ich mach es anders

Mein Erlebnis mit Airbnb

Airbnb ist bestimmt vielen von euch ein Begriff. Für all jene, die es nicht kennen: es handelt sich um eine Buchungsplattform, auf der mensch Zimmer und Wohnungen direkt von privat für seinen Urlaub anmietet. So jedenfalls die Grundidee. Airbnb schaffte es mittlerweile jedoch aus mehreren Gründen in die Schlagzeilen. Erstens wurde Airbnb zu einer starken Konkurrenz der Hotellerie, zweitens betreiben viele die Vermietung gewerblich, also regelmäßig, umgehen mit der Plattform jedoch die Notwendigkeit, ein Gewerbe dafür anzumelden und Steuern abzuführen. Das allergrößte Problem, das ich sehe, ist die Zerstörung des Wohnungsmarktes, da mit teuren Kurzvermietungen an TouristInnen höhere Gewinne abfallen, als bei einer Langzeitvermietung. Die Wohnungen stehen für den Wohnungsmarkt nicht mehr zur Verfügung und treiben die Mieten in die Höhe. Das kleinere Übel sind Berichte darüber, dass die Fotos in den Profilen mit den Tatsachen nicht überein stimmen, aber das ist bei Hotels oft auch so. Für Köln musste ein günstiges Quartier her, weshalb wir uns für Airbnb entschieden und wir wollten diese Alternative zu herkömmlichen Quartieren einmal ausprobieren. Wir waren zu dritt unterwegs und buchten ein Apartment für uns in bester Lage – nicht weit zum Hauptbahnhof, nicht weit zum Flughafen nicht weit zum Messegelände der fairgiods-Messe, die wir besuchten – und fieberten unserem Aufenthalt entgegen.

Fieberten, denn: der Gastgeber hat zwar in der vorgegebenen Zeit von drei Tagen bestätigt, dass wir in seinem Apartment nächtigen können, mit der Antwort auf meine Frage, wann wir denn den Schlüssel haben könnten, da wir mittels Nachtzug schon am Vormittag in Köln ankommen, ließ er sich Zeit. Diese Anfrage stellte ich ihm direkt über die Airbnb-Seite, weil ich damals seine Handynummer noch nicht entdeckt hatte. Zwei Wochen vergingen, nichts geschah. Dann versuchte ich es mit einem E-Mail an die angegebene E-Mailadresse in seinem Profil. Wieder geschah nichts. Eine Woche vor unserer Anreise schrieb ich ein SMS, eine Freundin aus Deutschland versuchte zeitgleich ihn anzurufen und siehe da, am Abend hatte ich die Info, dass das Apartment ca. um 15:00 zur Verfügung stehen würde. Ich hab natürlich gleich nach einem Treffpunkt für die Schlüsselübergabe rück gefragt und: wieder nichts.

Zwei Tage vor Anreise, schickte ich wieder ein SMS, ob denn 15:00 und Treffpunkt vorm Apartment nach wie vor fix wäre. Ich hab einfach so getan, als sei es fix, weil es mir schon zu blöd war und ich versuchte, zumindest so eine Info zu bekommen. Wieder: keine Rückmeldung. Am Folgetag, also am Tag vor der Anreise, schickte ich ihm in der Früh wieder ein SMS, mit der Frage, in es ein Problem gäbe, da er nicht auf meine Smsn reagiert. Und siehe da, sofort eine Rückmeldung, mit der Frage, wann wir denn anreisen. Da wurde mir ein wenig übel, denn dies zeigte, dass der Typ absolut keinen Überblick hatte. Meine Antwort folgte prompt. Ich erhielt die Info, dass sich der Schlüssel in einer Keybox befinde. OK gut, aber der Code?? Auf meine Nachfrage zum Code kam seine Rückmeldung: der sollte XXXX sein. SOLLTE??!!?? mein Bauchgefühl schrie immer lauter „nein, nein, nein!“, aber es war zu spät. Wie sollten wir einen Tag vor Anreise noch schnell eine Unterkunft her bekommen bzw. hatte ich keine Lust, um das Geld zu streiten, denn das war bereits von meiner Kreditkarte abgebucht. Und als ein positiver und idealistischer Haufen wie wir es sind, waren wir guter Dinge, dass trotz der mühsamen Kommunikation schlussendlich alles klappen würde. Ich klärte noch ab, ob der Gastgeber erreichbar ist, sollte der Code XXXX (ich hab ihn, wie er mir kommuniziert wurde, abgetippt und retour geschickt) nicht der richtige sein. Die Antwort war ja. Zu diesem Zeitpunkt waren wir bereits in Köln, aber immerhin.

Ich hab bisher zwei Mal in meinem Leben Couchsurfing gemacht und glaubt mir, das war bei weitem nicht so nervenaufreibend, als diese Airbnb-Geschichte. Couchsurfing ist noch dazu gratis, für unser Quartier über Airbnb haben wir immerhin knapp EUR 250,- gezahlt. Da hätte ich mir schon etwas mehr Service erwartet.

Wir kamen also um 9:00 in Köln mit dem Nachtzug von Wien an und starteten unsere Sightseeing-Tour. Um 16:00 waren wir vor dem Apartment und gaben den uns bekannten Code ein. Und…….. die Schlüsselbox ging NICHT auf. Zeitgleich begann es zu regnen. Natürlich hab ich sofort versucht, den Gastgeber zu erreichen und drei Mal könnt ihr raten: ich hab ihn natürlich NICHT erreicht. Ich hätte schreien können. Wir haben herum probiert, überlegten schon, die Box aufzubrechen, den Host anzuzeigen oder im Stiegenhaus zu schlafen (ein netter Hausbewohner hat uns die Haustüre offen gelassen, als wir gerade ankamen) und wir klingelten alle mit dem selben Nachnamen wie unser Gastgeber durch – davon gab es nämlich insgesamt 4 (exl. unserem Gastgeber) von insgesamt 9 Hausparteien, leider ohne Erfolg. Mensch kann sich nun also vorstellen, wie „nicht gewerbemäßig“ die Vermietung von Wohnungen in diesem Haus vermutlich passieren…

Nach ca. einer halben bis dreiviertel Stunde versuchte B. noch einmal einen Code bei der Box und siehe da, sie ging auf. Das war unsere Rettung. In der Wohnung erhielt ich den Rückruf vom Gastgeber. Zuerst behauptete er, er hätte mir eh den richtigen Code geschickt. Danach sah er ein, dass es nicht der richtige war und entschuldigte sich für den TIPPFEHLER. Anschließend wollte er meine Feststellung, dass wir nun eine Stunde zu tun hatten, um ins Apartment zu kommen, abstreiten. Er war ja jetzt nur 20 Minuten offline… Ich hätte durch das Telefon durch greifen können!! Denn eines war zusätzlich schade: einen persönlichen Vor-Ort-Kontakt gab es nicht. Damit wirbt Airbnb jedoch. Und dass ich mich mit all meinen Fragen einfach an den Gastgeber wenden kann, der sie mir „gerne“ beantwortet, kann ich nicht bestätigen.

Das Apartment ist mit einem Satz beschrieben: außen hui, innen ziemlich pfui. Das Fenster war offen, als wir hinein kamen, die Jalousien mehr kaputt als in Ordnung, das Licht im Vorzimmer und die Spots im Badezimmer waren kaputt. Es gab im gesamten Apartment merkwürdige und teilweise nicht ungefährliche Verlängerungkabel- und Stromkabelkonstruktionen, die Buchse für den Kabelanschluss und eine Steckdose waren aus der Wand gerissen, der Duschvorhang kreativ befestigt und bei näherer Betrachtung etwas grindig und es war überall furchtbar staubig. Menschen mit Hausstauballergie hätten ihre liebe Not gehabt. Aber: das Warmwasser, die Heizung und das WLan funktionierten und darüber waren wir ob der bisherigen Strapazen überglücklich. Außerdem gab es einen riesigen Flatscreen mit Sky – das braucht mensch im Urlaub ja unbedingt… Und: wir bekamen immerhin € 20,- Rabatt vom Gastgeber angeboten, was wir natürlich annahmen. Unsere Kritik wird deshalb aber nicht weniger kritisch ausfallen.

Kabelkonstruktion

Kabelkonstruktion

Kabelbuchse

Kabelbuchse

Staub, wohin das Auge reicht

Staub, wohin das Auge reicht

Hochbett

Hochbett

Dekosessel

Dekosessel

Und dann noch eine kleine Ironie: am ersten Abend schlenderten wir gut gelaunt zu unserem Apartment und sahen zwei junge Schweizer vor der Tür stehen, dir verzweifelt an den Keyboxen (es gab 2) herum probierten. Wir ahnten böses. Sie meinten, sie hätten die Info erhalten, bei H., 2. OG zu klingeln, um den Schlüssel für eine Wohnung in einer anderen Straße zu bekommen. Dreimal darf geraten werden… es öffnete niemand. Oder der Schlüssel wäre in der Keybox mit der Kette. Immerhin hatten sie den richtigen Code, aber wir bereits den darin enthaltenen Schlüssel. Sie taten mir fast ein wenig leid. Wir haben ihnen für den Notfall die Couch zum Schlafen angeboten, was sie dankend ablehnten. Ich hoffe, sie mussten keine Stunde ausharren, um an den Schlüssel zu kommen.

Unser Fazit: Never ever Airbnb. Wir sind für unseren Geschmack ziemlich eingefahren und für Menschen wie uns, die ihre Reise vorher gern etwas planen und koordinieren, ist dieses Ungewisse bis zum Schluss gar nix. Auch diesen Nervenkitzel „wie komme ich in die Wohnung“ erspar ich mir sehr gerne. Ich möchte das jetzt nicht für alle Airbnb-GastgeberInnen so stehen lassen, denn es gibt bestimmt sehr viele, die das professioneller betreiben, aber wir hatten nun mal Pech. Und ich habe ehrlich gesagt nach diesem Abenteuer nicht so schnell Lust, wieder über Airbnb zu buchen. Wenn ich es tue, dann nur für ein Zimmer, denn wir mutmaßen, dass das Anmieten eines einzelnen Zimmers vermutlich „sauberer“ abläuft als das Anmieten einer ganzen Wohnung. Unser Gastgeber, haben wir anschließend herausgefunden, vermietet insgesamt 8 (!!) Wohnungen. Sauber ist das unserer Meinung nach gar nicht mehr.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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