ich mach es anders

Selbstversuch Woche 1: Erste Herausforderungen bei der Organisation

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Im ersten Schritt, um Geld bei der Lebensmittelbeschaffung einzusparen, habe ich recherchiert, welche Möglichkeiten ich habe. Zu allererst habe ich meinen Account bei foodsharing.at wieder aktiviert bzw. mich an meine Zugangsdaten erinnert. Auf dieser Plattform können Menschen, die Essen verschenken möchten, sogenannte Einkaufskörbe mit den zu verschenkenden Lebensmitteln erstellen und jene, die das Essen haben möchten, danach suchen und mit dem/der SchenkerIn in Kontakt treten. Soweit die Theorie. In der Praxis bin ich auf drei Herausforderungen gestoßen:

  1. Die Kartenanzeige funktioniert nicht
  2. als sie kurz funktioniert hat, und ich in Wien nach zu verschenkenden Lebensmitteln gesucht habe, waren genau 2 Einkaufskörbe mit je einem Lebensmittel online
  3. diese beiden Einkaufskörbe waren kilometerweit voneinander entfernt

Bei einem zweiten Versuch, bei dem die Kartenanzeige funktioniert hat, waren 5 Essenskörbe für Wien online. Kirschen zum Selberpflücken, eine große Menge Brot von einem veganen Supermarkt, 2 Scheiben Toastbrot inkl. Thea und Rama, abgelaufene Teepackungen und abgelaufenen Bio-Folgemilch. Nr. 1 und 2 kämen für mich in Frage. Beim Brot müsste ich sofort aufspringen und los rasen, damit es nicht hart und trocken wird – das geht sich heut leider nicht aus, bei den Kirschen habe ich angebissen und den Anbieter angefragt, ob ich am Wochenende vorbei kommen kann. Es kam prompt die Antwort auf meine Anfrage. Leider war gestern die letzte Möglichkeit dazu, ist sich nicht ausgegangen.
Ich werde diese Plattform nutzen, vorausgesetzt, die Kartenanzeige funktioniert. Der riesen Nachteil: ich bin sowas vom Smartphone/Internet abhängig. Etwas uncool, dass ich gerade jetzt mein Fairphone 2 zum Austauschen zurück geschickt habe und ich wieder mit meinem uralten HTC mit Mini-Display rum renn. Aber es gibt weit Schlimmeres.

Obst zum Selberpflücken

Bei meiner Recherche bin ich auf eine weitere Plattform gestoßen, die sich sehr praktisch anhört: https://fruchtfliege.crowdmap.com. Hier sind Obstbäume auf öffentlichen Plätzen aufgelistet bzw. kann mensch auf der Startseite nach Bäumen gezielt suchen. Für Wien und Umgebung sind offiziell 1.944 Bäume erfasst, was ziemlich cool ist. Jetzt sind grad die Marillen dran, ich klick auf „Marille“ und bekomm in Wien 10 Marillenbäume zum Selberpflücken vorgeschlagen. Klingt mega cool und einfach, ist es aber nicht so ganz. Denn leider gibt es nicht immer eine Adresse oder eine Beschreibung eines ungefähren Standorts, sondern nur eine Gasse und eine Baumnummer. Ich muss also noch heraus finden, wie ich diese Bäume finde. Das Unpraktische auf der Website ist zusätzlich, dass die Seite „Hilfe“ nur einen Fehlercode ausspuckt, ich also nicht nachlesen kann, wie fruchtfliege genau funktioniert. Auch einige Buttons funktionieren nicht, um auf der Seite gemütlich hin und her zu navigieren.

Zumindest funktioniert die Zoom-Funktion, was das Ausmachen der Bäume in unserer Umgebung wesentlich einfacher macht. Mal schauen, was ich so alles entdecke 😀 Aber auch hier gilt: ich bin zu 100% vom Internet abhängig, außer ich druck mir alle Bäume aus. Das könnte aber zu einer Vollzeitbeschäftigung für die kommenden Monate ausarten.

Fairteiler

Was relativ einfach war, war die Liste der Fairteiler in Wien ausfindig zu machen. Auf der fb-Seite von foodsharing.at gibt´s eine aktuelle Liste. Diejenigen, die relativ zentral liegen und somit für mich recht einfach zu erreichen sind, habe ich mir mit Standort und Öffnungszeiten in mein Blogbuch geschrieben. Die kommenden Tage werde ich die ersten besuchen und bin schon gespannt, womit sie befüllt sind. Was ich zuvor noch unbedingt ablegen muss, ist das Schamgefühl, dass ich wo rein spazier und mir gratis einfach etwas nehme, ohne dafür etwas hinein zu legen oder zu bezahlen. Das wird vermutlich die größte Herausforderung für mich. Was total positiv ist: hier bin ich nicht von Internet & Co. abhängig, ich weiß aber auch nicht, was ich bekomme.

Dumpstern

Das Dumpstern, ja, das würd ich gern ausprobieren und hab auch dazu recherchiert und einige Erlebnisberichte gelesen. Ich werd es wohl bleiben lassen, obwohl es in meinen Augen die wichtigste Form des Lebensmittelrettens ist. Das große ABER: mit Postler- oder Generalschlüssel geht´s in die Müllräume und das ist ein Schritt zu weit für mich. Ich betrete unbefugt Räumlichkeiten, wo ich als Externe nicht hinein darf. Zu so einem Schlüssel würd ich schon kommen, aber mein Engelchen schreit 1.000 Mal lauter „Lass es sein!“, als mein Bengelchen „Geh rein!“. Das mag jetzt kleinlich und feig klingen und sich vielleicht blöd anhören, aber ich wurde so erzogen, genau solche Dinge nicht zu machen. Es würde mir absolut nicht gut gehen dabei. Ich wär nervös, gestresst und hätte mega Schiss erwischt zu werden. Vermutlich müsste ich mich vor lauter Adrenalin nach jeder Tour hinlegen, um wieder zu mir zu kommen.

Hört sich nach einem langweiligen Leben an? Ja vielleicht, aber meinen Nerven geht´s damit besser. Vielleicht ergibt sich doch die Gelegenheit, es auszuprobieren. Ich bräuchte dafür jedoch eine Vertrauensperson, die sich in der Szene auskennt. Mal schauen… Aber Dumpstern steht im Rahmen meines Selbstversuches nicht an erster Stelle. Auch wenn ich mich nicht trau – ich finde es total klasse, dass es Menschen gibt, die es tun und damit aufzeigen, wie abartig unsere Wegwerfgesellschaft ist.

Direkt vom Bauern/der Bäuerin

Das einfachste bei dem ganzen Experiment ist, Obst und Gemüse direkt vom Bauern zu beziehen. Das schaffen wir mit dem Gemüsekistl vom Bio-Gemüsehof Hopf, das wir nun das 2. Jahr beziehen und damit auch nicht aufhören werden. EUR 14,- kosten uns mehrere Kilo Bio-Gemüse und das ist voll in Ordnung. Wir werden es uns weiter leisten. Von einer Bekannten bekam ich den Tipp, dass es am Karmelitermarkt Bauern mit Ware 2. Wahl gibt, die mensch auch günstiger bekommt. Obwohl mir der Karmelitermarkt viel zu groß ist, werde ich einen Versuch wagen. Am besten gleich in der Früh, damit mich die Menschenmassen nicht überrumpeln.

So viel nun mal zu meinem ersten Bericht und Eindruck von der ganzen Sache. Im Laufe der Woche werde ich sehen, was ich alles geschafft habe und ob mein Plan aufgeht. Eine Herausforderung habe ich nämlich zusätzlich zu meistern – leider ein altes Leiden: die Zeit. Ich bin diese Woche Montag bis Donnerstag bereits vollkommen mit Terminen verplant. Und am Wochenende ist ein Besuch in der Steiermark angesagt. Aber es gibt ja noch den Freitag 😀

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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  • Hallo! Gratuliere, weiter so! So wie den eigenen Lebensmittelhändler, sollte man auch die frequentierte Mülltonne und die frei erntbaren Bäume natürlich gut kennenlernen… Klar ist es am besten wenn die Orte in d Nähe, oder am Weg (in Uni, od Arbeit,…) liegen. Das erfordert oft einen längeren Beobachtungszeitraum und Aufwand bei der „Eingewöhnung“. Zum frei ernten check auch mundraub.org ! Jetzt sind auch Maulbeeren reif (überraschend viele in Wien) und bald gibts Brombeeren (zB am Donaukanal).
    Zum Dumpstern: Kann Deine Hemmschwelle verstehen, obwohl Schlüssel hat heut eh schon jeder (werbemitttel)Willi. Ich selbst dumpstere bei einem Billa in meiner Nähe, dessen Tonne frei zugänglich im Hinterhof steht. Unpackbare Mengen, reicht für 3-4 Familien… Auf der FB-Seite Wiener Dumpstern (8.500 Mitglieder!!!) werden immer wieder Abholangebote eingestellt. Selbst versorge ich regelmäßig 2 Abholer mehrmals die Woche mit Lebensmitteln (für mich nur vegan)… Also: da ist noch Luft nach oben 😉 Like!

    • Hallo Stephan!

      Vielen Dank für deine Inputs, die ich mir genauer anschauen und einfließen lasse. Danke auch für die Erinnerung an mundraub, davon hab ich schon mal gelesen, ist aber wieder von meinem Radar verschwunden.

      LG Sabrina

  • Es ist interessant, dass ei dir in Wien so viele Sachen gibt. Da zieht man schnell den Vergleich zur eigenen Stadt.
    Und da muss ich sagen, dass es bei dir nicht so schlecht aus sieht. Von Bäumen habe ich noch nie etwas gehört. Auch fairtailer kenne ich nicht. Auch Produkte vom Bauernhof, die nichts kosten, kenne ich nicht.
    Das wäre interessant zu wissen, ob es so etwas auch bei mir hat. Bezweifle es, aber vielleicht entdecke ich etwas anderes.
    Wie hast du denn gesucht?

    • Hallo Eva! Beim Bauern gibt es das Gemüse 2. Wahl günstiger, aber nicht gratis. Was ich aber weiß: wenn im Marchfeld geerntet wird, bleibt oft viel am Feld liegen und das können sich die Leute dann selbst und gratis „einsammeln“. Das werden wir im Herbst vielleicht machen. Ich kenne Foodsharing schon lange und bin auch schon länger. Bin durch meine Blogarbeit und mein social media-Netzwerk darauf gestoßen. Auch dumpstern war mir schon ein Begriff. Das mit den Bäumen habe ich bei meiner Recherche im Internet entdeckt und ich lese immer wieder von solchen Initiativen in Nachhaltigkeitszeitschriften bzw. auf deren Blogs oder social media Kanälen.

      Liebe Grüße und viel Erfolg beim Finden solcher Konzepte in deiner Umgebung. Da wirst du bestimmt fündig!

      LG Sabrina

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