Was ist Greenwashing? [Blogreihe 2017]

Egal, wo mensch heute hinschaut: irgendwie scheint so ziemlich alles nachhaltig oder auch grün zu sein. Grün löst Verbundenheit zur Natur aus. Das ruft, bei mir als Landkind zumindest, Kindheitserinnerungen hervor. Ich fühl mich wohl und greife am liebsten zu Produkten, die diese Message an mich senden. Kauf mich, denn damit machst du die Welt ein kleines Stückchen besser. Beim Greenwashing erging es mir gleich wie beim Rebound-Effekt. Lange nicht darüber gestolpert und erst, als ich fest stellte, dass ich ein Greenwashing-Opfer wurde, begann ich, mich näher damit auseinander zu setzen.

Greenwashing – Was ist das und wie funktioniert´s?

Definition

Wikipedia hat dafür folgende Definition parat: „Green Washing ist eine kritische Bezeichnung für PR-Methoden, die darauf zielen, einem Unternehmen in der Öffentlichkeit ein umweltfreundliches und verantwortungsbewusstes Image zu verleihen, ohne dass es dafür eine hinreichende Grundlage gibt.“

Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es sich um Greenwashing handelt, wenn Nachhaltigkeit promotet wird, ohne es wirklich im Kerngeschäft zu verfolgen. Nunu Kaller, ehemalige KonsumentInnensprecherin von Greenpeace drückt das schön aus:

Alles, was nichts mit der Wesentlichkeit, dem Kerngeschäft des Unternehmens zu tun hat, läuft in meinen Augen massivst Gefahr, Greenwashing zu sein. Die Gefahr ist da wirklich SEHR hoch. Louis Vuitton hat mal Bienenstöcke entlang der Champs-Élysées aufgestellt. Eine schöne Geschichte, die aber komplett an deren Kerngeschäft vorbei geht.  Ein weiteres gutes Beispiel ist Coca-Cola. Ich war mal am CSR-Tag von Coca-Cola. In einem Vortrag wurde uns erklärt, dass das drängendste Problem im Nachhaltigkeitsbericht die mangelnde Bewegung und zunehmende Gewichtszunahme der Kundinnen sei. Als Schlußfolgerung startete Coca-Cola eine Kampagne für mehr Bewegung und sponsort vermehrt Sportveranstaltungen. Der Konzern, der also Zuckerwasser in Plastikeinwegflaschen füllt, sagt Kunden: ‘Geht laufen’ und schreibt das dann in den Nachhaltigkeitsbericht rein. Coca-Cola muss somit NICHTS an seinen eigenen Arbeitsweisen ändern und das ist der Haken. Es lenkt vom Kerngeschäft und der eigentlichen Problematik ab.” (Quelle)

CSR (Corporate Social Responsibility) ist für mich ein ähnlich großes Unwort, wie Greenwashing, aber dazu vielleicht einmal in einem eigenen Blogbeitrag mehr.

Greenwashing Methoden

Greenwashing außerhalb des Kerngeschäfts

Es gibt so Konzerne, z. B. im Bekleidungssektor, die damit werben, dass nun die alte Kleidung vor Ort recycelt werden kann. Schmeiß deine alten Fetzen in unseren Container und nimm dir fünf neue mit nach Hause. Dressed for the second! Oder so ähnlich. Die KundInnen beißen an, bringen hunderte Fetzen zum Recycling, wissen aber nicht, dass nur ein minimaler Anteil ihrer Kleidung tatsächlich recycelt werden kann. Daraiadaria spricht von weniger als 1% beim Textilschweden.

Beispiel: Der Positive Cup vom Kaffeekapselriesen

Ich weigere mich, dieses Unternehmen auf diesem Blog zu verlinken, aber bitte: klopf Positive Cup in die Suchmaschine rein und lass dich blenden. Auf dieser Seite ist das komplette Nachhaltigkeitsbestreben vom Kaffeekapselriesen nachzulesen.

Kaffee aus nachhaltigen Anbau

Einerseits das AAA Sustainable Quality™ Programm. Es geht dabei um eine nachhaltige und umweltfreundliche Anbaumethode von Kaffee. Weiters sollen hohe Zertifizierungsstandards u.a. in den Bereichen Wasserwirtschaft, Artenvielfalt und faire Bedingungen für Arbeiter geschaffen werden. Eine Zusammenarbeit mit der Rainforest Alliance bzw. FAIRTRADE International gibt es bereits seit über einem Jahrzehnt. 2014 konnten laut Website 80% des Kaffees Grands Crus (aktuell sind das 13 Kaffeesorten – die Pads für die Gastromaschinen) von Bauern und Bäuerinnen eingekauft werden, die diesem Programm beiwohnen. Bis 2020 sollen es 100 % sein.

Nachhaltiges Aluminium

Weiters sollen bis 2020 100% des genutzten Aluminiums nachhaltig beschaffen. Die Beschaffung passiert im Einklang mit den Vorgaben der neuen Aluminium Stewardship Initiative. Bei der Verwendung der Begriffe „nachhaltig“ mit „Aluminium“ im selben Satz, stellt es mir gleich die Zehennägel auf. Aluminium ist in meinen Augen per se nicht nachhaltig. Der Abbau von Primäraluminium ist ein so gewaltiger ökologischer Supergau, dass auch recyceltes Aluminium in keinster Weise nachhaltig sein kann. Aktuell gibt es beim Kaffeekapselriesen das Recyclingprogramm für die Kapseln, wofür eigens gebrandete Papiersackerl zur Verfügung gestellt werden. Bis 2020 soll die Rücknahmekapazität der Kapseln auf 100% (aktuell 86%) überall dort gesteigert werden, wo der Kaffeekapselriese tätig ist. Es werden Lösungsansätze für hausgemachte Probleme angeboten und die KonsumentInnen fallen darauf rein. Ein Lob an das Marketing.

Klimaschutz

Auch das Klima will geschützt werden, indem der CO2-Bilanz um weitere 10 % reduziert werden soll. Ebenfalls bis 2020. Auch ein Agroforstwirtschaftsprogramm ist geplant, um 100% CO2-effizient wirtschaften zu können.

Fazit

Die Seite schaut ansprechend aus und die Lippenbekenntnisse bis 2020 lesen sich wirklich wunderbar. Aber bei genauerer Betrachtung wird nicht im Detail erklärt, was unter einer nachhaltigen und umweltfreundlichen Anbaumethode beim Kaffee zu verstehen ist. Dass es seit über einem Jahrzehnt eine Zusammenarbeit für faire Arbeitsbedingungen gibt, muss ich, denke ich, nicht extra kommentieren. Und 13 Sorten von über 40. Das sind nicht einmal 50 %. Das Thema Aluminium muss ich auch nicht weiter erklären. Was mich fuchtig macht: Der Kaffeekapselriese gehört einem riiiiiiesen Konzern, der die weltweite Lebensmittelindustrie beherrscht. Die hätten Kohle ohne Ende, um alle Lippenbekenntnisse innerhalb kürzester Zeit umzusetzen. Tun sie aber nicht. Wozu auch?

Optische Irreführung

Geht es dir auch manchmal so, dass du, ohne die Zutatenliste oder die Inhaltsstoffe genauer anzusehen, auf ein Produkt hin greifst, weil dir die Verpackung vermittelt, dass es nachhaltig und gesund ist? Mir ist das schon mehrmals passiert und selten aber doch passiert es mir auch heute noch. Meist, wenn ich zu faul bin, genauer hin zu schauen. Es ist aber nicht nur die Verpackung, was in die Irre führt. Auch die Aufmachung der Website oder der Werbemittel erweckt oftmals den Eindruck, dass das Unternehmen nachhaltig agiert.

Beispiel: Ein Kosmetikunternehmen, eigentlich Konzerntochter

Mir ist das bei Kosmetik passiert. Auf der Suche nach Naturkosmetik besuchte ich auf Empfehlung ein Geschäft und war zuerst begeistert. Bis ich die Produkte mit Codecheck geprüft habe. Mich hat es aus den Socken gehauen. Von 3 Produkten war nur eines zu 100% natürlich. Dafür enthielten die anderen beiden Produkte Inhaltsstoffe, die ich eigentlich vermeiden wollte. Silikone, Parabene, Farbstoffe, Duftstoffe etc. – das Übelste vom Üblen.

Ich screente danach ca. 2 Stunden die Website. Schaute alles toll aus. Ich las viele tolle Geschichten zu den Ambitionen des Unternehmens, die Umwelt zu schützen. Letztendlich fand ich jedoch keine unabhängige Zertifizierung. Das Unternehmen prüfte seine Produkte quasi selbst. Seitdem hat sich einiges auf der Seite getan. Mittlerweile sieht die Seite etwas anders aus und es gibt Bestrebungen „zum ethisch korrektesten und nachhaltigsten globalen Unternehmen der Welt“ zu werden. Sie berufen sich hierbei auf die Gründerin Anita Roddick, die mittlerweile mit Botanicus ihren Traum der Naturkosmetik erfüllt hat, weil sie ihn mit dem Verkauf ihres ersten Unternehmens an einen Konzern platzen hat lassen. [EDIT: 14.02.2017: Roddick verstarb 2007. Ich muss meine Aussage über sie und Botanicus deshalb noch einmal überprüfen. Botanicus Vienna gab mir die Information, dass die GründerInnen des jetzigen Konzerns nun mit Botanicus ihren Traum der Naturkosmetik verwirklichen. Offenbar hab ich nur mit einem halben Ohr zugehört…] Und das ist doch recht übel. Vor allem im Rahmen der KonsumentInnentäuschung. Diese Kunst beherrscht ein französischer Kosmetikhersteller genauso gut und ein britischer Konzern, der u.a. Seifen herstellt, fältl ebenfalls in diese Kategorie. Optisch hui, innen pfui! Das gilt für alle drei.

Das Spiel mit der Sprache

„Aus der Region“, „mit regionalen Zutaten“ oder „zu 100% aus natürlichen Zutaten“, dann noch das passende Bild dazu. Und perfekt ist das Greenwashing. Die KonsumentInnen müssen MeisterInnen der geschützten Begriffe sein, um diesen Wortdschungel zu durchschauen. Oder es wird nur sehr vage ausgedrückt, was damit gemeint ist. Als Beispiel dient wieder der Kaffeekapselriese. Keine Ahnung, was sie mit nachhaltigen und umweltbewussten Kaffeeanbau meinen. Welche Aktionen, welche Strategien, welche Vorgehen sind geplant? In zahlreichen Nachhaltigkeits- oder CSR-Berichten ist das der Fall. Schon fast jedes Großunternehmen hat so einen Bereicht, schaut ja gut aus, und wenn mensch sich durch 120 Seiten gekämpft hat, stellt mensch fest, dass es sich primär um Lippenbekenntnissen und blabla handelt. Ein Gemeinwohlbereicht, das wär mal ein Schritt vorwärts!

Beispiel Gulasch Basis

Neulich war ich auf der Suche nach einer Basis für Gulasch, da ich ein Kartoffelgulasch machen wollte. Zeitmangel und ein Mangel an Bioläden in der Nähe verdonnerten mich in den Supermarkt. Du siehst, ich bin keinesfalls zu 100% konsequent. Ich habe in einem Supermarkt ein Fertigpackerl von einem Lebensmittelkonzern gekauft. Pfui! Das passiert mir nun mal drei Mal im Jahr…

Nun stand ich da und ich hatte drei Mal Basis Gulasch zur Auswahl. Ein Packerl zog sofort meine Aufmerksamkeit auf sich „K…. echt natürlich!“ stand drauf. Und die Verpackung war auch recht „öko“ gestaltet. Visuell und sprachlich war ich also schon gefangen. Ich begann trotzdem, die Zutatenlisten von allen drei Möglichkeiten zu lesen.

Bei Packung 1 stand Palmöl gleich an erster Stelle. Bei Packung 2 war Speck eine Zutat (bei VegetarierInnen ein Ausschlussgrund) und Palmöl stand an 3. Stelle. Währendessen mein Gedankengang: „Wenn in Packung 3 auch Palmöl enthalten ist, was bestimmt der Fall ist, dann mix ich mir mein Gulaschgewürz daheim einfach irgendwie selbst zusammen. Schmeckt dann halt anders, aber dafür ohne Palmöl. Wenn aber kein Palmöl enthalten ist, dann mach ich heute eine Ausnahme.“ Ich nahm Packung Nr. 3 in die Hand, die öko Packung, las die Zutatenliste und siehe da: keine Aromastoffe, keine Farbstoffe, kein Palmöl. In diesem Fall gekauft. Aber nachhaltig ist deswegen das Unternehmen noch lange nicht. Es hat nur jetzt auch die „Schiene“ entdeckt und versucht, den KundInnenwünschen mit diesem Produkt nachzukommen.

Mein Fazit

Wie bereits erwähnt, falle auch ich heute noch manchmal auf die Greenwashing-Masche von Unternehmens hinein. Grün ist aber nicht immer gleich grün und es erfordert harte Arbeit, auf die Irreführungen des Greenwashings nicht herein zu fallen. Es ist mühsam, aber ich lass die großen Multis bestimmt nicht über mich bestimmen, weil ich mit Scheuklappen durch die Gegend renn und mich von ihrer Werbung blenden lasse. Und bei Fernsehwerbung bekomme ich mittlerweile eine riesen Wut, weil die KonsumentInnen wie Trottel behandelt werden. Sind viele vermutlich auch. „Ich bin doch nicht blöd, Mann“ trifft leider nicht zu, solange uns die Werbung sagt, was wir zu kaufen haben.

Meine TIPPS für dich:

  • Wenn du dich für ein Produkt bzw. dich über ein Unternehmen interessierst, reicht oftmals ein Blick in das Impressum auf der Website, um herauszufinden, wer bzw. welcher Konzern tatsächlich dahinter steckt. Du wirst vermutlich darüber erstaunt sein, welche Abgründe sich auftun.
  • Screene die Zutatenliste bei Fertiggerichten (falls du welche kaufst) und Kosmetika nach „bösen“ Inhaltsstoffen.
  • Lass dich nicht vor Aufdrukcen wie „100 % natürlich“ etc. blenden, sondern lies das Kleingedruckte.
  • Hol dir Infos zu Produkten und ihrem Greenwashingpotenzial auf greenwashingindex.com.
  • Um die Inhaltsstoffe eines Produkts zu screenen, empfehle ich die Apps codecheck.info oder toxfox.at.

Sie verhelfen dir mit kleinen, aber unglaublich wichtigen Schritten, der Wahrheit ein kleines Stück näher zu kommen.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Wenn du noch weitere Beiträge zum Thema Greenwashing lesen möchtest, lege dir die Greenwashing Beiträge von ich kauf nix! ans Herz. Nunu hat dieses Thema vor allem mit dem Textilschweden zigfach durch gekaut.

5 Gedanken zu “Was ist Greenwashing? [Blogreihe 2017]

  1. Gerade erstmal gegoogelt, welche Kosmetikunternehmen du da meintest – das ist ja echt unglaublich, das wusste ich auch noch nicht, dass die zu dem Konzern gehören o.O
    Auf welches französische Unternehmen du anspielst weiß ich leider nicht, aber das britische ist vermutlich das, was man in der Fußgängerzone schon 20m gegen den Wind riechen kann, oder?;)
    Was ich da negatives gehört habe, war aber hauptsächlich, wie sie mit ihren Mitarbeitern umgehen – die Produkte sind da schon hauptsächlich vegan und frei von Zusatzstoffen, oder?
    Ich hab da mal eine Weile mein festes Shampoo besorgt, bevor sie meine Sorte aus dem Sortiment genommen haben:(

    • Man lernt (leider) nie aus.
      Beim britischen Unternehmen hast du richtig getippt. Leider verwenden sie bei manchen Produkten noch immer bedenkliche Inhaltsstoffe. Zur Behnadlung der MitarbeiterInnen kann ich nix sagen, da ich dort nie einkaufe und niemanden kenne, der dort arbeitet. Ich liebe einfach inhabergeführte Kleinstunternehmen. Da bekommt man, find ich jedenfalls, ein besseres Gefühl dafür, wie es dort läuft. Aber sicher gibt es auch da schwarze Schafe. Das französische Unternehmen kennst du bestimmt auch. Die vertreiben sehr viel online, haben aber auch ihre Filialen. Natürlich mit grünem Logo. Ich helf dir ein wenig auf die Sprünge: Y… R….. 100% natürlich 😉

      LG Sabrina

      • Ahh, jetzt weiß ich, welches du meinst…da habe ich bisher noch nie gekauft..:)
        Mein Bedarf an Kosmetik beschränkt sich allerdings eh hauptsächlich auf Shampoo (bzw Haarseife), Waschgel, Duschgel und Handseife.. Lippenpflege kommt im Winter hinzu, aber da habe ich noch so viele Vorräte, die ich erstmal aufbrauchen möchte;)
        Nachdem ich erst das feste Shampoo von Lush genutzt habe, bin ich später auf Savion umgestiegen und habe dann entdeckt, dass es die auch im Unverpackt-Laden ganz bei mir in der Nähe zu kaufen gibt – das reduziert doch den Aufwand erheblich und den Laden unterstütze ich eh sehr gerne!

        Liebe Grüße zurück:)

  2. Das das britische Körper-Geschäft sich von den idealen der Gründerin verabschiedet hat (oder die Entwicklung stehen gebleiben ist, wenn man es nett formulieren will) ist mir klar. Was aber Anita Roddick mit Botanicus zu tun hat verstehe ich nicht, ich dachte, die sei leider kurz nach dem Verkauf an die Franzosen verstorben.

    Der Satz „Grundsätzlich kann gesagt werden, dass es sich um Greenwashing handelt, wenn Nachhaltigkeit promotet wird, ohne es wirklich im Kerngeschäft zu verfolgen.“ ist übrigens großartig, mehr muss man eigentlich – neben einem kritischen Block auf die Aktivitäten im Kerngeschäft – eh nicht machen.

    • Hmm… dann muss ich das noch einmal prüfen. Vielen Dank für den Hinweis! Ich hab die Info direkt von Botanicus Vienna – dass die Gründer der jetzigen Kette ihren Traum mit Botanicus leben. Aber offenbar hab ich nur mit einem halben Ohr zugehört.

      LG Sabrina

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