Warum mir nachhaltige Lebensmittelproduktion wichtig ist [Blogreihe 2017]

Oft höre ich, dass Bio eh ein Schmäh ist. Dass man eh nix gegen den Missbrauch machen kann und überall mit allem nur Schindluder betrieben wird. Diverse Skandale in der Lebensmittelindustrie (z. B. Pferdefleischskandal, Bio-Eier-Skandal etc.) verstärken diese Vorurteile. Und ja, es stimmt, niemand ist vor Missbrauch gefeit. Außer mensch hält seine Tiere auf einem eigenen Hof und baut das Gemüse selber an. Diese Möglichkeit haben aber nur die Wenigsten. Deshalb muss ich dem Handel bzw. den ProduzentInnen vertrauen. In meinem Fall primär den ProduzentInnen. Denn mittlerweile beziehen wir einen Gutteil unserer Produkte direkt von den ProduzentInnen oder Vertriebspartnern, die direkt importieren (z. B. bei Kakao) bzw. Produkte von Kleinstbetrieben vertreiben.

Wir erhalten mittlerweile den Großteil unserer Lebensmittel direkt von der Food Cooperation, Brot von einer Bäuerin aus der Steiermark, Nudeln mache ich neuerdings (auch) selber, und gelegentlich düsen wir durch die halbe Stadt, um zum Beispiel leckeren Käse von der Käseschatztruhe oder Fisch von Goldfisch zu holen etc. – nur um ein paar Beispiele zu nennen. Aber warum gehe ich diesen Weg? Warum tu ich mir diese etwas aufwändigere Lebensmittelbeschaffung an? Dafür habe ich 3 gute Gründe.

Grund Nr. 1 für eine nachhaltige Lebensmittelbeschaffung: Der Umgang der Supermärkte mit ihren LieferantInnen

Drei große Konzerne dominieren den österreichischen Lebensmittelhandel. In Deutschland sieht es nicht anders aus. Und sie drücken die Preise ihrer LieferantInnen auf Teufel komm raus. Nachzulesen ist das wunderbar im Buch „Fairarscht“ von Sina Trinkwalder. Verkauft ein Produzent nicht zum gewünschten Preis, werden seine Produkte ausgelistet und die Produkte des nächsten Produzenten, der günstigst anbietet, kommen ins Regal. So einfach ist das. Der Preisdruck ist gigantisch und die Konzerne reden uns KonsumentInnen ein, dass wir die günstigen Preise verlangen. Dass aber unser Gehirn mit allerlei Werbeschnickschnack und gezielten Platzierungen ausgetrickst wird, wird verschwiegen.

Grund Nr. 2: Bio vs. konventionell – Kleinproduzent vs. Agroindustrie

Lebensmittel aus biologischem Anbau sind mir wichtig. Von Demeterhöfen insbesonders, da Demeter die strengsten Auflagen hat. Es ist unklar, ob Bioprodukte tatsächlich gesünder die Nährwerte betreffend sind. Ich konnte keine eindeutigen Studienergebnisse dazu finden. Fest steht jedoch, dass Biolebensmittel unsere Umwelt schonen, da keine Pestizide zum Einsatz kommen. Dass es ab und zu trotzdem Rückstände gibt, ist in meinen Augen auf die generell verseuchte Umwelt zurück zu führen. Tiere aus biologischer Haltung erhalten etwas mehr, aber trotzdem noch zu wenig Platz, um ein artgerechtes Leben zu führen. Freilauf ist nur beim Demeter-Siegel vorgeschrieben. Und es gibt viele ProduzentInnen, die keine Zertifizierung haben, obwohl sie genauso arbeiten. Oder sogar noch höhere Standards haben. Gründe, warum sie sich nicht zertifizieren lassen, gibt es dafür zahlreiche. Deshalb ist es so unglaublich wichtig, die ProduzentInnen zu kennen und mit ihnen zu reden.

Ich bin davon überzeugt, dass der Kleinproduzent die Umwelt schonender behandelt, als der Agrokonzern. Ich bin auch davon überzeugt, dass der Kleinbauer mit seinen Tieren wesentlich achtsamer und wertschätzender umgeht, als der Mastbetrieb. Deshalb ist es mir so unglaublich wichtig, KleinproduzentInnen mit meinem Konsumverhalten zu unterstützen.

Grund Nr. 3: Keine Macht den Lebensmittelkonzernriesen

Thyson Foods, Kellogg’s, Unilever, General Mills, Danone, Kraft, Mondelēz, Coca-Cola, PepsiCo und  Nestlé – das sind die weltweit 10 größten Lebensmittelkonzerne, die den Schein der Vielfalt in den Supermärkten hoch halten. Bei genauerem Hinschauen stellt mensch fest, dass alles aus einer Hand kommt. In Österreich spielen Unilver und Mars noch eine große Rolle.

Spielen wir ein kleines Spiel – welches Produkt gehört welchem Konzern? (Die Auflösung findest du am Ende des Beitrags)

  1. Ben & Jerrys
  2. Axe
  3. Kite Kat
  4. Maggi
  5. Milka
  6. Knorr
  7. L´Oreal
  8. Gilette

Quelle

Dieses Spiel könnten wir unendlich weiter spielen und die meistenuns bekannten Marken aus dem Supermarkt gehören einer der genannten Großkonzerne. Vielfalt? Fehl am Platz. Ich liebe aber die Vielfalt und möchte vor allem, dass auch die Kleinen eine Chance haben – jene, die die Vielfalt hoch halten und am Leben erhalten. Deshalb vermeide ich Produkte aus dem Supermarkt. Ihm ganz zu entsagen schaffe ich nicht, aber zum Großteil.

Lebensmittel sind zu billig

Es mag jetzt überheblich klingen, aber über die ganzen Jahre, in denen ich mich mit Nachhaltigkeit und vor allem der Lebensmittelproduktion beschäftigt habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Lebensmittel viel zu billig sind. Heutzutage geben wir unter 15% unseres Haushaltseinkommens für Lebensmittel aus. 1954 waren es 45 Prozent, also fast die Hälfte. In den 1970-ern noch 27 Prozent.

Das zeigt für mich sehr deutlich, dass sich die Schwerpunkte verlagert haben. Essen spielt eine untergeordnete Rolle in der heutigen Konsumgesellschaft. Es muss beim Essen gespart werden, damit sich ein Auto, ein Smartphone, ein Laptop, neue Disignerklamotten oder ein neuer Flatscreen ausgehen. Was Genuss bedeutet, haben leider viele Menschen bereits verlernt. Gegessen wird im Gehen, auf der Couch vorm Fernseher, schnell in der U-Bahn oder am Würstelstandel oder in einem Fast Food Restaurant. Billig soll es sein, wenn´s auch noch gut schmeckt, hatte mensch Glück. Wenn´s nicht so gut schmeckt, auch egal. Dann hat mensch zumindest etwas im Magen und nicht viel dafür ausgegeben.

Ich bin eine Person, die gutes Essen liebt und deshalb auch sehr gerne mehr Geld für Lebensmittel ausgibt. Beim Einkauf und auch im Restaurant. EUR 3,00,- oder mehr für 100 Gramm Käse oder Schokolade? Unbedingt, denn den esse ich genussvoll. Oder EUR 1,99 für 250 Gramm Joghurt? Sehr gerne, weil damit schwebe ich im 7. Himmel. Jetzt schreit es natürlich danach „DAS KANN SICH JA KEINER LEISTEN!“. Und ich antworte: „Jein.“ Denn: es gibt nicht ständig Joghurt, Käse oder auch Fisch bei uns. Sondern wir genießen in Maßen. Wir ernähren uns primär von Gemüse, Hülsenfrüchten, Getreide und Kartoffeln. Und ab und zu gönnen wir uns einen wirklichen Leckerbissen.

Wie stehst du zu meinem Ansatz, dass Lebensmittel generell zu billig sind? Bist du auch der Meinung, dass viele Menschen in unseren Breitengraden das genussvolle Essen verlernt haben?

Im nächsten Beitrag erfährst du, wie ich mich an meine jetzige Beschaffungsform von Lebensmitteln langsam angenähert habe.

It´s easy being green – Just do it!

Auflösung:

  1. a) Unilever
  2. b) Unilever
  3. c) Mars
  4. d) Nestlé
  5. e) Mondelez
  6. f) Unilever
  7. g) Nestlé
  8. h) P& G

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