ich mach es anders

Adieu dem Ohnmachtsgefühl

logo-sonne

Vielen von euch geht es vermutlich, wie mir: so viel Elend, Leid, Terror, Krieg und Korruption auf dieser Welt gepaart mit, meinem Empfinden nach, gelähmter Politik, was ein Ohnmachtsgefühl auslöst. Mensch möchte etwas tun, möchte viel mehr tun als möglich ist und versinkt in einer tiefen Hilflosigkeit. Vor allem empathische Menschen wie mich nimmt das alles ziemlich mit und es kostet sehr viel Kraft, sich nicht hinunter ziehen zu lassen. Ich werde nun ein Experiment starten, bei dem ich hoffe, dass es wirkt. Denn jetzt ist es Zeit, auf mich zu schauen.

Im ersten Schritt habe ich meine Zeitung abbestellt, da es mir immer schwerer fällt eine Zeitung aufzuschlagen bzw. ich die Beiträge über Korruption, Terror, Krieg etc. nicht mal mehr überfliege – ich schaff es einfach nicht mehr, mich jeden Tag in der Früh aufs Neue zu frustrieren. Deshalb lebt ich seit heute das erste Mal seit Jahren zeitungslos. Wahrscheinlich hat die Aboabteilung mit meiner Begründung vermutlich die ungewöhnlichste aller jemals kommunizierten Begründungen erhalten. Ich hab ihnen nämlich die Wahrheit gesagt. Ich bin aktuell emotional nicht in der Lage eine Zeitung aufzuschlagen und Punkt. Nachrichten werde ich gelegentlich im Fernsehen und Radio verfolgen. Aber auch hier blende ich vieles einfach aus – ich bin offenbar nicht mehr für bad news aufnahmefähig.

Sollte etwas Schreckliches, wie z. B. der Terroranschlag in Paris, passieren, bekomme ich es mit. Mensch redet darüber oder liest es in den sozialen Medien, ich bin also nicht ganz weg von der Nachrichtenwelt. Mein einziges Informationsmedium bleibt das Südwind-Magazin, welches ich abonniert habe und einmal im Monat erhalte. Hier halten sich die positive und negative Berichterstattung, meiner Meinung nach, die Waage. Und es sind Themen, die mich sehr interessieren. Ich möchte mich zur Zeit nur mit schönen, interessanten und lustigen Dingen und Themen beschäftigen. Das mag jetzt vielleicht egoistisch rüber kommen, so als hätte ich kein Mitgefühl mit jenen Menschen, die so unglaublich viel Leid erfahren. Und das ist es vielleicht auch, aber ich muss mich jetzt gerade selber schützen, indem ich mich in meinem  Schneckenhaus verkrieche. Ich komm bestimmt wieder raus, nur wann, weiß ich noch nicht.

Die letzten Monate waren auch auf politischer Ebene für mich mehr als frustrierend. An manchen Tagen hätte ich am liebsten laut geschrien. Die Flüchtlingssituation hat alle überfordert, die Zivilgesellschaft hat es „gerichtet“, die Politik hat zugesehen und dampfgeplaudert. Es handelt sich um ein komplexes und schwieriges Thema, aber das was die österreichische Regierung und EU bis jetzt aufgeführt hat, war einfach nur zum Heulen. Es gibt noch immer keine Lösungen, sondern wenn, dann nur Lippenbekenntnisse. Wer tut, ist nach wie vor die Zivilgesellschaft und der geht bald die Luft aus. Auch im Bildungsbereich geht nix weiter, mensch liest täglich von Korruption, verschwendeten Geldern, Banken- und Firmenpleiten etc. An manchen Tagen habe ich das Gefühl, dass das politische System versagt hat – auf österreichischer Landes-, Bundes- und auf Europaebene. Stimmt aber nicht, denn sie plaudern und wurschteln sich immer noch munter weiter. Ich möchte mit keiner/keinem PolitikerIn dieser Welt tauschen, denn Politik kann ziemlich grauslich sein. Interne Machtkämpfe bestimmen die Tagesordnung – im Kleinen und im Großen, du musst deinen Kopf hinhalten, wenn etwas nicht funktioniert, wirst angespuckt, beschimpft und nur selten gelobt.

Was ich gelernt habe ist, dass mensch die Welt nicht als Gesamtes verändern kann. Damit wirst du nicht fertig, denn es gibt viel zu viele Baustellen und du versinkst wieder in einem Hilflosigkeitsgefühl der Sonderklasse. Was jedoch möglich ist, sind Veränderungen im kleinen Rahmen und jeder auch noch so kleine Erfolg ist einer. Ich werke und rühre also in meinem näheren Umfeld, rede und diskutiere über jene Dinge, die mir wichtig sind. Damit komm ich weiter und das bereichert mich. Alles andere wird jetzt mal bis auf Weiteres hinten angestellt. In diesem Sinne lass ich bald wieder die Sonne aufgehen und sage:

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

& KommentareHinterlasse einen Kommentar

  • Liebe Sabrina, das kann ich gut verstehen! Ich konsumiere schon lange keine Nachrichten mehr – zumindest nicht die herkömmlichen – und suche mir gezielt das heraus, was mich interessiert. Zum Glück gibt es immer mehr Medien, die sich auf lösungsorientierten Journalismus konzentrieren; darauf habe auch ich als Journalistin meinen Schwerpunkt gelegt. Wenn es dich interessiert, gibt es hier meine TEDX-Rede dazu: https://www.youtube.com/watch?v=8VTNQFSjhDM Alles Liebe, Susanne

  • Hallo Sabrina!

    Aus genau dem selben Grund habe ich bereits vor rund 17 Jahren mein Zeitungsabo abbestellt. Ehrlich! Ich habe damals festgestellt, dass ich total schreckhaft und ängstlich geworden bin und nur noch das schlechteste gedacht habe.

    Ich habe den Zusammenhang mit den Nachrichten in der Zeitung gesehen und zuerst aufgehört die Zeitung zu lesen und als ich merkte, dass es stimmt, habe ich sie ganz abbestellt.

    Schon seit über 18 Jahren lebe ich gut ohne tägliche Nachrichten. Wichtige Ereignisse habe ich noch nie verpasst.

    Mittlerweile habe ich auch seit 4 Jahren keinen Fernseher mehr. Das tut gut.

    lg
    Maria

    • Hallo Maria,

      das ist gut zu wissen. Die Zeitung gehörte so zu sagen bislang zu meinem Frühstück dazu und es gab nur sehr kurze Phasen, wo ich keine hatte. Jetzt bin ich mir aber sicher, dass ich keine mehr brauch und bin schon gespannt, ob ich in den nächsten Wochen „Entzugserscheinungen“ haben werde.

      Während meiner Studienzeit hatte ich auch 2 Jahre keinen Fernseher – da hab ich ordentlich was weiter gebracht 😉
      Nun wohn ich nicht mehr allein und die Entscheidung fiel auf pro Fernseher. Ich mach aber oft etwas anderes, wie z. B. bloggen nebenbei 😀

      LG Sabrina

  • Du sprichst mir aus der Seele. Ich bin hin und hergerissen zwischen Phasen der Abschottung, weil mir alles zu viel wird und es mir anfängt schlecht zu gehen, und starker Auseinandersetzung, weil ich nun mal so bin, dass ich mich interessiere, nachdenke, aktiv sein will. Schwierig finde ich vor allem, dass man ungefiltert unendlich viele Informationen aus dem Netz ziehen kann. Dadurch kann man sich selbst ganz schön irre machen, weil es ja auch unmöglich ist alle Informationen richtig einzuordnen (Relevanz, Wahrheitsgehalt, wer und welche Interessen stecken hinter einer Information…) vermag. LG

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: