Gruß aus der Hexenküche! Oder: So einfach kannst du Naturkosmetik selber machen

Viele von euch werden, genau so wie, ich die gewonnene Stunde heute durch die Zeitumstellung für Sinnvolles genutzt haben (Faulenzen und nix tun gehört da für mich übrigens auch dazu 😉 ). Ich hab heute den halben Nachmittag in unserer Küche verbracht, um die gestern schief gegangenen Cremes, die ich nach den Rezepten aus dem Buch „Grüne Kosmetik“ von Gabriela Nedoma ausprobiert habe, zu retten. Neulich traf ich mich nämlich mit meiner lieben Freundin S., die auch das Buch hat und sie schwärmte mir vom Lippenbalsam und der Warmen Socken Salbe vor. Die musste ich jetzt, also gestern, natürlich auch probieren. Leider hab ich mich beim Bienenwachs a bissl verschätzt, weshalb ich heute zur Rettungsaktion angetreten bin und das hat mir so getaugt, dass ich gleich noch ein paar mehr Rezepte ausprobiert habe. Welche Erfolgsgeschichten ich zu berichten und mit welchen Herausforderungen ich gekämpft habe, möchte ich dir nun hier mitteilen. Es ist nämlich nicht ganz unspannend, möchte ich mal meinen.

Lippenbalsam

Lippenbalsam

Also: Warme Socken Salbe und Lippenbalsam waren gestern an der Reihe. Der Lippenbalsam besteht aus Öl, Honig und Bienenwachs und sonst nix. Die Warme Socken Salbe beinhaltet Ingwer, Apfel, Öl, Zimt und Bienenwachs. Die genauen Mengenangaben findest du im Buch von Gabriela Nedoma. Liest sich ja recht einfach, dachte ich, und rührte mit Milchschäumer, Sieb, Messbecher, Esslöffel, Teelöffel und Kochtopf bewaffnet munter drauf los. Naja, nachdem ich festgestellt hatte, dass die Anzeige meiner Küchenwaage nicht die genaueste war. Die paar Gramm des benötigten Bienenwachses wurden somit von mir, unter Beihilfe meiner besseren Hälfte, geschätzt. Und ich bin unglaublich schlecht im Schätzen, wie sich danach heraus gestellt hat. Denn natürlich hab ich noch ein bisschen mehr von dem Bienenwachs in den Topf geschmissen, damit es ja nicht zu wenig ist.

Warme Socken Salbe

Warme Socken Salbe

Nun gut, nachdem ich alles mit dem Milchschäumer verquirlet hatte, wurde die Masse in die vorbereiteten Tiegel (ein Honigglas und ein leerer Tiegel meiner Gesichtscreme) abgefüllt. Ich wart total happy, weil es so unglaublich einfach und schnell abgerührt war und war gespannt auf das Ergebnis. Und das war fester als fest. Es war nicht unmöglich Balsam bzw. Salbe raus zu bekommen, jedoch musste ich unglaublich geduldig sein, bis die erstarrte Masse wieder durch die Körperwärme meines Fingers ein wenig zu schmelzen begann. Es war sofort klar, dass da Abhilfe geschaffen werden musste, da wir sonst eine Ewigkeit benötigen würden, die Cremes aufzubrauchen. Und da ja alles Natur pur ist, haben die Produkte nur eine begrenzte Haltbarkeit. Der Lippenbalsam hält ein halbes Jahr, die Warme Socken Salbe 2-3 Monate bei Zimmertemperatur. Also gab es heute, wie schon erwähnt eine Rettungsaktion, die ich mir über Nacht überlegt hatte.

Das zweite Problem, mit dem ich zu tun hatte – das Bienenwachs, das sich natürlich im Kochtopf und auf jedem weiteren Utensil, das ich verwendet hatte, mit einem ganz feinen Film und richtig schön ölig durch das Olivenöl festsetzte – löste ich durch einen Hilferuf auf Facebook. Ich hab es schließlich durch die Kombi, wenn noch heiß mit Küchenpapier austunken, dann auswaschen und anschließend in den Geschirrspüler hinein, gelöst. Der Milchschäumer ist noch ein ungelöstes Problem, aber mal schauen, wie er sich verhält, wenn ich noch weitere „Tinkturen“ mische. Ich hoffe ja darauf, dass er sich immer wieder von selbst reinigt 😉

Meine Rettungsaktion sah folgendermaßen aus: befüllte Tiegel rein ins heiße Wasserbad, bis der Inhalt wieder geschmolzen ist, währenddessen noch einmal die Masse der Cremes (die doppelte bei der Socken Salbe) abrühren, jedoch ohne Bienenwachs, und dann mit der alten Masse noch einmal mit dem Milchschäumer verquirlen. Bei der Warmen Socken Salbe war das kein Problem, das Glas war groß genug. Beim Lippenbalsam musste ein zweiter Tiegel her, denn der erste war bis zum Rand voll. Du kannst dir vorstellen, dass das nicht ganz ohne Kleckern von statten gegangen ist. Aber es war erträglich und ich hab nur die halbe Küche versaut 😉 Schlussendlich war die Rettungsaktion erfolgreich, denn die Cremes sind nun viel leichter aufzutragen. Trotz der Action war ich so dermaßen motiviert, dass ich mich gleich noch über zwei weitere Rezepte drüber traute.

Lippenbalsam, Warme Socken Salbe, Waschlotion, Aloe Vera Gel mit Kokosöl und Aloe Vera Smoothie

Lippenbalsam, Warme Socken Salbe, Waschlotion, Aloe Vera Gel mit Kokosöl und Aloe Vera Smoothie

Das war einmal eine Waschlotion mit Milch, Natron, Maisstärke und Honig und ein Aloe Vera-Smoothie, aus Wasser und Aloe Vera. Ich suchte also weitere Flacons und Flaschen und panschte weiter. Diesmal zusätzlich mit dem Pürierstab ausgestattet, um später fest zu stellen, dass Aloe Vera Gel sich nicht wirklich mit dem Pürierstab bändigen lässt. Gelernt habe ich, dass mensch sich nicht zu 100% auf die Rezepte verlassen sollte, sondern ruhig der eigene Hausverstand eingeschaltet werden darf. Bei der Wachlotion verklumpte nämlich die Maisstärke, da ich sie gleich, wie im Rezept angegeben, mit der kalten Milch zu vermengen versuchte und nicht erst, mit etwas kaltem Wasser vermengt, in die heiße Milch einrührte. Obwohl die Waschlotion jetzt zwar ein bisschen flüssiger ist, ist sie gelungen. Der Smoothie hält 3 Tage bei Zimmertemperatur und 1 Woche im Kühlschrank, die Waschlotion kannst du 1-2 Tage bei Zimmertemperatur und 1 Woche im Kühlschrank aufbewahren.

Aloe Vera Gel und Kokosöl

Aloe Vera Gel und Kokosöl

Und weil wir so unglaublich viele Aloe Vera-Pflanzen seit meinem letzten Neukauf haben, entschloss ich mich zu guter Letzt auch noch, ein Aloe Vera-Gel zu zaubern. Diese Anleitung findet sich nicht im Buch von Gabriela Nedoma, ich hab dafür einfach die Suchmaschine gefragt und dazu kommen unzählige Beiträge. Ich hab mir einige davon angesehen, wurde darauf aufmerksam gemacht, dass es sich um eine schleimige Angelegenheit handelt – und ja, das war sie allemal – und erfuhr, wie ich es länger haltbar machen kann. Außerdem gab es in einem Beitrag den Tipp, Kokosöl dazu zu mischen und weil ich Kokosnussöl liebe, hab ich das jetzt einfach versucht. Wie schon erwähnt, war es eine ziemlich schlatzige Angelegenheit, wie in dem einen Beitrag im Netz angekündigt. Im ersten Moment dachte ich, dass es übertrieben ist, stellte aber dann das Gegenteil fest.

Nachdem ich die Blätter einer ganzen Pflanze abgeschnitten hatte, das Harz (gelblich am abgeschnittenen Blattende) abtropfen ließ, habe ich das Aloe Vera Blatt längs halbiert, danach das Gel mit einem kleinen Löffel heraus gekratzt, in einem Behälter aufgefangen, anschließend mit dem Milchschäumer verquirlet, damit die Gelkammern sich auflösen, mit dem Kokosnussöl und etwas Zitrone für eine längere Haltbarkeit vermengt und abgefüllt. Die Gelkammern der Aloe Vera sind wirklich zäh, denn, wie schon erwähnt, nicht einmal der Püriersab wird über sie Herr. Ich hab mich dann für viel Geduld und den Milchschäumer entschieden. Der war wirklich die beste und auch einzige Investition, die ich für meine Ausstattung getätigt habe. Wenn ich weiter mache, und die Chancen stehen dafür sehr gut, brauch ich unbedingt eine bessere Waage, um auch Kleinstmengen korrekt abwiegen zu können. Trichter in diversen Größen wären auch nicht schlecht und schön langsam gehen mir die Gläser und Tiegel aus. Denn diese brauchen eine geeignete Öffnung, um denn die meisten Gläser haben eine zu enge Öffnung, um recht komfortabel an die Cremes zu kommen. Zum Glück kommt bald das Christkind 😉 [EDIT: Leider stellte ich nach ca. 3 Wochen Schimmel im Glas fest, weshalb eine sehr geringe Menge davon angerührt werden sollte]

Natürlich habe ich alle Produkte für dich getestet. Folgendes Fazit gibt es von mir:

  • Die Warme Socken Salbe ist top. Sie lässt sich nach meiner Rettungsaktion toll auftragen und riecht unglaublich gut. Ob der wärmende Effekt tatsächlich eintritt, werden wir testen, wenn wir die nächsten kalten Zechalan haben.
  • Der Lippenbalsam schmeckt vorzüglich ;), lässt sich toll auftragen und fühlt sich nach der Rettungsaktion auch nicht mehr klebrig auf den Lippen an, sondern macht sie schön weich.
  • Die Waschlotion ist eine tolle Alternative zu Duschgel & Co. Sie riecht zwar ein wenig gewöhnungsbedürftig – nicht jeden Tag schmiert mensch sich Milch und Honig auf die Haut – aber ich wette, nach einigen Anwendungen wird es ganz normal sein. Meine Lotion ist ja ein bisschen zu flüssig, aber sie funktioniert trotzdem. Eine etwas festere Konsistenz ist jedoch bestimmt beim Auftragen behilflich. Die kurze Einwirkzeit, die mensch ihr geben soll, funktioniert nur, wenn im Bad so richtig schön eingeheizt ist, aber nach dem Duschen hinterlässt die Lotion eine wunderbar weiche und wohl riechende Haut.
  • Der geruchlose Aloe Vera Smoothie ist so richtig erfrischend, da er auch direkt aus dem Kühlschrank kommt. Den nächsten werde ich mir voraussichtlich nächsten Sommer wieder machen 😉
  • Das Aloe Vera Gel mit Kokosnussöl ist mein Favorit, obwohl dieses Produkt am umständlichsten herzustellen ist. Ich vermute, dass es bei der flüssigen Konsistenz bleibt. Alle Gelkammern der Aloe Vera konnte ich offensichtlich mit dem Milchschäumer nicht beseitigen, es lässt sich trotzdem hervorragend auftragen. Ich liebe einfach das Kokosnussöl und in Verbindung mit Aloe Vera sag ich meinen Hautunreinheiten den Kampf an. Das funktioniert schon seit mehreren Wochen hervorragend und jetzt hab ich Kokosnussöl und Aloe Vera in einem 😀 Es gibt dabei jedoch eine kleine „Überraschung“: Kokosnussöl wird bei unter 25 Grad Celsius fest. Es setzt sich also oberhalb des Aloe Vera Gels ab und schließt dieses unter sich ein. Ich hab mit dem Finger einfach ein Loch in die Ölschicht gemacht, damit das Gel an die Oberfläche kann.

Nach den ganzen Jubelmeldungen jetzt auch noch ein kurzer Bericht einer totalen Niederlage. Denn wobei ich so richtig gescheitert bin, war das Herstellen von Rosskastanien-Pulver. Es ist ein Inhaltsstoff diverser Kosmetikprodukte bei Nedoma und ich war echt motiviert, eines selbst zu erzeugen, denn es kann auch als Waschmittel verwendet werden. Kastanien wurden von uns gesammelt – das ist übrigens viel lustiger, als Schwammerl zu suchen – dann drei Wochen liegen gelassen, weil ich festgestellt hatte, dass das Schälen und zerstampfen sowas von mühsam ist. Drei Wochen später war es jedoch noch schlimmer. Die bereits halb eingeschrumpelten Kastanien ließen sich mit dem Messer unmöglich aufschneiden und auch der Hammer brachte kaum Abhilfe, da sich die innere, dünne Haut der Schale kaum vom Fruchtfleisch lösen ließ. Als ich dann noch feststellte, dass die Kastanien im Baumwollsackerl so richtig zu schimmeln begonnen hatten, landete der gesamte Inhalt in den Mülleimer. Ich hoffe, dass aus den fünf Stück, die ich schälen und auslösen konnte, zumindest ein Pulver wird. Eine zweite Auflage wird es nicht mehr geben.

Trotz der einen, kleinen Niederlage, sag ich: Kosmetik selber machen macht richtig Spaß! Trotzdem muss es für mich schnell gehen und einfach sein. Ein paar Übungseinheiten bis zum perfekten Produkt braucht es bestimmt noch, ich bin aber guter Dinge, bereits zu Weihnachten meine ersten selbst gemachten Präsente unter die Familie zu bringen (macht euch bereit 😉 ). Meine jahrelange Scheu davor, Kosmetik selbst zu machen, war total unbegründet, denn es ist unglaublich einfach. Ich weiß nun endlich, was alles in meinen Cremes drin ist 😀

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

2 Gedanken zu “Gruß aus der Hexenküche! Oder: So einfach kannst du Naturkosmetik selber machen

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