzept

Das Konzept der SoLaWi (Solidarischer Landwirtschaft) sieht vor, dass die KonsumentInnen den Landwirt/die Landwirtin bei der Ernte unterstützen. Deshalb waren wir an diesem Samstag auch da. Ca. 40 Personen holten sich so ihre bestellte Menge direkt vom Feld. Wir haben für uns 30 Kilogramm vorbestellt, aber weit mehr geerntet. Dieses Jahr war nämlich ein gutes Jahr. Die Kartoffeln waren riesig, was noch mehr Spaß bei der Ernte machte. In 1,5 Stunden war das Feld abgeerntet und zwei Kipper voll mit Erdäpfeln. Und langweilig war es für mich dieses Mal so gar nicht. Ich hatte richtig Spaß dabei!

Ich hatte an dem Tag mit dem Kreislauf zu kämpfen, wollte aber auch nicht nachgeben. Ich hab gegraben und geerntet, was das Zeug hielt. Ich war voll motiviert und dankbar dafür, dass ich wieder mit eigenen Augen sah und mit den Händen spürte, was es eigentlich bedeutet, eine Landwirtschaft zu führen. Heute geht mensch in den Supermarkt und erhält ein Kilo gleich große und bereits vorgewaschene Kartoffeln. Dass diese jedoch angebaut, gehegt, gepflegt und geerntet werden müssen, ist nicht mehr so sehr in den Köpfen der KonsumentInnen. Und schon gar nicht das Risiko von Wind und Wetter. Deshalb finde ich die SoLaWi-Konzepte wie am Hof von Regina und Josef so großartig und unterstützenswert!

Gestärkt ging´s mit der Ernte nach Hause

Zur Stärkung gab´s nach der Ernte eine Jause für alle HelferInnen.Nach erfolgreicher Ernte gab es eine hervorragende Jause mit selbst gemachten Produkten und natürlich… Kartoffeln. Wir ließen uns ein Brunnenkresse-Pesto genauso schmecken wie ein Aronia-Chutney oder selbst gemachten Käse mit Brot. Es war fast ein kleines Volksfest. Die Leute quatschten und lachten miteinander. Ich traf Personen aus meiner Heimatgemeinde, die ich über ein Jahr oder länger nicht mehr gesehen hatte. Und die Kinder hatten noch mehr Spaß, als die Erwachsenen.

Gestärkt ging es dann daran, sich die bestellte Menge abzuholen. Wir hatten nur mehlige Kartoffeln im Auge. Als ich vor dem Erntestart jedoch erfuhr, dass es auch rotschalige gab, wollte ich diese natürlich auch. Die Herausforderung: mehlige und rotschalige musste mensch sich erst selbst vom Kipper holen. Ich sag euch, ich bin seit Jahrzehnten wieder das erste Mal auf so ein Gefährt geklettert und hatte ganz schön weiche Knie. Das hat sich zu früher verändert. Als Kind springst, kletterst und hupfst du herum, als gäbe es kein morgen. Jetzt, im Erwachsenenalter, überlegt mensch, wie mensch da am besten hoch klettert, ohne abzurutschen. Und erst das wieder herunter kommen… Naja, ich hab´s geschafft und meine 30 Kilo Kartoffeln zur Waage geschleppt.

Und wieder was gelernt

Drei Wochen später waren wir wieder am Hof, um weitere Kartoffeln abzuholen – es waren und sind ja genug da. Für diesen Blogbeitrag musste ich wissen, wie ich speckige von mehligen Kartoffeln unterscheiden könne. Regina gab mir den Tipp, dass dies an der Schale erkennbar ist. Mehlige Kartoffeln haben nämlich eine leicht schuppige Haut, wogegen speckige Kartoffeln eine sehr glatte Schale haben (siehe Foto weiter unten). Weiters haben wir uns kurz über reine Ursorten und gekreuzte Sorten unterhalten. Die Sorte „Rote Emma“ ist eine Ursorte und somit wesentlich kleiner als die ertragbringenden Kreuzsorten. Sie gleicht in ihrer Form auch der Grundbirne, wie Kartoffeln auch genannt werden.

Jetzt ist mir auch wieder klar (ich verdränge das hin und wieder), warum die Ursorten doch spürbar teurer sind. Sie benötigen den selben Aufwand, bringen aber weniger Ertrag. Also muss mit dem geringeren Ertrag das erwirtschaftet werden, was sonst die üppige Kreuzsorte liefert, möchte mensch die Ursorte weiter am Leben erhalten und somit die Bio-Diversität unterstützen.

Zum Vergleich der geernteten Kartoffelsorten habe ich sie aufgeschnitten und nebeneinander hingelegt. Linnks siehst du die rotschalige Kartoffel. In der Mitte die mehlige und rechts die speckige Sorte. Die rotschalige hat das dunkelste Fruchtfleisch, die mehlige das hellste. 

Mehlige, speckige und rotschalige Kartoffel aufgeschnitten.

In der Galerie siehst du links im Vergleich die Ursorte zur gekreuzten Sorte. Am Bild rechts oben hab ich die Ursorte aufgeschnitten und unten die Schale der mehligen Sorte (links) und speckigen Sorte (rechts) abgelichtet.

Das gibt´s noch bei Josef – Nachhaltige Vielfalt

Nach der Ernte habe ich von Regina auch noch einen Flyer in die Hand bekommen und stellte fest, dass es neben Kartoffeln noch weitere tolle Produkte von ihnen gibt. Arioniabeeren sind eine weitere Spezialität, die sie ganz nach dem SoLaWi-Konzept vertreiben. Leider hatte ich im September kein zweites Wochenende Zeit, mich auch bei dieser Ernte einzubringen. Im November gibt´s dann Bio-Styria Beef und Weidegänse. Aja, was ich euch nicht vorenthalten möchte, sind die tollen Formen, die uns die Natur gibt. Ich find sie großartig und es ist schade, dass wir ständig nur zur Norm greifen.

Kontakt

Da, wie bereits erwähnt, die Kartoffelernte so großartig ausgefallen ist – wir haben in 2 Stunden ca. 3.000 Kilogramm geerntet – gibt es weit mehr geerntete als bestellte Kartoffeln. Deshalb sind noch welche zu haben. Ein Kilo (egal welche Sorte) kostet EUR 1,50.

Melde dich einfach bei Josef (0664 1528263) oder Regina (0664 1528263) und gib deine Bestellung und möglichen Abholzeitpunkt durch. 
Die Adresse vom Hof lautet: Puchegg 63, 8250 Vorau

Lass dir deine Bio-Kartoffeln schmecken!

PS: Vielen Dank an Julia Kirchsteiger für die tollen Fotos von der Ernte!

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