ich mach es anders

Rasierhobel im Test – endlich trau ich mich

Rasierhobel

Immer wieder habe ich nach einer nachhaltigen Alternative zu konventionellen Damenrasierern gesucht und immer wieder bin ich auf sie gestoßen: die Rasierhobel. Und nur auf die Rasierhobel. Jedes Mal, wenn ich dazu recherchiert habe. Ganz zu Beginn hat mich „Hobel“ ziemlich abgeschreckt und da sie meist für die Männerrasur empfohlen wird, war ich zu Beginn enttäuscht, dass es für die Damenwelt keine Alternative gibt. Damit fand ich mich einige Monate ab.

Nun jedoch war die Klinge meines herkömmlichen Rasierers im Eimer – der auch schon kaputt, weil er mal auf den Fliesenboden aufschlug – und ich sträubte mich, mir einen neuen zu kaufen. Zwei Mal sah ich mich in einer Drogerie um und ging jedes Mal ohne Rasierer wieder hinaus. Ich konnte einfach nicht mehr so ein Plastikdings kaufen – ich wollte nicht mehr. Und ich gebe zu, ich bin zu geizig, um mehrere Euros für eine Klinge hin zu legen. Deshalb recherchierte ich nun intensiver.

Ich stieß auf einige Blogs und las Berichte von Frauen, die bereits eine Rasierhobel verwendet hatten. Ich las über „Blutbäder“ im Badezimmer, was mich ebenfalls abschreckte. Aber ich konnte nicht glauben, dass es so verdammt schwer ist, so ein Teil zu bedienen. Eine Bekannte hat mir dann einige Tipps gegeben und mit denen im Gepäck habe ich dem Geschäft Walter Weiss auf der Marihilfer Straße in Wien einen Besuch abgestattet. Ich wollte diese Hobel nämlich unbedingt sehen und angreifen, bevor ich mehrere Euros dafür ausgab. Die Beratung war einwandfrei! Mir wurden mehrere Modelle gezeigt und dann erhielt ich ausreichend Zeit, mich mit jedem einzelnen Modell auseinander zu setzen.

Rasierhobel Bezugsquelle

Walter Weiss Traditionsbetrieb

Modelle und Varianten von Rasierhobeln

Bei Walter Weiss lernte ich sie alle kennen. Die langstiligen, die kurzstieligen, die mit geschlossenem Kamm und jene mit offenem, die mit Schraubmechanik und die mit Butterflymechanik. An der Auswahl mangelte es also nicht. Während ich alle Modelle begutachtete und testete, wie sie in der Hand liegen, habe ich meine Fragen gestellt. Und die Angestellte wusste auf ALLE eine Antwort. Schlussendlich entschied ich mich für ein Modell, auf das angeblich sehr viele Frauen hin greifen: eine Rasierhobel von Erbe Solingen. Knapp EUR 40,- habe ich dafür gezahlt – inklusive bester Beratung. Ein Päckchen Klingen hab ich mir auch gleich mit genommen, da ich davon überzeugt war, dieses „Gerät“ länger bzw. möglichst lang zu verwenden. Die Rasierhobel ist aus 100% rostfreiem Edelstahl und war in einer kleinen Schachtel verpackt. Ciao Plastik! Die Schachtel lässt sich bestimmt anders und somit weiter verwenden.

Die Klingen

Erst zu Hause habe ich festgestellt, dass diese in Japan produziert werden. Im nächsten Schritt werde ich recherchieren, ob es nicht auch noch einen Klingenanbieter gibt, der etwas regionaler produziert – die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber nun zu jenen, die ich gerade vor mir liegen habe: sie sind zwar in einem kleinen Plastikbehälter verpackt, die Klingen selbst sind jedoch einzeln in einem kleinen Stück Papier „eingewickelt“. Und auch der Deckel des Behältnisses ist aus einem kleinen Stück bedrucktem Karton. Bye, bye Plastik!

10 Stück dieser Klingen kosten im Fachhandel EUR 5,-, also EUR 0,50 das Stück. Und das Coole dabei: es handelt sich dabei nicht nur um eine Doppelklinge, nein, sobald sie stumpf ist, kann sie einfach umgedreht werden und ich kann eine weitere Runde damit drehen. Ich bin schon gespannt wie ein Pfitschipfeil wie lange ich mit einer Klinge durch komme. Mir ist zu Ohren gekommen, dass sich ein Jahr ausgeht. Im Vergleich dazu: herkömmliche Klingen kosten zwischen EUR 2,- und EUR 7,-, wenn frau die Billigstprodukte und Einwegrasierer außer acht lässt. Bei mir war die Klinge meist dahin, sobald das Gelkissen seinen „Geist“ aufgegeben hat. Das war je nach Preisklasse des Rasierers unterschiedlich lang bzw. kurz. Oder die Klinge wurde stumpf. Ich hab die Zeit nicht „gestoppt“, aber ein Jahr haben sie nie durch gehalten.

Die Mechanik und Reinigung

Rasierhobel mit Butterflymechanik

Rasierhobel mit Butterflymechanik

Ich habe eine Hobel mit Butterflymechanik gewählt. Das heißt, ich schraube am Stiel und die Kämme öffnen sich. Dann fasse ich die Rasierklinge rechts und links an der kurzen Seite an, leg sie ein und schraube wieder zu. Die andere Variante wäre ebenfalls mit Schrauben gewesen, jedoch nimmt frau dann den „Deckel“ runter und muss diesen dann wieder aufsetzen. Ich find die Butterflymethode praktischer. Auch das Reinigen ist mega einfach. Ich schraube auf, nehm die Klinge raus, spüle alles ab, trockne die Teile und setze wieder alles zusammen.

Der erste Versuch

In den Berichten im Netz war, wie bereits erwähnt, die Rede von Blutbädern im Badezimmer, die frau mit der ersten Rasur mit einer Rasierhobel anrichtet. Es sind wirklich Schauergeschichten und es wird einer im ersten Moment ganz anders, wenn sie das liest…

Ich geh ja an alle Sachen recht praktisch ran. Das war bei den Kontaktlinsen, die ich vor einer gefühlten Ewigkeit für kurze Zeit getragen habe, auch so. Kurze, psychische Vorbereitung (z. B. dass ich mir ins Aug greifen muss) und los geht´s. Ohne Probleme. Das war bei der Rasierhobel genau so. Ich hab mir bereits im Geschäft die Technik erklären lassen, ging sie im Kopf noch einmal durch und dann ging es ab. Sehr vorsichtig, aber ich habe mich kein einziges Mal geschnitten. Und das, obwohl ich bei diesem ersten Versuch leicht angeschwippst von einem Treffen mit ehemaligen ArbeitskollegInnen war. Eine Bestleistung also 😉

Die Rasierhobel passt sich nicht, so wie ein Rasierschwingkopf (oder wie das heißt…) an, sondern sie muss von Hand präzise geführt werden. Frau muss also etwas achtsamer sein und wissen, wo es lang geht. Das Aufsetzen der Klinge auf die Haut erfordert ebenfalls etwas Präzisionsarbeit, ist aber nicht unmöglich. Die ist völlig ausreichend. Tipps, wie frau die Klinge richtig aufsetzt möchte ich nicht geben, da das jede für sich heraus finden muss. Als einzigen Tipp gebe ich mit auf den Weg: nicht zu steil aufsetzen und nicht zu fest andrücken, denn dann könnte die Session tatsächlich blutig enden.

Mit jedem Mal wurde es leichter

Die Rasierhobelführung gelang bei jedem Mal besser und ich wurde mit jedem Mal sicherer. Wenn ich etwas schlampig beim Aufsetzen der Klinge war, hab ich die Haut meiner Achseln etwas beleidigt, aber das passiert bei herkömmlichen Rasierern genau so. Aufgefallen ist mir, dass ich mit der linken Hand meine rechte Achsel schöner rasiere als umgekehrt, was mich noch etwas irritiert, aber vermutlich pass ich als Rechtshänderin etwas besser auf, wenn ich mit der linken Hand „arbeite“. Was mir in den 3 Wochen Anwendung noch nie passiert ist, ist dass ich mich schlimm geschnitten habe. Die Schauermärchen, über die frau auf diversen Blogs und in verschiedenen Foren liest, sind also Schauermärchen und ich weiß nicht, wie sich diese Frauen anstellen. Würd ich mir gern mal zeigen lassen…

Das Ergebnis

In mehreren Kommentaren habe ich gelesen, dass das Ergebnis mit der Rasierhobel wesentlich besser ist, als mit herkömmlichen Rasierern. Das kann ich bislang noch nicht ganz bestätigen, da ich festgestellt habe, dass die Haare schneller nachwachsen und ich beinahe täglich rasieren muss. Ich muss vermutlich noch etwas an meiner Technik feilen, bis sie perfekt ist und dann habe ich bestimmt auch dieses „Problem“ gelöst. Generell bin ich jedoch zufrieden und verwende die Hobel jedes Mal mit viel Stolz. So blöd das auch klingen mag.

Zubehör

Rein mit der Hobel ist es noch nicht getan. Frau benötigt natürlich zumindest noch Rasierschaum, damit die Hobel gut auf der Haut gleitet. Ohne geht´s nämlich gar nicht. Das war ein Vorteil mit den Gelkissen – da funktionierte eine „Notfallfrisur“ auch nur mal mit Anfeuchten der Haut, da durch das Gel die Gleitfähigkeit gegeben war.

Rasierschaum

Als „Rasierschaum“ verwende ich schon seit längerer Zeit eine Rasierseife, am liebsten von Machma Naturseife. Damit ist die Haut genauso gleitfähig wie mit Rasierschaum. Die riesen Vorteile dabei: die Inhaltsstoffe sind unbedenklich und ich spare Unmengen an sinnlosem Müll ein, da sie lediglich in einem Papiersackerl verpackt sind. Und sogar das könnte ich vermeiden, wenn ich endlich ein eigenes Behältnis zu meinem Einkauf mit bringe. Mit einer Rasierseife kommst frau und auch mann sehr lang durch, da die „Dosierung“ wesentlich einfacher mit der Seife ist.

Rasierseife für Rasierhobel

Rasierseife

Brauch ich einen Rasierpinsel?

Meine Bekannte hat mir auch empfohlen, einen Rasierpinsel zu verwenden, aber ich glaube, den brauch ich nicht wirklich. Bei Walter Weiss war das natürlich eine Frage von mir an die Verkäuferin. Sie meinte, dass das jede selbst für sich entscheiden muss. Die Haut und Härchen werden bei Anwendung eines Rasierpinsels zwar besser vorbereitet, jedoch war sie ebenfalls der Meinung, dass meist gutes Einseifen mit einer Rasierseife ausreicht. Es zeigt sich also, dass eine Rasur etwas gaaaaanz Individuelles ist. Sollte ich dennoch einen Pinsel testen, wurde mir eine günstigere Variante mit Schweineborsten empfohlen. Einfach, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Die nächste Klasse wäre dann Dachshaaar und dementsprechend teuer, aber unglaublich weich. Doch wie gesagt, ich tendiere zur Variante „Rasierseife only“.

Die Vorteile und mein Fazit zur Rasierhobel

Es gibt so unglaublich viele Vorteile bei der Verwendung einer Rasierhobel.

Der Umweltaspekt

Als erstes wäre da mal der Umweltaspekt. Ich habe nur noch gaaaaanz wenig Plastik durch den Klingenbehälter, alles andere ist aus rostfreiem Edelstahl. Somit spare ich eine ganze Menge Müll ein. Ich bin auch davon überzeugt, dass mich die Hobel Jahrzehnte begleiten wird.

Der Gesundheitsaspekt

Da ich komplett ohne dieser Gelkissen auskomme, die so ziemlich alle herkömmlichen Rasierer für eine bessere Gleitfähigkeit haben, tu ich auch meiner Gesundheit etwas Gutes. Diese Gelkissen beinhalten nämlich Emulgatoren oder Tenside auf PEG/PEG-Derivat-Basis. Codecheck schreibt dazu:

PEG/PEG-Derivate verbinden als Emulgatoren Wasser und Fett. Diese Stoffe können die Haut durchlässiger machen und Schadstoffe in den Körper einschleusen. In Salben werden sie eingesetzt, um die Bestandteile gleichmäßig zu mischen; in Shampoos dienen sie auch als Tenside.

Und nein, das möchte ich nicht. Gelkissen adé, also!

Der finanzielle Vorteil

Finanziell gewinnt die Rasierhobel auf ganzer Länge. 10 Klingen um EUR 5,-, die sogar doppelt verwendet werden können, sind ein echtes Schnäppchen und die höhere Investition in die Hobel ist damit schnell wieder ausgeglichen.

Bei anderen die Neugier wecken und der praktische Vorteil

Ich lasse keine Möglichkeit aus, um von meiner neuesten Errungenschaft zu erzählen. Fotos von der Hobel wurden von mir Besucherinnen bei der WearFair gezeigt, ich habe auf Facebook das Interesse von FreundInnen durch Fotos geweckt und mittlerweile zeigt auch mein Freund ein erstes Interesse daran. Sein Rasierer eines sehr bekannten Anbieters hält bereits über 14 Jahre, doch jeder Klingenkauf ist eine Überwindung, auch wenn sie sich mit „nur“ EUR 3,- pro Stück im unteren Segment bewegen. EUR 3,- sind aber wesentlich mehr als EUR 0,50.

Somit haben wir beschlossen, dass er einmal meine Hobel ausprobiert – die Klingen sind ja schnell getauscht und können auch ganz einfach in einem kleinen Behältnis aufbewahrt werden, perfekt also auch für Reisen –  und dann entscheidet, ob er umsteigt. Und falls, werden wir testen, ob wir uns die Hobel nicht einfach teilen. Es kommt äußerst selten vor, dass wir zur selben Zeit einen Rasierer benötigen. Somit hätten wir auch zugleich den praktischen Aspekt der Hobel ausgemacht. Einfacher Transport und ein Teilen ist problemlos möglich.

Bei der Rasierhobel geht´s mir ähnlich, wie bei der Menstruationstasse. Nie wieder möchte ich es anders machen! Und ich ärger mich, dass ich nicht schon viel früher diesen Schritt gewagt habe. In meinen Augen zahlt es sich aus, den Versuch zu wagen! [Edit 24.8.2017: bei diesem Fazit bleibe ich. Ich habe zwar festgestellt, dass ich mit der Rasierhobel etwas öfter rasieren muss, weil die Härchen schneller nachwachsen. Aber das ist kein Problem, da bei heißen Temperaturen ohnehin beinahe jeden Tag geduscht werden muss. Und meine Haut resigniert trotzdem nicht.]

It´s easy being green – Just do it!

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Habe vor gut einem halben Jahr von einem Mühle Rasierer mit Systemaufsatz auf einen ganz einfachen Hobel von Wilkinson umgestellt. Nach gut einer Woche ging das ganze auch ohne Verletzung. Ich empfinde die ganze Rasur seit dem als wesentlich angenehmer.

    • Hallo Christina!
      Sehr gerne! Also auf der Verpackung steht drauf „Rasierapperat Tradition, Art.-Nr. 6497“. Ich glaub, damit im Netz damals nach dem Rasierer für diesen Blogbeitrag, nachdem ich ihn schon gekauft hatte, gesucht und gefunden zu haben. Einfach, um ein paar Zusatzinfos zur Herstellung zu bekommen.
      LG Sabrina

  • Hallo, wie ich gesehen habe sind die Rasierklingen von Feather. Das sind premium Rasierklingen aus Japan die im Vergleich extrem teuer sind. Ich Rasiere mich seit langer Zeit mit Astra Klingen ( Superior Platinum) in der grünen Verpackung. Die sind super sanft und scharf. 100 Stück kosten gerade mal 10-12 Euro. Es lohnt sich verschiedene Klingen auszuprobieren. Ansonsten erstmal Glückwunsch zum Umstieg auf den Hobel!
    Mit freundlichen Grüßen
    Alex

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