imea Stufenmodell der Lebensmittelbeschaffung [Blogreihe 2017]

Die Lebensmittelbeschaffung ist für mich, auch nach 8 Jahren noch immer ein Thema. Wo bekomme ich nachhaltige Lebensmittel her? Welche sind wirklich nachhaltig? Woher erhalte ich Lebensmittel direkt vom/von der ProduzentIn? Heute möchte ich dir mein Stufenmodell der Lebensmittelbeschaffung erklären. Ich hatte nämlich meinen Weg, der mich dort hin gebracht hat, wo ich heute bin.

Der Einstieg: Über nicht häufig konsumierte Lebensmittel

Der einfachste Einstig in einen nachhaltigen Lebensstil gelingt, meiner Meinung nach, mit Lebensmitteln. Bei FAIRTRADE-Produkten habe ich während meinem Studium mit Zucker, Bananen und Kaffee begonnen. Zucker benötige ich nach wie vor kaum, bei Kaffee war es mir sehr wichtig, fair gehandelten Kaffee zu trinken. Da ich allein lebte und nicht viel Kaffee trank, war der etwas höhere Preis kein Problem. Zu den FAIRTRADE-Bananen durfte ich einem Workshop bei FAIRTRADE Österreich beiwohnen, da ich bei der FAIRTRADE Bananen- und Ananasverkostung in REWE Märkten als Ehrenamtliche dabei war. Nach diesem Workshop war mir klar, dass ich niemals mehr konventionell produzierte Bananen essen werde. Das ist bis heute so. Gibt´s im Supermarkt oder am Biomarkt keine Bio-Bananen, gibt´s eben keine Bananen zu Hause. Ganz darauf verzichten möchte ich nicht, weil ich Bananen einfach liebe. Es ist unser einziges Obst von weit, weit weg, das wir regelmäßig konsumieren.

Die Masterfrage: Nicht leisten können oder nicht wollen?

Mit diesen kleinen Schritten begann ich, mich an die doch höheren Preise zu gewöhnen. Bei den ersten Einkäufen ging mir bei diesen Preisen gelegentlich ein Schauer über den Rücken und ich habe nicht selten wieder ein FAIRTRADE-Produkt zurück ins Regal gelegt, weil ich der Meinung war, es mir nicht leisten zu können. Irgendwann, da ich nicht aufgab mich mit den Themen fairer Handel und Bio zu beschäftigen, kam mir in den Sinn, dass ich mir sehr wohl diese Produkte leisten konnte und es eher daran lag, dass ich sie mir nicht leisten wollte. Ich benötigte ja auch mein Geld für allerlei andere Sachen: Bücher für die Uni, Busticket nach Hause, Miete, Strom & Gas, für´s Weggehen, neue Klamotten und vor allem: Schuhe (ich hatte eine Zeit lang echt einen schlimmen Schuhtick und hab mich nach jeder Prüfung mit Schuhen aus einem Ramschschuhgeschäft belohnt). Jetzt im Nachhinein bin ich sehr froh, dass mir damals schon der berühmte Knopf aufgegangen ist und ich viel bewusster beim Lebensmitteleinkauf darauf geachtet habe, was ich kaufe.

Heute sage ich: mir ist wichtig, dass ich Lebensmittel aus nachhaltigem Anbau esse. Weil das Essen hält mich am Leben. Eine neue Jeans nicht unbedingt. Ich habe auch begonnen, mehr selbst zu produzieren. Z. B. Marmelade, Nudeln oder Pizzateig. Habe Tomaten eingelegt, backe mittlerweile auch gelegentlich Kuchen (wir essen aber extrem wenig Mehlspeise). Das wiederum erlaubt mir meine Teilzeitstelle, wofür ich extrem dankbar bin. Somit spare ich mir wieder etwas Geld beim Lebensmitteleinkauf ein und weiß genau, was drin ist.

Mein Weg zu Bio und Produkten direkt von den ProduzentInnen

Durch die Beschäftigung mit den FAIRTRADE-Produkten kam ich gleichzeitig mit Produkten aus biologischem Anbau in Berührung, da doch mittlerweile ca. 75% aller FAIRTRADE-Produkte auch mit einem Biosiegel zertifiziert sind. Ich kaufte also immer mehr bio-zertifizierte Lebensmittel und gewöhnte mich auch an dessen Preise. Natürlich landeten im Winter Bio-Tomaten und Bio-Gurken und allerhand in meinem Einkaufskorb. Ich wollte ja auf nichts verzichten. Begonnen habe ich mit meiner „Mission“ natürlich im Supermarkt. Mittlerweile kaufe ich den Gutteil unserer Lebensmittel am Markt im Bioladen oder beziehe sie über die FoodCoop direkt von den ProduzentInnen, weil ich mich nunmehr auch mit den Wahnsinnigkeiten beschäftigt habe, was zwischen Supermärkten und ihren LieferantInnen abgeht oder wie es um die Produktionsbedingungen von Bio-Ware für den Massenmarkt aussieht.

Stufenmodell Lebensmittelbeschaffung

Mein persönliches Stufenmodell „Lebensmittelbeschaffung“ sieht also wie folgt aus: Supermarkt -> Bio- und Refomrlaäen -> Markt -> FoodCoop
Klein anfangen und dann steigern. So hat es auf jeden Fall bei mir funktioniert. Jeder kleine Schritt ist ein wichtiger, richtiger und notwendiger.

Meine Tipps an dich bzgl. Lebensmittelbeschaffung:

  1. Starte mit Biolebensmitteln aus dem Supermarkt und kaufe vorerst Produkte, die du nicht so oft konsumierst (bei mir waren das Zucker und Kaffee)
  2. Lies die Bücher Food Mafia und Schwarzbuch Markenfirmen oder ähnliche Bücher, die sich mit der Lebensmittelproduktion beschäftigen. Ich wette, du wirst danach Ausschau nach einem Bioladen oder Markt in deiner Nähe halten 😉
  3. Besuche einen Bioladen oder Bauernladen in deiner Nähe und genieße das Kleine & Feine, die tollen Produkte und die hervorragende Beratung. Dies alles ist nämlich im etwas höheren Preis inbegriffen.
  4. Suche dir einen (Bio)Bauern/Bäuerin deines Vertrauens und beziehe von ihm die Produkte direkt ab Hof oder über ein Kistl
  5. Wenn du dich dabei ertappst, dass du ein Produkt aufgrund seines Preises wieder ins Regal legen möchtest überleg dir: Kann oder will ich es mir nicht leisten? Kann sich die Produktion bei einem niedrigeren Preis ausgehen? Bleibt dem Produzenten ausreichend zum Überleben übrig, wenn ich das günstigere Produkt wähle? Wird bzw. wurde das Tier (bei Fleisch, Käse, Milch etc.) artgerecht gehalten? Muss ich ständig dieses Lebensmittel konsumieren oder reicht es aus, den Konsum zu reduzieren, es bewusster zu konsumieren und dafür einen höheren, aber dafür fairen Preis zu bezahlen?

It´s easy being green – Just do it!

2 Gedanken zu “imea Stufenmodell der Lebensmittelbeschaffung [Blogreihe 2017]

  1. Super Artikel! Danke auch für die Büchertipps, werde ich mir definitiv näher ansehen! Ich glaube auch, dass es am einfachsten ist, zunächst mal „klein“ anzufangen und im gewohnten Supermarkt Ausschau nach besseren Alternativen zu halten. Bald bekommt man dann auch ein Gefühl für die Grenzen des Supermarkts und wird sich automatisch woanders auch umschauen (Märkte, Reformläden, etc). Dein Stufenmodell finde ich daher sehr sinnvoll! 🙂 Alles Liebe, Kathi

    • Hallo Kathi!
      Vielen Dank für dein Feedback! Die Bücher sind wirklich sehr lesenswert! Auch wenn ich einige Tage gebraucht hab, um das Gelesene zu „verdauen“.
      Alles Liebe
      Sabrina

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