ich mach es anders

Was bedeutet Nachhaltigkeit [Blogreihe 2017]

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Nachhaltigkeit ist mittlerweile zu einem Modewort verkommen. Zahlreiche Unternehmen verwenden diesen Begriff als Schlagwort, um ihre Produkte besser vermarkten zu können. Egal, wie viel Nachhaltigkeit tatsächlich dahinter steckt. Deshalb widme ich mich heute der Definition von Nachhaltigkeit. Mit etwas Verspätung, denn eigentlich wollte ich die Blogreihe 2017 „(D)Ein Weg zu einem nachhaltigen Lebensstil“ bereits Anfang Jänner starten. Die essenziellen Fragen, die ich heute versuche zu beantworten lauten: Was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Ist der Begriff überhaupt zu fassen? Was bedeutet Nachhaltigkeit für mich? Und was ist wesentlich, wenn mensch sich für einen nachhaltigen Lebensstil entscheidet?

Definitionen von Nachhaltigkeit

Sucht mensch im www nach einer Definition, finden sich dazu zahlreiche Seiten mit unterschiedlichsten Definitionen:

https://www.nachhaltigkeit.info/artikel/definitionen_1382.htm
http://wirtschaftslexikon.gabler.de/Definition/nachhaltigkeit.html
https://www.bmlfuw.gv.at/umwelt/nachhaltigkeit/nachhaltigkeit.html

Daraus geht hervor, dass es DIE Definition nicht gibt. Der Begriff wurde über die Jahre um Definitionen und Bereiche immer wieder erweitert.
Jedoch stammt er ursprünglich aus der Forstwirtschaft. Geprägt von Hans Carl von Carlowitz im Jahr 1713, als er in einer Publikation von einer nachhaltigen Nutzung von Wäldern sprach.

Club of Rome

Weiter entwickelt wurde er durch den Club of Rome in den 1970-er Jahren durch die Veröffentlichung des Berichts „Die Grenzen des Wachstums“.  Dieser Bericht widmet sich düsteren Zukunftsszenarien, wenn keine Veränderung eintritt. Darin wird beschrieben, dass die „absolute Wachstumsgrenzen auf der Erde im Laufe der nächsten hundert Jahre erreicht wird, wenn die gegenwärtige Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung von natürlichen Rohstoffen unverändert anhält.“ (Quelle)

Brundlandt-Bericht

Der Brundtland-Bericht aus dem Jahr 1987 hat den Nachhaltigkeitsbegriff erweitert. (Kleine Anmerkung am Rande: Der Bericht ist so alt wie ich.) Nachhaltige Entwicklung wird darin folgendermaßen definiert: „eine Entwicklung, die die Bedürfnisse der Gegenwart befriedigt, ohne zu riskieren, dass künftige Generationen ihre eigenen Bedürfnisse nicht befriedigen können“ (Quelle)

Und dann gibt´s da noch die Rio-Konvention aus den 1990-er Jahren und und und.

Manchmal muss mensch den Kopf in den Sand stecken…

Das sind alles nette Papierl, wo etwas geschrieben steht. Aber schauen wir uns unsere Welt heute an. Wir stehen kurz vor dem Kollaps. Ich habe jedenfalls dieses Gefühl.  Alle Scheren, v.a. jene zwischen reich und arm, gehen auseinander. Es gibt eine Umweltkatastrophe nach der anderen und gefühlt auf der ganzen Welt herrscht Krieg und Terror. Mensch fühlt sich hilflos. Ich fühl mich manchmal hilflos und stecke dann doch hin und wieder den Kopf in den Sand. Manchmal ist es notwendig, sich nur im engeren Umfeld zu bewegen und nicht immer über den Tellerrand zu schauen. Einfach, um sich selbst zu schützen. Ich halte das für legitim, solange nicht komplett Scheuklappen aufgesetzt werden.

… um zum richtigen Zeitpunkt ausreichend Energie zu haben, um einfach zu tun

Im Sinne von Sina Trinkwalder bin ich auch dafür, etwas zu tun und nicht nur zu reden. Dabei halte ich mich an die Zeilen von Uli Burchardt, der in seinem Buch „Ausgegeizt! Wertvoll ist besser – Das Manufactum-Prinzip“ ebenfalls Bezug zur Forstwirtschaft nimmt, und dazu schreibt: „Das Imperativ der Nachhaltigkeit ist letzten Endes einfach: Handle stets so, dass du deine ökonomischen, ökologischen und ethisch-sozialen Ressourcen dauerhaft weiter nutzen kannst. Und direkt daraus kann man den Imperativ des nachhaltigen Konsums ableiten: Kaufe weniger, aber wertvoller.“ (S. 277)

Das ist genau mein Credo. Und da mich sein Buch sehr geprägt hat, wurde es zu meiner ersten Nachhaltigkeitsbibel auserkoren.

Meine nicht vorhandene Definition von Nachhaltigkeit

Ich habe mich bislang kaum bewusst mit der „richtigen“ Definition von Nachhaltigkeit auseinander gesetzt. Natürlich habe ich Bücher gelesen, Filme gesehen, diskutiert, einiges während meines Studiums aufgeschnappt, mir daraus etwas mitgenommen und versucht, den für mich richtigen nachhaltigen Weg zu finden. Ich wette, in meinem Unterbewusstsein ist diesbezüglich in den letzten Jahren so einiges abgegangen, ohne dass ich es mitbekommen habe. Ich denke, es ist mir ganz gut gelungen, einen möglichst nachhaltigen Weg zu finden und auch zu gehen. Jedoch ist er nicht mit einem Satz auszudrücken. Es ist unmöglich. Ich versuche trotzdem kurz zu skizzieren, was Nachhaltigkeit für mich persönlich bedeutet:

3 Säulen der Nachhaltigkeit

Ich habe 3 Säulen – die ökologische, die soziale und ökonomische (Quelle). Denn nur in diesem Wechselspiel kann Nachhaltigkeit für mich funktionieren. Ich hatte Probleme, die ökonomische Säule richtig einzuordnen. Ich interpretiere sie deshalb so, dass ich mit jeder Konsumentscheidung ökonomisch nachhaltig sein kann. Z. B. wenn ich ein hochwertiges Produkt kaufe, das seinen Preis hat, dafür aber wesentlich länger hält, bin ich ökonomisch als auch ökologisch nachhaltig.

Was ich alles tue und versuche, liest du schon seit über 2 Jahren hier auf diesem Blog, deshalb führe ich es nicht separat an. Vor allem kann ich mein Tun und Handeln nicht auf die Allgemeinheit übertragen, sondern nur Tipps geben. Meine heutigen Tipps für dich gibt es am Ende des Beitrags.

Selbstreflexion ist das A und O

Das aller wichtigste ist, dass ich meine größte Kritikerin im Bereich Konsum bin. Ich habe es in den letzten 7 Jahren geschafft, mir bei sehr vielen Konsumhandlungen die essenzielle Frage zu stellen. „Brauch ich das wirklich?“. Nicht selten habe ich das Teil wieder zurückgelegt. Ich reflektiere also viele meiner Bedürfnisse. Und das ist hart – sehr hart. Nicht nur einmal stand ich mit einem inneren Konflikt in einem konventionellen Modehaus mit einer Bluse oder Hose in der Hand, die ich nicht uuuuunbedingt benötigte, die aber im Angebot und TOTAL BILLIG waren. Engerl und Bengerl haben sich nicht nur einmal eine Schlacht geliefert.

Mittlerweile ist das Bengerl schon ziemlich mundtot. Du merkst, auch ich bin nicht zu 100% super-top-nachhaltig. Das kann ich auch gar nicht sein. Wäre ich das, müsste ich auf Laptop, Smartphone und vieles andere verzichten, müsste meine Stoffe selber weben, die Kleidung selber nähen, mein Gemüse selbst ziehen………. Ein 100%iger, nachhaltiger Lebensstil ist in heutigen Zeiten nicht möglich, aber wir können uns dem annähern. Und ich möchte mich dem annähern – so gut wie mir möglich und ehrlich. Was ich damit genau meine, wirst du im übernächsten Beitrag lesen. Ich bin also nachhaltiger, als die DurchschnittskonsumentInnen – nach meiner Einschätzung jedenfalls.

Mein TIPP für dich

Wichtig ist, dass du bereit bist, dein erlerntes (Konsum)Verhalten neu und anders zu denken, also umzulernen. Das geht nicht von heute auf morgen. Sobald du es aber geschafft hast, ist es sehr einfach, konventionell produzierten Produkten keine Aufmerksamkeit mehr zu schenken. Es wird zum Alltag. Ein weiterer, sehr wichtiger Punkt, besteht darin, dir selber keinen Druck zu machen und Scheitern zuzulassen. Denn ist zu viel Druck vorhanden, macht es keinen Spaß mehr und der soll auf keinen Fall zu kurz kommen. Fange mit kleinen Schritten an und setze dir realistische Ziele. Du wirst sehen, alles andere kommt dann ganz von allein.

It´s easy being green – Just do it!

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