Fairphone 2 -Testbericht #1

Im Juli 2015 hab ich es bestellt, Mitte Jänner ist es nun endlich bei mir eingetroffen: das Fairphone 2. Es kostet EUR 529,38 und obwohl ich mit dem Fairphone 1 (FP1) sehr zufrieden war, habe ich mich dazu entschlossen, mir die zweite Generation zu bestellen. Für das FP1 hab ich einen sehr guten Platz gefunden, wo es besonders gut und liebevoll betreut wird 😀 Ich hab nun über´s Wochenende mein nigelnagelneues, fair produziertes, Smartphone getestet und habe einen Testbericht für Ottilie und Otto NormalverbraucherIn (das schließt jetzt technikaffine Menschen eher aus, da ich technisch nicht so firm bin) getippselt. Ich hab mir sehr Mühe gegeben, nichts Wesentliches zu vergessen, aber falls doch noch Fragen auftauchen, einfach stellen.

Modularer Aufbau beim Fairphone 2 und über das Unternehmen Fairphone

DSC04423Das faire Smartphone ist modular aufgebaut, das heißt, es können alle Teile getauscht und repariert werden. Das Display lässt sich sogar ohne Schrauben vom Gehäuse trennen. Im Internet gibt es zahlreiche Foren und Tutorials, wo du zu all deinen Fragen die Antworten und Anleitungen findest.
Fairphone selbst betreibt einen Blog, auf dem du unter anderem Infos zur Produktion findest. Sie sind nach wie vor extrem transparent und das gefällt mir an ihnen so. Sie produzieren so fair wie möglich obwohl die globalen Handelsbedingungen eine faire Produktion so richtig schön schwer machen. Das Unternehmen weiß ganz genau, wo es Verbesserungsbedarf gibt und kommuniziert das auch. Wenn wir in der Geschichte der fairen Produkte zurück blicken, stellen wir fest, dass sich fair produzierte Produkte wie zum Beispiel Kaffee oder Bananen auch erst am Markt etablieren mussten und nun sind diese Produkte in fast allen Supermärkten verfügbar. Auch beim Fairphone wird das so sein, da bin ich mir sicher.

Das Unternehmen Fairphone sitzt in den Niederlanden und wurde 2013 gegründet. Die erste Tranche der 2. Generation wurde wieder mittels Crowdinvesting – wo ich diesmal dabei war – finanziert. 15.000 Telefone mussten im Voraus bestellt werden, um mit der Produktion beginnen zu können, über 17.000 wurden bereits bestellt und ich bin mir sicher, dass es noch mehr werden. Diesmal kann zwischen fünf verschiedenen Coverfarben – leuchtendes blau, transparent blau, schwarz, grautransparent oder transparent – gewählt werden. Ladekabel, Stecker oder ein Headset werden wieder nicht mitgeliefert, da der/die Käufer/in oftmals schon in deren Besitz sind.

Fiarphone 2 leicht zu starten

Es wird wieder ein kurzes Handbuch mitgeschickt, worin die wichtigsten Dinge erklärt sind. Das fand ich wieder super, denn fast all meine Fragen konnten damit beantwortet werden. Für alle anderen konnte ich Bekannte fragen, denn diesmal sind wir zu viert, die das neue Fairphone haben 😀 Denn ich hasse nichts mehr, wenn ich für irgendeine Bedienungsanleitung extra ins Netz einsteigen muss.

Technische Verbesserungen

Die wichtigsten technischen Errungenschaften lauten:

  • 5-inch Full HD LCD screen
  • Android™ 5.1 Lollipop
  • Dual SIM
  • 4G LTE, Wi-Fi and Bluetooth®
  • Qualcomm® quad core processor

Die Maincamera ist mit einem 8MP CMOS Sensor with Flash und einer Pixel Size von 1.4μm x 1.4μm wesentlich besser, als die Kamera beim FP1. Für mich reicht es vollkommen aus, obwohl es heutzutage angeblich schon weit bessere Handykameras gibt. Die Frontcamera löst nur mit 2 MPixel auf, aber da ich kein Fan von Selfies bin, ist mir das ziemlich egal. Mit 2 GByte Arbeitsspeicher und 32 GByte Speicher ist das Phone recht üppig ausgestattet und das erklärt unter anderem auch den höheren Preis, jedoch wird damit die Langlebigkeit gefördert, da es nicht so schnell zu einer Speicherknappheit kommt.

Der Prozessor ist ein Snapdragon 801 mit vier Kernen, der mit 2,26 GHz betrieben wird – übersetzt ein gehobeneres Chipsystem, das auch für z. B. Samsung Galaxy-Geräte verwendet wird, und ermöglicht bessere Features. Es können wieder 2 SIM-Karten zugleich verwendet werden, dafür braucht es zwei Micro-SIMs. Mein Anbieter hat das schon mitgedacht und ich habe einfach die Micro-SIM herausgebrochen. Nano-SIM wär auch noch möglich 😉 Weitere Infos zur Technik gibt´s auf der Website von Fairphone oder Utopia – die haben einen sehr detaillierten Bericht geschrieben.

Größe und Handhabung

In diversen Foren wird es als sperrig und klotzig beschrieben und ja, es ist ziemlich groß aber noch im für mich erträglichen Bereich. Für mich ist es jedoch perfekt, da ich mir beim Blogbeiträgeschreiben direkt am Handy wesentlich einfacher tu. Im Detail: die Abmessungen lauten 143 x 73 x 11 und es hat 168 Gramm.

FP_Vergleich

Größenvergleich FP2 (links) und FP1 (rechts)

 

Es liegt hervorragend in der Hand und die Kamera ist super im Vergleich zu jener von FP1. (Ach, ich freu mich so, dass ich keinen anderen Vergleich dazu hab – das macht es um einiges einfacher 😀 ). Das Display, mit einer Auflösung von 1920×1080 Pixel (mehr als beim iPhone 6 – HA!), ist um ein Vielfaches sensibler, als jenes der Generation 1, was bedeutet, dass kein verstärkter Druck beim Bedienen des Displays notwendig ist. Es kann jetzt also mit allen gewöhnlichen Smartphones locker mithalten. Das Backcover ist diesmal aus Kunststoff und hat eine Gummierung am Rand, die sich um das Gehäuse legt. Sie „fängt“ aber vielleicht das Telefon auf, wenn es mal runter plumpst.

Es ist mit 168 Gramm etwas leichter, als das FP1, obwohl es wesentlich größer ist. Und auch mit den Bedienen der Knöpfe an der Gehäuseaußenseite – Lautstärke, Kameraauslöser und der „Standby-Knopf“ – hab ich keinerlei Probleme.Was ich besonders schön finde: jedes Mal, wenn du dein Handy nicht bedienst, beginnt die Zeit zu laufen. Beim nächsten Entsperren der Tasten wird dir angezeigt, wann du das letzte Mal dein Handy benutzt hast. Ich find das so toll, weil damit bewusst gemacht wird, wie viel Zeit dem Handy gewidmet wird – oder auch nicht.

Ruhezeit

Mach mal Pause

 

Akku

Von der Akkulaufzeit war ich ob des großen Displays sehr überrascht. Ich bin mit einem vollen Akku gut 1,5 Tage ausgekommen. Für die technisch affinen Menschen unter euch: er hat eine Kapazität von 2420 mAh. Dazwischen war ich im Internet, hab Fotos gemacht und hing sogar im WLan. Und so sieht´s aus, wenn das abgeschaltete Smartphone aufgeladen wird:

FP2_Laden

Aufladen

Was ein bissl sperrig ist, ist das Herunterbekommen des Backcovers, denn das Gehäuse ist vom Backcover vollkommen umschlossen und es gibt keinerlei Einkerbungen, die dabei behilflich wären. Am besten beginnt mensch in einem Eck und arbeite dich langsam weiter und mit der Zeit leierst sich die Gummierung ganz leicht aus, was es einfacher werden lässt. Auch die SD-Karte lässt sich etwas schwer entfernen – bei mir ist sie durch´s halbe Büro geflogen. Aber wenn mal alles aufgesetzt und eingerichtet ist, rührt mensch die eh nicht mehr an und auch das Backcover muss nur im Notfall runter. Was das größte Manko für mich darstellt ist der Wecker. Der funktioniert nämlich leider nicht, wenn das Handy abgedreht ist und ich schalte mein Telefon am Abend normalerweise immer aus.

 

Abschließend bin ich noch einer Frage eines Interessenten nachgegangen, nämlich, ob es stimmt, dass das Fairphone außerhalb Europas nicht einsetzbar ist. Dazu habe ich in den AGBs von Fairphone folgenden Hinweis gefunden:

Wir weisen darauf hin, dass alle derzeit von uns angebotenen Fairphones 2 für Europa entwickelt wurden und demzufolge außerhalb dieser Länder möglicherweise nicht ordnungsgemäß funktionieren. Sie können unsere FAQs und Supportseiten zu Rate ziehen was dies bedeutet und welche Beschänkungen [sic!] außerhalb Europas bestehen.

Ich bin sehr selten im außereuropäischen Ausland, deshalb gehe ich diesem Thema (noch) nicht genauer nach. Wer es jedoch genauer wissen möchte: hier der Link zur FAQ dazu.

Hier ist das Fairphone zu haben

Fairphone2Erhältlich ist es hauptsächlich über den Fairphone-OnlineShop, aber ich hab auch schon gelesen, dass in Österreich z. B. T-mobile überlegt, Partner zu werden. In Deutschland sind Vireo und Fairmondo Vertriebspartner und haben das FP2 in ihrem Sortiment. Und was mich sehr gefreut hat: es wird in einer sehr hübschen Kartonschachtel geliefert 😀 Am Ende des Beitrags gibt´s noch die wundervolle Fotostrecke Unpacking Fairphone 2 von Christoph Strasser, die ich euch nicht vorenthalten möchte. Er war offensichtlich sehr viel geduldiger beim Auspacken seines Fairphones, als ich 😉

Was hältst du von einem fairen Smartphone? Alles Greenwashing oder ein guter Ansatz? Wenn du ein Fairphone hast: wie bist du damit zufrieden? Ich freu mich auf eure Kommentare!

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

9 Gedanken zu “Fairphone 2 -Testbericht #1

    • Hallo Christoph!
      Danke für dein Feedback. Ich hab mir diesmal extra viel Mühe gegeben 🙂
      Was ich noch hinzu fügen muss: im Vergleich zum FP1 schmiert das Display nicht so schnell ab 😀
      Bin schon gespannt, wie es sich dann beim ersten Fairphone-Update verhält. Da hatte ich letztens beim alten ein paar Problemchen.
      LG Sabrina

  1. Servus Sabrina,

    danke für den tollen Artikel – und für den ebenso tollen Blog 🙂

    Zum FP2 …

    Ich finde die Idee mit den Fairphone grundsätzlich gut. Ich stelle mir jetzt aber die Frage nach dem Sinn eines FP2 …

    Da doch die Einzelteile so schön herausnehmbar und modular austauschbar sind wäre es doch besser das FP1 so zu lassen wie es ist und nur die Einzelteile weiter zu entwickeln.

    – Ich brauche mehr Speicher – gut erweitern;
    – Ein anderer will eine bessere Kamera – gut die kann er updaten;
    – Wieder ein anderer will den besseren neuen Akku – dann nimmt er halt den.

    Was hältst Du von dem Ansatz?
    Dann könnte man das Basisprodukt viel länger verwenden …

    Viele Grüße,
    Hans

    • Servus Hans,
      vielen Dank für deinen tollen Denkansatz, bin da ganz bei dir.

      Aber ich befürchte ganz so einfach ist es in der Realität nicht.
      Ich bin leider ein kleines Technik-Nackerpatzel, jedoch glaube ich, dass dein Ansatz eben genau daran scheitert: es gibt so rasche Technikfortschritte (bei Apps, Prozessoren etc.), da können ältere Geräte nicht mehr mithalten. Und bei einem Gerät, das aus 100ten Teilen besteht und die alle zusammenarbeiten müssen, ist das Tauschen einzelner Teile dann, denke ich jedenfalls, nicht so easy. Für die Kamera muss die Grafikkarte richtig dimensioniert sein – bessere Kamera bedeutet also größere/bessere Grafikkarte, bessere Fotos brauchen mehr Speicherplatz etc. Das wäre vermutlich möglich, alles selbst zu machen, aber ich glaube, dass da auch 95% der FairphoneuserInnen w.o. geben würden. Es ist eben auch Bequemlichkeit.
      Und wir Menschen verlangen auch immer nach dem schnellsten, besten und im besten Fall auch modernsten Gerät. Trends verschwinden so schnell, wie sie gekommen sind.

      Und genau deswegen schaffen es die tollsten Ideen nicht – weil der Markt nicht da ist und reiner Idealismus leider niemanden ernähren kann.
      Das ist jedenfalls meine Einschätzung. Wie stehst du dazu?

      Alles Liebe,
      Sabrina

      • Du hast schon recht, dass, gerade auch durch Werbung suggeriert, immer wieder was Neues kommen soll. Und wenn es nur Design ist …

        Auf der anderen Seite wird immer klarer, dass Innovation nicht unbedingt auf Hardwareseite passiert aber gerade hier das Thema Ressourcen und Produktion stehen.

        Innovation wird durch Software und Services getrieben.

        Darum meine ich dass Modulsysteme hier schon punkten können.

        Schaung ma mal dann seng mas scho 🙂

        Viele Grüße,
        Hans

  2. Hallo Sabrina,

    kannst du eigentlich schon etwas sagen, wie die Fotoqualität beim Fairphone #2 ist? Mein iPhone scheint bald den Geist aufzugeben, und ich muss mir langsam Gedanken über ein neues Handy machen. Bei mir gab es vor 2 Jahren zwei gute Gründe, mir statt des Fairphone #1 ein iPhone anzuschaffen: Erstens die Kompartibilität mit meinen anderen Apple-Geräten (als Grafikerin komm ich um Apple nicht drum herum). Zweitens – und das war das Hauptargument – dass ich unterwegs jederzeit unkompliztiert fotografieren können wollte, zB meine Tochter auf dem Spielplatz, bei der Oma, im Tiergarten … und das in einer Qualität, die sich später ausdrucken und schön eingerahmt zu Weihnachten verschenken lässt. Wie schätzt du die Fotoqualität der zweiten Fairphone-Generation ein?

    Danke & LG Madelaine

    • Hallo Madelaine,

      also die Fotos werden wesentlich besser, als beim FP1, jedoch hab ich mir, ehrlich gesagt, ein bisschen mehr erwartet. Und mir kommt vor, dass es teilweise auch ziemlich lang zum Scharfstellen benötigt. Hier ein paar Zeilen aus einem Testbericht: „Die hintere 8-Megapixel-Kamera schießt bei guten Lichtbedingungen zufriedenstellende Bilder, kämpft im Dunkeln aber mit Bildrauschen und schwammigen Farbverläufen. Die Frontkamera lässt ob der betagten 2 Megapixel Schärfe und kräftige Farben vermissen.“ Ich kenn mich technisch leider nicht so gut aus, weshalb ich mich auf mein subjektives Empfinden verlassen muss. Du kannst aber auch gern unserer Fairphone2-Buddy Facebook-Gruppe beitreten und die Frage ins Forum stellen. Mehrere Erfahrungsberichte sind bestimmt besser, als nur einer 😉

      Liebe Grüße
      Sabrina

  3. Hallo Sabrina! Ich hab momentan noch das iPhone 4 – es gibt jedoch langsam den Geist auf.. Deshalb überlege ich nun, das Fairphone 2 zu kaufen. Da ich jedoch zuhause an einem Mac arbeite, frage ich mich, ob das gut zusammen passt. Hast Du da Erfahrungen? Danke! Nicole

    • Hallo Nicole!
      Leider habe ich keine Erfahrung bzgl. Mac, da ich Windows-Userin bin. Einen Tipp kann ich dir mittlerweile geben: Warte auf die 2. Generation vom FP2. Warum verrät dir mein morgiger Blogbericht.

      LG Sabrina

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