ich mach es anders

Selbstversuch Woche 2: Erste Erfolge bei der alternativen Lebensmittelbeschaffung

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Woche 2 der alternativen Lebensmittelbeschaffung ist vorüber und obwohl ich einiges zu tun hatte, war ich nicht ganz untätig. Die Woche war generell ganz schön teuer, weil ich viel unterwegs war und mich meist mit den Menschen in einem Lokal getroffen habe. Zum Lebensmittelsammeln hatte ich wenig Zeit, aber wie schon im Titel angekündigt, hab ich doch etwas geschafft.

Ich als Obstretterin – Meine erste Pflücksession

Ein riesen Glücksgriff war am Sonntag in der „Recherchewoche“ unser Besuch im Schwimmbad. Wir lieben den Schotterteich in Guntramsdorf und haben dort unseren Tag verbracht. Gleich beim Suchen des Liegeplatzes sind mir diese unglaublich schönen, roten Früchte aufgefallen. Noch bevor ich mein Handtuch aufgebreitet hab, hab ich mir ein Kriacherl verkostet. Sei waren teilweise schon so reif, dass sie bereits vom Baum fielen. Das Interesse der Badegäste an ihnen war überraschend gering. Wir hatten unsere kleine Zotter-Kühltasche mit dabei, bepackt mit Äpfeln und Wasser. Diese wurde kurzerhand umfunktioniert und eine halbe Stunde vor der Heimfahrt begann ich, die bereits sehr reifen Kriacherl zu pflücken. Die, die noch nicht so weit waren, ließ ich natürlich hängen. Ich habe in dieser halben Stunde unglaubliche 4,1 kg geschafft. Am Abend habe ich meine Kindheit zurück geholt: ich habe seit über 15 Jahren wieder Marmelade gekocht.

Marmelade selber kochen

Früher hab ich meiner Mama beim Marmeladekochen immer geholfen. Im Erwachsenenalter hat es mich dann nie gereizt – bis zum Sonntag. Da wir zum Frühstück Marmelade essen, dachte ich mir, das wär jetzt eine gute Gelegenheit, unsere Marmelade selbst zu machen. Und los ging´s. Zwei Stunden haben wir die Kriacherl auslöst – eine besch..eidene Arbeit. Dann war es viel mehr Fruchtfleisch, als erwartet und wir hatten Mühe, ausreichend Gläser aufzutreiben. Zum Glück hatte ich meinen Kosmetikglas-Vorrat 😉 Beim Einkochen kämpfte ich dann mit dem Apfelpektin als Geliermittel und dem Agarve-Dicksaft zum Süßen.

Es war ein erster Versuch, denn von Kind auf kenne ich nur Marmelade mit Gelierzucker. Den wollten wir nicht, da wir die Marmelade weniger süß machen wollten. Preis gewinnt sie vermutlich keinen, aber ich bin ganz zufrieden damit. Immerhin haben wir jetzt mindestens einen Jahresvorrat an Marmelade.

Gekostet hat uns das: 0,5 Stunden pflücken, EUR 10,- für 100 g Apfelpektin, wovon ich für die ca. 3 kg Fruchtfleisch ca. 50 Gramm (ich hab mal mit 30 Gramm begonnen und dann nach Gefühl nach geschüttet) verwendet hab, ich hab also noch die Hälfte – heißt, ich hab EUR 5,- dafür gezahlt, 1 Zitrone, 1 kg Agarven-Dicksaft um EUR 7,99 und 3,5 Stunden Zeit, Schweiß und Nerven. Zu Beginn war ich mega motiviert, diese Marmelade zu machen. Nach einer Stunde Kerne auslösen schwand diese Motivation immer mehr. Zum Glück gesellte sich dann mein Schatz dazu und half mir bis zum Schluss. Sonst wäre ich anstatt bis 22:30 erst gegen Mitternacht mit allem fertig gewesen.

Ich vermute, die Marmeladekocherei und ich werden keine dicken Freundinnen. Aber wie sagt mensch so schön: was noch nicht ist, kann ja noch werden 😉 Und ich bin froh, dass sie etwas geworden ist. Alles andere wäre zu frustrierend und ließe keinen weiteren Versuch zu. Das nächste Mal nehm ich aber Marillen oder ein anderes Obst, bei dem es nicht so mühsam ist, die Kerne heraus zu bekommen.

Mein erster Besuch bei einem Fairteiler

Ich renne ja ständig mit der Liste der Wiener Fairteiler rum. Letzte Woche hatte ich leider keine Zeit bzw. war nach meinen Terminen schon mit Zeugs voll bepackt oder mega müde, um einem Fairteiler noch einen Besuch abzustatten. Aber diese Woche hatte ich bis jetzt zwei Termine, die sich mit einem Besuch bei einem Fairteiler in der Nähe gut kombinieren ließen. Am Montag war ich war in der Nähe vom Salon am Park und checkte davor zum Glück noch die Website des Bioladens, denn die haben montags geschlossen. Also kein Glück. Am Donnerstag hatte ich dann meine zweite Chance. Ich war im 6. und 7. Bezirk unterwegs und konnte somit zwei Fairteiler auf meiner Liste „abgrasen“.

Im ersten Geschäft, Maran Vegan in der Stumpergasse in 1060 Wien, ging ich mit leeren Händen wieder hinaus, denn: den Fairteiler gibt es nicht mehr. Laut einer Mitarbeiterin hat das Konzept nicht funktioniert. Die Menschen wollten hauptsächlich Lebensmittel abholen, aber kaum jemand legte Essen hinein. Deshalb die Konsequenz: weg damit. Also ging es weiter zur nächsten Adresse in der Siebensterngasse zum Siebensterncafé. Ich habe eine Mitarbeiterin nach dem Fairteiler gefragt und siehe da: es gab ihn und er war voll mit Gemüse, Schlagobers und Melonen. Mein Herz ging auf. Zucchini, Champignons und ein Stück Melone packte ich ein und ging wieder. Vor allem über die Biochampignons hab ich mich mega gefreut.

Im Siebensterncafé wurde ich gefragt, als ich von meinem Versuch erzählt und nachgefragt habe, ob ich ein Foto machen darf, ob ich nun gar nicht mehr einkaufen gehe. Dies verneinte ich, denn wie die Ausbeute zeigt, schafft mensch nie und nimmer den gesamten Einkauf über den Fairteiler. Milchprodukte sind vermutlich kaum zu haben, Brot, Trockenwaren sowie Nudeln oder Reis, Eingelegtes und Eingemachtes wird vermutlich auch schwer zu bekommen sein. Denn nur wenige bieten, soweit ich es heraufgefunden habe, neben dem Kühlschrank auch ein Regal an. Wie es um die Qualität der von mir geretteten Lebensmittel steht, verrate ich euch in meinem nächsten Beitrag.

Wahrscheinlich doch dumpstern

Im letzten Beitrag hab ich dumpstern für mich ja ziemlich ausgeschlossen. Jedoch hatte ich in der Zwischenzeit ein sehr nette Begegnung mit Alexandra, einer erfahrenen Dumpsterin. Sie konnte mich doch wieder etwas dafür begeistern und ich hab sie gebeten, sich bei mir zu melden, wenn sie wieder mit ihrem Mitbewohner, der angeblich einer der coolsten Dumpsterer ist, unterwegs ist. Vielleicht komm ich mit. Vermutlich, denn sie hat mir von den Mengen erzählt, die sie an Lebensmitteln aus den Mülltonnen gerettet haben und das ist einfach nur unglaublich. Sie war letztens 4 Tage lang mit Obst und Gemüse versorgt und hätte noch viel mehr mitnehmen können.

Weitere Möglichkeiten

Plattformen

Seit meinem letzten Beitrag wurde ich noch auf die Plattform mundraub.org aufmerksam gemacht. Sie funktioniert ähnlich wie die fruchtfliege.crowdmap.com und bietet ebenfalls öffentlich zugängliche Sträucher und Bäume in der Stadt mit Obst an, das gepflückt werden möchte. Außerdem kann zusätzlich nach Aktionen, Kräuter, Gruppen und Mostereien gesucht werden. Nach einem kurzen Test ist diese Seite ansprechender und userfreundlicher gestaltet, als die fruchtfliege-Seite, aber ich sage das mit Vorbehalt. Ich muss mich erst weiter „rein“ arbeiten, um Genaueres sagen zu können. Beziehungsweise tendiere ich sehr stark dazu, einfach mit offenen Augen durch die Stadt zu schlendern und immer ein Behältnis mit zu haben, dass ich  nehmen kann, sollte ich fündig werden.

Denn noch immer stell ich mir das gezielte Anfahren (sofern überhaupt möglich mit der veröffentlichten Standortangabe) mühsam vor. Ich möchte nicht alles planen müssen, da ich ohnehin schon ein so verplanter Mensch bin. Auf foodsharing.at habe ich weiterhin mein Glück versucht, da ja letzte Woche die Kirschen verlockend gewesen wären. Leider funktioniert in 95 Prozent der Fälle die Kartenanzeige und somit die Suchfunktion nicht.

Urbanes Garteln in der Nachbarschaft

Vor einiger Zeit habe ich das Gartel-Projekt im Sonnwendviertel, in dem ich wohne, entdeckt. Es gibt seit April des heurigen Jahres ein Gartenlabor, in dem ausprobiert wird, bevor nächstes Jahr der große Gartelbereich im Helmut-Zilk-Park entsteht. Es schaut jetzt schon sehr toll und vielversprechend aus und ich wäre gerne Teil davon. Die Schwierigkeit bisher: die Treffen fanden nachmittags statt. Für Vollzeitbeschäftigte also so gut wie unmöglich, davon Teil zu werden. Nun habe ich bis auf Weiteres Zeit, deshalb habe ich Anfang dieser Woche bei der Gebietsbetreuung nachgefragt, ob ich in das Projekt noch einsteigen kann. Falls nicht, hätte ich gern Infos dazu, wie es mit dem Projekt weiter geht. Mal schauen, ob und was zurück kommt.

 

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Urban Gardening in Graz (leider hab ich mein Foto vom Gartenlabor im Sonnwendviertel verschmissen 🙁

 

Mein Zwischenfazit

Obst pflücken ja, wenn ich zufällig etwas entdecke. Aber es werden keine 4 kg mehr werden, denn das können wir gar nicht verarbeiten und/oder essen. Kuchen backe ich nicht und werde auch nicht damit anfangen. Vielleicht lege ich noch etwas Kompott ein, mit Marmelade sind wir vorerst versorgt. Die Fairteiler gestalten sich als Herausforderung. Erstens muss ich sie gezielt anfahren bzw. einplanen, wenn ich irgendwo in der Nähe bin, denn in meiner Umgebung gibt es keinen. Die verschiedenen Öffnungszeiten fordern ebenfalls mein Planungsgeschick. Wie ich erfahren musste, gibt es offenbar einige auf der mir verfügbaren Liste gar nicht mehr und ich weiß nie, welche Lebensmittel ich dort vorfinde. Und das Dumpstern? Das wird sich ergeben oder auch nicht.

Gespart haben wir nun erst mal nur bei der Marmelade. Ein Glas mit 380 Gramm Marmelade aus unserem Biomarkt kostet uns EUR 6,30. Wir haben nun 10 Mal so viel Früchte verarbeitet und rechnen wir unsere Zeit nicht ein, haben wir ca. EUR 40,- bei Marmelade gespart. Mit Einrechnung der Zeit, wäre es ein Minusgeschäft. Deshalb: Marmelade darf schon einige Euros kosten, wenn sie per Hand und nicht mit der Maschine erzeugt wurde. Mein Gefühl sagt mir, dass wir bei weitem nicht so viel bei den Lebensmitteln einsparen werden können, wie von mir erhofft. Aber auch hier: was noch nicht ist, kann ja noch werden. Immerhin stehe ich ja noch am Beginn meines Projekts.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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