Sardgna – WE LOVE YOU! – ausgenommen die Costa Smeralda

So, die Costa Smerlada auf Sardinien bekommt von mir ein „Autsch“ und das hat seine Gründe. Nach unserem kurzen Zwischenstopp am Hafen von Olbia, um uns die Tickets für die Fähre in zwei Tagen zu besorgen, beschlossen wir, der Costa Smeralda unsere letzten zwei Tage zu schenken. Wir sollten es bereuen…

An diesem Tag war es sehr heiß und wir waren schon einige Stunden unterwegs – auch dementsprechend schon müde. Wir suchten auf gut Glück eine Unterkunft. Am ersten Ziel rund um den Porto Cervo winkten uns die 4Sterne S-Hotels entgegen und ich wusste, dass wir hier nicht fündig werden würden. Am nächsten Ziel, auch noch rund um den Porto Cervo, entdeckten wir ein einziges Hotel – das Hotel Romazzino. Schaut euch dazu bitte die Bilder im Netz dazu an und lasst das auf euch wirken. Es ist ein Schloss im Nirgendwo – wirklich imposant, wenn mensch dran vorbei fährt, aber irgendwie auch unrealistisch. Ein Zimmer kostet pro Tag dort rund EUR 1.000,-, der Helilandeplatz ist gleich gegenüber, am offenen Meer leuchteten die Yachten entgegen und unsere fahrenden KollegInnen bevorzugten den Jeep in allen Varianten. Und mittendrin die zwei Ösis mit dem Motorrad…

Schnell stellten wir fest, dass wir uns in einer anderen Welt befanden. Wie im vorherigen Beitrag ausgeführt, hatten wir schlussendlich Glück mit dem Hotel Il Timone. Von einer sardischen Familie geführt, preislich und auch menschlich schwerst in Ordnung. Der Besitzer Alessandro erzählte uns ein wenig über die Geschichte der Costa Smeralda und mir blieb vor lauter Entsetzen dabei der Mund offen stehen…

AutschSeit den späten 1960-er Jahren werden die Ländereien rund ums Meer aufgekauft. Für die SardInnen, die traditionell ViehzüchterInnen waren, hatte dieses Land keinen Wert. Somit wurde es billigst an ausländische InvestorInnen verkauft, die sich nun ein goldenes Näschen verdienen. Hotelanlagen und Häfen wurden gebaut, soweit das Auge reicht. Laut Wikipedia gibt es strenge Auflagen, die die Höhe der Hotels sowie das unterirdische Verlegen der Stromleitungen vorschreiben. Ebenfalls müssen sich Neubauten in das Landschaftsbild einfügen. Alessandro hat davon diesbezüglich nur erwähnt, dass mensch erst seit kurzem 300 Meter Abstand zur Küste einhalten muss, wenn neu gebaut wird.

Die SardInnen verließen nach und nach die Region und überließen sie ItalienerInnen, SpanierInnen und nun immer mehr RussInnen und AraberInnen. Mittlerweile leben nur noch ca. 5 % der Einheimischen dort und sie werden immer weniger. Wo noch möglich wird gebaut – am liebsten Häfen, um noch mehr Yachten in die Region zu bringen. Die SardInnen sehen diese Entwicklung einerseits als Fluch, andererseits aber auch als Segen, da damit Geld ins Land kommt. Welch ökologische und vor allem kulturelle Auswirkungen diese Entwicklungen jedoch haben, möchte ich mir gar nicht ausmalen. Alessandro selbst meinte, er verkauft sein Hotel, wenn ihm genug dafür geboten wird. Ich finde es sehr schade, kann es aber verstehen. Was Alessandro uns mit seiner Erzählung genau sagen wollte, erlebten wir am nächsten Tag, als wir einen Strand suchten.

Fußvolk, so wie du und ich, ist in dieser Region nicht erwünscht und wird auch gezielt fern gehalten. Die Parkplätze, die vorhanden sind, sind gebührenpflichtig (bis zu EUR 1,50/Stunde), somit kehren alle um, die nicht über ein gewisses Einkommen pro Monat verfügen. Öffentlich zugängliche Strände? Fehlanzeige. Wir haben eine Stunde lang danach vergeblich gesucht, da das Il Timone den riesen Nachteil hat, dass es über keinen Strandzugang verfügt und  es dort auch keinen einladenden Strand gibt. Also fuhren wir die Gegend ab und gaben nach einer Stunde schlussendlich beim Golfo Marinella auf. ALLE Parkplätze, die wir entdeckten, waren in Privatbesitz. Wir scheiterten also schon daran, dass wir nirgendwo unser Fahrzeug abstellen konnten, ohne Angst haben zu müssen, dass es abgeschleppt wird oder wir einen Strafzettel bekommen. Weiters haben wir den Verdacht (mit Vorbehalt natürlich), dass sich so gut wie alle Strände ebenfalls in Privatbesitz befinden. Wir waren auch nicht bereit, ewig nach einem öffentlich verfügbaren Plätzchen zu suchen. Also beschlossen wir, etwas außerhalb am Golfo Aranci uns an den Strand zu schmeißen. War nett, aber nicht das, was wir uns erwartet hatten. Denn dort ist das Wasser so seicht, dass mensch nur darin spazieren gehen kann. Für Kinder ist die Gegend perfekt – sie stellten dort im Laufe des Tages auch das Hauptklientel. Positiv hervorgehoben werden muss die Wasserqualität. Denn obwohl es so seicht war, konnte mensch an jeder Stelle bis zum Grund sehen.

Sardinien Golf Aranci

Sardinien Golf Aranci

Wir lernten also an den letzten Tagen unserer Reise auch noch die uns unsympathische Seite Sardiniens kennen. Aber hätten wir diese Gegend nicht gesehen, würden wir nicht wissen, dass wir sie bei unserem nächsten Besuch meiden werden.

It´s easy being green – Just do it!

PS: Über dein Like auf der Facebook-Seite „ich mach es anders“ freu ich mich!

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