Bauer unser [Filmtipp]

Bauer unser – eine Dokumentation von Robert Schabus über die österreichische Landwirtschaft. Einerseits harte Kost, andererseits eine grandiose Dokumentation. Harte Kost, da damit die Realität dargestellt und vor Augen geführt wird, wie es in der Landwirtschaft heutzutage zugeht. Grandios, weil das kranke Systems Landwirtschaft ungeschminkt und parteilos dargestellt wird, aber auch Alternativen aufgezeigt werden, wie es anders geht.

Bauer unser liefert Fakten

bauer-unser_plakat1970 hat ein österreichischer Landwirtschaftsbetrieb 12 Menschen ernährt. 2016 sind es 80 Menschen. In Deutschland kommen auf einen Landwirtschaftsbetrieb 145 Menschen. Tausende Bauern und Bäuerinnen haben mittlerweile aufgegeben oder wirtschaften im Nebenerwerb. Seit 2003 gaben durchschnittlich rund 2.400 Landwirte pro Jahr in Österreich ihren Betrieb auf oder verkauften ihn. Nur noch 3 Prozent der österreichischen Bevölkerung sind in der Landwirtschaft tätig. Weltweit liegt der Anteil bei 40 Prozent.

Immer schneller, günstiger und mehr – da können und möchten viele nicht mithalten.

Das sind die Fakten. Und diese Fakten sind erschütternd. Bilder und Interviews vermitteln punktgenau, was alles schief läuft. Tiere sind in Mastbetrieben eingepfercht, werden geschlagen, um sie in den Viehtransporter zu treiben. Die Lieferung des Sojas aus Übersee als Futtermittel für die Tiere ist beeindruckend und auch erschütternd. Die LandwirtInnen haben damit zu kämpfen, dass ihnen zum Leben etwas übrig bleibt. Immer mehr Wachstum wird verlangt, obwohl mehr gar nicht mehr geht. Das ist der Tenor aller – der kleinen und großen Betriebe. Was habe ich in der Doku alles gesehen bzw. ist „hängen“ geblieben? Hier ein paar Eindrücke:

Die eine Seite

Ein Bio-Milchbauer, der Zwänge offen anspricht. Wählst du als Bauer oder Bäuerin nicht die ÖVP, bist nicht beim Bauernbund, hast dein Konto nicht bei der Raika, gehst du demonstrieren und begehrst somit auf, bist du weg vom Fenster, also auch weg vom Geldhahn. Dann bist du nicht Teil des Systems und wirst nicht unterstützt. Ein Bio-Milchbauer, der ganz offen sagt, dass niemand so dumm ist, wie die Milchbauern. Denn eigentlich sollte bei Preisverfall (wovon die Milchbauern und – bäuerinnen gerade massiv betroffen sind – in Deutschland noch mehr als in Österreich) aufgrund von Überproduktion weniger produziert werden. Um den Preis wieder zu stabilisieren. Die Milchbauern tun genau das Gegenteil. Nämlich versuchen sie, mit mehr Milchproduktion den Preisverfall zu kompensieren. Das funktioniert in der Realität nicht. Der Bio-Bauer gehört für mich eigentlich zur anderen Seite. Da er aber so ehrlich anspricht, wo die ganzen Probleme liegen, wird er hier eingereiht.

Ein EU-Kommissar, der China als neuen Markt sieht, um noch mehr produzieren und exportieren zu können. Und natürlich Verfechter von CETA und TTIP ist.

Benedikt Haerlin von der deutschen Zukunftsstiftung Landwirtschaft, der die Ursachen dieses kranken Systems verständlich erklärt. Er war für mich, neben den Kleinbauern und -bäuerinnen der spannendste Protagonist dieser Doku. Für ihn gilt selbiges wie für den Bio-Bauern. Er gehört für mich auch zur „anderen“ Seite.

Ein Milchgroßbauer, der die Forstwirtschaft dafür verwendet, um zu erklären, dass es nur Sinn macht, die großen Bauern zu unterstützen und die kleinen sterben zu lassen.

Der Geschäftsführer von Berglandmilch, der erklärt, dass die KundInnen nach billigen Lebenmitteln verlangen.

Großes Kopfschütteln bei sehr vielen dieser Wortmeldungen war angebracht bzw. ist mir einfach passiert.

Und dann die andere Seite

Ein lachender EU-Parlamentarier, der selbst Bio-Bauer ist, während des ganzen Interviews. Nicht, weil die Realität so lustig ist. Ich glaube eher, weil er eigentlich weinen möchte und sich für das Lachen entschieden hat, um etwas besser mit der Absurdität des Systems und der Realität klar zu kommen.

Ein Bio-Kleinstbetrieb mit Direktvertrieb von Wein, Getreide, Gemüse und Schafen. Mit eigener Schlachtung. Eine bescheidene Bäuerin, die meint, es ginge ihnen immer gut. Manchmal haben sie mehr zum leben, manchmal etwas weniger. Sie passen sich an die Gegebenheiten an und schnallen den Gürtel, wenn es sein muss, dann halt etwas enger. Die Mischung ihrer Produkte hilft ihnen zu überleben. Wenn es trocken ist, gibt´s mehr Wein und mehr Getreide, wenn es feucht ist mehr Gemüse. Die Schafe schlachten sie selbst. 4 bis 5 Stück pro Woche. Zum Verkauf gelangt ein halbes oder ein ganzes Lamm. Es war nicht ganz schön anzusehen, wie es aufgearbeitet wurde. Das Töten wird im Film nicht gezeigt. Aber die Art, wie es verarbeitet wurde, war eine wesentlich andere, als im großen Schlachtbetrieb. Mit Ehrfurcht vor dem toten Tier. Bemerkenswert. Ganz anders, als die Bilder von der Schlachterei.

Ein etwas größerer Bio-Betrieb, der seine KundInnen mit Gemüsekisteln beliefert und somit den Kontakt zwischen Bauer und Konsumentin hoch hält.

Das sind einige von vielen Eindrücken, die ich bon Bauer unser wiedergeben kann und möchte. Bauer unser läuft noch in den österreichischen Kinos. All jenen, die wissen möchten, wie es um unsere Landwirtschaft steht und die wissen möchten, wie unsere Lebensmittel produziert werden, empfehle ich diese Dokumentation.

Ich bedanke mich sehr herzlich beim Filmladen für das ganze Material von Bauer unser, das ich für diesen Beitrag verwenden durfte!

It´s easy being green – Just do it!

2 Gedanken zu “Bauer unser [Filmtipp]

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