ich mach es anders

Vielfalt macht glücklich – Interview mit Daniela von der Käseschatztruhe

Käselaib

Die Käseschatztruhe im 4. Wiener Gemeindebezirk ist eine zufällige Entdeckung von mir. Ich bin so unglaublich dankbar, dass ich mit offenen Augen durch die Welt gehe, sonst blieben mir so wunderbare Konzepte verborgen. Nachdem ich zwei Mal ungeoutet Käse bei Daniela gekauft habe und mich von der super Qualität, der tollen Beratung und dem hervorragenden Geschmack überzeugen konnte, bat ich Daniela um ein Interview, weil ich unbedingt mehr über sie und die Käseschatztruhe erfahren wollte.Sabrina: Liebe Daniela, wie bist du auf die Idee gekommen, die Käsesatztruhe zu gründen?

Daniela: Wir haben mit unserem Sohn immer Urlaub am Bauernhof gemacht. Hier bekamen wir jeden Morgen frische Milch zum Frühstück. Das war Luxus. Ich komme aus Rumänien und in meiner Kindheit war frische Milch selbstverständlich. Es gab keine Industrieprodukte, sondern es kam alles direkt vom Bauern. Wir hatten einen direkten Bezug zu Tier und Natur. Heutzutage ist Rohmilch wirklich ein Luxus. Außerdem hatte mein Partner viele Käsebücher. Wir haben sehr viel darin gelesen. Wir wollten mit der Käseschatztruhe unsere schönen Erinnerungen an unsere Aufenthalte vereinen. Am Beginn wollten wir den Laden „Milchkanne“ nennen, aber von der Milchkanne bis zum Käse ist es ein weiter Weg.

Sabrina: Und wann habt ihr begonnen darüber nachzudenken einen Käseladen zu eröffnen?

Daniela: Das war 2013. Da wir davor schon einige Produzenten gekannt haben, war es nicht sehr schwer, diese für unsere Idee zu begeistern und als Lieferanten zu gewinnen. Das wichtigste war, das Geschäftslokal zu finden. Danach haben wir einige Käsetouren gemacht, um zusätzliche Produzenten zu finden. Dann habe ich den Käsesomelierkurs gemacht. Das schönste ist, dass es für einen einzigen Namen so eine unglaublich große Vielfalt gibt. Es gibt über 4.000 Käsesorten, das sind alles Schätze. Deshalb gibt es die Käseschatztruhe.

Daniela, Inhaberin der Käseschatztruhe

Daniela, Inhaberin der Käseschatztruhe (Foto: Andreea Goldgraber)

Sabrina: Hat Käse eine Geschichte?

Daniela: Käse ist eines der ältesten Nahrungsmittel der Menschheit. Schon Homer beschreibt in der Odyssee die magischen Kräfte von Käse. Hippokrates verschrieb Käse als Heilmittel, die Römer haben die richtige Lagerung für Käse entwickelt. Und Jean Anthelme Brillat-Savrain sagte „Ein Dessert ohne Käse ist wie eine einäugige Schönheit.“ Dieses Produkt gibt es schon so lange, aber mit Ängsten und Vorschriften vernichten wir diese unglaubliche Vielfalt. Alles wird standardisiert, das macht mir Gänsehaut. Und ich stelle mir sehr oft die Frage: „Brauchen wir das? Wollen wir das?“

Sabrina: Was bedeutet für dich die Käseschatztruhe?

Daniela: Die Käseschatztruhe hat mir gelernt, Vielfalt zu schätzen, Lebenswerte neu zu erkennen und nicht einfach mit dem Strom mitlaufen. Das muss man auch nicht tun, wenn man bewusst stehen bleibt und zu denken beginnt.

Käsevariation

Käsevariation (Foto: Andreea Goldgraber)

 

Sabrina: Ist es nicht schwer, nicht mitzulaufen?

Daniela: Es ist verdammt schwer. Aber ich glaube, du bekommst dadurch eine doppelte Motivation. Es ist keine finanzielle Motivation, sondern ideell. Man ist stärker beziehungsweise bekommt man eine andere Art von Stärke.

Sabrina: Woher die Käseschatztruhe ihren Käse?

Daniela: Am Anfang haben wir uns sehr bemüht, und ich bemühe mich weiter, von jedem Bundesland aus Österreich einen Produzenten zu haben und zwar einen Kleinproduzenten. Wir bestellen nicht bei einem Großhändler. Wir möchten damit die Käsevielfalt nach Wien bringen. Diese Vielfalt hängt nicht nur vom Tier, das die Milch dafür gibt, ab, sondern auch vom Futter aus der Region. Und deshalb habe ich von jedem Bundesland Käse nach Wien geholt. Weil jeder anders schmeckt.

Sabrina: Das ist geglückt?

Daniela: Ja, außer aus Wien. Wir haben alle Produzenten selber besucht, auch in Frankreich. Aus Frankreich ist es gar nicht so einfach, guten Käse von KleinproduzentInnen zu bekommen. Wir haben aber einen ganz besonderen Affineur in Frankreich gefunden, der seinen Käse in einer Berghöhle reifen lässt. Das heißt ohne zusätzliche Feuchtigkeit oder zusätzlicher Geräte. Er lässt den Käse natürlich reifen. Ich versuche, bei meinem Konzept zu bleiben. Das heißt, Produkte von kleinen Produzenten zu beziehen.

Sabrina: Bietet ihr auch Verkostungen an?

Daniela: Ja, in Zusammenarbeit mit anderen Händlern in der Nachbarschaft bieten wir zum Beispiel Verkostungen an. Wir arbeiten sehr stark im Grätzel zusammen. Wenn der Nachbarladen zum Beispiel einen tollen Wein im Sortiment hat und der Winzer eine Verkostung macht, dann kann man z. B. meinen Käse dazu kosten. Dadurch kann sich der Kunde auch leichter orientieren, welch tolle Produkte es bei uns im Grätzel gibt. Es ist eine tolle Zusammenarbeit in dieser schönen Gegend hier. Mein Traum ist es, mit allen Unternehmen in der Kettenbrückengasse und Umgebung eng zusammen zu arbeiten. Gemeinsam sind wir auch stärker, denn Kleinunternehmen haben es nicht leicht. Das finde ich sehr schade, denn durchzuhalten ist nicht immer ganz einfach.

Sabrina: Welcher ist dein Lieblingskäse?

Daniela: Mein Lieblingskäse ist die Vielfalt. Jeder Laib ist wirklich anders und das ist das Schönste. Jeder Laib ist handgemacht und jeder Laib überrascht mich jedes Mal mit einem besonderen Geschmackserlebnis. Der Geschmack des Käses wird vom Wetter beeinflusst, es macht einen Unterschied, ob es gerade viele Blumen auf der Wiese gibt. Und das ist das Tolle beim Käse von Kleinstproduzenten. Und ich liebe die Käseplatte nach dem Essen. Das ist für mich ein schönes Ritual. Sie ist etwas angenehmes, lässt eine angenehme Atmosphäre entstehen und bringt die Menschen zum Diskutieren.

Käse von der Käseschatztruhe

Käse von der Käseschatztruhe (Foto: Andreea Goldgraber)

Sabrina: Was sind deine Ziele für die Zukunft?

Daniela: Mein Ziel ist es, die Menschen dazu zu bringen, darüber nachzudenken, welchen Wert Tradition für sie hat, wo ihre Wurzeln sind. Österreich hat, so wie Frankreich, eine Käsekultur, nur gibt es in Österreich viel mehr Ängste und Vorschriften und das schränkt ein. Ich habe das Gefühl, als würde ein Monopol von Vorschriften und Auflagen auf der ganzen Welt sitzen. Das Verwenden der eigenen, lokalen Ressourcen bringt Vielfalt, nicht der Import von Gütern aus dem Ausland. Die Menschen müssen das erst wieder zu schätzen lernen und mit der Käseschatztruhe trage ich meinen Teil dazu bei.

Sabrina: Vielen Dank, Daniela, für deinen Einblick in die Vielfältigkeit des Käses!

Daniela (37), gebürtige Rumänin, lebt seit 12 Jahren in Wien und bringt seit 2014 mit Herz und viel Leidenschaft die Käsevielfalt den Menschen näher. Vielen Dank an dieser Stelle für das Interview und das Bereitstellen dieser wunderschönen Fotos von Andreea Goldgraber!

Käseschatztruhe
Kettenbrückengasse 10, 1040 Wien
www.kaeseschatztruhe.at

Öffnungszeiten:
Di-FR: 11:30 – 18:30
SA: 09:00 – 14:30

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