ich mach es anders
Ich könnte behaupten, Minimalismus macht sich in unserem Badezimmer breit. Dabei ist es einfach weniger, als viele haben.

Bereits in meinen Blogbeiträgen direkt oder auch indirekt kommuniziert, habe ich vor einiger Zeit die neue Kategorie „Weniger ist mehr“ erstellt. Ich hätte sie auch „Minimalismus“ nennen können, aber irgendwie hab ich mittlerweile meine Probleme mit diesem Begriff. Bei immer mehr BloggerInnen lese ich Beiträge mit Titeln wie „Mein minimalistischer Lebensstil“, „Mein Weg zum Minimalismus“ „Was ich alles weg minimalisiert habe“ etc. Ja, das Thema interessiert mich auch. Und ja, auch ich habe den Begriff früher bereits in Überschriften verwendet. Aber kommt Zeit kommt Rat und mensch lernt zum Glück nie aus. Ich habe nun nämlich beschlossen, mich vom Minimalismusbegriff zu verabschieden. Nicht nur, weil er mittlerweile zu einem Modewort verkommen ist (was übrigens auch beim Begriff Nachhaltigkeit schon länger der Fall ist).

Was bedeutet Minimalismus genau?

Laut Definition bedeutet Minimalismus „bewusste Beschränkung auf ein Minimum, auf das Nötigste“ (vgl. Duden). Ich beschränke bewusst, diesen Punkt erfülle ich somit. Aber was bedeutet „auf das Nötigste“? Das Nötigste wofür? Um zu überleben? Um bestimmte Erwartungen, von anderen an sich oder an sich selbst, erfüllen zu können? Um „in“ zu sein und mit dem Strom mitschwimmen zu können oder aber auch dagegen? Hmmm… hier liegt, meiner Meinung nach, das Problem begraben. Es ist nicht genau definiert, was das Nötigste ist. Ich gehe einmal davon aus, dass es um das Nötigste zum Überleben geht. Und das ist nicht viel.

Warum ich nicht minimalistisch lebe

Würde ich per definitionem minimalistisch leben, also das Nötigste zum Überleben haben, hätte ich vermutlich keine Wohnung. Meine zwei Schmusetiger sind eigentlich ein Luxus. Meine Kleidung: absoluter Luxus. Mein Schmuck noch viel mehr. Handy, Laptop, Fernseher, Radio, Bücher – all das besitze ich (oder die Geräte besitzen mich – wer weiß…) und brauche davon nichts, um zu überleben. Ich bemühe mich sehr, möglichst nachhaltig zu leben. Aber bedeutet nachhaltig auch gleich minimalistisch? Auch wenn ich möglichst nachhaltig lebe, bin ich nicht bereit, mein Hab und Gut auf das Nötigste zum Überleben zu reduzieren und auf Luxus gänzlich zu verzichten. Denn das bräuchte es für einen minimalistischen Lebensstil: Verzicht auf jeglichen Luxus.

Das klingt jetzt egoistisch und hart, aber auch ich mag ein wenig Luxus. Wie so viele von uns. Und auch Luxus ist für jedeN von uns etwas anderes. Für mich ist es neben den oben gennanten Dingen zum Beispiel auch eine warme Dusche mit herrlich duftender Duschseife. Für jemand anderen sind es die neuesten Klamotten, ist es ein Monstrum an Flat Screen oder mehr Freizeit. Aber das alles benötigt niemand, um zu überleben. Essen, sauberes Trinkwasser, ein Dach über den Kopf und Kleidung, das lässt eine/n überleben. Habe ich etwas vergessen?

Was mich zum Nachdenken brachte

Der Film „My Stuff“ (Petri hat seine Wohnung komplett leer geräumt und jeden Tag ein Stück aus dem Lager wieder geholt) hat mir bzgl. der Bedeutung von Minimalismus sehr die Augen geöffnet. Platz 23 von 365 seiner Rückholliste, löste in mir etwas aus. Es war sein Laptop. Ist er wirklich wichtig? Zum Überleben bestimmt nicht. Ohne das Experiment selbst gemacht zu haben, dachte ich bei mir selber: der Laptop wäre bei mir viel weiter hinten gereiht. Genau so wie das Smartphone. Ob es tatsächlich so wäre? Keine Ahnung. Dafür müsste ich das Experiment machen und das ist mir gerade etwas zu mühsam und würde auch Herrn von Anders und vor allem unsere beiden Stubentiger etwas irritieren.

Ich habe beschlossen, zukünftig (alte Beiträge bleiben bestehen, wie sie sind) den Begriff „Minimalismus“ nicht mehr zu verwenden. So gut es mir jedenfalls gelingt, ist der Begriff doch schon in mein Sprachvokabular über gegangen und zu einer kleinen Selbstverständlichkeit geworden. Ich bemühe mich, zukünftig von „weniger ist mehr“ zu sprechen. Dann das passt besser zu mir. Ich versuche mir meinen Konsum möglichst bewusst zu machen (siehe dazu mein Projekt Konsumbuch) und mir in diesem Zusammenhang sehr gut zu überlegen, was ich wirklich brauche. Immer wieder ertappe ich mich auch bei Impulskäufen. Das betrifft aber meist das Essen 😉

Weniger ist mehr – das meine ich damit

Ein sehr gutes Beispiel, finde ich, ist mein Weg hin zu wesentlich weniger Pflege- und Kosmetikprodukten im Badezimmer. Ich besitze nun weniger Produkte und mache einige davon selbst. Ich bin nun nicht mehr so sehr damit beschäftigt, Platz dafür zu haben, sie alle zu benutzen und nachzukaufen. Meine Formel lautet: weniger Produkte = weniger Stress = weniger Ausgaben => mehr Zeit für anderes. So einfach ist das. Würde ich von Minimalismus sprechen, hätte ich vermutlich nicht einmal eine Zahnbürste aus der Drogerie. Eine Miswak bzw. Siwak Wurzel wäre für mich die korrekte minimalistische Alternative zum Zähneputzen. Aber vermutlich hätte ich zu dieser keinen Zugang, wäre unsere Welt nicht so dermaßen durchglobalisiert und schnelllebig wie heute.

In diesem Sinne sag ich „Adieu Minimalismus“ und „Hallo“ zu weniger ist mehr 😉

Mein Badezimmerbereich

Ich könnte behaupten, Minimalismus macht sich in unserem Badezimmer breit. Dabei ist es einfach weniger, als viele haben.Abschließend gibt es noch einen kleinen Blick in unser Badezimmer. Unsere Dusche ist schon sehr spärlich mit Dingen ausgestattet. Dusch-, Haar- und Rasierseife (liegt auf der Haarseife, damit sie besser erkennbar ist), ein Schwamm (um Seife zu sparen, da ich mit Schwamm wesentlich weniger Seife benötige, um meinen Körper einzuseifen) und eine Rasierhobel. Mehr braucht es nicht. Und dennoch ist es mehr, als ein minimalistisches Leben mit sich bringen würde.

 

Badezimmerschrank mit dem für mich Nötigsten. Deshalb bin ich noch nicht minimalistisch.Etwas anders sieht mein Badezimmerschrank aus. Der ist noch etwas verbesserungswürdig. Darin befindet sich (von unten nach oben) eine Zahnseide (mittlerweile nachhaltig), Zahnbürsterl (die ich seit meiner Zahnspante vemehrt brauche, um Essensreste aus den Zwischenräumen zu bekommen und ich habe noch keine nachhaltige Alternative dazu gefunden), 2 Parfums (einen davon bekam ich geschenkt), selbst gemachte Deocreme im Honigglas und für unterwegs im kleinen Plastiktigel (davon bin ich mittlerweile weg und verwende zukünftig nur noch Glastiegel).

In der Mitte: ein Parfum (Restbestand und für weniger noble Anlässe), ein Tiegel für meine eher sporadischen Gesichtsmasken mit Tonerde, eine Gesichtscreme (die wechselt sich mit Kokosnussöl ab).

Oben: die Verpackung der Rasierhobel (praktisch für unterwegs), die Rasierklingen, eine Zahnkreide und Zahnkreide zum Nachfüllen.

Ich zeige euch nur meinen „Bereich“, da ein Badezimmerkästchen Herrn von Anders gehört und wir das mittlere für Nachfüllungen (primär Seife und Zahnpasta und Zahnbürsten von Herrn von Anders) gemeinsam verwenden. Meine Zahnbürste steckt im Zahnputzbecher, der nicht am Foto abgebildet ist. Dem Thema Zähneputzen werde ich irgendwann einmal einen eigenen Beitrag widmen. Denn so ganz glücklich bin ich mit meiner Wahl an Zahnpasta und -bürst noch nicht.

Um ganz zum Schluss aber wieder zurück zum Thema zu kommen: Wie stehst du zum Minimalismusbegriff?

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

    • Sehr gerne! Hast du sie dir jetzt wegen meiner Empfehlung bestellt oder hattest du den Film ohnehin schon im Auge? Bin schon gespannt, wie er dir gefällt.

      Lg Sabrina

  • Das hast sehr gut geschrieben, Minimalismus ist hip. Ich und meine Familie Leben zwar vergleichsweise bescheiden, aber dennoch im Überfluss. Im Bad schaut es bei uns ähnlich aus, aber da war auch noch nie mehr da. Darf ich fragen, wie du mit dem Hobel zufrieden bist? Ich finde, der schaut ein bissl gruselig aus und patschert bin ich auch 🙂 glg Uli

  • Mh..machst Du es Dir nicht vielleicht selbst ein bisschen zu schwer?
    Vielleicht ist es doch genau das, dass jeder für sich selbst definieren muss, was das für ihn „Nötigste“ ist und sich darauf bewusst beschränkt?

    • Hallo Nadine,

      was genau mach ich mir schwer? Es kann jede/r entscheiden, was er/sie einerseits zum Überleben und andererseits zum Leben wirklich braucht. Das ist nämlich ein Unterschied, der auch bei My Stuff sehr gut raus kommt. 100 Dinge braucht der Mensch in unseren Breitengraden zum Überleben und ca. noch einmal so viel, zum Leben. Aber trotzdem hat das für mich mit der engen Definition von Minimalismus nichts zu tun. Aber jeder/jedem steht frei, seine eigenen Definitionen zu kreiren.

      Liebe Grüße

      Sabrina

      Liebe Grüße
      Sabrina

  • Liebe Sabrina, ich danke dir von ganzem Herzen für diesen ehrlichen Text. Du sprichst mir aus der Seele! Erst kürzlich habe ich eine etwas heftigere Diskussion geführt, da mir jemand unstellte, wir würden nicht nachhaltig leben, weil unser Haus alles andere als minimalistisch ist und nur wer absolut minimalistisch lebe, sei auch nachhaltig… Ich empfinde nicht so! Viel wichtiger finde ich zu hinterfragen, was man kauft und wo man es kauft.
    Die ganze Wohnung leer zu räumen, weil man ein Buch über Minimalismus gelesen hat und nun Feuer und Flamme ist, finde ich im Übrigen auch nicht sonderlich durchdacht und ebenso wenig nachhaltig.

    Liebe Grüße
    Rebecca

    • Liebe Rebecca,

      vielen Dank für dein Feedback und deine Gedanken!
      Ja, als nachhaltig lebender Mensch ist man der größten Kritik von jenen, die nichts oder kaum etwas machen, ausgesetzt, wenn man selbst nicht „perfekt“ ist. Ich betone immer, dass auch ich nicht perfekt bin. Nicht sein kann und auch nicht möchte. Ich stelle Menschen sehr gerne die Frage, was perfekt sein überhaupt bedeutet. Dann fangen sie an nachzudenken.
      Und zum Thema Minimalismus: wir könnten, meiner Meinung nach, nur wirklich mininalistisch leben, wenn wir auf all unseren Luxus (Tablets, Smartphone, Wohnung/Haus, Pflegeprodukte etc.) verzichten. Möglichst nachhaltig kann ich aber auch leben, wenn ich nicht minimalistisch lebe. Genau wie du schreibst. Das bewusste und hinterfragende Konsumieren ist wichtig.

      Liebe Grüße

      Sabrina

  • Bei diesem Trend namens Minimallismus dachte ich mir auch oft genug „Jo, eh“. Selbst aktiv im Kostnixladen Innsbruck, weiß ich um das alles ziemlich gut Bescheid. Minimalismus, Umsonstökonomie, nehmen, was man wirklich braucht…Aber bis es vom Hirn ins Herz und von dort in die Fingerspitzen gelangt ist – es dauert. Und niemand ist perfekt, zumindest habe ich es zB beim Vegansein gelernt, dass ein zu schnell auf einmal nicht gut ist. Nicht gut für mich. Nicht meine Art.
    Und ich mache lieber Babysteps in die richtige Richtung, als dass ich nach einiger Zeit wieder in das alte Muster zurückfalle.

    Ich rede lieber von Umsonstökonomie und „wirklich ge-brauchen“.

    • Das sind wahre Zeilen. Denn auch das Tun sollte nachhaltig sein. Ein langsames Herantasten und ausprobieren, sich aber auch Scheitern eingestehen können ist ein richtiger Weg. Auch wenn viele Wissenschafter meinen, wir hätten die Zeit dafür nicht… Aber das Radikale und Schnelle funktioniert beim Gewohnheitstier Mensch, denke ich, nicht.

      Lg Sabrina

      Lg Sabrina

  • Liebe Sabrina,

    ich finde deinen Ansatz sehr durchdacht und wie immer zum Reflektieren anregend.
    Ich persönlich nutze den Begriff „Minimalismus“ für mich weiter – auch wenn ich weiß, dass ich von einem „echten“ Minimalismus so weit weg bin wie vom Leben im Kloster.
    Aber es tut gut, eine Kategorie (sowohl auf dem Blog als auch für mich selbst) zu haben, einen Begriff, unter den man das, was man da tut, fassen kann.
    Den hast du ja (bzw. Phrase) auch für dich gefunden – nur mit anderem semantischem Gehalt.
    Ich denke, du hast recht, wenn du schreibst, dass jede*r das für sich individuell auslegen sollte und finde es in aller Konsequenz sehr individuell, sich von dem Begriff, der jetzt ja doch einigermaßen Mainstream geworden ist, zu distanzieren.
    Auf der anderen Seite glaube ich, dass das, was sich da gerade im Öko-„Mainstram“ abspielt bei allem Facettenreichtum eben solche Schlagworte benötigt (und sei es auch nur der Wiederauffindbarkeit im Hashtag-Dschungel wegen) und habe mittlerweile weniger Skrupel, sie zu nutzen – immer für mich mitbedenkend, was ich eigentlich für mich darunter verstehe.

    Danke dir für deine Anregungen!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Liebe Jenni,

      vielen Dank für dein Feedback. Ich freu mich sehr darüber, dass dich mein Beitrag zum Reflektieren anregt.

      Du sprichst ein Thema an, über das ich 2 Millisekunden nachgedacht habe. Werden die Suchmaschinen bzw. DIE Suchmaschine noch meine Beiträge zum Thema „Weniger ist mehr“ finden? Denn, wie du auch sagst, ich falle damit komplett aus dem Mainstream raus. Da ich kein Geld mit meinem Blog verdiene, fiel mir die Entscheidung vermutlich sehr leicht. Würde ich vom Einkommen durch den Blog leben, hätte ich vermutlich anders entschieden. Hierbei sieht man wieder so schön, wie Geld uns lenkt… auch mich.

      Liebe Grüße

      Sabrina

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