Vorteile einer Waschküche und ein bisschen Ärger

Wir sind neu in der Waschküche in der Vally-Weigl-Gasse – weil im September unsere Waschmaschine nach acht treuen Jahren ordentliche Rauchzeichen von sich gegeben hat. Das Geld für Reparatur oder Neukauf fehlt, deshalb haben wir nun doch das Unvorstellbare gewagt und die Waschküche bei uns im Haus erstmals genutzt. Früher hätte ich mir das nicht mal im Traum vorstellen können, aber es gibt, wie bekanntlich immer, ein erstes Mal. Wir leben uns gerade in das Regelwerk der Hausgemeinschaft ein und das ist gar nicht so einfach.

Nach dem ersten Waschgang habe ich fest gestellt, dass es gar nicht so übel wie gedacht ist, die Wäsche außerhalb der Wohnung zu waschen. Da die alte Maschine beim Schleudern immer auf Wanderung gegangen ist, konnten wir nur unter Aufsicht waschen und mussten uns auf das Teil setzen, sobald der Schleudergang los ging. Somit konnten wir sie am Stand halten und verhindern, dass sie durch´s gesamte Badezimmer tanzte.

Nun im Nachhinein habe ich nach der Lektüre von Konsumtrottel den Verdacht, dass die Stoßdämpfer im Eimer waren (die bestehen laut Sepp Eisenriegler meist aus geschmiertem Schaumstoff), die Maschine deshalb unwucht wurde, sich deshalb auf Wanderung begeben hat und die ganze Kraft sich auf die Lager übertragen hat. Die, so schätze ich mal, haben schlussendlich auch die Rauchzeichen verursacht. Wir verlieren unterm Strich also gar keine Zeit, wenn wir die Wäsche in die Waschküche und dann wieder in die Wohnung tragen.

So funktioniert´s

Bezahlsystem Quick

Bezahlsystem Quick

Schritt 1
Wir tragen uns in die Waschliste ein. Es gibt zwei Listen (für Waschmaschine und Trockner 1 sowie Waschmaschine und Trockner 2), auf denen der Tag von 07:00 bis 22:00 in drei Einheiten á 5 Stunden eingeteilt ist. Mit Eintragen des Namens und der Stiegentür ist es auch schon erledigt.

Schritt 2
Am Waschtag spazieren wir mit unserem Wäschekorb und Waschmittel bewaffnet im eingetragenen Zeitraum in die Waschküche.

Schritt 3
Wir befüllen die Waschmaschine mit Wäsche, das Waschmittelfach mit Waschmittel und stellen das Programm ein.

Schritt 4
Über das Bezahlsystem – es funktioniert über Quick – wählen wir das Gerät aus und bezahlen. Ein Waschgang kostet uns EUR 1,-.

Schritt 5 & 6
Wir starten die Waschmaschine, vertreiben uns die Zeit dazwischen mit sinnvollen Tätigkeiten und der Wohnung und holen die Wäsche nach der abgelaufenen Zeit zum Aufhängen wieder ab.

Die Herausforderungen mit der Waschküche

Waschen nach Stundenplan

Jetzt läuft also das Waschen nach Stundenplan. Realistisch ist für uns die Zeit zwischen 17:00 und 22:00 – wie für so viele andere vermutlich auch. Ich persönlich finde diese Zeit- und Geräteeinteilung kontraproduktiv, gibt es doch auch Programme, die weniger als eine Stunde waschen. Ich hab trotzdem für 5 Stunden beide Geräte, Waschmaschine als auch Trockner, blockiert. Das stromfressende Monster alias Trockner verwende ich ohnehin nie. Ich werde diesbzgl. der Hausverwaltung aktiv einen Vorschlag machen, wie das anders gelöst werden kann. Ein Onlinetool für das Eintragen wäre auch nett, weil ich glaube, dass dadurch geblockte Zeiten, die schlussendlich dann doch nicht genutzt werden, eher gestrichen werden.

Die Dauer“mieter“

Es gibt Parteien, die bis in den Dezember hinein die Geräte reservieren oder auch beide Geräte für einen ganzen Tag. Ob sie tatsächlich auch waschen und trocknen steht in den Sternen. Das stößt mir ein bisschen sauer auf. Mir geht es hier um das Prinzip – nämlich dass alle die selben Chancen erhalten sollten, ihre Wäsche in der Waschküche zu waschen. Aktuell sind wir noch in der „glücklichen“ Lage, dass nur sehr wenige Parteien die Waschküche nutzen, deshalb geht das. Aber wenn wir mehr werden? Dann gibt es vermutlich grausliche Nachbarschaftsfehden. Die Hausverwaltung hat bereits einen Aushang getätigt und darum gebeten, fair zu sein. Das Problem dabei: Keinem einzigen Aushang wurde bisher von den Parteien Beachtung geschenkt.

Waschmittelreste vom Nachbarn

Ein weiterer Nachteil ist auch, dass sich Waschmittelreste von den VorgängerInnen in den Waschfächern befinden und wir somit konventionelle Waschmittelreste auch in unserer Wäsche haben. Das möchte ich eigentlich nicht, da wir nur mit Öko-Waschmitteln waschen. Aber da beiß ich in den sauren Apfel. Ich nehm konsequent mein nachhaltiges Waschmittel mit.

Zu wenig Wäsche bzw. Wäscheständer

Die größte Herausforderung betrifft die Wäsche selber. Bei uns hat sich bislang der Dienstag als guter Waschtag erwiesen, weil ich mir den fix blockiere und nach meiner Gesangsstunde ziemlich genau um 17:00 daheim bin. Knappe 14 Tage liegen zwischen den Waschgängen und das ist echt ein Problem, denn uns geht in der Zeit die Wäsche aus – mir die Socken, meinem Freund die Boxershorts. Nun gäbe es die Möglichkeit, das „Lager“ durch Neukäufe aufzufüllen. Das halte ich aber nicht für wirklich sinnvoll. Und aufgrund unserer Anzahl an Wäscheständer – nämlich 2 – können wir maximal eine Maschine waschen, da uns der Platz  zum Aufhängen fehlt. Zusätzliche Wäscheständer wurden bereits angedacht, aber in mir wehrt sich etwas dagegen. Somit müssten wir aber zumindest jede Woche, wenn nicht gar zwei Mal die Woche alle zwei Wochen eine Waschmaschine als auch einen Trockner blockieren, die wir nur die Hälfte der Zeit nutzen. Ich bin mir sicher, dass wir dafür eine Lösung finden werden. Auch wenn die Hausverwaltung nicht auf den Vorschlag eingeht, die Einheiten zu verändern.

Die Vorteile der Waschküche überwiegen trotzdem

Die oben beschriebenen Ärgernisse und Herausfroderungen werden durch die ganzen Vorteile der Waschküche wieder wett gemacht.

Kostenersparnis

geraete-waschkuecheEinmal Waschen kostet uns EUR 1,-. Würden wir nun eine Waschmaschine neu ankaufen, würde diese mindestens EUR 500,- bis EUR 1.0000,- oder sogar noch mehr kosten. Wir können also, bis die Maschine „abbezahlt ist“, ein paar hundert Mal in der Waschküche Wäsche waschen. Bei unserem 2 Personenhaushalt mit relativ wenig Wäsche, sind das mehrere Jahre. Strom- und Wasserverbrauch sind ebenfalls in dem einen Euro inkludiert. Es reduziert sich also unser Strom- und Wasserverbrauch in der Wohnung. Das ist vermutlich nicht sehr viel, dennoch bin ich schon auf die nächste Abrechnung gespannt.

Gut für die Umwelt

Mit dieser Entscheidung leben wir wesentlich nachhaltiger, als mit einer eigenen Maschine in der Wohnung. Nicht nur unser Börserl betreffend. Geteilte Geräte sind nämlich immer die nachhaltigere und bessere Variante. Denn die Maschinen sind wesentlich öfter im Einsatz. Somit werden Ressourcen bzw. Materialien, die für jede neue Maschine benötigt werden, eingespart. Jede Waschmaschine benötigt nämlich bei der Erzeugung wesentlich mehr Ressourcen wie Strom und Wasser etc. als im Betrieb. Die Kosten für die Waschküche (Reinigung, Reparaturen etc.) werden von der Hausgemeinschaft getragen – also ist eigentlich jede/r ein Trottel, der die Waschküche nicht nutzt. Der Posten „Waschküche“ auf der Betriebskostenabrechnung wird mir zukünftig nicht mehr ärgern 😉

waschmaschinenprogrammeLast but not least möchte ich euch das Bild der Programme nicht vorenthalten. Im ersten Moment war ich davon überrascht, dass es so ziemlich für jedes Teil ein Programm gibt. Und eigentlich hat mich das überfordert. Zum Glück hat mich Sepp Eisenriegler gelehrt, dass das alles Humbuk ist. Nämlich eine Verarsche der KundInnen durch die Elektronikindustrie und keinesfalls eine Innovation, wie es verkauft wird. Die unzähligen Programme dienen rein dazu, neue Produkte auf den Markt zu bringen und neue AbnehmerInnen zu finden. Ich denke da an die aktuelle Bosch-Werbung, die nun eine Waschmaschine promotet, die die Menge des Waschmittels selbst dosiert. Im Grunde machen solche „Innovationen“ die Maschinen jedoch wesentlich anfälliger für Gebrechen und Reparaturen noch teurer. Sollte ich jemals wieder eine Waschmaschine wollen, möchte ich die „Kawaschnikow“, die im Buch von Sepp Eisenriegler vorgestellt wird. Ein robustes Teil, nur mit dem Notwendigsten und angeblich unumbringbar. Ich muss aber erst checken, ob Weißrussland nach Österreich liefert :p

It´s easy being green – Just do it!

8 Gedanken zu “Vorteile einer Waschküche und ein bisschen Ärger

  1. Für die kleine Wäsche zwischendurch empfehle ich die stromlose Waschkugel. Die säubert sehr gut, es geht rasend schnell und eben stromlos weil du selber ein paar Mal kurbelst (so 30 Sekunden?). Der einzige Nachteil, der mir spontan einfällt ist, dass sie (logischerweise) nicht schleudert und man wirklich nasse Wäsche hat. Socken und Unterhosen kann man ja aber wohl je nach Beschaffenheit wringen oder zumindest ausdrücken.
    LG Oli

    • Hallo Oli,

      danke für den Tipp. Von einer Waschkugel hab ich noch nichts gehört. Werd mich diesbzgl. mal erkundigen. Vielleicht lösen wir damit unser Problem, dass es mit Socken und Unterhosen manchmal etwas knapp wird.

      LG Sabrina

      • Sehr gerne Sabrina, ‚pressure washing machine‘ wäre ein Stichwort (wegen dem Überdruck, der durch das warme Wasser entsteht). Ich habe die ‚Wonder Wash‘ aus Plastik, es gibt die allerdings auch in antik und top gepflegt bei ebay & Co aus Metall. Nur etwas anders konstruiert. Campingbedarf führt sowas auch. Schau dich mal um, ich denke wirklich, das könnte dein Problemlöser sein.
        LG Oli

        • Was ich noch zufügen sollte ist, dass durch den Druck wesentlich mehr Dreck herausgewaschen wird als wenn man von Hand wäscht. Es soll Leute geben, die aus hygienischen Gründen einige Klamotten nur mit der Waschkugel waschen und bei der großen Wäsche dann Temperatur sparen. das nur zur Ergänzung.

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