Ungeplant und stressfrei – Unser Österreichurlaub 2017

Von Anfang an hatten wir unseren Urlaub heuer in Österreich geplant. Es sollte eine Rundreise mit dem Motorrad durch Österreich werden. Und dann kam alles etwas anders. Denn Herr von Anders hat sich ein neues Motorrad gekauft und ich stellte Mitte Mai (der Urlaub war ab 22. Mai geplant) fest, dass ich unmöglich mitfahren konnte. Mein Hintern machte nach nicht einmal einer halben Stunde schlapp. Nachdem der erste Frust vorbei war, entschieden wir uns, mit dem Auto zu fahren und das Wetter entscheiden zu lassen, wo die Reise hingeht. Denn das Wetter ließ eine Woche vor unserem Urlaubsstart mehr als zu wünschen übrig.

Hinzu kam mein Messestress mit der Fair Fair. Ich hatte kaum Zeit darüber nachzudenken, wo der Urlaub hingehen sollte, es mit Herrn von Anders im Detail zu besprechen oder etwas zu buchen. Der Donnerstag-Feiertag in unserer Urlaubswoche war eine zusätzliche, kleine Herausforderung. Wegen der Messe beschlossen wir, erst Mitte der Woche zu starten und ca. eine Woche Urlaub zu machen. Am Samstag vor unserem Start am Mittwoch checkten wir das Wetter und stellten fest, dass es schön wird. Deshalb verfolgten wir unseren Plan, Innsbruck, zu besuchen. Diesen Plan tragen wir schon seit 3 Jahren mit uns rum. Ich kontaktierte eine befreundete Bloggerkollegin Alex von Chili und Schokolade (sie betreibt einen ausgezeichneter Foodblog!), die uns sogleich am zweiten Abend zum Grillen einlud. Und meine liebe Studienkollegin C., die seit einigen Jahren in Vorarlberg lebt, rief ich auch gleich an. Wir planten nämlich, einige Tage in und rund um Innsbruck und ein paar Tage in Vorarlberg zu verbringen.

Entgegen unserem Vorhaben, nicht zu buchen, entschlossen wir uns aufgrund des Feiertages doch zu buchen. Die Quartiersuche war ein kleiner Horror. Durch unseren Sardinienurlaub 2015 sind unsere Erwartungen an das Quartier sehr hoch. (Warum es auf Sardinien so toll war, kannst du hier, hier und hier nachlesen.) Nach einer ersten Suchrunde gaben wir auf. Ich nutzte den Dienstagvormittag noch einmal, um Quartiere in und rund um Innsbruck unter die Lupe zu nehmen. Schnell stellten wir fest, dass wir direkt in Innsbruck keine Chance hatten. Alles ausgebucht. In meiner Liste befand sich unter anderem der Gasthof Neuwirt in Ellbögen, ca. 15 Kilometer von Innsbruck entfernt. Da beim Gasthof auch ein Bauernhof dabei war, fiel unsre Entscheidung auf ihn. In Vorarlberg entschieden wir uns für den Wellenhof in Lochau. Ich griff zum Hörer würde ich schreiben, wären wir in einem anderen Zeitalter. Heute muss ich schreiben „Ich griff zum Smartpohone“ und buchte telefonisch unsere Zimmer.

4 Tage Innsbruck und Umgebung

Wir starteten also am Mittwoch wie geplant nach dem Frühstück los und kamen am Nachmittag am Gasthof Neuwirt an. Das Zimmer war klein, aber sehr fein, die Wirtsleute sehr zuvorkommend und nett. Gleich am ersten Tag durften wir einen Blick in den Stall werfen, in dem die Kühe und Stiere auf ihren Almauftrieb warteten. Auch wurden uns die hinteren Teile des alten Hauses, die ca. 1000 Jahre alt waren, gezeigt.

Für unseren Aufenthalt hatten wir wenig geplant. Fix auf unserer Liste stand der Alpenzoo und die Innenstadt Innsbruck. Alles andere ließen wir uns offen. Schlussendlich sahen wir den Alpenzoo, die Innenstadt, fuhren mit der Bahn auf den Hafelekar, um dort oben die Aussicht auf Innsbruck zu genießen und ein wenig zu wandern. Grillten mit unseren Bekannten und besuchten den Bauernmarkt in Innsbruck, um uns eine Jause für unsere Wanderung auf die Arztalalm (die Hausalm unseres Gasthofes) zu besorgen. Sehr zu empfehlen ist das Geschäft Sardinienprodukte Michael Carli, ein Bekannter von mir, führt es gemeinsam mit seinem Bruder Thomas in der Pradler Straße 42. Nicht ganz im Zentrum, aber der Sparziergang neben der Sill zahlt sich aus. Zufällig entdeckten wir das Immerland und genossen nach einem Spaziergang in der Stadt ein Eis am Hauptplatz.

Öffis in Innsbruck und Umgebung

Wir genossen die Natur, das schöne Wetter, das gutbäuerliche Essen am Hof, lernten nette und lustige Menschen kennen und stellten fest, dass in Innsbruck und Umgebung KEIN Auto notwendig ist. Ich war erstaunt darüber, wie regelmäßig Busse auch durch die kleinsten Ortschaften fuhren und die BewohnerInnen offenbar das Angebot dieses öffentlichen Verkehrsmittels sehr gut annahmen. Alex und ihr Mann erzählten uns beim Grillen, dass das öffentliche Verkehrsnetz im Rahmen der Fußball-EM entstand und blieb. Zugunsten der BewohnerInnen der Region. Und ich freute mich darüber. Denn oft wird für solche Großereignisse Geld in Projekte investiert, die nicht nachhaltig sind. Übergroße Stadien werden gebaut, die nachher nicht mehr befüllt werden können. Hotels werden aus dem Boden gestampft, die weit mehr Betten fassen, als es TouristInnen in der Region gibt. Weiße Elefanten sozusagen, die Geld kosten und keinen Mehrwert für die Bevölkerung haben. Nicht so beim Busnetz in und rund um Innsbruck.

Das Erlebnis Piburger See

Am Weg nach Vorarlberg machten wir noch Halt, um den wunderschönen Piburger See zu bestauenen. Diesen Tipp haben wir von Alex bekommen, als wir erzählten, dass wir auch zu einem See möchten. Der Besuch am Piburger See war ein ganz spezieller. Denn… das folgende, idyllisch anmutende Bild trügt. Es waren Massen an Menschen dort. Ganz hinten gibt es einen definierten Badebereich, um das Baden zu regeln und das Ökosystem nicht zu sehr zu belasten. Wir spazierten einmal rund um den See und es kamen uns Menschenmassen entgegen. Wir entdeckten überquellende Mistkübel mit Bierflaschen und -dosen (die Gegend dürfte zum Feiern sehr beliebt sein), Müll am Waldrand und am Gehweg, wilde Camper und Badegäste an Stellen, wo sie nicht sein sollten.

Jetzt gibt es die Meinung, es solle nicht alles reglementiert werden. Aber im Fall des Piburger Sees ist es, meiner Meinung nach, unbedingt notwendig. Wir haben uns die Infotafeln durch gelesen. Die Biodiversität ging in den letzten Jahrzehnten drastisch zurück, Bodenerosion entstand wegen des Badens. Um die Arten erhalten zu können, braucht es Regeln. Wir haben live erlebt, dass es vielen (nicht allen) offenbar egal ist, was mit diesem Naturjuwel passiert. Sie dürften keine Sekunde darüber nachdenken, was sie mit ihrem Verhalten anstellen. Deshalb bin ich für das folgende Foto sehr dankbar. Der Piburger See wird mir damit mit seiner Schönheit ewig in Erinnerung bleiben.

Piburger See

3 Tage Lochau, Lindau und Bregenz

Nach unserem wirklich entspannten Aufenthalt in Ellbögen ging es weiter nach Vorarlberg. Dafür stand auf unserer Liste: Freundin besuchen und Lindau zu besichtigen. Ich war vor Jahren einmal in Lindau und ich wollte wieder in diese feine, kleine Stadt. Wir checkten im Wellenhof, einem über 100 Jahre alten Haus, ein. Der Betrieb war etwas größer, als im Gasthof Neuwirt und das spürten wir gleich. Es war weniger persönlich (zwischen den Gästen und den Gästen und den Betreibern), obwohl alle sehr nett waren. Leider liegt der Wellenhof direkt an einer stark befahrenen Straße und das Haus ist schlecht isoliert. Das bedeutete, wir hatten Hitze im Zimmer und Autolärm bei Nacht, da wir bei geöffneten Fenstern schliefen. Wir sammelten also etwas Schlafmangel. Nichtsdestotrotz hatten wir auch einen wunderbaren Aufenthalt in Lochau. Wir trafen uns an allen Nachmittagen mit unserer Freundin C., ihrem Mann und ihrer 7 Monate alter Tochter.

In Lindau entdeckten wir ein tooootal nettes Geschäft für Souvenirs: Dein Stein. Wir bringen unseren Liebsten und auch unseren Katzensitterinnen immer gerne eine Kleinigkeit vom Urlaub mit. Jedoch mit Mehrwert (etwas Essbares oder Schmuck, nichts zum Verstauben im Regal), im besten Fall per Hand gemacht und aus der Region. Bei Dein Stein wurden wir fündig. In der Burggasse 4 fertig Wilfried aus Bodenseekiesel, Steinen aus aller Welt und Silber wunderschöne Schmuckstücke an. Ein kurzer Schlenker nach Bregenz mit köstlichem Essen im Wirtshaus am See rundeten unseren Vorarlbergurlaub ab.

Öffis in Vorarlberg

Im Gegensatz zu Tirol tauschten wir das Auto in Vorarlberg gegen den Zug ein. Auch in Vorarlberg ist das öffentliche Verkehrsnetz wunderbar ausgebaut. Entweder per Bus oder Bahn in die nächste Gemeinde oder sogar über die Grenze nach Deutschland oder in die Schweiz. Alles ist möglich, ganz ohne Auto. Auch mit dem Fahrrad lässt sich die Gegend am Bodensee wunderbar erkunden.

Wo ist die Nachhaltigkeit?

Im Urlaub pfeifen die meisten auf Nachhaltigkeit und das ist bei mir nicht viel anders. Es beginnt schon damit, dass mensch überhaupt Urlaub macht. Und ja, auf Urlaub möchte ich nicht verzichten und bin unglaublich dankbar dafür, dass ich so etwas wie Urlaub habe und machen kann. Denn nicht jedeR auf dieser Welt ist in dieser Hinsicht privilegiert. Urlaub, das sind meine ein bis zwei Wochen im Jahr, wo ich komplett abschalten kann. Wo ich raus aus dem Alltag bin und auch schöne Dinge außerhalb von Wien oder auch Österreich sehe, ohne fliegen zu müssen. Da kommen wir auch schon zum Thema Anreise. Auto oder Motorrad sind nicht die nachhaltigsten Transportmittel, aber noch vertretbarer als ein Flugzeug oder Schiff. Beim Quartier bemühen wir uns, möglichst nachhaltige Unterkünfte zu finden. Das ist jedoch nicht immer ganz einfach, vor allem wenn wir mit dem Motorrad unterwegs sind und keine Unterkünfte vorab buchen. Überkommt uns die Müdigkeit nach mehreren Stunden Fahrt, brauchen wir sehr rasch eine Unterkunft und nehmen da dann auch mal ein größeres Hotel. Planen wir jedoch, versuchen wir Familienbetriebe zu unterstützen. Im besten Fall, wie auf Sardinien die Biofarm Cucche‘, eine Unterkunft, die sehr viel Wert auf Nachhaltigkeit legt. Aber die sind nicht immer leicht zu finden

Mit offenen Augen durch die Straßen…

Immerland

Ich habe aber nicht ganz auf Nachhaltigkeit vergessen und schlenderte mit offenen Augen durch die Gegend. Einige tolle Ideen konnte ich mitnehmen, wie zum Beispiel die Schenkboxen in Innsbruck. Dafür werden alte Telefonzellen umgebaut. Und sie haben sich noch nicht zum Sperrmülllager verwandelt, wie es leider bei den Giveboxen in Düsseldorf der Fall war. Auch haben wir zufällig das nette Immerland entdeckt, in dem mensch bestimmt herrlich brunchen kann. Und unser Einkauf bei Sardinienprodukte hat die Entscheidung für den Urlaub 2018 wesentlich beeinflusst. In Lindau haben wir unsere tollen Souvenirs gefunden und auch ein tolles Stoffgeschäft entdeckt, das mit leicht provokanten Sprüchen auf die prekäre Lage unseres Systems hinweist. Der Bauernmarkt in Innsbruck in der Pradler Straße war klein, aber sehr fein. Wenn mensch also mit offenen Augen durch die Straßen geht, findet er/sie auch eine Menge nachhaltiger Anhaltspunkte. Mein Highlight war unsere Jause auf der Alm, neben einem rauschenden Bach, der gerade eine Menge Schmelzwasser von den Bergen transportierte. Unseren Müll haben wir eingepackt und wieder mit ins Tal genommen.

Das Pflegen sozialer Kontakte…

Bei diesem Urlaub war es uns wichtig, auch ein paar Kontakte zu pflegen. Auf unserer ursprünglichen Liste standen 5 Stopps bei FreundInnen und Bekannten. Wir mussten schnell feststellen, dass dafür 10 Tage nicht ausreichen würden, wenn wir auch ein bisschen wandern und Sightseeing betreiben möchten. Deshalb mussten wir schweren Herzens neu planen und entschieden uns für zwei Besuche vor Ort, um keine Zwischenstopps einlegen zu müssen. Denn nicht nur Ökologie spielt bei Nachhaltigkeit für mich eine Rolle. Genauso wichtig ist das Soziale. Und das beschränkt sich nicht nur auf Produktionsbedingungen, sondern auch auf die persönlichen Kontakte. Es passiert sehr schnell, dass mensch sich aus den Augen verliert. Mir tut das immer sehr leid, weshalb ich mich sehr bemühe, meine Kontakte aufrecht zu erhalten. Auch wenn mensch sich nur ein bis zwei Mal im Jahr sieht. Nicht immer gelingt es mir und wenn von der anderen Seite nie etwas zurück kommt, gebe ich auch schon mal auf.

Mein Fazit zu unserem Österreichurlaub

Wir waren vor allem in Ellbögen total tiefenentspannt und genossen in vollen Zügen das Quartier, das Essen, die Begegnungen und die Natur. Die Jause auf der Alm, neben einem rauschenden Bach war für mich das Highlight. Die An- und Rückreise war mit dem Auto anstrengend, obwohl wir dem großen Stau entkommen konnten. Aber ganz ohne geht´s nicht. Vor allem, wenn mensch über den Arlbergpass muss, weil der Tunnel gesperrt ist. Zurück hatten wir über das Deutsche Eck mehrmals das Vergnügen in einer Blechkolonnen zu stehen. Entspannter wäre es gewesen, diese Gegend mit Zug und Bus zu erkunden. Wobei der Almbesuch nur mit Mietauto möglich gewesen wäre. Innsbruck hat Salzburg als unsere Lieblingshauptstadt Österreichs abgelöst. Die Kombi Stadt und Natur ist unschlagbar.

Ich, als sehr strukturierte und organisierte Person genieße immer mehr unsere wenig geplanten Urlaube. Es gibt immer eine Idee wo wir hinfahren möchten und die Anreise, vor allem mit dem Motorrad und wenn wir etwas gebucht haben, muss dann penibel geplant werden. Das überlasse ich aber Herrn von Anders. Unseren Aufenthalt vor Ort planen wir dann jedoch kaum. Ohne Reiseführer im Gepäck entscheiden wir erst in der Früh, je nach Wetter und Laune, was wir machen möchten. Vor mittlerweile 4 Jahren kam ich das erste Mal in den Genuss eines solchen Urlaubes. Damals war viel geplant und alles kam aufgrund des Wetters ganz anders. Wir wollten zur Côte Azur und landeten in Chamonix. Das Jahr darauf ging es nach Sardinien, wo sich die Pläne änderten, weil sich Herr von Anders auf der Fähre das Kreuz verrissen hatte. Unser Toskana-Urlaub im letzten Jahr hat alles Bisherige getoppt. Vieles war die letzten Jahre geplant, immer kam es anders. Und heuer ließen wir den Urlaub einfach auf uns zukommen.

Nachhaltig urlauben kann mensch, wenn mensch möchte. Punkte wie Anreise, Unterkunft aber vor allem auch das eigene Verhalten vor Ort (z. B. Souvenirkauf, diverse Konsumentscheidungen) sind dafür wesentlich. Ich wünsche euch allen noch einen wundervollen Sommer und jenen, die ihn noch vor sich haben, einen wunderbaren Urlaub! Ich verabschiede mich mit diesem Beitrag in die alljährliche Sommerpause. Ihr lest von mir wieder ab Anfang September.

It´s easy being green – Just do it!

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