Buchtipp: Befreiung vom Überfluss

Neben „Verändere die Welt!“ von Jean Zielger habe ich ein zweites Buch von einem zweiten sehr schlauen Mann gelesen. Dabei handelt es sich um „Befreiung vom Überfluss. Auf dem Weg in die Postwachstumsökonomie“ von Niko Paech, einer der wohl bekanntesten Wachstumskritiker. Das Buch hat stolze 150 Seiten Text inkl. einer Seite Grafik, mit der das Konzept der Postwachstumsökonomie verbildlicht wird.

Gliederung „Befreiung vom Überfluss“

Paech hantelt sich durch folgende Kapitel, jedes für sich ist spannend:

Einleitung: Wohlstandsdämmerung – Aussicht auf mehr Glück?

  1. Über seine Verhältnisse leben – ein vermeintliches Menschenrecht
  2. Fortschritt als Illusion – Wohlstand durch Plünderung
  3. Freiheit als Illusion – neue Abhängigkeiten
  4. Mythos Entkopplung – die Mär vom „grünen Wachstum“
  5. Genug ist nie genug – Wachsstumszwänge und Wachstumstreiber
  6. Weniger ist mehr – Umrisse einer Postwachstumsökonomie

Fazit: Wir haben (noch) die Wahl!

Die Person Niko Paech

Das Buch soll laut Paech den Abschied „von einem Wohlstandsmodell erleichtern, das aufgrund seiner chronischen Wachstumsabhängigkeit unrettbar geworden ist.“ (Paech (2014, 7. Auflage: 7) Es ist ein äußerst interessanter Ansatz und ich habe ihn schon einmal live erlebt: ein sehr charismatischer, äußerst netter Mensch, der von Berlin nach Wien aus Prinzip mit dem Zug fährt, weil er das vorlebt, was er predigt.

Lesbarkeit

Nun ist es mit dem Buch jedoch so, dass mensch merkt, dass es von einem Uniprof geschrieben wurde. Ich tat mir stellenweise ziemlich schwer, seinen Argumenten im Detail zu folgen, weil doch häufig Fremdwörter und Fachausdrücke vorkommen. ABER: das Wesentliche ist auch bei mir hängen geblieben 😀

Postwachstumsökonomie – Was ist das?

Was ist nun diese Postwachstumsökonomie? – ich hab die Grafik abgetippselt, weil dort die wesentlichen Dinge super zusammengefasst sind

Nico Paech schlägt vor, eine 40 Stunden-Arbeitswoche in 20 Stunden monetären Bereich, also Erwerbsarbeit, und 20 Stunden für den entkommerzialisierten Bereich, also Subsitenz oder Ehrenamt, auszuschlüsseln. In den monetären Bereich fallen die Regionale Ökonomie (de-globalisierte Wertschöpfungsketten, Regionales Komplementärwährungen, Community Supported Agriculture (CSA) )und die globale Arbeitsteilung (Stoffliche Nullsummenspiele: Umgestaltung statt Neuproduktion, Effiziente und konsistente Technologien, Physische und kulturell dauerhaftes Produktdesign, Reparabilität und Modularität, Konversion, Renovation, Re-Building, Re-Manufacturing, Ressourcengewinnung durch Entsiegelung und Rückbau). Der entkommerzialisierte Bereich umfasst einerseits die Suffizienz (Entrümpelung: Wohlstandsballast abwerfen, Entschleunigte Lebensstile: Zeitsouveränität gewinnen, Reizüberflutung vermeiden) und andererseits die Subsistenz (Eigenproduktion – z. B. Nahrung, Handwerk, Erziehung, Nutzungsdauerverlängerung: Instandhaltung/Reparatur, Nutzungsintensivierung: Gemeinscahftsnutzung, Leistungstausch in sozialen Netzen, Gemeinnützige Arbeit/Ehrenamt).

Ich versuche bereits einige Punkte einer Postwachstumsökonomie zu leben. Das betrifft vor allem die Bereiche der Entschleunigung und der Entrümpelung, sowie die Unterstützung der CSA und sowieso der Unterstützung regionaler Ökonomien. Das ist ganz einfach zu machen, wenn mensch nur möchte. Und mensch muss sich immer wieder einer Reflexion aussetzen, denn einfach ist anders. Aber es ist es wert!

So, und zum Schluss noch einige Zitate, die ich mir für dich raus gesucht habe:

[…] Per se nachhaltige Technologien und Objekte sind schlicht undenkbar. Allein Lebensstile können nachhaltig sein. (S. 99)

Wer in materieller Optionenvielfalt zu versinken droht, verzichtet nicht durch Reduktion, sondern befreit sich von Überflüssigen. Sich klug jener Last zu entledigen, die viel Zeit kostet, aber nur minimalen Nutzen stiftet, führt im Übrigen zu mehr Unabhängigkeit vom volatilen Marktgeschehen, von Geld und Erwerbsarbeit. Die Kunst der Reduktion bedeutet auch Angstfreiheit. Denn wer weniger benötigt, ist auch weniger angreifbar. (S. 130)

[…] Demnach würde aufgeklärtes Glück voraussetzen, nicht nur zu genießen, sondern dabei mit sich selbst im Reinen zu sein. (S. 149)

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

3 Gedanken zu “Buchtipp: Befreiung vom Überfluss

    • *chch* ja, das war eine Veranstaltung von meinem vorigen Arbeitgeber. Die Hütte war voll und wir hatten allerhand zu tun, die Leute alle unter zu bringen. Der Saal hat 400 Personen gefasst. War ein super Zeichen, dass das Thema den Menschen unter den Nägeln brennt. Leider musste ich dort eben arbeiten (war im EG, um die Leute in den zweiten Saal mit Videoübertragung zu lotsen) und hab von der Diskussion nicht viel mitbekommen.

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