ich mach es anders

Zertifikate für Holz und Papier

Titelbild Blogreihe (Toiletten)papier

Gütesiegel und Zertifikate sind ein Weg, um herauszufinden, wie nachhaltig ein Produkt tatsächlich ist (ja, schwarze Schafe gibt es immer). Wie auch in anderen Bereichen, verwirren auch im Papier- und Holzbereich zahlreiche Gütesiegel die KonsumentInnen und es lohnt sich, zwei Mal hin zu schauen. Heute bekommt ihr einen kleinen Überblick, welche Gütesiegel/Zertifikate es in den Bereichen Papier und Holz gibt und wofür sie stehen. Da diese Liste bereits hervorragend von Marlies Ortner von PIA – Permakultur-Akademie im Alpenraum des Österreichischen Instituts für angewandte Ökopädagogik E.R.D.E., recherchiert und veröffentlicht wurde, und ich nichts mehr hinzuzufügen habe (die Informationen wurden von mir, so gut wie möglich quer gecheckt), zitiere ich sie an dieser Stelle:

Blauer Engel

strengste Kriterien bezüglich Chemikalieneinsatz, 100% Altpapier (mit mindestens 65% unteren und mittleren Sorten), gute technische Qualität, lange Lebensdauer von mehreren hundert Jahren. Das Papier entspricht höchsten Erwartungen bei Ökologie, Gesundheitsschutz und Gebrauchstauglichkeit.

Österreichisches Umweltzeichen

Grenzwerte beim Energieverbrauch, bei der Abwasserbelastung und beim Chemikalieneinsatz, keine chlorhaltigen Bleichmittel. Bei Büropapieren 100% Altpapier, allerdings mit großzügigen Ausnahmen. Bei Zeitungsdruckpapieren 50% Altpapier-, bei Druckpapieren sogar nur 10-20% Altpapier-Anteil erforderlich. Die Neufasern müssen nur zu Hälfte aus zertifizierter Forstwirtschaft stammen, Holz aus Urwäldern ist daher nicht ausgeschlossen (wenn auch nicht wahrscheinlich). Sehr österreichisch!

EU Ecolabel (EU-Blume genannt) und EU Ecolabel (Nordischer Schwan)

etwas weniger Energiegebrauch und Abwasserbelastung als im Durchschnitt; nur elementares Chlor ist zum Bleichen verboten, Chlorverbindungen nicht; der Nordische Schwan verlangt keinen Altpapiereinsatz, das EU-Ecolabel nur bei Zeitungspapier (und zwar 70% – wobei die Realität bei 90% liegt…); nur die Hälfte des verwendeten Holzes muss zertifiziert sein – es ist zu befürchten, dass ein Teil des Holzes aus Urwäldern stammt. Nicht besser als nix!

FSC-Siegel

ein Label für Holz- und Holzprodukte aus regionaler, ökologisch und sozial verträglicher Waldwirtschaft, wie sie in Deutschland und Österreich ohnehin durch die Forstgesetze gewährleistet ist und dadurch in diesen Ländern keinen Mehrwert bedingt, wohl aber in Großbritannien, Skandinavien und anderen europäischen bzw. außereuropäischen Ländern die gröbsten umweltschädlichen Praktiken bei der Waldwirtschaft hintanhalten könnte. Das FSC-Siegel wird in jedem Staat nach den dortigen Gegebenheiten erarbeitet, kann also sehr Unterschiedliches bedeuten.

In der Eigendefinition wird betont, dass der FSC kein Waldschutz-, sondern ein Waldbewirtschaftungssiegel vergibt. Umweltverbände kritisieren, dass der FSC auch großflächige Monokulturen und Einschläge in Naturwälder zertifizieren würde.
FSC Mix-Papiere: mindestens 70% der Fasern stammen aus FSC-Holz und/oder Altpapier, der Rest muss nicht aus zertifizierten Wäldern kommen. Meist reine Neufaserpapiere aus „normaler“ Zelluloseproduktion (siehe oben) mit entsprechendem Chemikalieneinsatz, CO2-Ausstoß, Wasser- und Energiegebrauch. Unbrauchbar!
FSC Recycling-Siegel: niedrigere Anforderungen als beim Blauen Engel, vor allem beim Chemikalieneinsatz.

EU Ecolabel

Von WaldbesitzerInnen und der Forstindustrie erarbeitetes Zertifikat, das sich auf dem Niveau der nationalen Forstpraxis bewegt. Umweltverbände kritisieren, dass das Abholzen und Umwandeln von Urwäldern in Plantagen nicht sanktioniert wird, die Rechte der indigenen Bevölkerung nicht geschützt werden und das Kontrollsystem die Einhaltung der Kriterien nicht sicherstellen kann. Zertifiziert würden ganze Regionen, oft aufgrund ausschließlich schriftlicher Eingaben ohne Kontrolle der Waldstücke.
Papiere mit dem PEFC-Logo sind in der Regel ohne Altpapier hergestellt und es fehlen Vorgaben bzgl. Chemikalieneinsatz, Energie- und Wassergebrauch, auch beim PEFC Recycling-Siegel. Irreführend!

Zertifikate für Papier und Holz – Meine persönlichen Erfahrungen und Einschätzungen

Es war mir, unter anderem aus Zeitgründen und fehlenden schnell zugänglichen Informationen leider unmöglich, die Aussagen von Marlies Ortner zu 100 Prozent zu verifizieren. Jedoch decken sich ihre Behauptungen mit jenen, die ich im Rahmen von Gesprächen aufgeschnappt habe. Im Detail verhält sich das folgendermaßen:

Papier

Mich persönlich springt immer der Blaue Engel an. Weil ich einmal davon gehört habe, dass er einer der strengsten Gütesiegel im Bereich Papier ist. Darauf habe ich vertraut und die Auflistung von Marlies bestätigt dies. Sie bestätigt ebenfalls, dass das Österreichische Umweltzeichen ein ziemlich hatscht. Auch das ist mir bereits öfter zu Ohren gekommen.
Das EU-Ecolabel ist mir bei Papier das erste Mal bewusst bei Küchenrolle aufgefallen (ja, ich weiß, ein Ökodesaster, aber super zum Wegwischen von Katzenkotze. Wir bemühen uns, möglichst sparsam mit Küchenrolle umzugehen), als ich in der Drogerie verzweifelt auf der Suche nach einem zertifizierten Produkt war. Jene Drogerie in der ich war, führte eine einzige Marke, eben genau mit diesem Zertifikat. Aber nach Einschätzung von Marlies Ortner, ist das Zertifikat nicht mal einen Pups wert. Leider! Den nordischen Schwan findet mensch in Österreich kaum. Ich hab ihn jedenfalls noch nie entdeckt.

Holz

Gespräche mit ExpertInnen, ohne mich selbst in Details eingelesen zu haben, haben bei mir den Eindruck hinterlassen, dass keines der Gütesiegel, weder FSC noch PEFC, wirklich gut und verlässlich ist, aber wenn, dann das FSC-Siegel zu bevorzugen ist. Das hat zumindest einige glaubhafte Auflagen, die einem nachhaltigen Verhalten einen Schritt näher kommt. Besser als nix, sag ich dazu.
Marlies Ortner zeigt das wunderbar auf: beim FSC-Siegel muss ich mich darüber schlau machen, woher das Holz stammt und dann kann ich mir die Kriterien des jeweiligen Landes reinzischen. Na gute Nacht, sag ich da mal. Wer macht das schon? Und beim PEFC-Siegel stecken die Forstindustrie und WaldbesitzerInnen dahinter und zertifizieren sich quasi selbst. Was kann daran bitte glaubhaft sein? Und die „Auflagen“ sind ja wirklich zum Weinen.
Tja, und sonst gibt´s nix.
Das bereits im ersten Teil erwähnte Smooth-Panda Toilettenpapier ist FSC zertifiziert. Wie bereits erwähnt, besser als gar nix. Im Fall von Smooth-Panda vertraue ich dem Auftraggeber, in diesem Fall Smooth Panda. Er war vor Ort. Er kennt die Plantagen. Er kennt die Produktionsfirma. Da ich mit Simon telefoniert habe und ich über die, denke ich, nicht schlechteste Menschenkenntnis verfüge, vertraue ich darauf, dass alles Hand und Fuß hat. So wie er es mir gesagt hat. Durch das Siegel sind in China Löhne über Mindestlohn gesichert, der Bambus wird mit Macheten und Kettensägen geerntet, die Transportwege sind kurz.
Ein Gütesiegel, eine gehörige Portion Glaubhaftigkeit, Mut, Ehrlichkeit, Transparenz und Idealismus machen das gesamte Produkt für mich rund.

bambuswald-fsc-zertifizkate

Bambuswald, ©Smooth Panda

It´s easy being green – Just do it!

Coverbild: pexels.com

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