Tourismus um jeden Preis? Für mich nicht!

Reisen ist heutzutage ziemlich einfach. Rein ins Flugzeug – Tickets gibt´s zu Schleuderpreisen – und ab in die Ferne. Cocktail am Stand schlürfen, Abenteuerurlaub im Dschungel, Kreuzfahrt am Nil – alles kein Problem, ein paar Klicks genügen. Aber hat diese Form des Reisens Zukunft, wenn wir bedenken, dass der besagte Klimawandel für immer mehr Menschen zur Realität wird? Ist es gerechtfertigt, sich wie ein unzivilisierter Haufen zu benehmen, weil im Urlaubsziel einen eh keiner kennt oder bauchfrei und im Minirock durch Städte muslimisch geprägter Länder zu spazieren, weil es so heiß ist? Tourismus bringt vielen Ländern ein Einkommen, das die Menschen vor Ort zum Überleben benötigen, deshalb sind sie auf viele TouristInnen angewiesen. Aber sollen sie wirklich um jeden Preis ins Land geholt werden? Darf mit dem Argument des notwendigen Einkommens der Ausverkauf des Landes und der Kultur stattfinden und die damit einhergehende Umweltzerstörung und -verschmutzung legitimieret werden? Ich sage nein, denn jeder Mensch hat Respekt verdient und wir haben nur einen Planeten und dem Menschen als intelligentes Wesen (er behauptet zumindest von sich selbst, das zu sein) sei geraten, alles daran zu setzen, die Funktionalität dieses Planeten noch möglichst lange aufrecht zu erhalten. Durch den heranschreitenden Klimawandel werden bald die ersten Inseln im Meer verschwinden, es ist also schon viertel nach zwölf und nicht erst fünf vor zwölf. Aber was kann jede/r Einzelne dagegen tun?

Eine Form, um persönlich einen kleinen Teil dazu beizutragen, ist nachhaltig zu reisen. Aber was macht meine Reise nachhaltig und fair?

Die Auswahl des Urlaubsziels

Soll es nach Übersee gehen oder „reicht“ ein Urlaub innerhalb Europas oder gar im eigenen Bundesland? Das ist die Frage aller Fragen. Je nachdem, ob es ein Strand-, Wander-, Wellness- oder Abenteuerurlaub, eine Städtereise oder von jedem ein bisschen etwas werden soll, wird die Wahl getroffen. Die Entscheidung ist zum Beispiel nachhaltig, wenn die Wahl nicht auf die großen Tourismuszentren fällt. Oft gibt es wenige Kilometer entfernt die netteren Plätzchen und du unterstützt damit oftmals strukturschwächere Regionen. Zum Beispiel liegt 20 Autominuten von Barcelona entfernt das wunderschöne Biohotel Mas Salagros, übrigens das einzige Biohotel Spaniens.

Die Art der Anreise

Aus der Wahl des Ziels ergibt sich die Art der Anreise. Für unsere Umwelt ist jener Flug der beste, der nicht stattfindet, sagt der Postwachstumsökonom Nico Paech. Nun gibt es Ziele, die nur mittels Flugzeug erreichbar sind, aber viele Ziele innerhalb Europas machen die Anreise mit dem uns so vertrauten PKW genau so möglich wie die Bahn, der Bus oder gar das Fahrrad. Ein Rom-Aufenthalt mit Anreise per Nachtzug bringt bestimmt so einiges an Aufregung und Erfahrungen mit sich. Und dabei ist nicht zu vergessen, dass die meisten von uns zwei gesunde Beine besitzen.

Die Wahl der Unterkunft

Der ökologische Fußabdruck eines 4-Sterne Hotels ist wesentlich höher als der einer kleinen Familienpension oder eines Campingplatzes. Und ehrlich gesagt: das riesige Hotel mit All-Inclusive-Angebot und eigenem Supermarkt sowie Frisör ist dazu auch noch unpersönlich und langweilig. Auch die Regionalwirtschaft hat davon kaum einen Vorteil, da oftmals der ausländische Mutterkonzern alle Fäden zieht und Bestellungen z. B. zentral organisiert werden. Im Gegensatz dazu, gehört man im kleinen Familienhotel gleich zur Familie, wird in die Traditionen eingeführt, erfährt jede Menge Insidertipps und sichert der Familie ein (Über)Leben und Unabhängigkeit. Und auch das Essen ist meist viel besser, als der Hotelkettenfraß.

Der Aufenthalt

Beim Aufenthalt im Zielland umfasst Nachhaltigkeit nicht nur den Umgang mit den vorhandenen Ressourcen, sondern auch den Umgang mit den Einheimischen, deren Kultur(en) und Religion(en). Ein Tempel, der von TouristInnen gestürmt wird, macht es den Einheimischen unmöglich, dort ihre Gebete zu sprechen oder Rituale auszuüben. In Stockholm ein Bier zu bestellen, indem man über den ganzen Tisch „Pivo“ zum Kellner brüllt oder bauchfrei und im Minirock durch eine muslimische Stadt zu spazieren gehört nicht zum guten Benehmen von TouristInnen. Es sollten zumindest die wichtigsten Begriffe in der Landessprache erlernt werden, vorausgesetzt die Worte sind aussprechbar (beim Slowakischen bin ich gescheitert), die Bekleidung sollte dem Land bzw. der Religion angepasst werden und Ressourcen, wie z. B. Wasser, sollten nicht verschwendet werden. Das klingt jetzt zwar nach erhobenem Zeigefinger, aber ich denke, das ist das Mindeste, was TouristInnen tun können, um dem Zielland und seinen BewohnerInnen respektvoll zu begegnen. Und schließlich sollte man sich im Gastgeberland so benehmen, wie man es sich von TouristInnen im eigenen Land erwartet.

Kompromisse sind oft unumgänglich, aber mit der richtigen Entscheidung geben wir unserem Planeten eine Chance. Du hast es in der Hand!

*Diesen Beitrag habe ich im Rahmen des Bloggerwettbewerbs zum Thema „FairReisen und die Welt entdecken“, ausgerufen von tourism_LOG in Zusammenarbeit mit respect eingereicht. Leider hat es nicht gereicht. Ich hab natürlich rück gefragt warum und habe immerhin folgende recht ausführliche Rückmeldung erhalten:

Die Kriterien für die Gewinnerauswahl bezogen sich vor allem auf die in der Ausschreibung angegebenen Themen: Reisen mit Respekt, Tourismus und Regionalentwicklung und Tourismus und Umwelt. Uns hat vor allem gefallen, dass Ihr Artikel alle drei Aspekte mitaufnimmt. Allerdings kam es an einigen Stellen leider zu Verallgemeinerungen, die so nicht 100%ig zutreffen. So sind zum Beispiel große Resorts mit Pool und Golfplatz sicherlich problematisch – aber es lässt sich nicht pauschal sagen ob Familienbetriebe eine bessere Umweltbilanz haben und sozial verträglicher sind. Natürlich gibt es gerade bei Hotelketten und Ferienresorts viele schwarze Schafe. Aber gerade große Ketten und/oder Luxushotels haben durch die finanziellen Möglichkeiten und internen Strukturen oft gut durchdachte Nachhaltigkeitsmanagementsysteme, die teilweise schon zertifiziert sind. Was die sozialen Aspekte angeht, so unterstützen Familienbetriebe zwar die Familie und lokale Strukturen; aber auch größere Hotels gehen immer mehr dazu über z.B. regional einzukaufen. Trotzdem stellt Ihr Artikel viele Aspekte richtig und vor allem kritisch dar!

Natürlich muss ich hier nun eine kurze Stellungnahme dazu los werden: Vielen herzlichen Dank für das Feedback, denn nur so kann ich besser werden. Jedoch ist es schwierig, bei max. 5.000 Zeichen alles so detailliert auszuführen, dass es zu keinen Verallgemeinerungen kommt. Dass ich im Nachhinein nun feststellen musste, dass die Siegerbeiträge sich nicht an die maximale Zeichenanzahl gehalten haben schmerzt. Mit 5.089 Zeichen hab ich mich echt bemüht, sehr nah dran zu sein und habe es auch nicht geschafft. Aber für mich macht es einen Unterschied, ob ich 5.089 oder über 6.000 Zeichen tippe. So, jetzt hab ich meinem Unmut Luft gemacht und das nächste Mal pfeif ich auch auf die Vorgaben, denn damit kommt mensch offenbar weiter, mit Ehrlichkeit nicht. Und ja, ich glaube, der Beitrag war ihnen etwas zu „flapsig“, aber ich schreibe nun mal meine Beiträge aus dem Bauch heraus 😉

It´s easy being green – Just do it!

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