Deocreme selbst gemacht

Ich war ziemlich schockiert, als ich Mitte Februar herausgefunden hatte, dass im Kaolin oder der weißen Tonerde, eine Aluminiumverbindung steckt. Genauer gesagt handelt es sich um Aluminiumsilikate, die sich in meinen Cremedeos befinden. Ich fing an im Netz zu recherchieren, habe bei Ponyhütchen um eine Stellungnahme gebeten und mir diese schlussendlich von der Apothekerin meines Vertrauens bestätigen lassen: Aluminiumsilikate sind nicht gefährlich, da sie im Gestein, dem Kaolit, gebunden sind und nicht herausgelöst werden können. Durch Wasser nicht und durch Schweiß nicht, sondern einzig und allein durch chemisches Zeugs. Trotzdem hab ich im Schockzustand sofort beschlossen, mein eigenes Deo zu machen. Ohne Kaolin, weil ich erst jetzt weiß, dass es unbedenklich ist, aber im nächsten Durchlauf trau ich mich bestimmt, auch etwas Kaolin dazu zu mischen. [Edit 19.06.2017: Weil mein Rezept so gut funktioniert, hab ich beschlossen, das weiterhin ohne Kaolin anzurühren.]

Meine zweite Recherche beschäftigte sich mit dem Inhaltsstoff Zinkoxid. Hört sich ja auch irgendwie giftig an, ist es aber zum Glück nicht. Bei Zinkoxid handelt es sich um weißes Pulver, das auch für Deckweiß verwendet wird. Ihm werden folgende Eigenschaften zugeschrieben: entzündungshemmend, adstringierend, reizlindernd, antimikrobiell, austrocknend, UV-Schutz-Pigment. Und die Fähigkeit austrocknend eignet sich toll für ein Deo, denn das Schwitzen soll ja eingedämmt werden. Der positive Nebeneffekt: unser Körper und vor allem unsere Haut benötigt Zink, deshalb ist es, wie bei vielen anderen Stoffen auch, nur in enorm großen Mengen ungesund.

So, nachdem ich das fertig recherchiert hatte, habe ich mich auf die Suche nach geeigneten Deorezepten gemacht. Ehrlich gesagt bin ich von der Rezeptur des Ponyhütchen-Deos ziemlich angetan und habe es als Inspiration hergenommen. Im Netz habe ich weitere zwei Rezepte gefunden, die mir sympathisch waren. Einmal eines mit Kokosöl, Natron und Stärke, und ein zweites, etwas aufwändigeres mit Natron, Zinkoxid, Kokosöl, Mandelöl und Sheabutter. Zu beiden kann mensch noch nach Belieben einige Tropfen ätherisches Öl beimengen. So, diese beiden Rezepte gemeinsam ergeben fast die Rezeptur von Ponyhütchen, Sonnenblumenöl fehlte noch. Und Parfum, aber darauf hab ich ohnehin keinen Bock – ätherisches Öl reicht vollkommen aus. Ich habe mich nun also hingesetzt, die Zutatenliste zusammengefasst, dann die Mengenangaben überlegt und somit meine eigene Rezeptur gebastelt, die wie folgt aussieht:

Zutaten

DIY Cremedeo

  • 4 TL Natron (aus dem Reformhaus)
  • 2 TL Zinkoxid (aus der Apotheke)
  • 1 TL Bio-Stärke (Mais-, Weizen- oder Kartoffelstärke. Ich habe Kartoffelstärke verwendet, weil ich sie gerade daheim rum stehen hatte)
  • 4 TL Bio-Kokosnussöl (gibt´s im Reformhaus, Bioladen und mittlerweile auch schon in Supermärkten)
  • 3 TL Bio-Sheabutter (gibt´s in der Apotheke und muss meist bestellt werden)
  • 3 TL Bio-Sonnenblumenöl
  • 2 TL Bio-Macadamianussöl (z. B. von der Ölmühle Fandler)
  • 10 Tropfen ätherisches Lavendelöl

Das alles ergibt ca. 100 ml Deocreme, mit der mensch eine halbe Ewigkeit auskommt.

Abrühren

Zuerst werden die trockenen Zutaten (Natron, Stärke und Zinkoxid) gesiebt und vermischt. Gleichzeitig habe ich ein Wasserbad für die anderen Zutaten vorbereitet. Sheabutter darf nicht zu stark erhitzt werden, da sie sonst ihre Fähigkeit wieder fest zu werden, verliert.

Im nächsten Schritt habe ich alle öligen Zutaten (Kokosnussöl, Sheabutter, Sonnenblumen- und Macadamianussöl) in ein feuerfestes Glas gegeben und im warmen Wasserbad (das Wasser hat nicht mehr gekocht und ich habe es kurz etwas abkühlen lassen) geschmolzen und danach verrührt.

Abgefüllt

Tiegel mit Abfülldatum

Bei Schritt Nr. 3 werden die trockenen Zutaten nun in das Ölgemisch gerührt. Anschließend habe ich noch den Tipp befolgt, das Ganze 5 Minuten mit dem Mörser zu bearbeiten, damit das Pulver schön fein wird. Zuletzt wird die Deocreme abgefüllt, ich habe hierfür einen Tiegel aus der Apotheke gewählt, Gläser eignen sich jedoch genau so gut, und diesen zum Abkühlen in den Kühlschrank gestellt. Zwischendurch habe ich die Masse immer wieder umgerührt, damit sich das Pulver nicht absetzt. Nach ca. 20 Minuten beginnt die Masse zu stocken und wird fest. Du brauchst zum Abrühren ca. 20 Minuten und dann noch einmal 20 Minuten zum Auskühlen. Oder du lässt es bei Zimmertemperatur auskühlen, dann dauert es länger, bis es fest wird. Was auch ganz wichtig ist, ist den Tiegel mit Inhalt und Datum zu beschriften (am besten mit einem Sticker), damit mensch weiß, was drin ist und auch, ab wann das Produkt hinüber ist. Obwohl bei Naturkosmetik kann mensch sich eigentlich auf seine/ihre Nase verlassen. Die Öle riechen nämlich ranzig, wenn sie nicht mehr fit sind. Aber wenn du auf Nummer sicher gehen möchtest, schreib das Abfülldatum, als auch das mögliche Ablaufdatum hin. Beim Deo weiß ich jetzt nicht ganz genau, wie lange es hält, aber ich gehe mal von 2 bis 3 Monaten aus.

Ergebnis

DIY Deocreme

Cremedeo

Das Ergebnis kann sich meiner Meinung nach sehen lassen. Für meinen ersten Selbstversuch bin ich sehr happy mit der schneeweißen Deocreme. Sie lässt sich super auftragen und riecht unglaublich gut. Macadamianussöl mit Lavendelöl ist seit diesem Deo mein absoluter Duft-Kombi-Favorit! Das Deo könnte eventuell noch etwas mehr Sheabutter vertragen, da es doch eher weich ist und im Hochsommer vermutlich flüssig wird. Auf dem Finger schmilzt es schon jetzt recht rasch. Durch die Öle ist es ziemlich ölig, hier kannst du je nach Belieben etwas weniger dazu geben. Auch habe ich daran gedacht, das nächste Mal ca. 1 Gramm Bienenwachs hinzuzugeben, damit es etwas fester wird oder eben ich schaffe es, durch die Zugabe von Kaolin, dass die Konsistenz noch etwas fester wird. Mal gucken. Und eventuell ist zu bekriteln, dass das Pulvergemisch nicht soooo fein wie erwünscht ist. Ich habe überlegt, die Masse vielleicht das nächste Mal mit dem Mixer aufzuschäumen, damit es, wie die Body-Sheabutter, etwas fluffiger wird. Eine Idee, wie ich das Pulver noch feiner hinbekomme, hab ich noch nicht.

deocreme-selbstgemacht-glastiegel

DIY Deocreme im schönen Glastiegel mit Buchenholzdeckel

Anwendung

Aufgetragen wird es wie alle anderen Deocremes, nämlich mit der Fingerspitze. Du brauchst nur ganz wenig davon entnehmen und schmierst dir das Deo einfach mit dem Finger unter die angefeuchteten Achseln, damit der besagte Peelingeffekt des Natrons ausbleibt, es sich auflöst und somit seine volle Wirkung entfalten kann. Es lässt sich sehr gut auftragen und zieht megaschnell ein. Es bekämpft auf jeden Fall den Schweißgeruch, denn auch nach stressigen und somit schwitzlastigen Tagen dufte ich am Abend unter den Achseln immer noch recht gut. Was es nicht wirklich unterdrückt ist das Schwitzen selbst. Was auch noch positiv zu erwähnen ist: es hinterlässt bei korrekter Anwendung keine weißen Flecken auf schwarzer Kleidung, was ich mir aufgrund seiner Pulverkörner nicht gedacht hätte. Wenn du zu viel nimmst, kann es sein, dass du am Abend weiße Stellen unter deinen Achseln entdeckst. Hört sich jetzt schlimmer an, als es ist. Einfach das nächste Mal dann weniger nehmen.

Wirkstoffe

Das Zinkoxid hat eine trocknende Eigenschaft, trocknet die Haut aber nicht stark aus. Es verstopft die Poren nicht und wirkt antiseptisch. Dadurch haben jene Bakterien, die den Schweißgeruch verursachen keine Chance.
Natron neutralisiert ebenfalls den Schweißgeruch und hat eine leicht antibakterielle Wirkung.
Stärke „verkleistert“ die Konsistenz, ist also ein reiner Hilfsstoff.
Das Kokosnussöl hat antiseptische Eigenschaften und enthält antivirale sowie  antimykotische Wirkstoffe. Durch den Schmelzpunkt ab ca. 25 Grad Celsius dient es im Deo auch als Konsistenzgeber.
Sheabutter dient einerseits als Konsitenzgeber, jedoch beinhaltet sie einen hohe Anteil an Triterpenen, Ölsäure, Triterpenalkoholen, Vitamin E, Beta-Karotin und Allantoin und wirkt pflegend vor allem bei trockener Haut. Somit wirkt sie der austrocknenden Wirkung des Zinkoxids entgegen und deine Achseln sollten sich weich und gepflegt anfühlen. Ebenfalls hilft sie unter anderem gegen Juckreiz und wird auch bei Neurodermitis angewendet.
Sonnenblumenöl ist für alle Hauttypen geeignet und ehrlich gesagt habe ich es in Kosmetik viel lieber, als im Essen. Irgendwie schmeckt mir Sonnenblumenöl nicht besonders. Durch seinen hohen Gehalt an Linolsäure und eher niedrigen Anteil an gesättigten Fettsäuren ist es ein leichtes und mild pflegendes Öl mit entzündungshemmender Eigenschaft.
Im Gegensatz dazu ist Macadamianussöl eher für trockene, spröde und leicht entzündliche Haut geeignet. Der hohe Anteil an Palmitoleinsäure (über 20%) ähnelt dem Fettsäurespektrum unserer Haut, weshalb es bestens für Kosmetik geeignet ist. Es zieht rasch in die Haut ein und lässt sich aber auch gut auf ihr auftragen. Und Mensch, riecht das gut! Ich habe zuvor noch nie Macadamianussöl gegessen oder gerochen.

Vorteile

Neben dem bereits erwähnten Vorteil, dass ich ganz genau weiß, was im Deo drin ist, hat ein selbst gemachtes Deo unter anderem den großen Vorteil der Müllvermeidung, vorausgesetzt, ich wähle zukünftig nette Gläser, denn die Plastiktiegel von der Apotheke sollten nicht in meinem Mindset sein. Aber sie sind extrem praktisch, wenn ich mal nicht die passende Glasgröße zu Hause rum liegen habe.
Selbst gemachte Kosmetik, finde ich jedenfalls, ist auch ein super nettes Geschenk für Familie, Freunde und Bekannte.

It´s easy being green – Just do it!

Dieser Beitrag ist auch auf einfachnachhaltigbesserleben.blogspot.de zu finden.

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

4 Gedanken zu “Deocreme selbst gemacht

  1. Hallo Sabrina!

    Ich bewundere Dich wie experimentierfreudig Du bist! Gleich als erstes ein Rezept selbst zu erstellen finde ich sehr beeindruckend.

    Selbst bin ich mit meiner minimalischen Variante mit Natron, Stärke und Kokosöl nach wie vor sehr zufrieden. Ist so sparsam, weil ich es so selten verwende, dass ich noch immer genug habe.

    Danke fürs Teilen in der FB-Gruppe von EiNaB – hättest Du Lust, den Beitrag auch zur Linkparty zu verlinken? Sie findet gerad bei Zora (foolfashion) statt.

    Finde ich jedenfalls total super, dass Du nun auch Deo selbst „braust“.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria!
      Ist ja nicht so, dass ich mir das Rezept aus den Fingern gesaugt habe, aber bin schon ein wenig stolz drauf, dass es gleich geklappt hat. Hab es grad zum Testen an einige Leute verschenkt und bin schon auf die Rückmeldungen gespannt.
      Ja, danke, werde den Beitrag auch bei Zora verlinken.

      LG Sabrina

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