Nachlese Forum Green Logistics

Oder: „Wie ich die Wirtschaftswelt aufgemischt habe.“ So oder so ähnlich kann mensch meinen Vortrag am 7. September 2016 im Rahmen des Forum Green Logistics unter dem Titel „Green Food Chains“. Das Grüne vom Feld auf den Tisch und den Rest auf die Deponie… Kochen Sie noch oder drucken Sie schon?“ zusammenfassen. Es war ein großartiges Erlebnis für mich, aber ich denke auch für die BesucherInnen und die anderen Referenten 😉

Die Location

Aussicht über WienDie Location war der Erste Bank Campus im Quartier Belvedere im 10. Wiener Gemeindebezirk. Ja, ich habe in einer Bank referiert. Ich war zuerst etwas stutzig, der Organisator hat mir dann aber erklärt, warum die Veranstaltung dort statt findet: die Erste Bank hat letztes Jahr Großartiges im Rahmen der Flüchtlingsbetreuung am Wiener Hauptbahnhof (der ist gleich ums Eck) geleistet und das Gebäude, es war damals noch eine Baustelle, als Schlafmöglichkeit für die Schutzsuchenden zur Verfügung gestellt. Eine tolle Sache! Und die View war ein Hammer! Die letzten Wochen habe ich meinem großen Auftritt entgegengefiebert.

Die Vorbereitung

Ich hab mich bestens vorbereitet – danke an dieser Stelle an den Oliver Wejwar, den besten Coach und Gesangslehrer der Welt! – hab an meinem Vortrag auch in der letzten Coachingstunde noch gefeilt und habe wesentlich weniger nervös als erwartet, das RednerInnenpult mit meinen vier A4 Zetteln betreten. Ja, ich bin keine, die sich einfach vor 143 Menschen hinstellt und zu reden beginnt. Das funktioniert bei mir nicht. Deshalb hab ich mit dem Oliver die für mich beste Methode erarbeitet. Gerne hätte ich bei Workshops im kleinen Rahmen vorher geübt – das hat sich aber nicht ergeben. Deshalb bin ich gleich ins Haifischbecken gesprungen und allen davon geschwommen 😉

Sabrina und Oliver

Die Anspannung ist mir ins Gesicht geschrieben

Das Publikum

Publikum Green Logistics

© verkehr/Moni Fellner

Im Publikum saßen primär Menschen aus der Wirtschaft und Politik- Logistiker, Banker, Lebensmittelgroßhändler, Wirtschaftskammerfumktionäre – einige StudentInnen der Boku sowie meine Familie und FreundInnen. Also ganz und gar nicht meine Zielgruppe. Das Publikum war, wie auch das Podulium, männlich dominiert. Ein bissl anders wurde mir ehrlich gesagt schon, als ich die ganzen Menschen in Anzug und Kostüm beim Betreten der Location erblickt hab und sagte zu mir:“Augen zu und durch. Falls es schief geht, kann ich gleich danach nach Hause laufen (ich wohn ums Eck) und mich verkriechen.“ Zum Glück war das nicht notwendig 😉 Die kleine Bloggerin in, die aus ihrem Leben erzählt, zwei Uniprofs, Herr Kastner von der Kastner GroßhandelsgesmbH und zwei Startups. Das waren die ReferentInnen, wobei die zweite Referentin aus Hongkong zugeschalten wurde. Ich musste also die Stellung halten.

Die Redner und mein Auftritt

Drei Redner waren vor mir und dann war es soweit, mein großer Auftritt. So cool wie möglich trat ich nach vor und startete mit „Griaß euch“ und nicht mit „Sehr geehrte Damen und Herren“ meinen Vortrag zum Thema „Lebensmittelbeschaffung als Avatar und doch analog: neue bewusste Wege“. Mein Vater meinte, da ging schon das erste „Ruckeln“ durch die Reihen. Von Beginn an konnte ich meine ZuhörerInnen bestens unterhalten und zum Glück auch fesseln. Ich habe primär aus meinem Leben, von meinem Tun und Handeln und über meinen Blick der Welt erzählt. Meine Fotopowerpoint hat das Gesprochene perfekt unterstrichen. Das Spannenste für mich war das Kopfschütteln und Belächeln einiger Herren in einer bestimmten Sitzreihe bei ca. jedem zweiten Satz von mir wahr zu nehmen. Es war klar, dass hier zwei Welten aufeinanderprallen. Aber sowas von.

Sabrina am Rednerpult, © verkehr/Moni Fellner

© verkehr/Moni Fellner

Ich redete offenbar über eine Lebenseinstellung, die in ihrer Welt nicht existiert, die sie sich nie und nimmer vorstellen können. Z. B. dass ich nur noch Teilzeit arbeite, um Zeit für das für mich Wesentliche zu haben. Oder als ich erwähnte, dass Supermärkte die Möglichkeit hätten, abgelaufene Ware an KundInnen zu verschenken (an die Mitarbeiterinnen wäre in meinen Augen das Mindeste, aber nehmen diese etwas mit nach Hause, werden sie gleich fristlos entlassen) und die Frage nach der Sinnhaftigkeit des Mindesthaltbarkeitsdatums von Lebensmitteln aufgeworfen hab. Und erst, als ich begann, über die FoodCooperation zu sprechen und der Wirtschaftskammer erzählt habe, was ich von ihrem Herumgetue zwecks Gewerbeschein für die Vereine halte… Der Kugelschreiber eines Herren hat beinahe zu glühen begonnen, als er sich Notizen dazu machte. Blöd nur, dass er sie danach nicht mehr verwenden konnte. Geschnappt hab ich mir die Aufmerksamkeit des Publikums gleich zu Beginn mit der Frage danach, wer der Meinung sei, dass ein nachhaltiger Lebensstil anstrengend ist (ihr glaubt nicht, wie viele in diesem Raum schon nachhaltig leben, denn gar so viele Hände gingen nicht in die Höh) und meinen Erfahrungen mit der Schweineborstenzahnbürste 😉

Podiumsdiskussion ohne mich 🙁

Podium Green Logistics

© verkehr/Moni Fellner

Etwas bitter war dann die Tatsache, dass ich nicht aufs Podium geladen wurde, obwohl ich fix damit gerechnet hatte, da es so ausgemacht war und ich mich extra dafür vorbereitet hatte. Ich wusste, dass wahrscheinlich etwas, wie soll ich sagen, herausfordernde Fragen an mich gestellt werden würden. Geladen waren schlussendlich die zwei Uniprofs, David von der Zupa GmbH (StartUp) und Herr Kastner, da dies die Logistikexperten waren. Und ja es stimmt, zum Thema Logistik an sich, kann ich nicht wirklich viel sagen, denn ich tingle mit meinem Riesenrucksack und den Öffis durch die Gegend, um meine Einkäufe nach Hause zu bringen. Ganz ohne Lkw oder Lieferservice und auch Doktorarbeit habe ich dazu keine geschrieben. Aber ich denke sehr wohl, dass einige Menschen im Publikum darauf gespannt gewesen wären, wie ich mich eingebracht hätte. Der Organisator war beim Telefonat danach einsichtig und im kommenden Jahr wird das besser durchdacht. Denn es wurde schlicht darauf vergessen mir mitzuteilen, wie schlussendlich die Zusammensetzung des Podiums geplant war. Für mich ist die Sache damit erledigt, denn jedeR hat eine 2. Chance verdient und es kann immer etwas passieren. Auch wenn eine Veranstaltung noch so gut durchdacht ist.

Horroszenarien bis 2030

Alles in allen waren die anderen Vorträge, ausgenommen jene von Bernhard Rothbucher und Katharina Unger (ihr Vortrag hat ebenso einiges an Belächeln in einer bestimmten Sitzreihe ausgelöst, da sie im Bereich Insektenzucht forscht und arbeitet) für mich beängstigend. Einige Punkte möchte ich aus diesen Vorträgen zusammenfassen: Bis 2030 wird der Onlinehandel auf 30 Prozent zunehmen. Woher die Lebensmittel kommen, ist nicht mehr nachvollziehbar und es wird immer schwerer, das zu tun. Es wurde der Eindruck vermittelt, dass Einkaufen für den Menschen ein notwendiges Übel sei und ihm nur Zeit koste, womit mit einem „perfekten“ und zeitgenauen Lieferservice Abhilfe geschaffen werden kann. Denn der Einkauf über´s Internet spart eine ganze Menge Zeit – ha, wer´s glaubt, der soll. Aber diese Aussage ist in meinen Augen ein riesen Bledsinn, weil´s einfach nicht stimmt! Das Internet stiehlt uns unterm Strich mehr Zeit, als uns lieb ist. Der Einzelhandel wird zunehmend verschwinden und der Onlineriese wird das Zepter flächendeckend übernehmen. Alle anderen Sparten müssen darauf reagieren und ihr Angebot anpassen, weil die KundInnen das so wollen. Auffallend war auch, dass in keinster Weise die Nachteile dieser Entwicklungen angeführt/diskutiert wurden bzw. kein einziges Wort darüber verloren wurde, wie z. B. der Onlineriese seine Mitarbeiterinnen behandelt, um so günstig anbieten und kostenlos liefern zu können. Das ist vielleicht wirklich die Realität für Viele, aber nicht für mich! Und genau dagegen kämpfe ich an. Genau deswegen führe ich meinen Blog. Um nachhaltiger(e) Alternativen zum Mainstream aufzuzeigen. Um die Menschen vielleicht ein wenig zum Nachdenken zu bringen, was im Leben wirklich wichtig ist. Sie dazu zu bringen, ihr eigenes Tun und Handeln zu reflektieren und etwas über den Tellerrand zu blicken.

Feedback an mich

Auch ohne am Podium gesessen zu sein, war das Feedback ein Wahnsinn! Hier ein kleiner Auszug:

  • „Das hatte a Schneid! Das muss man sich trauen, so wie Sie das gemacht haben. Bitte behalten Sie sich das bei!“
  • „Sie waren der Hecht im Karpfenteich!“
  • „Mir hat es so getaugt, dass Sie der Wirtschaftskammer eine rein gewürgt haben. Das war nämlich nicht ohne.“
  • „Ihr Vortrag hat in diese Veranstaltung so richtig frischen Wind hinein gebracht. Sie haben auch den lautesten Applaus bekommen.“

Oh ja, es war gut 😀 Einige Menschen bedankten sich sogar bei mir für diesen Vortrag.

So geht´s (vielleicht) weiter

Interview

© verkehr/Moni Fellner

Gleich danach hab ich zwei Anfragen für weitere Vorträge bekommen (es steht in den Sternen, ob es tatsächlich etwas wird), zwei Interviews gegeben (bist du gscheit, das war die größte Herausforderung. Journalisten können schon fiese Fragen stellen und reden unglaublich schnell. Ich kann mich gar nicht mehr an mein Interview mit dem Fernsehsender erinnern…) und zahlreiche Visitenkarten zugesteckt bekommen. Es war für mich ein sehr erfolgreicher Abend und der ganze Stress der letzten Wochen hat sich wirklich ausgezahlt. Ernüchternd war für mich die Tatsache, dass das Publikum doch recht ungeduldig war und offenbar riesigen Hunger hatte. Nach den Vorträgen hat das erste Drittel (ok, das könnte jetzt leicht übertrieben sein, aber es waren mega viele) den Raum verlassen und sich über das Buffet her gemacht. Nach der Podiumsdiskussion war quasi das nächste Drittel draußen, womit die Nominierten des Pacemaker-Awards nur noch vor wenigen Menschen ihre tollen Unternehmen präsentieren konnten. Und all jene, die ausgeharrt haben, haben maximal noch ein Schinkenbrötchen erwischt. Für mich war das wieder ein wunderbares Zeichen dafür, wie „rücksichtsvoll“ die heutige Gesellschaft ist. Wie sehr darauf geachtet wird, vor allem wenn es etwas gratis gibt, dass alle vom Kuchen etwas abbekommen. Nämlich gar nicht. Und genau deshalb, arbeite ich so hart daran, ein Stückchen Veränderung zu schaffen. Auch wenn es nur im engeren Umfeld ist. Aber ich bin davon überzeugt, dass Harald Welzer damit recht hat, dass es 3 bis 5 Prozent der Bevölkerung braucht, um einen tiefgreifenden und nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel in Gang zu setzen. Mein Ziel ist es, diesen Wandel noch zu erleben!

Abschließend gibt es für all jene, die wissen möchten, worüber ich gesprochen habe, meinen Vortrag als pdf zum Download. Ein Video wird es auch irgendwann geben, aber das müssen wir noch etwas aufbereiten, da es leider ein paar Probleme mit dem Ton gab. Wenn es fertig ist, geht es online. Wann das sein wird, kann ich nicht sagen 😉 Und vielen lieben herzlichen Dank an dieser Stelle an: Babsi, Beate, Josef, Juan, Mama & Papa, Margret, Oliver und Simone! Vielen Dank für´s Dabeisein, Mitfiebern und Mitfilmen!

IIt´s easy being green – Just do it!

© Titelbild: verkehr/Moni Fellner

3 Gedanken zu “Nachlese Forum Green Logistics

    • Hi,
      das ist ganz und gar nicht aus dem Zusammenhang gerissen. Ich denke, sowas hat immer Platz 😉 Vielen Dank jeden Falls dafür!!

      Alles Liebe,
      Sabrina

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