Ohne Kompromiss?

Immer wieder befinde ich mich selbst in der Situation, Kompromisse schließen zu müssen und das betrifft vor allem die Nachhaltigkeit. Kompromisse findet mensch so gut wie überall, denn nichts und niemand ist perfekt. Mein Aufenthalt auf der Biofarm Cucche und die Kommunikation mit Renata auch noch im Nachhinein, veranlasst mich dazu, dieses Thema aufzugreifen.

Vor einiger Zeit hatte ich die Diskussion, dass es eine Frechheit ist, dass in FAIRTRADE-Produkten nicht immer 100% FAIRTRADE drin steckt. Z. B. die Schokobananen von Casali – Zucker ist nach Mengenausgleich enthalten, die Kakaobohnen und das Bananenmark zur Gänze = 58% FAIRTRADE-Anteil, wenn ich es noch richtig im Kopf hab. Mein Gegenüber meinte damals, ein Kompromiss wäre, dass alle Nicht-FAIRTRADE-Zutaten dann zumindest Bio sein sollten. Schaut mensch sich jedoch Bio-Produkte, wie z. B. Müsliriegel genauer an, dann wird mensch feststellen, dass auch dort der Bioanteil nicht immer 100% beträgt. Das sind Kompromisse in dieser Branche.

JedeR muss Kompromisse schließen…

Auch Renata von der Biofarm hat mir berichtet, welche Kompromisse sie eingehen musste, nachdem sie voller Idealismus mit dem Vermieten der Gästezimmer begonnen hatte. Es sind ganz simple Dinge: Verwende ich Papier- oder Stoffservietten? Welchen Anbieter wähle ich für das Tafelwasser? Verwende ich weiterhin Glasschüsseln für die Nachspeise, wenn ständig etwas zu Bruch geht? Stelle ich die selbst gemachte Marmelade offen auf den Tisch und riskiere damit Beschwerden der Gäste, dass dies unhygienisch sei? (Detail am Rande: dieses Glas „teilen“ sich nur jene Personen, die gemeinsam an diesem Tisch frühstücken – also jeder Tisch hat sein eigenes Glas). Welche Alternativen gibt es beim Wäschwaschen? Diese sind für einen Hotelbetrieb äußerst spärlich. Sie hat zumindest eine Wäscherei gefunden, die mit hohen Temperaturen wäscht, um Waschmittel zu sparen, das Waschmittel abbaubar ist und möglichst wenig Chlor verwendet. Ganz kommt sie jedoch um´s Chlor nicht drum herum. Das sind ihre Kompromisse.

…auch ich

Und meine? Wenn ich ehrlich bin, mach ich noch immer ganz viele. Denn ich lebe einerseits sehr bewusst und möglichst nachhaltig, aber ich möchte mich und vor allem mein Umfeld nicht allzu sehr unter Druck setzen.

Mobilität

Beginnen wir mal bei der Mobilität: Wäre ich ganz streng, würde ich kein einziges Mal mit dem Motorrad mitfahren. Da Motorradfahren aber schon sehr toll sein kann, brauch ich euch nach meinen Urlaubsberichten nicht mehr sagen. Ich fahre auch gelegentlich mit einem Auto mit. Selbst besitze ich keines und fahre fast alle privaten Strecken in Wien mit den Öffis. Und zugegeben, hier lüge ich mich selbst ein wenig an, denn als Haushalt haben wir ein Auto. Der Deal zwischen meinem Freund und mir schaut so aus, weil ich der Meinung bin, dass wir keines brauchen: er kümmert sich um das Auto und übernimmt die dafür anfallenden Kosten zur Gänze.

Urlaube machen wir eben entweder mit dem Motorrad oder wir fahren mit dem Zug. Für meinen Freund ist das ein Kompromiss, denn nicht selten rechnet er mir vor, dass mit dem Auto zu fahren günstiger wäre, als mit dem Zug – und das, obwohl wir beide eine Vorteilscard haben. Und ich bin ihm dankbar dafür, dass er diesen Kompromiss eingeht, obwohl es nicht so einfach ist, wenn die Kostenrechnung dazwischen kommt. DANKE, mein Schatz!!!!

Lebensmittel

Beim Essen: Kompromisse schieße ich hier vor allem, wenn wir zu Besuch bei unseren Eltern sind. Mittlerweile wissen sie, dass ich Fleisch nur mehr in besonderen Ausnahmefällen esse, akzeptiert haben sie es noch nicht – wird aber auch noch werden. Bioprodukte finden gelegentlich den Weg in ihren Kühlschrank, aber nicht immer. Und das ist mein erster Kompromiss. Ich esse, ohne nachzufragen, woher das Gemüse, Obst etc. kommt. Das stünde mir auch nicht zu und würde die Stimmung enorm vergiften. Zu Hause in Wien ist unser Kühlschrank zu mind. 80% mit Bioprodukten gefüllt. Ausnahmen mache ich bei Produkten, die es regional, aber nicht in Bioqualität aus der Region gibt. Und natürlich, wenn wir auswärts Essen gehen.

Manchmal verschlägt es uns in ein Lokal, das nachhaltige Produkte verwendet, aber nicht immer. Und haben wir Lust auf Sushi, dann essen wir eben mal Sushi. Nicht jeden Tag, aber gelegentlich und dann sehr gern. Dann ist es so, dass wir versuchen, es zu vermeiden, in einem Supermarkt einzukaufen. Funktioniert auch nicht immer, denn es ist schon praktisch, wenn wir schnell etwas brauchen. Wir versuchen unsere Lebensmittel über den (Bio)Markt, den Bioladen oder bald – und darauf freu ich mich schon sehr – über die FoodCoop zu besorgen. Auch hier muss mensch ziemlich alle Augen wegen der Preisunterschiede zudrücken. Und auch hier möchte ich ein großes DANKE an meine bessere Hälfte aussprechen!!

Kosmetik

Weniger Kompromisse gibt es bei der Kosmetik. Ich gebe auch zu, dass ich hier nicht viel verwende. Zahnpasta, Seife, Shampoo, Lippenbalsam und Gesichtscreme gehören zu meiner Grundausstattung. Die Bodylotion habe ich seit meinem Urlaub ignoriert, weil ich testen möchte, ob das eigene Nachfetten der Haut so funktioniert, wie ich es mir vorstelle. Und vor kurzem habe ich Kokusnussöl als Wunderwaffe für die Körperpflege entdeckt. Sie löst die Bodylotion sowieso und auch die Gesichtscreme ab. Auch den Lippenbalsam könnte sie ablösen, da hab ich aber noch einen tollen Olivenöl-Propolis-Lipstick von einem Bio-Imker, der aufgebraucht werden will.

Kleidung

Schwierig wird es bei der Kleidung, wenn Schuhe und Accessoires (von denen ich auch nicht viele besitze) mit einbezogen werden. Denn nicht alles gibt es fair oder/und öko produziert. Und manches gäbe es, ist jedoch in meinem Budget nicht enthalten. Ich spreche hier nicht vom T-Shirt um EUR 9,90 sondern bei mir endet bei einem T-Shirt z. B. die Schmerzgrenze bei EUR 50,-. Da bekommt mensch schon so einiges, aber nicht alles. Als persönliche Challenge habe ich mir vorgenommen, meinen Kleiderschrank auf komplett fair gehandelte und nachhaltig produzierte Bekleidung umzustellen. Bei Unterhöschen, Socken, Kleidern, Röcken, Hosen und T-Shirts bin ich schon ganz gut unterwegs. Pullis und BHs sind meine nächste Herausforderung.

Ein weiterer, großer Bereich ist der Haushalt an sich. Putzmittel, Waschmittel, Putzlappen, Geschirrspülmittel, Insektenschutzmittel etc. sind eine Herausforderung. Bei Insektenschutzmittel sind uns (zum Glück) aufgrund unserer Katzen die Hände gebunden. Der Kompromiss lautet hier: entweder, wir schaffen es, die Viecher mit natürlichen Mitteln zu bekämpfen oder sie müssen entsorgt werden. Chemisches Zeug kommt nicht in unsere Wohnung. Beim Rest versuchen wir so nachhaltige Produkte wie möglich zu verwenden.

Ressourcen

Zum Abschluss komm ich noch zum Thema Energie bzw. Wasserverbrauch. Hier haben wir uns zum Ziel gesetzt, so wenig wie möglich zu verbrauchen. Ich hab noch immer den Faible, dass ich, jedes Mal, wenn ich im Keller bin, den Stromverbrauch aller Wohnungen unserer Stiege mit unserem zu vergleichen. Wir liegen nach wie vor auf Platz 2 nach Verbrauch aufsteigend. Und darauf bin ich extrem stolz. Denn wir haben natürlich auch einen Flatscreen-Fernseher, wir haben einen Geschirrspüler und wir haben eine Waschmaschine. Aber, wir haben bei der Anschaffung unserer Küchengeräte auf einen niedrigen Stromverbrauch geachtet und wo möglich, hängen die Geräte an Steckerleisten, damit wir sie ganz einfach vom Strom nehmen können, wenn sie nicht in Betrieb sind.

Bei Wasser sind wir auch sehr sparsam, zählen uns aber nicht zu jenen, die – keine Ahnung – Regenwasser auffangen, um damit die Klospülung  zu ersetzen. Was wir schon tun: während dem Zähneputzen oder Rasieren wird das Wasser abgedreht, das restliche Trinkwasser unserer Katzen wird für die Blumen verwendet und auch beim Geschirrabwaschen achten wir darauf, dass das Wasser nicht minutenlang fließt, ohne gebraucht zu werden. Da werd ich immer ganz narrisch, wenn ich in der Steiermark daheim bin, denn Bruderherz und Papa hab ich schon mehrmals den Wasserhahn abgedreht, weil es literweise ungenutzt den Abfluss runter geronnen ist :p

Zusammenfassend möchte ich zu all dem sagen: ohne Kompromisse geht es nicht, jede/r muss für sich selbst seine/ihre Kompromisse finden und generell gilt bei allem: WENIGER IST MEHR! Mit diesem Ansatz können wir alle dazu beitragen, dass die Welt ein wenig besser wird, ohne auf etwas verzichten zu müssen. Probier es einfach mal aus, du wirst sehen, dass die neuen Verhaltensweisen sehr schnell zur Gewohnheit werden.

Und abschließend würde mich interessieren, was deine Kompromisse sind? Oder kommst du ohne Kompromisse aus? Ich freu mich auf dein Kommentar!

 

4 Gedanken zu “Ohne Kompromiss?

  1. Kompromisse gibt es einige bei mir:
    In ein paar Tagen mache ich eine Flugreise (ironischerweise ein Projekt, das sich mit Nachhaltigkeit beschäftigt), esse öfter Tierprodukte, als ich es eigentlich gerne würde und kaufe gelegentlich Kleidung bei großen Ketten.

    Es ist, wie es ist, ich sehe Nachhaltigkeit eher als eine Richtung an, perfekt geht nicht, aber das Streben in die richtige Richtung zählt… 🙂

    • So ist es 😀 Ich finde es, ehrlich gesagt, sogar heuchlerisch von jenen Menschen, die meinen, dass es im Nachhaltigkeitsbereich keine Kompromisse geben darf. So als würden sie selbst keine schließen. Natürlich muss mensch darauf achten, ob es auch bei Firmen z.B. bloß um Green Washing oder CSR handelt, aber auch kleine Bemühungen gehören gewürdigt, unter der Voraussetzung, dass sie ernst gemeint bzw. ehrlich und glaubwürdig sind. Lg

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