100 Punkte Tag für Tag – Buchvorstellung und Gewinnspiel

Thomas Weber, Herausgeber von BIORAMA – Magazin für nachhaltigen Lebensstil und The Gap hat sein zweites Buch heraus gebracht 100 Punkte Tag für Tag. Es bietet, ebenso wie sein erstes Ein guter Tag hat 100 Punkte Anregungen, deinen Tag möglichst nachhaltig zu gestalten und den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten. Natürlich sind beide Exemplare ein Fixbestandteil meiner kleinen Bibliothek und ich möchte euch heute dieses Büchlein – wie er selber nennt – schmackhaft machen, da wieder zahlreiche tolle Ideen, Anregungen und Initiativen darin zu finden sind, die mich begeistern. Er orientiert sich auch diesmal wieder an dem Konzept der vorarlbergerisch-schweizerischen Initiative EinguterTag.org, in dem ein Punktesystem entwickelt wird, um den ökologischen Fußabdruck zu berechnen, bewusst zu machen und zu verbessern. 100 Punkte sind das tägliche Budget und eine für alle Menschen verträgliche Lebensweise.

Der Inhalt

Wundervolle Anregungen, wie zum Beispiel „Lass den Zucker mitgehen“, wenn du ihn im Kaffeehaus nicht konsumierst, „Hack die Thujen klein“ da sie kaum Lebensraum bieten, „Miete ein Huhn“, um zu testen, ob du für die Hühnerhaltung geeignet bist (Anm. SH: die Haltung von Hühnern ist angeblich auch auf einem Balkon möglich, grenzt für mich jedoch schon sehr an Tierquälerei), „Werde Bürgermeisterin“ um in der (Regional)Politik wirklich etwas zu bewegen, „Pflanz Feigen“ (ich wusste nicht, dass das so einfach ist) oder „Teile eine Kuh“ (die Kuh wird erst geschlachtet, wenn alle Teile verkauft sind) sind einige Beispiele, die für mich theoretisch einfach umzusetzen wären. Ok, das mit der BürgermeisterIn muss mensch sich gut überlegen 😉 Jedoch gibt es für mich diesmal auch einige, für mich persönlich etwas zu abstrakte Beispiele, um sie selbst auszuprobieren. Das wäre einmal „Flute deinen Keller“ – hier geht es um Aquaponic, ganz genau darum, sich Fische in einem Bottich zu halten und zeitgleich Gemüse zu ziehen, indem die Pflanzen sich die Nährstoffe aus dem „Teich“ holen. Oder „Reiß das Styropor aus der Fassade“, indem er auf nachhaltiges Bauen aufmerksam macht. Theoretisch großartig, in der Praxis etwas schwer umzusetzen, vor allem, wenn mensch nicht über das dafür notwendige „Kleingeld“ verfügt. Ich habe darüber auch schon mit meinem Bruder diskutiert, der gerade das Projekt „Hausbauen“ vor Augen hat und sich z. B. über das richtige und möglichst nachhaltige Dämmen Gedanken macht. Alles natürlich im Rahmen des verfügbaren Budgets. Auch das Kapitel „Segle nach Amerika“ klingt fantastisch, kann mensch es sich leisten, mehrere Wochen auf einem Segelschiff zu verbringen und mitzuarbeiten, das fair gehandelte Güter transportiert und dafür auch noch Geld von den Mitarbeitenden benötigt, um überleben zu können.

Meine Lieblingsstellen

Ganz besonders die Kapitel „Löffle Haselherzen“, „Grill nicht nur die Henne, sondern auch den Hahn“, „Kauf bio, nicht regional“ und „Lass deine Sklaven frei“ haben es mir angetan. Denn hier spricht er für mich sehr wesentliche Dinge an und zeigt extreme Missstände auf. Im ersten Fall geht es um die Palmölproduktion und Bio-Palmöl. Mir persönlich war indirekt bewusst, dass Bio-Palmöl nicht wirklich die bessere Alternative zu konventionell produziertem Palmöl ist, jedoch hat mir dieses Kapitel es so richtig vor Augen geführt. Ausgenommen davon sind natürlich Produktionen aus kleinen Familienbetrieben. Im Kapitel rund um Huhn und Hahn zeigt er den Missstand der männlichen Kükentötung auf, die mit unserem Eierkonsum in Zusammenhang steht und zeigt verschiedene Initiativen auf, um dieses sinnlose Töten endlich zu stoppen. „Kauf bio, nicht regional“ hat meinen persönlichen Horizont wesentlich erweitert, da ich immer wieder vor der Frage stehe, was besser ist: bio oder regional, wobei ich eine Kombination von bio, regional und saisonal bevorzuge, es jedoch nicht immer durch ziehe. Im Kapitel „Lass deine Sklaven frei“ verweist er auf die Idee des fairen Handels und vor allem auf die Initiative slaveryfootprint.org, wo jede/r anhand ihres/seines eigenen Lebensstils, seiner/ihrer Produkte und Nahrungsmittel die Zahl der „eigenen“ Sklaven ausrechnen kann. Denn unsere Geräte wie Smartphone, Laptop oder Fernseher als auch viele unserer Nahrungsmittel werden unter widrigsten Arbeitsbedingungen erzeugt.

Werbung inklusive

Das Kapitel „Bestell Soda“ liest sich für mich wie eine große Werbeanzeige für einen großen Hersteller, DEN EINEN Hersteller eines Gerätes, um selbst Soda erzeugen zu können. Im hinteren Teil des Kapitels zeigt Thomas Weber jedoch auch Kleinstunternehmen in Österreich auf, die noch immer Soda produzieren, obwohl sich dieser Wirtschaftszweig kaum noch rechnet. Da ich selbst kaum Soda trinke, hätte ich auf dieses eine Kapitel verzichten können. Sein Hinweis, Wasser aus der Leitung zu trinken, ist dagegen wieder umso wichtiger, da es ausreichend Menschen in unseren Breitengraden gibt, die abgefülltes Wasser in PET-Flaschen kaufen. Total unnütz, da Wasser in Österreich eine tolle Qualität hat.

Thomas Weber und Onlineshopping

Das Kapitel über Onlineshopping spaltet die LeserInnen. Mensch muss es ganz zu Ende lesen, um es nicht falsch zu verstehen. Eine Bekannte von mir hat mir, bevor ich das Buch gelesen habe, erzählt, dass sie in diesem Bereich so rein gar nicht mit Thomas Weber übereinstimmt. Ich dachte an das „übliche“ Onlinshopping, was die Menschen betreiben – so mit Schnellstversand bei den Onlineriesen und war im ersten Moment leicht schockiert darüber, dass Thomas solche Tipps tatsächlich abgeben würde. Als ich jedoch das Kapitel zu Ende gelesen hatte, verstand ich seine Beweggründe, dieses Thema aufzugreifen immerhin etwas. Warum? Weil er ein Thema „unserer“ Zeit, nämlich das Onlineshopping, anspricht. Ein ganz wichtiges Thema, denn immer mehr Menschen bestellen online, immer mehr Unternehmen springen auf diesen Zug auf, jene die es nicht tun, machen oft dicht. Er plädiert jedoch für entschleunigtes Onlineshopping zum Beispiel beim/der BuchhändlerIn in der Region. Denn immer mehr kleine Geschäfte lassen Bestellungen per Fahrradbotendienst zustellen, im städtischen Raum zumindest. Und eine Bestellung dort unterstützt die Regionalwirtschaft, unterstützt den/die kleine/n Händler/in von nebenan, um im Wahnsinn des schnellen Onlineshoppings zu überleben. Thomas rät komplett von Prime-Angeboten oder ähnlichem ab, da diese in keinstem Fall nachhaltig sein können. Denn wenn es schnell gehen muss, kann nicht gewartet werden, bis der Wagen mit Paketen voll ist, da wird dein Paket auch separat zugestellt, was ein ökologisches Desaster ist. Meine Bekannte hätte gerne gehabt, dass er von Onlineshopping abrät und zum Shopping direkt beim Händler / bei der Händlerin rät. Das wäre auch mein Wunsch, jedoch ist die Realität eine andere und insofern finde ich es doch gut, dass er auch dieses Thema aufgreift und sinnvolle Anregungen dafür gibt, es anders und zumindest ein wenig nachhaltiger zu tun.

Sehr gut hat mir seine Einleitung gefallen, denn dort schreibt er:

Im Grunde ist es ganz einfach: Dieses Büchlein soll zum Nachmachen animieren, dich zum Weiterdenken anregen und insgesamt inspirieren. Deshalb freue ich mich auch über Widerspruch, über deine Einwände und weiterführenden Gedanken. Denn keiner von uns hat die Wahrheit gepachtet, auch ich nicht. Und allein wäre die Sache ohnehin aussichtslos.

Das liest sich für mich durch und durch ehrlich, was Thomas Weber für mich, obwohl er nur eine facebook-Bekanntschaft ist (ich hoffe, das ändert sich bald), äußerst sympathisch macht. So, und irgendwie habe ich das Buch nun von hinten aufgerollt…, aber egal.

Mein Fazit

Das Buch ist amüsant zu lesen, obwohl es einen sehr ernsten Hintergrund behandelt, bietet tolle Anregungen und lässt darüber staunen, welch tolle Konzepte es gibt. Unglaublich und wunderschön, dass es so viele IdealistInnen gibt, die an eine bessere Welt glauben, unsere Welt besser machen möchten und alles dafür tun, um dies irgendwann einmal zu erreichen. Deshalb meine Empfehlung: 100 Punkte Tag für Tag ist es allemal wert, gelesen zu werden. Ich hoffe, ich habe dein Interesse geweckt, obwohl ich mehr Inhalt preis gegeben habe, als viele anderen Rezessionen und ich hoffe auch, dass du nun Lust bekommen hast, bei meinem Gewinnspiel mit zu machen, denn:

es gibt 1 Exemplar des Buches 100 Punkte Tag für Tag von Thomas Weber, erschienen im Residenz Verlag, diese Woche auf meinem Blog zu gewinnen.* Gewinnspiel ist beendet!!

Teilnahmebedingungen:

Schreibe mir im Kommentarfeld oder auf facebook zum Beitrag, was für dich persönlich Nachhaltigkeit bedeutet und zwar ab jetzt bis zum 08.04.2016, 23:59. Unter allen TeilnehmerInnen, versendet wird innerhalb Österreichs, Deutschlands und der Schweiz, wird der/die Gewinner/in am 09.04.2016 gezogen und anschließend schriftlich verständigt. Eine Barablöse ist nicht möglich. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Vielen Dank allen TeilnehmerInnen! Ich gratuliere recht herzlich dem lieben Hans!

*Vielen Dank an dieser Stelle an den Residenz Verlag, der mir das Exemplar für die Verlosung gratis zur Verfügung gestellt hat!

100 Punkte Tag für Tag

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

10 Gedanken zu “100 Punkte Tag für Tag – Buchvorstellung und Gewinnspiel

  1. Nachhaltigkeit ist für mich unter anderem die Verschwendung von Lebensmitteln zu vermeiden. Es ärgert mich immer irrsinnig wenn ich wieder und wieder in Zeitungen etc lese wieviel in der Produktion, in den Märkten und dann noch von den Endverbrauchern entsorgt statt gegessen wird. Das ist nämlich das Gegenteil von Nachhaltigkeit.

  2. Servus Sabrina,

    Nachhaltigkeit wird mittlerweile in so vielen verschiedenen Kontexten verwendet und nicht alle haben mit einer nachhaltig fairen Lebensweise zu tun – sogar Banken investieren „nachhaltig“ in eher böse Dinge.

    Ich habe mal einen schönen Begriff gelesen der auch meine Gedanken zum Thema Nachhaltigkeit bündelt: „Enkelgerecht“. Also wenn ich so lebe, dass meine Enkel damit zufrieden sind, dann ist das für mich nachhaltig.
    Dann habe ich versucht – trotz allem Lifestyle und den gesellschaftlichen Zwängen, denen jede Generation unterliegt – ein paar Dinge besser zu machen und vor allem ein viele schlechte Dinge nicht zu machen oder ich habe mir zumindest Wege überlegt, sie ANDERS zu machen.

    Sicher werde ich die Welt nicht heilen aber Probleme lassen sich bekanntlich nicht mit den selben Mitteln lösen, wie sie entstanden sind.
    Darum ist Nachhaltigkeit auch, sich viele neue Wege zu überlegen Dinge ANDERS zu machen.

    Viele Grüße,
    Hans

    • Servus Hans,
      genau deshalb habe ich diese Frage für mein Gewinnspiel ausgewählt. Der Begriff der Nachhaltigkeit wird oft „einfach so“ verwendet, mir ist es jedoch wichtig, dass jedeR für sich selbst nachdenkt, was er wirklich (für sich) bedeutet. Ich habe auch fest gestellt, dass es vielen auch gar nicht so leicht fällt, es in Worte zu fassen 😉
      Vielen Dank für dein Teilnahme! Und wenn es viele ANDERS machen, dann schaffen wir gemeinsam etwas 😀

      Liebe Grüße
      Sabrina

  3. Nachhaltig bedeutet für mich, genau abzuwägen, was meine Kauf- und sonstigen Entscheidungen für die Zukunft bewirken, auch wenn das oft ganz schön schwierig ist. Beim täglichen Einkauf (Biogurke in Plastikfolie aus Spanien oder gespritzte Gurke aus Österreich?), noch viel wichtiger aber beim Wohnen (7 Personen in einer schlecht eingeteilten Altbauwohnung ist nicht so angenehm wie in einem Haus auf dem Land, da braucht man dann aber mindestens 2 Autos,…), bei der Erziehung,…
    Ich bemühe mich darum, bin auch froh über Blogs wie diesen, die oft die eigene „Recherche“ erleichtern und würde mich sehr über das Buch freuen!

  4. Nachhaltigkeit bedeutet für mich zusammengefasst, dass die Menschen später auch noch etwas davon haben., dass wir darauf achten, Ressourcen nicht zu verschwenden und ein vertretbares Gleichgewicht zu finden, zwischen dem, was der Mensch „braucht“ und dem, was der Natur schadet.

    Natürlich bin ich kein Experte darin und weiß auch, dass ich noch einiges für mich selbst optimieren könnte. Deswegen würde ich mich sehr über das Buch freuen um mich davon inspirieren zu lassen. ^.^

  5. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, unsere Umwelt und unsere Gesellschaft in einem guten Zustand an die nächsten Generationen zu übergeben. Dazu ist es nötig, reflektiert zu leben und die Auswirkungen der eigenen Entscheidungen zu hinterfragen.

  6. Hallo Sabrina!

    Gar nicht so einfach Deine Frage. Was bedeutet für mich Nachhaltigkeit? Den Begriff zu definieren, fällt mir schwer, zu viele Aspekte spielen da hinein.

    Mir persönlich geht es darum, dass ich der Umwelt so wenig Schaden wie möglich zufüge, d.h. mit den Ressourcen achtsam umgehe und nicht mehr verbrauche, als nachwächst sowie möglichst wenig Müll produziere und mich für die soziale Gerechtigkeit einsetze (Stichwort Ausbeutung von Menschen bzw. fairtrade).

    Ich möchte, dass meine Kinder auch noch eine lebenswerte Umwelt vorfinden, aber vor allem auch meine noch nicht geborenen Enkelkinder in eine schöne Welt hinein geboren werden können.

    Deshalb habe ich in den letzten Jahren meine ökologischen Fußabdruck reduziert und versuche auch andere Menschen dazu anzuregen, ihr Verhalten zu hinterfragen.

    lg
    Maria

  7. Hallo,
    das ist echt gar nicht so einfach. Nachhaltigkeit bedeutet für mich, dass ich versuche nicht mehr zu verbrauchen als ich auch zurückgeben kann oder als sich selbst regenerieren kann. Dass ich nicht auf Kosten der nächsten Generation lebe könnte man vielleicht vereinfacht sagen.
    Viele Grüße, die Alex

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