ich mach es anders

Toilettenpapier aus Bambus – Eine Alternative zu Papier aus Frischfasern?

Titelbild Blogreihe (Toiletten)papier

Schnell stellte sich beim Telefonat mit Simon von Smooth Panda heraus, dass das Smooth Panda Toilettenpapier NICHT das Recycling-Toilettenpapier ersetzen soll, sondern eine Alternative zu Toilettenpapier aus Frischfasern ist. Die Kritik, dass der Bambus für das Smooth Panda Toilettenpapier aus China ist und somit der Transportweg des Toilettenpapiers – es wird nämlich von der Rohfaser bis zum fertigen Produkt vor Ort produziert – ein weiter ist, wird bei genauerem Hinsehen relativiert.

Denn: „Deutschland importiert fast 80% des Zellstoffs für seine Papierproduktion. […] Fast ein Viertel seines Zellstoffs bezieht Deutschland aus Brasilien. Auch andere Regionen Südamerikas werden als Exporteure immer bedeutender, z. B. Uruguay und Chile. Diese Länder haben einen Großteil ihrer Naturwälder längst verloren. Und die Zerstörung schreitet weiter voran.“ (Quelle: Blauer Engel Broschüre, November 2012). Österreich importiert 40% der Frischfasern. (Quelle: http://www.wald-in-oesterreich.at)

Wir KonsumentInnen haben es in der Hand

Bewusstkaufen.at schreibt treffend: „Bei der Herstellung von Hygienepapieren (Taschentücher, Servietten, Toilettenpapier), vor allem für den Privatbereich, verwenden die meisten Hersteller nur sehr geringe Mengen Altpapier. Der Grund warum anstelle von recycertem [sic!] Material Primärfasern verwendet werden liegt in den hohen Komfortansprüchen der Konsumenten.“ Wir können also bestimmen, was produziert und verkauft wird, indem wir bewusst einkaufen. Und mal ehrlich, ein wenig von den Komfortansprüchen Abstand zu nehmen, schadet, meiner Meinung jedenfalls, auch nicht.

Nachdem ich nun ziemlich viele Fakten über Papier, Gütesiegel und die ökologischen Katastrophen beschrieben habe, wird es nun Zeit, Papier aus Bambus genauer unter die Lupe zu nehmen. Wie bereits erwähnt, wächst Bambus in China, also in weit weit weg von uns. Warum ist es mir trotzdem wert, es hier auf meinem Blog vorzustellen?

Warum (Toiletten)Papier aus Bambus für mich punktet

Für mich wurde das Thema (Toiletten)Papier aus Frischefasern während des Schreibens dieser Beiträge immer absurder. Und das Papier von Smooth Panda gewinnt immer mehr an Attraktivität. Was sind nun die Vorteile des Bambuspapiers und der Produkte von Smooth Panda (sie bieten aktuell nur Toilettenpapier an) gegenüber einem Papier aus Frischefasern?

Vorteile des Papiers aus Bambus

  1. Bambus wächst schneller – die Ernte ist nach nur 3 Jahren möglich – und hat einen höheren Zellstoffanteil als Holz. Er benötigt außerdem weniger Anbaufläche.
  2. Bei den FSC-zertifizierten Bambusplantagen für das Smooth Panda Toilettenpapier handelt es sich um natürliche Bambuswälder oder Bambusse, die auf freier Fläche gepflanzt werden. Es wird also kein Regenwald extra dafür gerodet. Durch die hohe Effizienz von Bambus, kann mehr Primärwald erhalten bleiben. Für die Bambusernte werden Macheten oder Kettensägen verwendet. Großes Gerät wie Bulldozer kommen nicht zum Einsatz.
  3. Es sind kein Dünger und keine Pestizide notwendig.
  4. Die Pflanze wächst nach dem Schlagen weiter und ist nicht tot.

Vorteile des Toilettenpapiers von Smooth Panda

  1. Keine Tierversuche und keine tierischen Inhaltsstoffe: Der Kleber beinhaltet keinerlei tierische Stoffe wie z. B. Kasein (Proteinanteil der Milch, der zu Käse weiterverarbeitet wird und nicht in die Molke gelangt) oder Glutin (Glutin ist das Eiweiß der Gelatine und Hauptbestandteil der tierischen Leime (Glutinleim). Es wird durch Auskochen von Tierknochen, -knorpel und -häuten und Fischgräten gewonnen). Und es werden keine Tierversuche für das Produkt durchgeführt. Auch den Pandas wird nicht das Futter genommen, weil diese in einer ganz anderen Region leben.
  2. Wertschöpfung: Das Toilettenpapier wird von der Rohfaser bis zum fertigen Produkt in China produziert. Es ist also nicht, wie in so vielen anderen Produkten der Fall, dass das Rohprodukt aus einem Schwellenland nach Europa exportiert wird und die tatsächliche Wertschöpfung dann hier passiert.
  3. faire Löhne: Die ArbeiterInnen in der Fabrik werden über Mindestlohn bezahlt und Schutzkleidung steht zur Verfügung. Sie arbeiten mit modernsten Maschinen auf europäischem Standard. Die Bauern und Bäuerinnen sind so genannte freie Bauern und Bäuerinnen, was laut Simon in China üblich ist, da die Bambusernte ein Kulturgut ist. Sie werden teilweise von der Fabrik bzw. vom Staat bezahlt.
  4. Transport: Die Transportwege werden möglichst kurz gehalten. Die verarbeitende Fabrik befindet sich in der Nähe der Plantage, anschließend wird das Toilettenpapier per LKW zum Hafen nach Shanghai gebracht. Modernste Frachtschiffe schippern das Klopapier nach Hamburg, wo es wiederum per LKW ins Smooth Panda Lager in Reinfeld (Holstein) (Entfernung ca. 50 km). Zu den KundInnen gelangt das Klopapier dann CO2-neutral per DHL oder DPD. Geplant ist auch, dass alle entstehenden CO2-Emissionen zukünftig kompensiert werden.

Den Smooth Panda Gründern Simon und Karsten ist mehr als bewusst, dass der Bambusanbau in China ökologisch gesehen nicht optimal ist und geben das auch ganz offen zu. Ich liebe diese Ehrlichkeit und Transparenz! Ihr langfristiges Ziel ist es, den Bambus nach Europa zu holen. Um eine effiziente Alternative zu den herkömmlichen Frischefasern zu bieten. Und alleine deswegen ist dieses Projekt in meinen Augen es wert, unterstützt zu werden.

Das sind die für mich die wichtigsten Punkte zum Toilettenpapier von Smooth Panda. Wenn du dich weiter informieren möchtest, dann wirf einen Blick auf ihre Website.

toilettenpapier-aus-bambus

©Smooth Panda

Meine persönliche Begeisterung bei Papier aus Bambus

Das persönliche Kennenlernen oder zumindest ein Telefonat mit den Firmen ist Gold wert. Beim Telefonat mit Simon habe ich nämlich so richtig gespürt, dass sie für das Thema Nachhaltigkeit brennen. Sie sind mega transparent, ehrlich und offen. Und das taugt mir total. Sie gestehen ihre „Schwächen“ ein, sind jedoch voll motiviert. Sie arbeiten auch schon an weiteren Produkten wie Taschentüchern und Küchenrollen. Und ja, sie könnten ihr Toilettenpapier ebenfalls in Plastikverpackung anbieten. Damit wäre es für die EndverbraucherInnen um ca. € 1,- günstiger. Tun sie aber nicht, weil sie die Kartonverpackung aus Überzeugung gewählt haben. Das finde ich mutig und ich wünsche ihnen von Herzen, dass sie in den nächsten 5 bis 10 Jahren ihre Vision, Bambuspapier in Europa zu etablieren, schaffen.

Ihr aktuelles Projekt sind Taschentücher aus Babmus ohne Verpackung. Aktuell läuft eine Corwdfunding Kampagne dazu. Bitte, bitte unterstützt sie mit einem Beitrag ab EUR 20,-! Ich will nämlich unbedingt diese Taschentücher und ein nettes Etui. Mir stellt es jedes Mal die Haare auf, wenn ich Taschentücher kaufen muss, die in Unmengen an Plastik verpackt sind. In Drogerien gibt´s, wenn überhaupt, nur Taschentücher aus Recyclingpapier, die beim Schneuzen gleich durch reißen. Und das hasse ich. Ich will meinen Rotz nicht gleich auf meinen Händen kleben haben. Und der Rest der Taschentücher ist super soft, mit Duft, extra soft, extra weich, mit Balsam und natürlich aus Frischefasern.

Nach all den Daten, Fakten und Einschätzungen ist Smooth Panda in meinen Augen sehr wohl die bessere Alternative zu Hygienepapierprodukten aus Frischefasern, sofern mensch nicht ohnehin zu Recyclingprodukten greift. Recycling hat leider nach wie vor nicht den besten Ruf. „Es ist rau.“, „Es ist teuer.“, „Es ist nicht dick genug.“ sind nur einige Aussagen der Recycling-Klopapier-VerweigerInnen. Ich kann das alles nicht bestätigen, finde es sehr schade, dass es nicht mehr Hygienepapierprodukte aus Recyclingpapier in den Drogerien zur Auswahl gibt und habe mir das alles näher angeschaut. Dazu mehr im nächsten Beitrag.

It´s easy being green – Just do it!

Herzlichen Dank an Smooth Panda für das zur Verfügungstellen der Fotos!

Coverbild: pexels.com

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Sehr informativ – vielen Dank dafür!

    Ich glaube ein weiterer Vorteil von Papier aus Bambus ist, dass bei der Herstellung weniger Wasser gebraucht wird… ich meine, da mal was gelesen zu haben.

    Ich finde auch, dass Recyclingpapier super ist! Freue mich schon auf den nächsten Bericht dazu! 😉

    LG Christina

    • Hallo Christina!
      Freut mich sehr, dass dir der Beitrag gefällt. Du sprichst mit dem Wasserverbrauch einen ganz wesentlichen Punkt der Papierproduktuion an und ich hab tatsächlich vergessen, Simon danach zu fragen… Das werde ich wohl nachholen.

      Liebe Grüße

      Sabrina

  • Was Taschentücher angeht, sind wir schon vor einiger Zeit auf Stofftaschentücher umgestiegen. War zwar ein gewisser Gewöhnungseffekt, aber funktioniert einwandfrei. Vielleicht wäre das ja auch eine Alternative für dich?

    Auf jeden Fall danke für den Artikel bzgl. Toilettenpapier, das war mir auch immer so ein Dorn im Auge. Werde ich mir also auf jeden Fall mal genauer zu Gemüte führen – und vielleicht auch mal wiede recycelte Produkte genauer unter die Lupe nehmen, frühere Versuche waren da schon sehr unbefriedigend von wegen rau.

    LG und ein schönes Wochenende 🙂

  • Liebe Sabrina! Vielen Dank für Deinen informativen Artikel! Leider gibt es Smooth Panda noch nicht in der Schweiz (zumindest habe ich keine Kenntnis davon). Recycling-Toilettenpapier ist für mich der Normalfall. Alles andere kann ich nicht nachvolliziehen. Ich gebe Rabin Recht: Bei den Taschentüchern könnte man auf Stoff-Tücher umstellen (habe ich selber auch noch nicht gemacht, aber ist bestimmt die nachhaltigste Alternative). Liebe Grüsse, Nicole

  • Ich find die Idee super! Ich verwende seit ca. 1 Jahr Zahnbürsten aus Bambus und bin total zufrieden damit. Meiner Meinung nach sollte sowieso viel mehr aus Bambus hergestellt werden, optimal wäre natürlich wenn der dann auch direkt aus Europa kommt.

    • Ich putze seit Dezember mit einer Bambuszahnbürste. Für mich ist es noch immer etwas komisch, Holz im Mund zu haben, aber das wird bestimmt. Was ich mir noch wünschen würde, wär ein wwchselbarer Kopf, um nicht immer die ganze Bürste tauschen zu müssen. Aber keine Ahnung, ob das mit Holz funktionieren würde.
      LG Sabrina

  • Konsequenterweise sollt man dann das Bambus-Klopapier auch nicht ins Klo sondern getrennt sammeln und entweder in den Ofen (falls vorhanden) oder auf den Kompost/Biomülltonne/ oder ganz zur Not in die Restmülltonne wandern lassen. Das wär für alles Klopapier generell ne gute Idee, find ich – in Südeuropa z.B. ists übrigens schon lange gang und gäbe, das zu tun, dort aber wegen enger Abwasserrohre und entsprechender Verstopfungsgefahr.

    Am nachhaltigsten wären natürlich wie auch aus der Babypflege bekannt, Waschlappen aus Stoff(resten) für den Hintern auch von uns Großen, die dann mit Handtüchern, Bettwäsche etc zusammen bei 60° z.b. mit Hygienespüler (kennt wer noch ne ökologischere Alternative dazu? Sonst weiß ich nur Sauerstoffbleiche, ist aber für Buntes nict so gut geeignet) gewaschen werden können.

    • Hallo Sarah,

      ja, das wär bestimmt die konsequenteste nachhaltige Variante. Aber da bin ich raus, weil ich damit meine persönliche Komfortzone komplett verlasse. Ich habe diese „Variante“ selbst im Kosovo erlebt und hatte einige Mühe, mich damit zurecht zu finden. Und bin doch sehr froh, dass in Österreich die Abflussrohre breit genug für Klopapier sind.

      Liebe Grüße
      Sabrina

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