Nudeln selbst gemacht und lessons learned

Letztes Jahr im November wurde eine Kindheitserinnerung wach: meine Omi hat hin und wieder Nudeln selbst gemacht. Dieses Bild tauchte wieder bei mir auf und so wollte ich es unbedingt auch ausprobieren. Mein erster Versuch war OK – der Teig ist überrschenderweise recht gut gelungen-, jedoch ohne Nudelmaschine etwas mühsam. Somit machte ich mich auf die Suche nach einer Nudelmaschine, die mir das Arbeiten etwas erleichtern würde und wurde bei meiner Schwiegermama fündig. Sie besitzt sie seit Jahren, benutzt sie aber kaum noch. Nach einer Grundreinigung mit feuchten Lappen und Zahnstocher für das Reinigen der Walze und der anderen beiden Aufsätze, war sie auch schon für ihren Einsatz bereit. Dieser fand im Weihnachtsurlaub Anfang Jänner statt. Ich war gespannt, wie es mir mit der Nudelmaschine ergehen würde. Nicht alles war so einfach, wie erhofft.

Schritt 1: Nudelteig zubereiten

Zuerst ging es ran an den Teig. Ich wählte ein Rezept mit Ei aus meinem Pastabuch. Rezept Nr. 1 schaut also folgendermaßen aus:

  • 150 g Mehl
  • 150 g Hartweizengrieß
  • 3 Eier
  • 1 EL Öl
  • (Mehl zum Bearbeiten)

Ich formte mit Grieß und Mehl eine Mulde, wo die weiteren Zutaten hinein kamen und startete mit dem Kneten. Ich knete per Hand, da ich zwar einen Mixer besitze, diesen aber nur sehr selten benutze. Damit erspar mir das Fitnesscenter 😉 Aber das Kneten funktioniert vermutlich genauso gut mit einem Mixer.

zubereitung-nudelteig

Sehr schnell war klar: der Teig ist zu trocken. Also gab ich noch etwas Wasser hinzu und knetete ihn so lange (mind. 10 bis 15 Minuten), bis er meiner Meinung nach fertig war. Während dem Kneten überlegte ich, ob ich mich über ein weiteres Rezept ohne Ei drüber trauen sollte, entschied mich aber, das altbewährte Rezept herzunehmen. Um auf Nummer sicher zu gehen, sollte dieser Teig nix werden. Weil er ja so trocken war. Ich benötigte kein weiteres Mehl zum Weiterverarbeiten, deshalb hab ich es beim Rezept auch in Klammer gesetzt. Und dieser Teig sollte laut Rezept nur 30 Minuten laut Rezept ruhen. Mir sind 1 bis 2 Stunden bekannt.

zutaten-nudelteigRezept Nr. 2 habe ich im Netz gesucht und auf ichkoche.at gefunden:

  • 200 g Mehl
  • 200 g Hartweizengrieß
  • 4 Eier
  • 4 EL Wasser
  • 4 EL Olivenöl
  • 1 TL Salz
  • Mehl zum Bearbeiten

Dieser Teig ist mir beim ersten Mal ziemlich gut gelungen (heute habe ich gelernt, dass er damals eine Spur zu trocken war), also was konnte schon schief gehen? So einiges. Diesmal war er viel zu klebrig, sodass ich Mehl und Grieß nachgeben musste. Auch hier wieder: mind. 10 bis 15 Minuten kneten. Ich knetete eine gefühlte halbe Stunde (vermutlich waren es 20 bis 25 Minuten), bis der Teig meiner Meinung nach bereit war, für 1 bis 2 Stunden zu ruhen. Während er ruhte, war Teig 1 schon bereit zum Verarbeiten.

Schritt 2: Nudelteig ganz ohne Frischhaltefolie ruhen lassen

Was mir bei den meisten Rezepten, die mir im Laufe der Zeit unter kamen, sauer aufstieß, war der Schritt: „Nun den Teig in Frischhaltefolie einwickeln und für x Minuten/Stunden ruhen lassen.“ Der Grund: der Teig darf nicht austrocknen, ansonsten bildet sich eine Außenkruste, die beim Weiterverarbeiten stört. Frischhaltefolie habe ich in meinem Haushalt noch nie besessen und das soll sich auch nicht ändern. Deshalb wandert mein Nudelteig auf einen Teller und ich stülpe eine Müslischale darüber. Das sieht dann so aus:

nudelteig-ruht

Teig auf Teller mit Müslischale zum Ruhen

Nudelmaschine – meine neue Freundin?

nudelmaschineDas spannenste für mich an diesem Tag war das Betätigen der Nudelmaschine. Ich habe zuvor noch nie so ein Teil live gesehen geschweige denn bedient. Aber diese Maschinen sind ziemlich deppensicher konstruiert. Eine Kurbel, die mensch in die verschiedenen Aufsätze stecken kann und eine Fixierung, damit die Nudelmaschine während dem Kurbeln nicht auf Wanderung geht. Mit der Fixierung hatte ich jedoch meine liebe Not. Unsere Arbeitsplatte (unsere Küche haben wir selber gebaut) ist zu dünn, um sie hier fixieren zu können. Also hieß es für mich: Mulittasking. Teig durch stecken, kurbeln und die Nudelmaschine fixieren. Klingt anstrengend, war es aber nicht wirklich. Meine Freundin besitzt eine Walze mit den Stufen 1 bis 7, sowie einen Aufsatz für dünne Bandnudeln und Suppennudeln. Ich startete also und zwar folgendermaßen:

 

Schritt 3: Bedienen einer Nudelmaschine

  1. nudeln-selber-machenTeig raus aus dem Kühlschrank
  2. Teig mit einem Messer vierteln, dann fest stellen, dass die Portionen noch immer zu groß sind, also achteln
  3. Anschließend die Teigteile flach drücken, damit sie in die Walze mit Stufe 1 passen
  4. Teig in die Walze stecken und los kurbeln
  5. Je zwei Mal durch Stufe 1, dann Stufe 3 und dann Stufe 5 oder 6 (ich hab beide ausprobiert) kurbeln

Ich hab natürlich auch beide Aufsätze, für Bandnudeln und Suppennudeln ausprobiert und war ganz aus dem Häuschen. Nachdem ich mich darüber geärgert hatte, dass der Nudelteig beim Auswalzen immer wieder brach und nicht in einem durch ging. Weil er eben zu trocken war. Aber es funktionierte, ich kurbelte auf Teufel komm raus und fabrizierte meine ersten Nudeln.

nudeln-schneiden

Schritt 4: Nudeln trocknen

bandnudeln-selber-machenNachdem ich mit Teig 1 fertig war, begannen die Überlegungen, wie ich diese Masse an Nudeln (insgesamt war ich stolze Besitzerin von 1,2 kg Nudelteig) trocknen sollte. Die Lufttrockung ist in meinen Augen die sinnvollste. Jedoch besitze ich weder so viele Bleche oder Bretter noch hab ich ausreichend Fläche, um die Nudeln auf Regalen oder Kästen zu deponieren, damit unser lieber Ruaßi nicht ran kommt. Der würde sie mir nämlich ratze putz weg fressen. Also recherchierte ich und stellte fest, dass Nudeln auch im Backrohr bei 40 bis 50 Grad getrocknet werden können. Und dafür entschied ich mich, obwohl es die energiefressende Variante ist. Auch hier muss mensch Kompromisse schließen, vor allem wenn mensch Katzen besitzt.

Während die Nudeln von Teig Nr. 1 also trockneten, starte ich mit Teig Nr. 2, der ja viel zu klebrig wurde. Hier überlegte ich nicht lange: Mehl für´s Weiterbearbeiten war unbedingt notwendig. Und so startete ich los und hatte so meine liebe Not… Was habe ich der 5-stündigen Nudelsession mit genommen?

Lessons learned beim Nudeln machen

  1. trockener Teig eignet sich hervorragend für Suppennudeln
  2. klebriger Teig eignet sich absolut nicht für Suppennudeln (ich hab Nudelnester fabriziert, da die Nudeln aneinander geklebt sind – die trockneten noch mind. 4 Tage nach)
  3. trockener Teig darf für die Walze nicht zu dick sein, sonst bricht er
  4. Bei trockenem Teig macht es Sinn, jenen Teig, der gerade nicht verarbeitet wird, noch im Kühlschrank zu belassen, damit er nicht weiter austrocknet
  5. Ein Teller eignet sich hervorragend, um die geschnittenen Nudeln aufzufangen. Jedoch sollten sie sofort aufgelegt werden. Sonst gibt´s Teignester, die mühsam wieder entlzwirbelt werden müssen. 1 Stunde habe ich damit verbracht :p
  6. Ich brauch eine Technik, um Nudeln möglichst schnell zum Trocknen aufzulegen
suppennudeln

Verdammte Teignester

Fazit

Das nächste Mal muss es schneller gehen. Ich habe ganze 5 Stunden mit Nudelteig und Nudelmaschine verbracht. Das war nur möglich, weil ich gerade Urlaub und sonst nichts vor hatte. Selbst gemachte Nudeln schmecken hervorragend, aber die Frage ist, ob mensch sich die stundenlange Arbeit für ein paar hundert Gramm Nudeln antun möchte. Weil Ersparnis gibt es keine. Die Kosten für die Zutaten betragen beinahe so viel, sie 500 Gramm Nudeln. Denn der Hartweizengriß, den ich nur in einem Reformhaus gefunden habe, pfeift ordentlich rein. Die Stunden, darf mensch dann gar nicht mit ein rechnen, weil damit haben selbst gemachte Nudeln, was den Kostenfaktor angeht, absolut verloren.

Ich werde trotzdem wieder Nudeln selber machen, da es für mich beinahe eine meditative Arbeit ist und ich komplett abschalten kann. Ich muss mich ja auf Teig und Nudelmaschine konzentrieren und ich liebe es, mit Teig zu arbeiten. Das war schon so, als ich ein Kind war.

Wie geht es dir mit diesem Thema? Hast du schon einmal selbst Nudeln gemacht? Falls ja, bitte um weitere Tipps und Tricks, damit ich das nächste Mal noch erfolgreicher und flotter bin. Wenn nein, warum nicht? Ich freu mich auf eure Inputs!

It´s easy being green – Just do it!

15 Gedanken zu “Nudeln selbst gemacht und lessons learned

  1. Ich benutze die alltagstaugliche Variante, die man bei alten italienischen Frauen noch findet: pro 100g Hartweizenmehl etwa 1 Ei. Nix anderes weil der Teig dann porös wird oder klebt oder sonstwie sperrig. Ruhen lassen, ausrollen und nach Belieben mit dem Messer oder auf der Chitarra zu Nudeln jeglicher Art formen.
    Für das Katzenproblem habe ich keine Lösung weil unser Kater ein Draussenkater ist, aber ich würde die Nudeln sonst in einem separaten Raum trocknen, ich bin da schmerzfrei und trockne meine Apfelringe z.B. auch auf dem Specksteinofen im Schlafzimmer.
    LG Oli

    • Hallo Oli!

      Danke für den Tipp, den Teig werde ich das nächste Mal gleich ausprobieren.

      Das mit dem separaten Raum ist bei uns ein Problem. Unsere Schmuser dürfen nämlich überall hin. Die wären verstört, wäre die eine oder andere Tür plötzlich zu. Ich werde vermutlich weiterhin mit dem Backrohr trocknen. Außer dieser Versuch hat nicht geklappt. Ich muss erst Probeessen 😉

      LG Sabrina

      • Mir ist noch eingefallen, dass du so eine Art Kräuterkrone zum Aufhängen und Trocknen der Nudeln unter die Decke hängen könntest. Irgendeine Eigenkonstruktion würde sich wohl noch eher eignen, als die käuflich zu erwerbenden.
        LG Oli

  2. ich habe bei der öhlmühle hartlieb bio-hartweizengries entdeckt und produziere damit meine nudeln. da kostet 1kg hartweizengries nur 1,90 und das ist dann wirklich eine preisersparnis. es fallen zwar auch versandkosten an, diese finde ich aber recht moderat bzw. bestelle ich mir auch gerne kamutmehl oder erdmandelmehl dazu und dann zahlt sich so eine bestellung schon aus. verpackungsfrei ist es leider nicht aber zumindest lässt sich die verpackung in papier und plastik trennen. ein bissi recycling… http://www.hartlieb.at/cms/index.php
    mein lieblingsrezept oder vielleicht besser gesagt das rezept mit dem ich die besten erfahrungen gemacht habe kommt ohne ei aus. einfach hartweizengries und kaltes wasser im verhältnis 2:1 verkneten und den teig dann eine stunde im kühlschrank ruhen lassen
    und ich denke seit ein paar wochen über eine nudelmaschine nach…ich glaube die werde ich mir gönnen

    • Hallo Ulli!

      Danke für den Tipp mit dem Hartweizengries. Das muss ich mir genauer anschauen bzw. gucken, ob wir bei der FoodCooperation auch einen Lieferanten haben. Und dein Rezept werde ich auch ausprobieren. Das hört sich sehr simpel an – sollte auch ich schaffen 😉
      Die Nudelmaschine hat mir einiges an Arbeit abgenommen. V.a. hab ich die Geduld nicht, alle Nudeln schön per Hand zu schneiden.

      LG Sabrina

    • Würde funktionieren, wenn unsere Kätzchen nicht überall hinkommen würden und äußerst kreativ wären, um an die „Beute“ zu kommen. Ein Kater würde mir ratzeputz den Nudelteig weg fressen, wenn er dazu käme. Zur Info: ich hab 2 Maine Coons, die sind unglaublich groß, wenn sie sich auf die Hinterbeine stellen 😉

    • das problem bei dieser methode ist, dass dünne nudeln sehr schnell abbrechen und dann – so ging es mir – krabbelst du den halben tag am boden rum um einzelne nudelteile einzusammeln 😉

  3. Macht Lust es auszuprobieren … weil solche Nudeln sicher _noch_ besser schmecken als fertige (ich mag Nudeln, besonders Vollkorn), aber ein schnelles Essen (wie fertige Nudeln) ist das halt nicht… 🙂

    • Das freut mich, wenn du Lust bekommen hast, es auch zu probieren. Sie schmecken auf jeden Fall besser. Ich mach immer gleich welche auf Vorrat, weil wie du sagst: schnell geht’s nicht 😉

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