ich mach es anders

Freier Dienstvertrag im Bioladen geht gar nich

Vor kurzem bin ich auf ein Thema gestoßen, dass mich wütend, aber zugleich traurig macht. Es nimmt mir meine Illusion vom „anders“ tun. Ich habe nämlich erfahren, dass das freie DienstnehmerInnenverhältnis in Bioläden offenbar Gang und Gäbe ist. Und das passt für mich nicht zum Gesamtkonzept eines Bioladens. Warum?

Weil der/die Dienstnehmer/in wesentlich schlechter gestellt ist, als in einem Angestelltenverhältnis. Die Arbeiterkammer gibt folgende Infos dazu:

Merkmale

  • geringe oder keine persönliche Abhängigkeit
  • Freie Dienstnehmer können sich in der Regel vertreten lassen
  • sie sind nicht in die Organisation des Betriebes eingegliedert
  • sie können eigene Arbeitsmittel verwenden
  • sie übernehmen keine Erfolgsgarantie
  • sie werden normalerweise nach Stunden bezahlt

Unterschied zum echten Arbeitsverhältnis

  • Beim freien Dienstvertrag gibt es keine oder nur eine sehr geringe „persönliche Abhängigkeit“ (keine Bindung an Arbeitszeit, an Weisungen etc).
  • Das Arbeitsrecht und seine Schutzbestimmungen (5 Wochen bezahlten Mindesturlaub, Entgeltfortzahlung bei Krankheit usw.) gelten für Sie nicht.
  • Es gibt keinen Mindestlohntarif, Kollektivvertrag etc., auf den Sie sich berufen können, wenn Ihnen die Bezahlung zu gering erscheint.
  • Sie müssen Ihr Einkommen selbst versteuern.

Für mich ist ein Job im Bioladen – also Verkauf – eindeutig ein echtes Dienstverhältnis. Warum?

Es gibt fixe Arbeitszeiten, es gibt für die Branche einen Kollektivvertrag, mensch benötigt keine eigenen Arbeitsmittel, Vertretung ist schwierig, da die Vertretung den „Hausbrauch“ kennen muss, um eine effiziente Aushilfe zu sein. Für die Läden ist die Variante des freien Dienstvertrags natürlich toll: kein Urlaubsanspruch, Bezahlung unter Kollektivvertrag ist möglich und keine Entgeltfortzahlung bei Krankheit. Einfach toll, so billige Arbeitskräfte.

Wie schon erwähnt, für mich passt das nicht zum Konzept eines Bioladens. Ja, die Läden müssen auch wirtschaftlich überleben können, sind im System „gefangen“, aber das rechtfertigt noch lange nicht die Umgehung eines echten Arbeitsverhältnisses. Idealistisch wie ich bin, wäre meine Wunschvorstellung, dass vor allem solche Läden, ein bisschen über Kollektivvertrag zahlen und den Angestellten noch weitere Goodys zukommen lassen. Ein Positivbeispiel dafür ist das Mein Müli in Linz. Im September werde ich dem Laden von Elisabeth Krainz-Blum einen Besuch abstatten und ich freu mich echt schon riesig drauf.

Sie motiviert ihre Mitarbeiterinnen (ja, es sind alles Frauen), indem sie

  1. 5% über Kollektiv bezahlt, denn der Handelskollektiv ist an sich schon nicht besonders, wie sie selbst sagt
  2. Arbeitskleidung zur Verfügung stellt
  3. die Jahreskarte für die Öffis zur Verfügung stellt
  4. ihre Damen jährlich mit neuen Arbeitsschuhen ausstattet
  5. 20% Einkaufsrabatt gewährt
  6. Betriebsausflüge mit Übernachtung organisiert
  7. Mittagessen und gratis Kaffee zur Verfügung steht
  8. und ihre Damen zu allerhand Festivitäten einlädt

Wenn du dir die Website anschaust, spürst du richtig, dass es ein wundervolles Team ist, mit viel Spaß und Motivation bei der Sache. Das Business ist hart, keine Frage. Aber das Mein Müli zeigt, wie es anders gehen kann. Und zum Schluss noch ein Zitat von Elisabeth: „meine Müli Damen sind das Fundament meines Ladens da wir ein echtes Fachgeschäft sind“.

Und genau das ist meine Idealvorstellung von einem Bioladen. Nachhaltige Produkte und fairer, somit nachhaltiger Umgang mit MitarbeiterInnen. Ich plädiere deshalb an alle Bioläden und Unternehmen, die vor allem in nachhaltigen Bereichen tätig sind: Macht es wie Elisabeth – seid authentisch! Täuscht nicht eure KundInnen! DANKE!

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebookseite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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