ich mach es anders

Taugt der Kamarg Rucksack für´s Fahrradfahren? [Werbung]

Kamarg Rucksack von vorne

Kamarg ist ein Kickstarterprojekt, um einen Nostalgierucksack der 1950-er und 1960-er wieder zurück auf den Markt zu holen. Produziert in Portugal, robust und reparierbar, kann er ab September erworben werden. Meine Nachhaltigkeitskriterien erfüllt er also. Aber wie sieht es in der Praxis aus? Ich verwende ihn aktuell für´s Fahrradfahren, da ich weniger am Wandern bin. Der nächste Wandertag steht zwar im Sommer mit FreundInnen an, aber das dauert noch etwas. Deshalb habe ich vorerst den Kamarg beim Radfahren getestet, weil ich auch der Meinung bin, dass ein Rucksack vielseitig verwendbar sein muss. Denn ich möcht nur einen und nicht für jede Sportart und Freizeit einen extra.

Wenn Altes wieder zu neuem Leben erweckt wird

Geschichte

Bereits 1949 wurde Kamarg in Graz gegründet. In den 1950-er und 1960-er Jahren wurde der Rucksack zum Verkaufsschlager, da die Themen Abenteuer und Wandern immer mehr Menschen erreichte. Vertrieben wurde er vorerst nur über die eigene Verkaufsstelle, aber schon bald fand er seinen Weg in die Verkaufsregale von Sportfachgeschäften. In den 1070-er Jahren endete das Kapitel Kamarg aufgrund der Konkurrenz aus Deutschland und Asien. Im August 2013 entdeckte Franz, nunmehriger Gründer von Kamarg, den alten Rucksack seines Vaters am Dachboden, reinigte ihn und hauchte ihm damit neues Leben ein. Gekauft im Jahre 1953 waren nur leichte Abnützungen auszumachen, aber sonst war er einwandfrei. Damit begann das Kapitel Kamarg neu.

Kamarg neu

Über die Jahre wurde entwickelt und getestet. Am ursprünglichen Design von Kamarg wurde nichts verändert. Nur der Segelstoff ist neu und heutzutage wasserabweisend und es wird einen Regenschutz geben. Das Tragesystem basiert auf einem Patent für ein Tragegestell für Kohle aus den 1920-er Jahren und besteht aus Kordeln, die die Träger halten. Damit ist eine gleichmäßigere Gewichtsverteilung möglich. Die größte Veränderung gab es bestimmt in der Produktion. Denn auch der Kamarg wird nicht mehr in Österreich produziert, sondern in Portugal. Laut Kamarg wird nur mit Partnern zusammengearbeitet, die höchste Standards einhalten. Siehe dazu mehr auf der Website unter „Verantwortung“. Die genannten Zertifizierungen SA8000 und Warp Gold sind mir bislang noch nicht untergekommen und ich hatte bislang leider noch nicht die Zeit, sie genauer unter die Lupe nehmen zu können, um zu entscheiden, ob sie ernst zu nehmen sind. Denn es geht nicht nur darum, was am „Papier“ steht, sondern auch darum, wie geprüft wird, dass sich die Firmen daran halten. Aktuell muss ich Kamarg als Konsumentin vertrauen.

Seit 6. Juni ist es möglich, den Kamarg vorzubestellen, ab September ist die Auslieferung geplant. Den Rucksack gibt es in den Farben rot, blau und beige, er wiegt 480 Gramm und fasst 12,2 Liter. Ziel ist auch heute, mit einfachen Handgriffen den Rucksack zu reparieren. Er ist einfach gehalten, aber robust.

Der Praxistest

Als leidenschaftslose Wanderin benutze ich den Kamarg für´s Radfahren. Wie ihr wisst, teste ich Produkte ausführlich, bevor sie hier am Blog landen. So war es auch mit dem Kamarg. Alle Vor- und Nachteile werden nun in den einzelnen Kategorien angeführt.

Verarbeitung

Die Nähte scheinen sehr stark zu sein, was vermuten lässt, dass diese nicht gleich wie bei einem Billigprodukt aufgehen. Der Kamarg hat dicke und „gepolsterte“ Träger aus Leder, die nicht einschneiden. Auch die kleine Vordertasche mit Reißverschluss (der sieht danach aus, als würde er eine kleine Ewigkeit aushalten) ist sehr praktisch für kleines Krimskrams. Durch den speziellen Segelstoff ist er auch wasserabweisend, was ein Vorteil ist, wenn es doch regnet. Ich bin ja Schönwetterfahrerin, weshalb ich niemals nicht einen Regenschutz für´s Fahrradfahren haben werde, aber wenn er ein bissl wasserabweisend schadet das sicher nicht. Gegen leichten Nieselregen bin auch ich resistent 😉

Träger und Riemen sind aus Leder, „bröseln“ aber leider zur Zeit und hinterlassen weiße „Fusseln“. Ich hoffe, dass sich das aufhört, sobald das Leder weicher ist. Denn auf dunkler Kleidung sieht das ein bisschen komisch aus. Und nicht zu vergessen: wir haben auch zwei Katzen, was heißt, dass ich ohnehin schon mit dem Katzenhaare-Entfernen auf meiner Kleidung beschäftigt bin. Da kommen wir gleich zur Farbe. Ich habe den Kamarg in dunkelblau erhalten, weil die anderen Farben erst ab September verfügbar sind. Der Segelstoff zieht die Katzenhaare sehr sportlich an. Aber da ich gerne schwarze Kleidung trage, geht das Abhaaren mit einem Mal 😉

Was mir ein wenig Sorgen bereitet, ist die Einfassung der Ränder. Die deutet nämlich auf Plastik hin und ich vermute einerseits, dass das sich Weiß irgendwann in ein unschönes Grau verwandelt bzw. dass die Fassungen porös und damit brüchig werden. Aber das wird sich erst im Laufe der Jahre zeigen, ob ich mit dieser Vermutung richtig liege. Bzgl. des dafür verwendeten Materials habe ich direkt bei der Firma angefragt, aber leider keine Rückmeldung erhalten. Vielleicht ist beim Absenden der Nachricht etwas schief gelaufen…

Tragekomfort

Wie bereits erwähnt, sind die Träger ganz komfortabel und die Angst, dass sie einschneiden, unbegründet. Was dem Kamarg eindeutig fehlt, ist ein Rückenpolster. Ich habe nun meinen Papierkalender zu Hilfe genommen, der den Rückenpolster ersetzt. Bei meiner ersten Ausfahrt mit dem Rucksack hatte ich ständig die Trinkflasche im Kreuz, was nicht wirklich angenehm war. Mit dem Kalender funktioniert das jetzt wesentlich besser. Auch fehlen mir zusätzliche Fächer. Ich schmeiß einfach alles, was mit muss, ins Hauptfach (ausgenommen Schlüssel, der kommt ins kleine Fach vorne) und hoffe, dass ich alles wieder schnell finde. Weiters ist es ungewohnt, dass es keine Clips, Reißverschlüsse und Ziehkordeldinger (womit mensch die Kordel einfach zuzieht) gibt. Das macht es etwas mühsam, wenn ich vor der Abfahrt vergesse, etwas in den Kamarg zu packen oder heraus zu nehmen. Das bedeutet nämlich: 2 Riemen aufmachen, Kordel öffnen (ich teste gerade noch, ob ein Knopf oder eine Masche praktikabler ist), Zeug einfach hinein schmeißen (wenn ich einpacke) oder suchen und hoffen, dass ich es schnell finde (wenn ich etwas auspacke).

Größe

Der Rucksack fasst 12,2 Liter und bietet einem 15´´ Laptop Platz. Den hab ich aber nicht und würd ihn auch nicht in die Arbeit mitnehmen. Entgegen der Befürchtung, dass ich mein selbst gekochtes Mittagessen oder die Jause für´s Büro aufgrund von Platzmangel daheim lassen muss, bin ich überrascht, wie viel tatsächlich Platz hat. Rein müssen nämlich mindestens 11 Sachen:

  • die (recht große) Geldbörse
  • der Kalender als Rückenstütze + ein Kuli
  • eine Trinkflasche
  • das Mittagessen für´s Büro
  • das Handy
  • ein Leiberl zum Wechseln
  • die Fahrradjacke, falls es zu warm dafür ist
  • der Schlüsselbund
  • ein Lippenbalsam
  • Taschentücher
  • Zigaretten und Feuerzeug
kamarg-inhalt

Dass muss alles in den Kamarg hinein

Ich bekomme also alles unter. Außer, wenn ich am Heimweg auch meine Bestellungen von der Food Coop abholen möchte. Dann stößt der Rucksack zwecks Größe an seine Grenzen, weil er bereits am Weg zum Food Coop Lager komplett voll ist. Hieße für mich: an Food Coop Tagen brauche ich einen größeren Rucksack. Oder ich stelle das Fahrrad zuerst zu Hause ab und mache mich dann gesondert am Weg zur Food Coop. Das wäre jedoch suboptimal, da das FoodCoop-Lager gerade übersiedelt wird und ich nun längern hin brauche. Da sich Anfang Juli mein fahrbarer Untersatz geändert hat und ich jetzt mit Korb durch die Gegend düse, ist dieses Problem gelöst.

Mein Fazit

Für Nostalgie-LiebhaberInnen ist der Kamarg auf jeden Fall ein toller Rucksack. Und auch ich werde mich auf die paar „Besonderheiten“ gewöhnen. Bzw. muss ich mich wieder vom Schnallenrucksack auf Riemenrucksack umgewöhnen. Was mir besonders gut gefällt, ist die Möglichkeit, den Rucksack sehr einfach zu reparieren, sollte mal eine Kordel reißen oder der Reißverschluss dahin sein. Die Ersatzteile kann mensch direkt auf der Website bestellen und sich dann selbst an die Arbeit machen oder jemand anderen machen lassen. Ich werde eher Variante 2 wählen, sollte es soweit sein, denn mit dem Nähen hab ich´s nicht so.

Mir gefällt auch, dass Kamarg versucht, transparent zu sein. Informationen über die Zertifikate erhalte ich sofort. Aber mich würden noch weitere Informationen über die Produktionsfirmen (ich gehe davon aus, dass es mehrere sind) direkt über die Website interessieren. Und auch über die Materialien und vor allem deren Herkunft würde ich gerne mehr wissen. Auch wenn es heutzutage extrem schwer bis unmöglich  ist nachzuvollziehen, woher z. B. das Leder für die Riemen kommt.

Was mit dem Rucksack auf jeden Fall passiert: du wirst von anderen darauf angesprochen. Mir ist das schon zwei Mal passiert. Das sind Menschen einer Generation, die einen Kamarg in der Schule hatten oder ihn von den Eltern/Geschwistern etc. kennen. Ich gebe zu, ich kannte Kamarg vorher nicht. Ich begrüße es sehr, dass reparierbare und damit nachhaltige Produkte wieder den Markt erobern!

Er ist bestens für Tageswanderungen geeignet. Für längere Wanderungen würde ich persönlich zu einem etwas größeren Rucksack greifen.

It´s easy being green – Just do it!

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: