Facts & Figures zu (Toiletten)Papier

Es gibt es in grün, blau, schneeweiß, gelb, rosa. Mit Blumen- oder Teddybärprint und auch mit Sprüchen. Im Vorteilspack, im Jumbopack. Weich, extra weich, comfort, deluxe, Premium, steichelzart oder ultra soft. 3-lagig, 4-lagig oder 5-lagig. In den Duftrichtungen Kamille, Vanille etc. Es wird für ein Grundbedürfnis zumindest in unseren Breitengraden verwendet und landet innerhalb weniger Minuten in der Kanalisation. Die Rede ist von Toilettenpapier.


Die Recherchearbeit zu Toilettenpapier beginnt

Meine Entdeckung des verpackungsfreien Toilettenpapiers von Smooth Panda aus Bambus und die Debatte meiner facebook-Community darüber – der Bambus stammt nämlich aus dem fernen China und wurde deshalb nicht als mögliche Alternative zu Recycling-Klopapier eingestuft – hat mich dazu veranlasst, mich mit dem Thema näher auseinander zu setzen. Und ich bin dankbar dafür. Denn jeden Tag in Verwendung hab ich mir eigentlich noch nie wirklich Gedanken zum Thema Klopapier gemacht. Dass ich nur recyceltes WC-Papier verwende liegt auf der Hand. Aber ich hab noch nie darüber nachgedacht, dass aber auch dieses meist gebleicht ist oder für den Kleber tierische Produkte verarbeitet werden.
Nach den ersten Kommentaren auf meiner facebook-Seite habe ich Smooth Panda angeschrieben und nachgefragt, ob es einen Vergleich des ökologischen Fußabdrucks ihres Toilettenpapiers zu recyceltem Toilettenpapier gibt. Simon, einer der beiden Geschäftsführer, hat mir sogleich angeboten, zu telefonieren. Zwei Tage später war es soweit und ich durfte ihm all meine Fragen stellen.
Nach dem Telefonat mit Simon habe ich weiter recherchiert und bin vom 100ste ins 1.000ste gerutscht. Für diese Blogreihe, ich teile das Thema in fünf Teile auf, habe ich bislang am meisten Zeit verwendet. Aber es ist mir ein Anliegen, wie es aussieht. Es gäbe noch tausende Fakten zu erheben und Zeilen zu schreiben, aber auf folgende Schwerpunkte habe ich mich fest gelegt:

  • Teil 1 Facts & Figures zu (Toiletten)Papier
  • Teil 2 Gütesiegel für Papier und Holz
  • Teil 3 Toilettenpapier aus Bambus- Eine Alternative zu Papier aus Frischfasern?
  • Teil 4 Der Online-Toilettenpapiercheck – Wie hoch ist der Anteil an Recycling-Toilettenpapieren in der Drogerie?
  • Teil 5 Testbericht Smooth Panda Toilettenpapier

Papierverbrauch pro Kopf

Ich bin natürlich über zahlreiche Seiten gestolpert, die den jährlichen Papierverbrauch Österreichs, Deutschlands oder der Europäischen Union anführen. Und bei diesen Zahlen wird mir ganz anders.
In Österreich verbrauchte im Jahr 2014 jeder Kopf, also du und ich, pro Jahr 233 kg Papier (Quelle: http://www.papierholz-austria.at/). In Deutschland waren es 2015 248 kg pro Kopf. (Quelle: http://www.foep.info/), in der Schweiz 150 kg (Quelle: http://www.foep.info/dokumente/upload/6c397_kritischer_papierbericht_2013_neu.pdf). Leider habe ich keine vergleichbaren Zahlen mit diesen Ländern gefunden, aber somit bekommt ihr mal ein Gefühl. Vor allem in Vergleich mit den folgenden Zahlen. Der Pro-Kopf-Verbrauch pro Jahr lag in Brasilien im Jahr 2011 bei 49 Kilogramm, in China bei 72 Kilogramm und in afrikanischen Ländern las ich während meiner Recherche von 8 Kilogramm.

Woher kommt das Holz für´s Papier?

Deutschland importiert bis zu 80 Prozent seines Zellstoffes für die Papierproduktion, Österreich bis zu 40 Prozent. Dieser Zellstoff stammt primär aus Ländern der nördlichen Hemisphäre. Verwendet werden sehr gerne Nadelhölzer aufgrund ihrer Faserlänge, oder aber auch Akazie, Pappel, Birke und Eukalyptus. Eukalyptus führt aufgrund seiner hellen und kurzen Fasern – daraus lässt sich nämlich wunderbar flexibles Papier, das sich besser für den Farbdruck eignet – die Bestenliste an. Für Eukalyptusplantagen wurden in den letzten Jahren zahlreiche mediterrane Urwälder, primär in Portugal gerodet. Eukalyptus kann nach ca. 8 Jahren gefällt werden und ist sehr ertragreich. Für die Wirtschaft ein Segen, für die Natur eine Katastrophe! (Quelle u.a. http://www.deutschlandfunk.de/portugal-eukalyptus-zum-wohle-der-wirtschaft.697.de.html?dram:article_id=340588)

Auch der Durst nach Nadelhölzern für die Papiererzeugung bedroht unter anderem die Urwälder Nordamerikas (Bedrohungsgrad 80%) und Russlands (Bedrohungsgrad 85%). Und wenn wir noch berücksichtigen, dass ein Drittel der deutschsprachigen Bücher in China gedruckt werden, erreicht uns auch eine ganze Menge Papier aus Indonesien. Und hier gehört der illegale Holzeinschlag zur Tagesordnung (Quelle: http://www.permakultur-akademie.com/alles-papier-kommt-aus-dem-wald/).

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©pexels.com

Welche Alternativen zu Papier aus Frischefasern gibt es?

Recyclingpapier

Die erste Alternative, die uns allen bestimmt als erstes einfällt, ist Recycling-Papier. Recyclingpapier ist wesentlich ressourcenschonender, was den Energieaufwand, den Wasserbedarf und die Abwasserbelastung angeht. Energie- und Wasserbedarf für weitere Verarbeitungsschritte wie das Bleichen, sind darin noch nicht enthalten. Im Detail sieht das so aus:

RessourcePapierAltpapier
Papier-1,15 kg
Holz2,2 kg-
Abwasserbelastung65 gr CSB*3,5 gr CSB*
Wasserbedarf10 bis 100 Liter5 bis 10 Liter
Energiebedarf4 kWh1,5 kWh

*CSB bezeichnet den Chemischen Sauerstoff Bedarf bei der biolog. Abwasserklärung und zeigt die Abwasserbelastung an. (Quelle: http://www.greenpeace-aachen.de/wald/recyclingpapier.php)

Altpapieranteil bei Papierprodukten in Österreich

Der Altpapieranteil in diversen Papierprodukten in Österreich liegt, nach ewiger Suche habe ich zum Glück Zahlen gefunden, bei (Quelle: http://www.awaw.at/wert/papier_karton_was.htm):

  • Zeitungsdruckpapiere: 63% (Zeitungen bestehen nahezu aus 100% Altpapier, Hochglanzzeitschriften haben im Gegensatz dazu nur einen sehr geringen Anteil an Altpapier)
  • Druck- und Schreibpapiere: 24%
  • Hygienepapiere: 77%
  • Wellpappe und Packpapier: 64%
  • Karton & Pappe: 93%

Österreich liegt bei Altpapier mit einer Rücklaufquote von 72% im europäischen Spitzenfeld. Dennoch muss Altpapier importiert werden, um den Papierhunger stillen zu können. Bei Altpapier kommt die begrenzte Lebensdauer hinzu. Nach sechs bis sieben Verwertungsprozessen sind die Fasern zu kurz, um weiteres Recyclingpapier produzieren zu können. Somit ist neuer Rohstoff notwendig, um wieder Altpapier daraus machen zu können. Beim Hygienepapier muss mensch auch genau hin schauen. Z. B. wird nur 15 % Recycling-Klopapier in Privathaushalten verwendet. Bei Küchenrolle ist es wesentlich weniger. Den großen Anteil machen die Großabnehmer (Gastronomie, öffentliche Gebäude etc.) aus.

Papier einsparen

Zweitens wäre das Einsparen von Papier angesagt. Bei uns selbst und vor allem auch in den Büros dieser Welt. Eigentlich gehört dieser Punkt an die erste Stelle.

Tipps & Tricks um Papier zu sparen

Ich persönlich habe einige Gewohnheiten in meinen Alltag integriert, um Papier zu sparen. Mehr geht natürlich immer, aber folgende Schritte sind sehr einfach umzusetzen:

  • Doppelseitig ausdrucken
  • Altdrucke als Schmierpapier verwenden
  • E-Mails und Dokumente nur ausdrucken, wenn es unbedingt notwendig ist
  • „Bitte keine Werbung“-Pickerl am Postkasten anbringen

Tipps für Fortgeschrittene

Eigentlich sollte ich mich da dazu zählen, aber so gaaaanz schaff ich es leider nicht, die folgenden Punkte umzusetzen. Das hat verschiedenste Gründe.

  • Stofftaschentücher anstelle von Papiertaschentüchern verwenden
  • Küchenrolle aus dem Haushalt verbannen (ich verwende selten welche, aber ich verwende sie. Primär, um Katzenkotze weg zu wischen. Mir graust einfach zu sehr davor, Lappen dafür zu nehmen und diese danach auszuwaschen)

Papier aus Bambus

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Taschentuch, ©Smooth Panda

Und die Dritte Alternative wäre: Papier aus Bambus. Warum? Das erfährst du in Teil 3 dieser Reihe.

It´s easy being green – Just do it!

Weiterführende Links zum Thema Papier:

http://www.permakultur-akademie.com/alles-papier-kommt-aus-dem-wald/
http://www.greenpeace-aachen.de/wald/recyclingpapier.php
http://www.bewusstkaufen.at/ratgeber/14/hygieneprodukte.html
http://www.umweltinstitut.org/archiv/archiv-energie-und-klima/fachinformationen/recyclingpapier.html

Coverbild: pexels.com

6 Gedanken zu “Facts & Figures zu (Toiletten)Papier

  1. Interessanter Beitrag! Freue mich schon auf die folgenden…

    Ich versuche auch Stofftaschentücher zu verwenden, und seit kurzem sammle ich Servietten um mich darin zu schnäuzen – die bekommt man nämlich überall ungefragt dazuserviert!
    Küchenrolle ist mir auch ein Dorn im Auge… brauche ich aber auch meistens nur mehr, um Mäuseüberreste von unseren Katzen einzusammeln! 😉

    LG Christina

    • Die Idee mit den Servietten zum Schneuzen find ich gut. Das könnte ich auch probieren. Bei Zucker funktioniert das Sammeln auch sehr gut. Aber da wir kaum Zucker verarbeiten, sammle ich ihn nicht.

      Küchenrolle verwende ich primär, wie geschrieben, um Katzenkotze weg zu wischen oder ihnen den Popo sauber zu machen, wenn sie Durchfall haben. Aber auch, wenn ich Naturkosmetik mit Bienenwachs mache, um die Töpfe/Gläser sauber zu bekommen. Das sind sozusagen die 3 großen „Eckpfeiler“ für die Verwendung von Küchenrolle. Ich versuch die Verwendung aber immer mehr zu reduzieren.

      LG Sabrina

    • Vielen Dank! Ja, da hab ich mich ein bisschen sehr in der Recherche verloren. Aber er wird zum Glück sehr gut angenommen.

      Lg Sabrina

  2. Liebe Sabrina!

    Das ist ja eine klasse Blogreihe, die da auf uns zukommt – ich freue mich schon sehr, mehr darüber zu lesen und finde es toll, dass du das Thema (das sicherlich viele Menschen beschäftigt) angehen möchtest. Ich hatte mir diesbezüglich auch schon einige Notizen gemacht, aber dann bin ich irgendwie doch nicht so richtig in die Gänge gekommen (fünfhundert Projekte auf einmal und so). 😉

    Dass Smooth Panda sehr umstritten ist, habe ich ebenfalls mitbekommen und ich habe mir auch ein paar Gedanken dazu gemacht, bin aber sehr gespannt, was du unter anderem dazu sagen wirst.

    Eine Sache, die ich unabhängig vom Papiersparen und -verbauchen in dem Zusammenhang auch sehr spannend finde: Es wird ja immer viel davon gesprochen, die Notizen und alle anderen papiernen Dinge möglichst digital laufen zu lassen – kürzlich hat aber (ich glaube, es war Greenpeace) eine Organisation noch einmal vor Augen geführt, dass auch das massig Rohstoffe und Energie verbraucht – und damit längst keine so „grüne“ Lösung ist, wie viele Menschen sich das vielleicht vorstellen. Obwohl man da sicherlich auch trefflich diskutieren und das Schlimmere von beiden aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchten/beurteilen kann. Dazu recherchiere ich gerade nebenbei ein wenig und ich freue mich schon total, darüber zu schreiben!

    Liebe Grüße
    Jenni

    • Liebe Jenni,

      danke für dein Feedback, das mich sehr freut!

      Ja, das mit den Notiz ist so eine Sache… Ich persönlich bin ein Schreiberling und vermeide es, alles zu digitalisieren. Ich muss bestimmte Dinge (vor allem meine Gedankengänge) per Hand aufschreiben, dann kann ich sie viel besser (ein)ordnen und reflektieren.

      Ohne jetzt zu dem Thema wirklich recherchiert zu haben, ist meiner Meinung nach, das zu Papier bringen von Gedanken, Terminen etc. wesentlich nachhaltiger, v.a. wenn man Notizbücher etc. aus Recyclingpapier verwendet. Denn wie du sagst, die seltenen Erden, die in jedem Smartphone, Laptop oder Tablet stecken und der generelle Energieaufwand und Rohstoffverbrauch dieser Geräte ist vermutlich weit höher, als für ein Büchlein. Aber das ist nur mein Bauchgefühl. Man könnte ja auch sagen, dass man die Geräte ohnehin schon hat und deshalb auf Papier verzichten kann, was ja auch nicht ganz falsch ist…
      Bin schon sehr gespannt auf deinen Beitrag zu diesem Thema!

      Liebe Grüße
      Sabrina

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