5 Mythen rund um die Menstruationstasse

Es ist nun schon über ein Jahr her, dass ich die Menstruationstasse als nachhaltige Alternative zu Binden und Tampons verwende und in dieser Zeit bin ich auf zahlreiche Mythen rund um meine beste Freundin gestoßen. Mit den fünf häufigsten möchte ich heute „aufräumen“.

Mythos 1: Eine Tasse ist unhygienischer als Binde & Tampon

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In verschiedenen Gruppen verfolge ich immer wieder das Argument, dass eine Menstruationstasse unhygienischer ist, als ein Tampon oder eine Binde. Letztens las ich, dass penibles Händewaschen beim Cup notwendig ist und das in öffentlichen Toiletten nur schwer geht, da frau danach zumindest die Türschnalle zum WC nicht angreifen sollte. Das stimmt. Aber das ist auch bei Verwendung eines Tampons extrem wichtig. Die Lösung: Hände waschen und danach mit einem Papierhandtuch oder eigenem Taschentuch alles angreifen, was verkeimt sein könnte. 

Der nächste Einwand ist das Blutbad, das beim Entleeren angerichtet wird und von vielen Frauen als unhygienisch empfunden wird. Auch hier sage ich: Ja, es stimmt, dass vor allem am Beginn das Klo nach dem Entleeren oft nicht so einladend aussieht. Aber nach einiger Übung ist das Entleeren kein Problem mehr. Frau weiß, wie bzw. in welchem Winkel sie die Tasse am besten herauszieht und weiß dann auch, wie voll die Tasse nach wie vielen Stunden ungefähr ist. In meinem Fall war es auch mit Binden oder Tampons nicht immer ganz unblutig, vor allem an den starken Tagen…

Mythos 2: Unterwegs kann ich sie nicht säubern

Das ist ein sehr beliebtes Argument gegen den Menstruationscup. Und es stimmt sowas von nicht. Es gibt mehrere Möglichkeiten, die Tasse auch in öffentlichen Toiletten zu reinigen. Wenn ein Waschbecken im WC vorhanden ist, kann fließend Wasser und wer möchte eine spezielle Seife zum Reinigen verwendet werden. Wenn das nicht der Fall ist, dann gibt´s trotzdem weitere Möglichkeiten, den Cup sauber zu bekommen. Nämlich:

  1. Es reicht, den Cup mit Klopapier/einem Taschentuch auszuwischen
  2. Wasser aus der Flasche tut seinen Dienst genauso gut, wie ein Wasserhahn
  3. Es gibt auch spezielle Desinfektionstücher, die zum Reinigen der Tasse verwendet werden können. Diese nutze ich zum Beispiel. Auch hierbei will das Hantieren damit geübt sein. Aber Übung macht zur Meisterin – wie bei so vielem anderen auch. 
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Reinigungstücher für die Menstruationstasse

 

Mythos 3: Zur Reinigung geb ich sie einfach in den Geschirrspüler

In der Bloggerinnenszene ist die Menstruationstasse zur Zeit ein Renner. Oder war es bis vor Kurzem jedenfalls. Nicht selten habe ich den Tipp gelesen: „Am Ende des Zyklus oder auch zwischendurch gebe ich die Tasse einfach  mit dem anderen Geschirr zur Reinigung in den Geschirrspüler.“ Autsch! Jede, die sich etwas mit der nachhaltigen Alternative auseinander gesetzt hat weiß, dass das ein absolutes No Go ist. Denn: das Geschirrspülmittel ist für das Material viel zu aggressiv und schädigt das Material der Kappe. Noch dazu können Geschirrspülmittel hautreizend sein und das ist auf der Haut schon unangenehm. Frau stelle sich erst mal vor, was diese Mittel dann im Körper anstellen können… Aber nein, das möcht ich mir nicht vorstellen. Deshalb gib die Tasse nicht in den Geschirrspüler, sondern koche sie am Zyklusende aus. Dazwischen reicht die Reinigung mit einer speziellen Seife, Wasser oder Reinigungstüchern. 

Wenn du beim Auskochen ein ungutes Gefühl hast, dann gibt es immer noch die Variante von Sterilisationstabletten. Viele Tassenanbieter liefern ein kleines Behältnis mit, wo die Tasse genau hinein passt und du ganz leicht mit Wasser und einer Mini-Tablette die Desinfektion vornehmen kannst. Ich muss zugeben, die Sterilisation mit den Tabletten fand ich ziemlich praktisch. Der Umwelt zuliebe bin ich jedoch auf das Auskochen umgestiegen. Und auch das Material wird es mir vermutlich danken. Dann heißes Wasser ist um Welten schonender als reine Chemie.

Mythos 4: Billige Tassen sind genauso gut wie teure

Ein Cup kostet gefühlt ein kleines Stück Geld bei der Erstanschaffung. Das ist vor allem etwas bitter, wenn frau sich unsicher ist, welche Tasse passt. Und nach einem ersten gescheiterten Versuch noch eine zu kaufen, ist für viele bei mind. EUR 20,- Anschaffungspreis nicht drin. Dennoch: lege Wert auf eine hochwertige Menstruationstasse aus medizinischem Silikon. Bei unter EUR 20,- schau genau hin, denn diese Tassen sind oft aus Kunststoff und/oder wurden im Ausland (sehr gerne in China) produziert.

Der Kunststoff ist zwar auch medizinisch zugelassen, jedoch hat er laut Hersteller keine lange Lebensdauer und auch die Formaldehyd-Wahrscheinlichkeit ist höher. Zusätzlich ist Kunststoff nicht so hitzebeständig und deine Tasse könnte sich beim Auskochen, ja sogar durch die eigene Körperwärme wie ich gerade erfahren habe, verformen. Damit hält der Cup nicht so gut dicht, wie jene aus medizinischem Silikon. Silikon schmiegt sich nämlich hervorragend an die Form an. Da Kunststoff um die Hälfte günstiger als medizinisches Silikon ist, zahlst du bei einer günstigeren Tasse aus Kunststoff schlussendlich drauf. Bei Fabrikaten made außerhalb der EU ist besondere Vorsicht geboten. Denn hier gelten teilweise ganz andere Grenzwerte von Schadstoffen, als bei uns. 

Obwohl ich keine Freundin des Onlinehandels bin, rate ich beim Kauf von einer Menstruationstasse zu einem vertrauenswürdigen Onlineshop. Außer, es ist eine Apotheke mit guter Beratung in deiner Nähe, die auch Tassen führt. Die Menstruationstasse ist nämlich ein sehr beratungsintensives Produkt und die ganzen Informationen zu den verschiedenen Tassen (mittlerweile gibt es ja eine ganze Menge davon in verschiedenen Formen, Größen und Farben) im Netz können dich bei deiner Kaufentscheidung unterstützen. Es schadet auch nie, ein Gespräch mit deinem Frauenarzt/deiner Frauenärztin wegen der passenden Form, Stärke und Größe zu führen. Vor allem auch, wenn du mit Spirale oder Gynfix verhütest.

Mythos 5: Für mich ist sie nicht geeignet, da ich eine starke Blutung habe

Der letzte Mythos von meinen 5 Mythen betrifft das Thema starke Blutungen. Es gibt (vermutlich nicht wenige) Frauen, mit einer extrem starken Regelblutung. In der Fachsprache wird das Hypermenorrhoe genannt, wie ich soeben gelernt habe. Dabei verliert eine Frau über 80 ml Blut über ihre Tage. Bei einer normale Regelblutung sind es ca. 60 ml. Ein paar davon betroffene Frauen haben mir mitgeteilt, dass sie sich deshalb das Handling mit einer Tasse absolut nicht vorstellen können. Und ich frage mich warum, denn:

  • Eine Tasse hat 2 bis 3 Mal mehr Fassungsvermögen, als ein Tampon. Du musst also seltener aufs Klo rennen, um zu wechseln.
  • Mit der Tasse kann die Blutmenge gemessen und überprüft werden.
  • Die Tasse hat den Vorteil, dass sie Blut und Gewebereste auffängt und nicht, wie ein Tampon auf- bzw. aufsaugt. Damit geht mehr in die Tasse, als in ein Tampon, das von Geweberesten verstopft wird und somit die Saugfähigkeit hemmt.

Weg mit den Mythen, her mit dem Mut zu Neuem

Nachdem ich diese Mythen, hoffentlich möglichst sachlich, ausgeräumt habe und ich seit über 1,5 Jahren den Menstruationscup selbst erfolgreich anwende (und mega happy bin, hab ich das schon erwähnt? 😉 ), möchte ich (wieder) nur sagen: Probier es aus, wenn du schon einige Zeit darüber nachdenkst! Es ist, denke ich, das große Unbekannte, das Ungewohnte, was diese Mythen entstehen lässt. Mutmaßungen und Ängste sind es. Das war bei mir nichts anderes. Ich hab mir zwei Jahre den Kopf darüber zerbrochen, ob ich es wagen soll, den Menstruationscup auszuprobieren. Und nach wie vor sage ich:“Ach hätt ich mich doch früher getraut!“ Mir zuliebe und der Umwelt zuliebe.

 

4 Gedanken zu “5 Mythen rund um die Menstruationstasse

  1. hi!
    oh vielen dank für diesen artikel!!! ich überlege schon SO lange umzusteigen und mich hat immer beschäftigt, wie ich denn das problem „öffentliches wc“ löse? ich kenne kein einziges WC, das ein handwaschbecken innen hätte und so hätte ich jedes mal rausgehen – abwaschen – reingehen – einsetzen durchspielen müssen. das hat mich mega abgeschreckt.

    danke auch für den hinweis mit dem medizinischen silikon, darauf hätte ich bestimmt nicht geachtet.

    wegen der größe – gibt es denn auch ein zu groß? zu klein scheint mir ja logisch, aber umgekehrt?

    im übrigen habe ich eine „zwischenlösung“ für mich so gefunden, dass OBs genausowenig wie binden in der toilette entsorgt werden. ins toilettenpapier eingewickelt und in den mist. hält es zumindest aus den gewässern raus, und das ist schon die halbe miete!

    ganz liebe grüße!
    sabine
    (eine fast bekehrte!)

    • Liebe Sabine!

      Es freut mich sehr, dass ich dir mit meinem Beitrag weiterhelfen konnte.

      Zu den Größen: ja, es kann sein, dass die Tasse zu groß (dann bekommst du sie nicht rein oder spürst sie) oder zu klein (dann ist sie nicht dicht) ist. Ich hab mit einer kleinen gestartet, weil diese für Frauen mit leichter Blutung oder jenen, die noch kein Kind geboren (trifft auf mich zu) haben, empfohlen wird. Ich hab dann festgestellt, dass sie an meinen starken Tagen über Nacht überläuft und hab die größere probiert. War bei mir auch kein Problem. Einer Freundin, die bereits ein Kind bekommen hat, passt die große Tasse nicht. Man kann es also nicht pauschal sagen.

      Es kommt bei der Größe und vor allem der Dicke auch auf die Beschaffenheit deines Beckenbodens an. Ich hatte Glück bei meinem Kauf, weil ich mich nicht so intensiv mit der Größe beschäftigt habe und aufgrund der Infos vom Anbieter im Netz vertraut habe.

      Im Nachhinein würde ich mit meiner Frauenärztin darüber reden (in vielen Gruppen – u.a. auf fb – wird auch angemerkt, dass die Lage des Gebärmutterhalses für die richtige Größe entscheidend ist) und mich in diversen Gruppen und auf div. Seiten genauer wegen der passenden Größe informieren.

      Es gibt bei diversen Anbietern oft auf der Website aber auch Infos dazu, wie du für dich die passende Größe findest. Oder du schreibst sie direkt an.

      Ich hoffe, ich konnte dir damit weiterhelfen.

      Super, dass du mittlerweile auch die Tampons in den Mülleimer „verbannst“, wo sie auch hingehören. In Ländern mit schmäleren Abflussrohren wär das anders gar nicht möglich. Ganz abgesehen von anderen Aspekten.

      Liebe Grüße

      Sabrina

  2. Danke für die Inofrmationen 🙂 Ich benutze meine Menstruationstasse nun auch schon seit einiger Zeit und bin sehr zufrieden. Im letzten halben Jahr habe ich komplett im Zelt gelebt und wir hatten eine Trocken-Trenn-Toilette. Die Cupbenutzung war trotzdem problemlos möglich (zum Beispiel einfach eine kleine Waschschüssel mit auf Toilette nehmen). Das Blut kann man einfach in die „Feststoff-Box“ entleeren und es wird komplett mit abgebaut. Außerdem hatte man bei der Cupbenutzung keinen Müll zu entsorgen, was bei einem Leben ohne Mülleimer ein entscheidender Vorteil ist. Die Menstruationstasse ist also auf jeden Fall auch outdoortauglich! 😀

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