ich mach es anders

Anders landwirtschaften – Bauer sucht Crowd

Heute war auf ORF 2 im Rahmen von Erlebnis Österreich das Thema Bauer sucht Crowd am Programm. Mit viel Interesse habe ich den Beitrag verfolgt und war entzückt davon, dass es bereits so viele LandwirtInnen  gibt, die es anders tun. Leider oft mit dem Hintergrund, dass sie anders nicht überleben könnten und die Landwirtschaft, wie so viele andere auch – 2.300 sind es jährlich – aufgeben müssten. Es zeigt jedoch ganz gut, dass ein anderes Wirtschaften notwendig wird, es nicht mehr so weitergehen kann wie bisher und die Menschen das auch, schön langsam aber sicher, nicht mehr akzeptieren. Es entstehen immer mehr Alternativen zum üblichen System und ich hoffe, ich werde den Crash des neoliberalen Ungetüms noch miterleben. Aber nun zum eigentlichen Thema.

Bei dem „Phänomen“ Solidarische Landwirtschaft gibt es offenbar wieder einmal ein Ost-West-Gefälle – es gibt mehr von diesen Initiativen im Osten Österreichs. Wenn ich die Grafik in der Eile richtig gelesen habe, gibt es in Tirol keine und in Salzburg, Kärnten und Vorarlberg jeweils eine Form der Solidarischen Landwirtschaft/CSA (Community Supported Agriculture).

Was ist CSA jetzt genau?

Es ist eine neue bzw. wiederentdeckte Form des Landwirtschaftens, welche ErzeugerInnen und Verbraucherinnen wieder näher zusammenbringt. Die VerbraucherInnen bezahlen Ernteanteile, wofür sie geerntetes Obst und Gemüse oder aber auch Milch- und Fleischprodukte, Eier und was es sonst noch so alles auf Bauernhöfen so gibt, erhalten. Oft passiert dies nach dem fair-use-Prinzip oder die Produkte stehen in Kisteln zur Abholung in einem Lager bereit. Es gibt unterschiedliche Formen der Mitgliedschaft, des Erwerbs der Produkte, der Verteilung von Produkten und Einhebung der Beiträge. (Am besten, du informierst dich auf der Webseite Ernährungssouveränität, darüber, wo es bereits Betriebe gibt, die eine Art des CSA (Community Supported Agriculture) verfolgen.) Damit haben die LandwirtInnen endlich wieder die Möglichkeit, von den Marktpreisen unabhängiger zu werden, zu überleben und die kleine und nachhaltige Form der Landwirtschaft zu betreiben.

GELA – Gemeinsam Landwirtschaften

Neben CSA (Gemeinschaftlich getragene Landwirtschaft, dt. Übersetzung) und Solidarischer Landwirtschaft taucht auch noch der Begriff GELA- gemeinsam landwirtschaften auf. Dabei handelt es sich um ähnliche Konzepte mit unterschiedlichen Namen. Die Konzepte haben aber natürlich einen – logischen – Haken: gibt es Ernteausfälle, gibt es keine Produkte. Das macht aber das Landwirtschaften für alle, LandiwrtIn und VerbraucherIn, erlebbar. Die Menschen freuen sich gemeinsam, wenn die Ernte großzügig ausfällt und leiden mit dem Bauer/der Bäuerin mit, wenn es keine Ernte z. B. aufgrund der Witterungsbedingungen oder Schädlingsbefall gibt. Dem gegenüber stehen jedoch zahlreiche Vorteile: wöchentlich frische (Bio)Produkte direkt vom Hof, nachhaltige Produktionsweisen werden unterstützt, Gemeinschaft wird gelebt (auf den meisten Höfen ist nämlich Mithelfen erwünscht), Unabhängigkeit vom Markt wird ermöglich – sowohl für die LandwirtInnen als auch die VerbraucherInnen, Mischkultur lässt den Boden leben und, und, und. Und die Umwelt dankt es uns!

SoLaWi – Solidarisch Landwirtschaften

Besonders gefreut hat mich die Erwähnung des Hofes der Familie Zehrfuchs aus Kroisbach, einem Ort, der ca. 15 km von meinem Heimatort in der Steiermark entfernt liegt. Seit mittlerweile drei Jahren betreiben sie Solidarische Landwirtschaft und ich hab bis heute nichts davon mit bekommen. Ich bin schon gespannt, wer in meinem Verwandten- und Bekanntenkreis davor schon davon gehört hat. Ich befürchte, die positiven Rückmeldungen werden sich in Grenzen halten. Wie auch immer… Ihre Geschichte bzw. Werdegang hat mir besonders gut gefallen: weg von der Hendelzucht, hin zur Solidarischen Biolandwirtschaft. Um am Markt bestehen bleiben zu können, mussten sie sich zwischen Expandieren, Aufhören oder etwas anderes tun, entscheiden. Sie haben sich für Variante 3 entschieden und ich hoffe, dass sie mit dieser Entscheidung tatsächlich „endlich wieder Landwirt_in“ sein können und glücklich bleiben. Dass sie es sind, hat der heutige Beitrag gezeigt 😉

Im Bezirk Hartberg-Fürstenfeld gibt es noch einen zweiten Hof, der sich der Solidarischen Landwirtschaft verschrieben hat – der SoLaKo Demeter-Hof Edler & Oswald Hof. Der darf in diesem Zusammenhang natürlich nicht unerwähnt bleiben.

Für uns ist es am einfachsten, die Produkte über einen Markt zu beziehen, deshalb auch unten das Foto unserer „Ausbeute“ vom BioMarkt Lange Gasse. Erst heute hatten wir auch wieder eine Diskussion über den Preis von Tomaten – 1 Euro für 250 Gramm. Ja, das ist teuer. Aber es sind Biotomaten, direkt vom Bauern/von der Bäuerin, die durch diesen fairen Preis nachhaltig produzieren und überleben kann.

Wer sich von euch noch weiter zu diesem Thema informieren möchte, hier noch ein paar weiterführende Links: Solidarische Landwirtschaft in Österreich, Biohof Mogg, Kleine Farm

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Biomarkt

Ausbeute Biomarktbesuch 18.10.2014

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