Biolebensmittel für Alle – #armeleuteessen

Biorama ist der Meinung, dass Biolebensmittel für alle leistbar sind ruft auf, lebend am Existenzminimum sich gesund und nachhaltig zu ernähren. Ist das möglich oder ist Bio nur etwas für BesserverdienerInnen? Ich habe mir dazu meine Gedanken gemacht.

Bio-Fisch

Bio-Fisch am Biomarkt

Persönlich kaufen wir primär am Biomarkt oder im -laden und nur in Notfällen im Supermarkt unsere Biolebensmittel. Da wir getrennte Konten haben und uns die Lebenserhaltungskosten teilen, habe ich einen ziemlich guten Überblick darüber, wie viel Geld wir für Lebensmittel ausgeben. Das sind pro Monat rund EUR 450,- für einen Zwei-Personen-Haushalt. Vom Biomarkt kommen wir nie unter EUR 50,- weg, meist ist es etwas mehr, je nachdem, wie viel Lust wir gerade auf diesen wundervollen Käse haben, der ganz schön ins Geld geht. Aber auch Gemüse ist in Wiener Bioläden und auf -märkten nicht gerade ein Schnäppchen. Ist es anders, also billiger möglich?

Mithilfe alternativer Lebensmittelbeschaffung meine ich ja

Meine Theorie lautet, dass mit Subsitenz, alternativer Lebensmittelbeschaffung (dazu genauer weiter unten) und Einkauf bei Diskontern es sehr wohl  möglich ist, sich mit Biolebensmitteln zu ernähren, auch wenn das Einkommen gerade so zum Leben reicht. Aber ganz ehrlich: es ist mühsam und herausfordernd. Ich habe selbst einige Zeit mit dem Gedanken gespielt, ein Selbsterntefeld anzumieten, bin davon jedoch aufgrund von Zeitmangel wieder abgekommen. Unser aktuelles Projekt, um den Direktkontakt mit den ProduzentInnen zu haben, also um zu wissen, wo unser Essen her kommt und wie es angebaut und geerntet wird, ist die Mitgliedschaft bei einer FoodCoop, die in den Städten seit einigen Jahren wie die Schwammerl aus dem Boden schießen. Ob wir uns damit tatsächlich Geld sparen, können wir jedoch nicht sagen. Nun noch kurz zu der von mir erwähnten, alternativen Lebensmittelbeschaffung: damit meine ich zum Beispiel das Dumpstern.

Beim Dumpstern werden von Supermärkten entsorgte Lebensmittel aus dem Müll geholt. Ich habe es selbst noch nie probiert, möchte jedoch einmal den Versuch wagen. Herausfordernd ist das Dumpstern bestimmt, wenn mensch sich rein auf Biolebensmittel konzentriert, was aber auch nicht Sinn der Sache ist. Denn hier gilt: alles was noch OK ist, wird gesammelt und verwertet. Und das ist mehr, als mensch sich vorstellen kann. Den Zeitaufwand stelle ich mir nicht ohne vor und es funktioniert, soweit ich informiert bin, am besten bei Nacht. Nix für mich, die ihren Schönheitsschlaf braucht, wie die Luft zum Atmen.

Eine weitere alternative Form ist das Foodsharing. Hier bin ich zwar seit einer kleinen Ewigkeit bei der Plattform angemeldet, jedoch habe ich auch diesen Versuch noch nie gewagt. Worum geht´s? Essen wird verschenkt und somit vor der Entsorgung gerettet. Über die Plattform kannst du nach Lebensmitteln suchen oder Lebensmittel, wo du weißt, dass du sie nicht essen wirst, online stellen und darauf hoffen, dass sich jemand meldet, der sie abholen möchte. In den größeren Städten gibt es bereits auch so genannte Fairteiler, das sind Regale oder/und kleine Kühlschränke, wo Menschen Lebensmittel hin bringen und andere sie sich abholen können. Auch beim Foodsharing liegt der Fokus nicht auf Biolebensmitteln sondern auf dem Verhindern von Lebensmittelverschwendung.

Zeit ist nötig

Es sind alles wunderbare Konzepte, die jedoch, meines Erachtens, ziemlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Beim Dumpstern muss mensch die Gepflogenheiten erst „erlernen“ – z. B. wissen, wo es was zu holen gibt, was ich mir nur vorstellen kann, wenn mensch Anschluss an die Community findet – bei der Foodsharingplattform und auch den Fairteilern ist eine Reise durch die halbe Stadt notwendig, wenn kein Fairteiler (in Form von Kühlschrank und Mensch) in der Nähe ist. Diese Formen der Lebensmittelbeschaffung sparen eine Menge Geld, jedoch kosten sie sehr viel Zeit.

Bio aus dem Supermarkt ist für mich selbst keine Option, denn der Bioanbau im großen Stil unterscheidet sich nur in Form der verwendeten oder eben nicht verwendeten Spritz- bzw. Futtermittel. Die Haltungsbedingungen bei Tieren ist minimal besser, was sehr gut im Buch Food Mafia nachzulesen ist. Das Buch hat mich sehr geprägt und mir die Augen bzgl. Biohaltung und -anbau im großen Stil. ganz schön geöffnet. Deshalb ist es mir wichtig, meine Produkte von kleinen ProduzentInnen zu beziehen, die ich im besten Fall persönlich kenne. Dieser Traum wird hoffentlich über die FoodCoop wahr.

Vorteile am Land

Menschen auf dem Land, mit Haus und Garten, haben meiner Meinung nach, gegenüber den StädterInnen einen Vorteil, da die Subsistenzversorgung wesentlich einfacher, dennoch mit viel Arbeit verbunden, ist. Wir bekommen von meiner lieben Schwiegermama oft frisches Gemüse oder Obst mit – alles aus dem eigenen Garten vor der Haustüre. Die Kosten dafür: Saatgut (im besten Fall vom Vorjahr), viel Schweiß, Arbeit und Liebe am Hobby. In der Stadt sind meist lange Wege zurück zu legen, um in das ländliche Gebiet mit Feldern zum selber Ernten zu gelangen. Natürlich gibt es auch schon Urban Gardening, das wird zum Glück immer mehr, jedoch sind hier Grenzen gesetzt – flächentechnisch als auch anbautechnisch, da sich nicht alle Fleckchen perfekt für den Anbau von eigenem Gemüse eignen, da zu schattig etc. Und ja, auch das habe ich noch nicht versucht, da es noch kein Projekt in unserer Nähe gibt.

Dahin geht mein Weg

Du merkst schon, mein Weg geht in Richtung: möglich, aber anstrengend. Dazu möchte ich noch einen letzten Aspekt einbringen: ohne zu wissen, wie es tatsächlich ist, am Existenzminimum zu leben (ich bin sehr dankbar dafür, diese Situation nicht zu kennen) behaupte ich, dass Personen, die am Ende des Geldes noch zu viel Monat übrig haben, andere Sorgen haben, als sich mit Biolebensmitteln ihren Bauch voll zu schlagen. Ich hatte FreundInnen, die in dieser Lage waren und das war echt heavy. Sie wussten nicht, wie sie ihre Miete bezahlten sollten, haben ihren Tieren zuerst zu essen gegeben und selbst Hunger gelitten, damit sich alles ausgeht, konnten keine Freizeitaktivitäten mit FreundInnen wahrnehmen, die mit Kosten verbunden waren, Essen gehen war ein Luxus, auch wenn es im Billigstlokal war. Bei diesen Sorgen würde ich auch nicht an Biolebensmittel denken, sondern mir Gedanken darüber machen, wie ich den nächsten Tag, die nächste Woche mit meinem Geld durch komme.

Fazit

Soweit meine Gedanken dazu. Ich finde es sehr toll, dass Biorama zum Selbstversuch aufruft und damit aufzeigt, dass es möglich ist, für Biolebensmittel nicht gleich sein ganzes Einkommen hinzublättern. Das rüttelt hoffentlich viele wach, die der Meinung sind, dass Bio sowieso immer teuer ist. Ist es oft, aber nicht immer. Es kommt darauf an, welches Biolebensmittel mensch haben möchte. Und weil ich Biolebensmittel von KleinstproduzentInnen bevorzuge und dafür einen fairen Preis bezahlen möchte, werde ich den Selbstversuch nicht machen. Falls du jedoch Lust hast, den Selbstversuch zu machen, freue ich mich über deinen Erfahrungsbericht!

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

5 Gedanken zu “Biolebensmittel für Alle – #armeleuteessen

  1. Hallo Sabrina!

    Ich habe das Buch „Arm aber Bio“ gelesen, wo es auch um einen Versuch dieser Art gegangen ist. Auch wenn mir das Buch nicht so gut gefallen hat, so ist doch heraus gekommen, dass es grundsätzlich schon funktioniert.

    Selbst habe ich auch eine zeitlang sehr genau Buch geführt, wie viel ich ausgegeben habe und wir haben zu zweit kaum mehr als 250,– Euro pro Monat für Bioernährung ausgegeben. Wir haben aber ganz sicher nicht schlecht gelebt!

    Es hängt viel davon ob, wie man sich ernährt und wie viel man selbst macht. Wenn man sehr fleischlastig lebt, dann kostet es natürlich mehr. Brot habe ich selbst gebacken mit frisch gemahlenem Biodinkel.

    Wer viel Fertigprodukte isst und wenig selbst kocht bzw. auf Convenience food zurück greift, muss automatisch mehr zahlen.

    Zu foodsharing – ich mache das nun seit fast 2 Jahren und finde es nicht sehr zeitaufwändig. Man kann sich das so gestalten, wie man es möchte. Wer öfter abholen geht braucht natürlich mehr Zeit. Aber man kann auch nur 1 x pro Woche abholen.

    Letzte Woche habe ich 1 x abgeholt, das war mit Wegzeit 1 Stunde Aufwand und ich habe Biolebensmittel für ca. 3 Tage bekommen (also nicht ausschließlich, aber Gemüse für 6 Hauptmahlzeiten). (Nur damit kein Missverständnis aufkommt, die 250,– Euro oben sind OHNE Foodsharing und OHNE Dumpstern).

    Ich gehe auch schon seit längerer Zeit dumpstern, das ist auch nicht extrem zeitaufwändig. 2 x pro Woche ca. 1 Stunde inkl. Wegzeit und Nachbereitung. Ich finde das hält sich in Grenzen damit.

    lg
    Maria

    • Liebe Maria!

      Vielen Dank für deinen Input und deinen Erfahrungsbericht bzgl. Dumpstern und Food Sharing.

      Beim Selbermachen liegt meine große Schwäche. Ich koche zwar irrsinnig gerne, aber beim Backen steig ich aus.

      Fertigprodukte kaufen wir keine (außer Tomatenmark) und Fleisch essen wir auch nicht. Bei uns ist es vor allem der Käse, der sehr ins Gewicht fällt. Und vermutlich hab ich die falschen Biomärkte im Visier, denn knappe € 5,- für das Kilo Zucchini oder Melanzani ist bestimmt kein Schnäppchen. Mal schauen, wie es mit der FoodCoop dann läuft.
      Foodsharing und Dumpstern behalte ich aber auf jeden Fall im Hinterkopf und irgendwann werde auch ich damit starten 😀

      LG Sabrina

      • Hallo Sabrina!

        Deiner Beschreibung entnehme ich, dass Du vermutlich abends eher kalt isst und von daher viel Brot und Käse kaufst. Das geht sehr ins Geld!

        Wir kochen am Abend auch immer warm, das ist viel günstiger und ich mag auch viel lieber warmes Essen, davon werde ich eher satt als von Brot und Käse.

        lg
        Maria

        • Nein, dem ist nicht so. Wir kochen im Schnitt mindestens 4-5 Mal die Woche am Abend. Wenn ich jedoch unter Woche länger unterwegs bin, gibt’s mal Jause für uns beide oder nur für meinen Freund, wenn ich auswärts esse. Wir sind jedoch beide sehr „starke“ Esser. Letztens sind wir mit ca. 1 kg Käse ca. 1,5 Wochen ausgekommen.

          LG Sabrina

          • Hallo Sabrina!

            Oh – ja das ist schon viel, unser Verbrauch ist da deutlich geringer.

            Liegt vielleicht auch daran, dass Herr Widerstand am liebsten ein süßes Frühstück hat.

            lg
            Maria

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