Die Ausgeburt der Globalisierung

Neulich wurde ich auf ein Foto einer Petersilie auf facebook aufmerksam. Nun denkt mensch sich vielleicht, warum eine Petersilie meine Aufmerksamkeit erregt. Würde sie eigentlich nicht, wäre sie nicht aus KENIA und bei einem Supermarkt der REWE-Group in Österreich entdeckt worden. Das zog natürlich blankes Entsetzen einer kleinen Minderheit nach sich. Wie kann mensch nur Petersilie aus Kenia kaufen? Wie kann ein österreichischer Supermarkt überhaupt Petersilie aus Kenia im Sortiment haben? Die Antwort ist ganz einfach: die Nachfrage bestimmt das Angebot. Und möglich ist das ganze durch das Zauberwort Globalisierung.

Globalisierung – Geschichte

Die Globalisierung, entstanden ist der Begriff bereits in den 1960-er Jahren, hat uns seit den 1990-er Jahren viel Gutes aber auch noch mehr Schlechtes gebracht, meine ich zu behaupten. Wir profitieren zum Beispiel von Lebensmitteln, die in unseren Breitengraden nicht zu finden sind oder die zu bestimmten Jahreszeiten einfach nicht erhältlich wären (wie z. B. die Petersilie). Der Handel generell wurde vereinfacht, somit sind die Dinger auch alle günstig. Unsere Kleidung kommt aus Bangladesh, China, Mauritius und sonst wo her und zwar zu so günstigen Preisen, dass es Menschen wie mir die Haare aufstellt. Und nicht zu vergessen sind die Fortschritte, die das Internet und die gesamte Technik mit sich bringt. Diese entwickeln sich schneller, als ein normalsterblicher Mensch denken kann. Das alles, und noch viel mehr, ist durch die Globalisierung möglich geworden.

Negative Auswirkungen

Zu den negativen Errungenschaften der Globalisierung zähle ich unter anderem die miesen Arbeitsbedingungen in den Produktionsländern, die ungleiche Behandlung der Produktionsländer, die für den globalen Norden die Produkte produzieren, die Spekulationen auf den Finanzmärkten auf Rohstoffe oder Lebensmittel, das Land-Grabbing und die globale Umweltzerstörung, die damit unweigerlich damit einhergeht usw. usf..

Kurz um: Globalisierung durchdringt vor allem die Bereiche Wirtschaft [Kapital- und Warenverkehr (Stichwort Liberalisierung), Mobilität (Personen), Transport und Personenverkehr, Kommunikation und Internet], Politik, Kultur, Sprache und Umwelt.

Mir ist bewusst, dass diese Darstellung sehr verkürzt und auch extrem subjektiv ist und ich noch 1000de Zeichen über das Thema verheizen könnte, jedoch bitte ich dich bei weiterem Interesse zu dem Thema die Bücher und Beiträge von ExpertInnen zu lesen. Die können das viel besser darstellen, als ich. Und zugegeben, ich hatte jetzt auch gerade nicht die Muse, dazu länger zu recherchieren. Weil eigentlich geht es ja um die Petersilie aus Kenia 😉 Für´s schnelle Einlesen empfehle ich den Link zu Wikipedia.

Petersilie aus Kenia. Ein Zeichen der GlobalisierungNun wieder zurück zur Petersilie: Ich tu mir sehr schwer, die Supermärkte dafür zu verteufeln, dass diese Produkte aus weit, weit weg im Sortiment haben. Denn der/die KonsumentIn fragt schließlich danach. Vielmehr haben es die KonsumentInnen in der Hand, diesen Unfug zu beenden. Hört einfach auf, danach in Zeiten zu fragen, wo ganz klar ist, dass in Österreich und näherer Umgebung keine Petersilie mehr wächst. Das gleiche gilt für Birnen aus Südafrika oder Äpfel aus Neuseeland. Auch wenn der Supermarkt in seiner Stellungnahme darauf verweist, dass der ökologische Fußabdruck der Petersilie ein kleinerer ist, als bei einer Petersilie aus Österreich, die aktuell in Glashäusern gezogen werden müsste und sie drauf und dran sind, die Petersilie FAIRTRADE-zertifizierten zu lassen, damit die Bauern und Bäuerinnen in Kenia einen fairen Lohn dafür zu bekommen, halte ich daran fest, lieber auf Petersilie zu verzichten. Ausgenommen natürlich, sie wäre jetzt gesundheitlich total wichtig für mich, dann würde ich auch Kompromisse schließen. Aber ein Gericht kommt locker auch ohne Petersilie aus oder ich nehm einfach tiefgefrorene, weil ich vorgesorgt habe.

Was ich jedoch stark kritisiere, ist die Sichtbarkeit der Herkunftsregionen auf den Produkten selbst. Ich bin mittlerweile darauf trainiert, bei jedem Produkt nach dem Herkunftsland zu suchen und oft denke ich mir dabei „ach hätt ich nur eine Lupe mit“. Ich such so lang, bis ich es entdeckt habe und entscheide danach, ob das Lebensmittel in meinem Einkaufskorb landet, oder nicht. Zum Beispiel: Ich brauche unbedingt Petersilie, die es gerade in Österreich nicht mehr gibt, weil die Saison dafür zu Ende ist. Ist die Petersilie aus Italien, ist das für mich ein vertretbarer Kompromiss. Ist die Petersilie aus eben Kenia oder, wie ich es auch schon einmal gesehen habe, aus Israel, dann ist das ein no go.

Ein bisschen politisch zum Schluss

Zum Schluss möcht ich noch ganz kurz und ein klein wenig politisch werden, denn:

Mittlerweile wird in der EU stark darüber diskutiert, Grenzzäune zu errichten, um Flüchtlinge davon abzuhalten, die „Festung“ zu stürmen. Auch Österreich diskutiert diese Möglichkeit mittlerweile. In diesem Zusammenhang möchte ich auf Josef Zotter´s Blogbeitrag auf Fisch + Fleisch An all die Grenzschließer aufmerksam machen. Ich stimme ihm hier zu: Grenzen zu für Menschen, dann auch Grenzen zu für Produkte und Dienstleistungen aus dem Ausland und dann schaun ma mal.

Und ganz abschließend möchte ich Monika Valla für die Zur-Verfügung-Stellung des Petersilienfotos aus Kenia herzlich danken!!

 

4 Gedanken zu “Die Ausgeburt der Globalisierung

  1. Hallo!

    Du sprichst mir sehr aus dem Herzen, Petersilie aus Kenia muss wirklich nicht sein. Ich ernähre mich seit langem nur noch saisonal regional. Mir geht wirklich nichts ab, im Gegenteil. Seitdem ernähre ich mich in Summe gesehen viel abwechslungsreicher.

    lg
    Maria

    • Botanik
      möchte zur Petersilie ergänzen, dass diese eine zweijährige Pflanze ist – erstes Jahr Aussaat, bildet Wurzel und Blätter – überwintert – zweites Jahr Blüte und Samen. Somit ist es auch in Österreich kein Problem, das ganze Jahr über (auch im Winter) völlig CO2-Neutral (!!) Petersilgrün zu ernten – wenn es der Handel nur wollte …
      Johann M.

  2. zur Botankik von Petersilie:
    P. ist eine zweijährige Pflanze – erstes Jahr Aussaat, Pflanze bildet Wurzel und Blätter – überwintert – zweites Jahr Blüte und Samen. Somit ist es auch in Österreich möglich, das ganze Jahr über (auch im Winter) völlig CO2-neutral Petersilgrün zu ernten – wenn es der Handel nur wollte ….

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