Mit dem Fahrrad in die Arbeit

Das Fahrrad ist noch eines jener wenigen Sportgeräte, das mir sympathisch ist. Sonst bin ich eher unsportlich unterwegs. 3 Turnstunden pro Woche in der Schule waren ausreichend. Da habe ich mich auch vor allem beim Mannschaftssport verausgabt. Sonstist und war der innere Schweinehund recht groß. Die Schule seit 2005 vorbei und damit auch meine sportliche Betätigung. 2015 versuchte ich den inneren Schweinehund mit einem Fitnesscenter-Abo und Laufen zu besiegen. Das Laufen habe ich wegen Knieproblemen letzten August wieder aufgegeben. Das Fitnesscenter-Abo Anfang 2017 gekündigt, weil ich, wenn ich schon Sport mache, lieber an der frischen Luft bin. Nun hab ich wieder ein Projekt gestartet, das vor über zwei Jahren bereits begonnen aber zwischendurch wieder pausiert hat: mit dem Fahrrad in die Arbeit fahren. 

Damit möchte ich meine fast einjährige Sportpause endlich wieder beenden und meinem inneren Schweinehund wieder den Kampf ansagen.

Mein Fahrrad

Ich düste bislang mit meinem Jugendfahrrad herum. Einem giftgrünen KTM mit Y-Rahmen, ca. 18 Jahre alt, 24 Gänge. Die ersten Jahre meiner Wienzeit stand es in der Garage meiner Eltern herum. Weil ich schiss hatte, in Wien Rad zu fahren. Denn gefühlt sind alle in dieser Stadt verrückt. Die FußgängerInnen, AutofahrerInnen und RadfahrerInnen gleichermaßen. Je nachdem, in welcher Rolle sich mensch selbst befindet, schimpft mensch über die anderen. Und mensch selbst ist vermutlich keinen Deut besser.

Mein Fahrrad hab ich letztes Jahr nach über 10 Jahren vom sozioökonomischen Betrieb Die Radstation servicieren lassen. Ich habe ca. EUR 200,- in eine Kompletterneuerung gesteckt, womit das Rad nun wieder fast wie neu ist. Die Roststellen ausgenommen 😉 Es wurde so ziemlich alles getauscht: die durchhängende Kette, die Gangritzerl, die Bremsen. Der Techniker meinte, dass ein KTM unumbringbar ist und sich die Investition lohnt. Gesagt, getan.

Mitte Juli hat mein Fahrrad den Besitzer gewechselt. Das alte Puch-Citybike von Herrn von Anders, ebenfalls unumbringbar, wurde meins und mein KTM wurde seins. Denn mir fehlte am Mountainbike ein Korb für die Einkäufe. Und das KTM entspricht nicht ganz den Vorschriften. Das Puch, ebenfalls unumbringbar, wurde auch von der Radstation in Schuss gebracht. Mensch beachte bitte diesen tollen Korb und den extra bequemen Sitz 😀 Auch den Fahrradständer möchte ich nicht mehr missen. Ich wusste gar nicht, welche Erleichterungen dieser mit sich bringt.

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Mein neuer alter Drahtesel

Zusätzliche Ausrüstung

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Helm

Ich fahre nur mit Helm. Das mag für manche vielleicht spießig sein, denn viele RadfahrerInnen seh ich nicht mit Helm. Aber ich pfeif auf die perfekte Frisur. Mein Billighelm von früher wurde vor kurzem gegen einen „g´scheiten“ getauscht. Und so hoffe ich, sollte mal das Unaussprechliche passieren, dass mein Kopferl gut geschützt ist. Ich hab mich extra für eine knallige Farbe entschieden, damit ich schon von Weitem gut sichtbar bin.

Eines der wichtigsten Utensilien neben einem Helm ist für mich die Fahrradtasche. Meine Fahrradtasche ist zur Zeit ein Rucksack von Kamarg. Wie sehr dieser zum Fahrradfahren taugt, kannst du in Kürze in einem separaten Blogbeitrag nachlesen. Seit Anfang Juli hab ich zusätzlich einen Fahrradkorb am Gepäckträger, in den ich theoretisch 25 kg laden kann. Meine größte Einkaufstasche passt perfekt hinein. Das Abholen der FoodCoop-Bestellungen ist also kein Problem 😀

Last but not least hab ich noch eine Fahrradjacke wenn es etwas frischer ist. Meine Fahrrad-Handschuhe haben mittlerweile ausgedient, weil die Griffe beim Puch-Fahrrad nicht „abfusseln“ wie beim KTM.

Meine Strecke

Ich fahre ca. 4 Kilometer (das ist eh nix) – von Favoriten nach Mariahilf. Das bedeutet zwei Mal täglich über den Gürtel drüber. Und das war für mich früher ein Graus, da es keinen gescheiten Fahrradweg an diesem „heißen“ Punkt gab. Mit einem Umbau der Unterführung bei der Landgutgasse wurde zum Glück dieser Missstand behoben. Nun fühle ich mich weit sicherer. Früher war ich jedes Mal nervös, wenn ich diese Stelle passieren musste. Die Fahrradwege ins Büro hab ich mittlerweile halbwegs heraußen. Gerade lerne ich mir die Stellen einzuprägen, wo ich vom Radweg auf die Straße muss, um den Abbieger nicht zu verpassen. Ziel ist es, alle Wege bei Schönwetter mit dem Fahrrad zurück zu legen. Aktuell taste ich mich nach und nach an dieses Ziel heran.

Das Fahrradfahren in der Stadt

…und seine Stereotypen

Ich gebe zu, ich bin ein Schisshaserl. Jahrelang hab ich mich nicht getraut, mich in Wien auf den Drahtesel zu schwingen. Es vergeht einem/einer ja auch, wenn mensch die VerkehrsteilnehmerInnen in Wien beobachtet. Und ich beobachte zur Zeit ganz genau.

Stereotyp RadfahrerIn

Sie schlängeln sich an den schmalsten Stellen zwischen den Autos nach vor, hetzen bei Rot über die Ampel, schneiden den Weg in der Kreuzung ab oder gurken am Gehsteig herum. Mensch hat das Gefühl, dass für sie keine Regeln gelten und sie meinen, dass sie immer Vorrang haben.  Ich erlebe sie gerade auch so, denn ich bin zur Zeit eines der schwächsten Glieder in der Gruppe. Weil ich noch unsicher bin, die Wege noch nicht so gut kenne und mich, wann immer möglich, an die Regeln halte. Damit hab ich schon verloren. Was ich mir vor allem wünsche, wär ein kurzes Klingeln, wenn ich am schmalen Radweg überholt werde. Dann wär der Schreckmoment, wenn jemand von hinten nach vorne zischt und ich gerade mit Überlegungen, wie ich denn jetzt am besten weiter fahre, beschäftigt bin, etwas kleiner.

Stereotyp AutofahrerIn

Abgesehen vom Fahrstil der Wiener AutofahrerInnen (niemals nicht würde ich mit dem Auto in der Stadt fahren!) gibt es einige Dinge, die mich im Zusammenhang mit dem Radeln aufregt. Denn: Sie blockieren die eh schon extrem schmalen Radwege, sehen das Losstarten bei einer ampelgeregelten Kreuzung als Wettbewerb (wer kommt schneller vom Stand – das selbe gilt jedoch auch für Moped-, Motorrad- und die RadfahrerInnen), haben das Bedürfnis, RadfahrerInnen immer und überall zu überholen, egal, wie schnell mensch schon strampelt und wie schmal es ist. Mensch bekommt den Vogel gezeigt und wird beschimpft, weil mensch die Bushaltestelle nicht ausfährt und zum Überholen auf der Fahrbahn zu wenig Platz ist. Oder der Taxler flucht, wenn er gerade beim Ausparken ist und feststellt, dass da doch noch jemand daher radelt und er warten muss. Unachtsam werden Autotüren geöffnet oder ohne zu schauen wird ausgeparkt. Das sind potenzielle Gefahrenquellen, die nicht zu unterschätzen sind.

Stereotyp FußgängerIn

Und auch die FußgängerInnen kommen mir gelegentlich wie eine Horde Kühe vor. Sie bleiben beim Queren der Einbahnstraße Mitten auf der Straße stehen, spazieren am Radweg herum und reagieren nicht auf das Klingeln, müssen einen Blick auf´s Smartphone beim Überqueren der Straße werfen und gehen dabei beinahe schon rückwärts. Oder sie schauen einfach nicht, wenn sie über die Straße gehen.

Das sind meine subjektiven Stereotypen der Wiener VerkehrsteilnehmerInnen wie ich sie in den letzten Wochen erlebt habe. JedeR TeilnehmerIn für sich und sein/ihr Verhalten birgt gefühlt eine Gefahr in sich. Meins genauso, weil ich (noch) zu langsam bin und zu viel überlegen muss. Deshalb ist das achtsame Fahrradfahren so wichtig. Es ist unumgänglich, alle anderen im Blick zu haben, um zu erahnen, was sie als nächstes vor haben. Reißt eine/r die Autotür auf? Rennt der/die FußgängerIn noch über die rote Ampel? Biegt das Auto jetzt ab oder nicht? Wird gerade das Auto ausgeparkt oder steht es nur mal so am Radweg rum? Zischt ein/e RadlerIn von hinten vor? Bin ich als Fußgängerin unterwegs, muss ich primär darauf achten, ob ein/e herannahende RadfahrerIn über die rote Ampel schießt. In unserem Wohnviertel wäre ich zwei Mal hintereinander beinahe von einem Radfahrer (beides waren Männer) angefahren worden, wäre ich nicht stehen geblieben. Ich hatte Grün, sie hatten Rot.

…und seine Nervigkeiten

Ich bin nun wieder seit ca. vier Wochen mit dem Fahrrad in Wien unterwegs und wieder holen mich Dinge ein, über die ich damals vor zwei Jahren auch schon geflucht habe.

Da wären einmal die Radwege generell. Sie sind, wenn sie vorhanden sind, oft einfach aus. Dann heißt es doch immer wieder mal „zurück fahren und Straße queren, um auf den gegenüberliegenden Fahrradweg zu kommen (z. B. am Ring vor dem Parlament) oder „rauf auf die Fahrbahn“. Oder es ist so, dass es nicht immer eine Abzweigemöglichkeit am Fahrradweg gibt. Aktuell ist das gerade auf der Wiedner Hauptstraße so. Und bist du einmal am Radweg, hast du so gut wie keine Chance, auf die Fahrbahn zu wechseln, um den Abbieger noch zu erwischen. Aus diesem Grund „missbrauche“ ich an einer Stelle auch den Zebrastreifen, um am Heimweg in die Kliebergasse zu kommen.

Was mich auch sehr stresst, sind die oftmals sehr schmalen Radwege. In der letzten bz wurde der Tipp gegeben, dass mensch zwischen parkenden Autos mind. 1,25 Meter Abstand lassen solle, um einer aufmachenden Tür zu entkommen. Als ich das gelesen hab, war meine innere Rückfrage: „Wie soll das denn bitte funktionieren, wenn der Radweg gefühlt nicht mal so breit ist?“ Als Beispiel dient mir hierfür die Landgutgasse mit den QuerparkerInnen.

Nächster Punkt sind die Fahrradständer. Früher hatte ich das Gefühl, dass zu wenige vorhanden sind. Dieses Gefühl habe ich immer noch, denn meistens sie sind komplett voll. Aktuell wünsch ich mir vor jedem Geschäft und Wohnhaus Fahrradständer. Meistens befinden sie sich zumindest in Gehweite. Aber mensch muss sie erst mal entdecken. Die neuen Wohnbauten planen mittlerweile ausreichend Fahrradständer mit ein. Bei den alten hapert´s noch. Aber vielleicht wird ja irgendwann nachgerüstet..

Mein Verhalten als Fahrradfahrerin

Ich gebe zu, ich bin übervorsichtig. Ich bleibe bei roten Ampeln stehen, schiebe (meistens – es gibt einen Zebrastreifen auf der Wiedner Hauptstraße, wo ich das nicht tu, vorausgesetzt, ich gefährde keine FußgängerInnen) das Fahrrad über den Zebrastreifen und muss leider auch hin und wieder überlegen, wie der Weg weiter geht. Denn in Wien hören, wie bereits erwähnt, nicht selten die Fahrradwege einfach auf. Und das nervt mich ungemein. Da radelt mensch am Radweg dahin und plötzlich ist er zu Ende. Stirb deppert, wenn du nicht weißt, wie es weiter geh!  Aber bleib ja nicht stehen, um zu überlegen, denn der/die nächste RadfahrerIn schießt von hinten ohne Vorwarnung vor. Mein Tipp: Weiterradeln bis zur nächsten Wendemöglichkeit.

Ich hab das Gefühl, ich bin zu langsam. Aber ich seh auch nicht ein, dass, wenn ich unsicher und noch dazu untrainiert bin, dass ich mich von anderen stressen lassen soll. Meinem Verständnis nach, sollte mensch gegenseitig Rücksicht nehmen. Auch wenn mal jemand langsamer dahin radelt. Aber lieber begibt mensch sich und andere in Gefahr bei z. B. riskanten Überholmanövern.

Sicherheit geht vor

Ich hab mir ein paar Regeln auferlegt, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, um möglichst sicher durch den Stadtdschungel zu kommen.

  1. Immer mit Helm fahren!
  2. Der/die Klügere gibt nach! Ich seh das Radfahren nicht als Rennen.
  3. Halte dich an die Verkehrsregeln!
  4. KEINE Musik während dem Radfahren!
  5. Achte auf passendes Schuhwerk! Die RadfahrerInnen, die mit Patscherl durch die Stadt glühen, kann ich nicht ganz verstehen. Flip Flops & Co. gehören für mich nicht zu einer adäquaten Ausrüstung. Sandalen sind auch schon grenzwertig, aber an heißen Sommertagen versteh ich, dass sie angenehm sind. Aber dann sollten sie zumindest fest sitzen und nicht beim nächsten Losstarten von der Kreuzung verloren gehen.
  6. Habe vor LKW und Bussen Respekt. Immer wieder kommt es aufgrund vom Toten Winkel zu tödlichen Unfällen von FahrradfahrerInnen. Deshalb bleibe ich mit einem gesunden Abstand HINTER einem Bus oder LKW stehen, auch wenn sich andere das Vorschlängeln erwarten.

Warum tu ich mir das eigentlich an?

Diese Frage tauchte jetzt gerade während dem Schreiben des Beitrags auf. Ja, warum eigentlich? Warum tu ich mir das an? Offenbar setze ich mich mit meinem neuen Hobby zahlreicher Gefahren aus. Tja, die Antwort ist einfach: es ist für mich eine neue Herausforderung und ich sehe das Radfahren als mein neues Fitnessprogramm. Ich hoffe, meine Motivation hält an und ich komm sicher durch die Wiener Gassen ohne mich dabei allzu viel ärgern zu müssen. Zweiter Punkt ist auch der Nachhaltigkeitsgedanke. Radfahren ist nicht nur gut für die Gesundheit, sondern auch für die Umwelt. Wie viel Gefahr mensch für den Umweltschutz auf sich nimmt, kann natürlich diskutiert werden.

Bist du auch viel mit dem Fahrrad unterwegs oder ist es dir zu gefährlich? Was waren bis jetzt deine Schreckmomente beim Radfahren bzw. mit RadfahrerInnen? Deine Meinung interessiert mich, deshalb freu ich mich auf dein Kommentar zum Thema Radfahren!

It´s easy being green – Just do it!

3 Gedanken zu “Mit dem Fahrrad in die Arbeit

  1. Ich lebe im Ruhrgebiet und hier gibt es seit einigen Jahren Fahrradtrassen, das sind Radwege, die auf alten Bahntrassen entstanden sind. Darauf ist der Radfahrer aus dem Verkehr raus. Dafür kämpft man dann mit nicht angeleinten Hunden, auch nicht schön. Ich überlege mir schon genau, wann ich mich auf das Rad setze, ich möchte ja heil ankommen 🙂

    • Hi!
      Klingt nach „Wir lösen ein Problem und es entsteht ein neues“. Und hierbei versteh ich die HundehalterInnen nicht. Wenn ich weiß, dass hier viele RadfahrerInnen unterwegs sind, nehm ich meinen Hund doch an die Leine. Wär jedenfalls mein Verständnis (Hund hab ich aber keinen). Schade, dass das viele anders sehen!
      Wünsch dir auch zukünftig ein sicheres Vorankommen mit dem Fahrrad!

      LG Sabrina

  2. Ich fahte seit ich 6 Jahre bin Rad.
    Eine Erkenntnis aus den letzten Jahren, warum fahten die Deutschen gerne Mountsinbike oder zumindest diese Lenker, wo der Rücken nen Sufzer macht.
    In den Niederlanden sind sie da etwas schlauer.
    Ich habe mein Mounti vor Jahren ausser Dienst gestellt, Fashion und Coolness hin oder her.
    Jetzt fährt es sich entspannter😉

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